WildStar MMO-Ausblick 2015: Comeback oder Totalabsturz?

Erst hatten sie kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu. Wie kaum ein anderes Spiel ist WildStar im Sommer des letzten Jahres mit guten Erwartungen, vielen Versprechungen, einem motivierten Entwicklerteam und jeder Menge „positiver Energie“ an den Start gegangen. Und wie bei kaum einem anderen Spiel wurde das Kartenhaus schneller umgepustet, als überhaupt jemand Zeit hatte, um dafür Luft zu holen.

Was wird aus der einstigen MMO-Hoffnung in der Zukunft? Hat das Spiel überhaupt noch eine Zukunft? Wir wagen einen Blick auf das kommende Jahr und spinnen die Ereignisse etwas weiter…

Aktuelle Situation: Leer, leerer, Megaserver

Es sollte die ganz große Rettungsaktion werden: Nachdem viele Fans das Spiel fallen ließen und in Scharen wieder zurück nach World of Warcraft oder das neu erschienene Archeage flohen, waren die anfangs so gut besuchten Server regelrecht verlassen. Wenn doch mal jemand online war, dann war der meistens auf seinem Grundstück unterwegs. Thayd und Illium, die beiden Hauptknotenpunkte der Welt, glichen Geisterstädten.

Megaserver mussten her, um die verbliebenen Spieler zu binden und ihnen schnell wieder das Gefühl einer bevölkerten Welt zu vermitteln.

WildStar Ausblick 2015

Kurz darauf kam auch der große Inhaltspatch, der so ziemlich allen Bugs im Spiel den Garaus machte. Doch wirklich retten konnten diese Maßnahmen WildStar nicht aus der scheinbar endlosen Abwärtsspirale, in der sich das Spiel befand (und auch heute noch befindet).

Zwar trifft man in den Städten nun regelmäßiger andere Spieler und auch im Rest der Spielwelt können diese einem über den Weg laufen, aber dann sprechen sie oft englisch oder französisch. Was für viele kein Problem sein mag, ist für andere nur ein weiteres K.O-Kriterium geworden, wollten sie doch nicht den „Kauderwelsch“ anderer Sprachen verstehen lernen, nur um ein Spiel zu spielen. Äußerst bedauerlich, hätte es doch der ganz große Renner auf dem MMO-Markt 2014 sein können.

Frage: Wo ist Platz für WildStar?

WildStar Pfade

WildStar hat es (leider, leider) nicht geschafft langfristig die Spielermassen an sich zu binden und jetzt, wo die Aufmerksamkeit einmal abgeflacht ist, wird sie so schnell wohl auch nicht zurückkehren. Für die Entwickler bleibt nur noch die Gelegenheit, sich ganz schnell für eine Nische zu entscheiden, die WildStar einnehmen will. Gute Ansätze gibt es dort, besitzt das Spiel doch das wohl umfangreichste Housingsystem und ein recht aktiongeladenes Kampfsystem, das vor allem in hitzigen PvP-Gefechten sein volles Potenzial entfaltet.

Die entscheidende Frage ist, ob die Entwickler es schaffen eines von zwei Szenarien zu erfüllen: Entweder die hochgelobten Aspekte weiter auszubauen und dem Spiel damit einen Nischenplatz zu geben, oder aber massentauglich zu werden und damit von jeder Art der Spielerschaft ein paar Leute zu gewinnen. Das könnte gelingen – aber auch ungeheuer scheitern. Die neuesten Pläne Carbines weisen daraufhin, dass man das Spiel eher weiter ausbauen und für möglichst viele Spieler-Typen attraktiv machen möchte. Es folgen ein paar Gedankenspiele dazu.

Schlechtester Fall: Free2Play, Totalabsturz, Friedhof

WildStar 2015

Am besten du springst einfach runter…

Im schlimmsten Fall wird wohl die Umstellung auf ein reines Free2Play-Modell anstehen. Dieser Schritt würde auf jeden Fall neue Spieler generieren, denn was kostenlos ist, lockt immer ein paar Experimentierfreudige an. Gleichzeitig würde es einige Mitglieder der stark dezimierten Kernspielerschaft verprellen, ist die Umstellung auf ein kostenloses Modell doch in vielen Köpfen das Einschlagen des ersten Sargnagels.

WildStar HandelGleichzeitig geht damit natürlich die Einführung eines Itemshops einher, und ob die Spieler bereit sind, dafür Geld auszugeben steht noch einmal auf einem ganz anderen Blatt. Sollten sie es nicht sein, wird man möglichst schnell an der Attraktivität dieses Shops arbeiten müssen, was entweder dazu führt, dass „Kostenlos“-Spieler stark in ihrem Spielspaß beschnitten werden, oder aber die Kaufoptionen so mächtig werden, dass die „Pay2Win“-Anklage auf dem Fuße folgt.

Doch ganz gleich, welche der beiden Optionen eintreten würde, der Planet Nexus würde sich damit wohl nur ein oder zwei Jahre lang über Wasser halten können – denn gerade die Glanzleistungen des Spiels (Housing, Kampfsystem) werden immer häufiger kopiert und in andere Welten übertragen. Damit wäre es nur eine Frage der Zeit, bis diese Spielerschaft weiterzieht und damit ihrem einstigen Hoffnungsträger einen Platz auf dem großen Friedhof der „gescheiterten WoW-Killer“ beschert.

Bester Fall: Addon, Aufmerksamkeit, MMO-Himmel

WildStar

Der Blick geht nach oben zum MMO-Himmel – es geht wieder aufwärts!

Aber verteufeln wir nicht alles, wenn es doch noch Hoffnung gibt. WildStar ist nach wie vor ein grandioses Spiel und muss es nur schaffen, genug Aufmerksamkeit zu generieren. Das wird nicht durch ein paar „Schau mal rein“-Wochenenden gelingen, sondern benötigt irgendeinen großen Kracher als Aufhänger.

Was zum Beispiel immer zieht, ist die Veröffentlichung eines neuen Addons. Das ist auf die aktuelle wirtschaftliche Lage von Carbine gemünzt natürlich utopisch, doch wäre es für viele „Weggegangene“ ein triftiger Grund, sich ein weiteres Mal auf den Planeten Nexus einzulassen, der doch inzwischen deutlich bugfreier und spaßiger ist, als er es noch zu Releasezeiten war.

Gerade im Bereich des E-Sports hätte WildStar viele Möglichkeiten, um auch neben dem Housing ein weiteres Alleinstellungsmerkmal hervortreten zu lassen. Das spielt sich nämlich deutlich taktischer, hektischer und durch das Telegrafensystem auch viel skilllastiger, als bei manchen Konkurrenten (auch wenn das nun Flames hageln wird). Ein zündender Funke, der Aufmerksamkeit generiert, könnte die große Rettung sein – nur wer ist bereit, noch einmal so viel zu riskieren?WildStar PvP

Was wahrscheinlich passieren wird: Wenig.

Am wahrscheinlichsten ist natürlich, dass keines der beiden oben genannten Szenarien in dieser Form eintrifft und wie (fast immer) wird WildStar einen Mittelweg gehen. Selbst die aktuellen Prognosen der Investoren lassen für dieses Jahr keine Steigerung mehr vermuten, stattdessen werden die erzielten Einnahmen noch weiter sinken. Das ist natürlich keine offizielle Stellungnahme von NCSoft, aber doch immerhin ein Indiz. Es lässt bereits darauf schließen, dass man dem Spiel entweder ein weiteres Jahr „Reifezeit“ geben wird, oder aber es schon abgeschrieben hat und dem Studio etwas freiere Hand lässt, um den „Karren aus dem Dreck“ zu holen oder direkt gegen die Wand zu fahren.

Eine weitere, recht naheliegende Möglichkeit ist ein Hybrid-Modell nach dem Vorbild von SWTOR oder Tera – hier kann bezahlt werden, wenn man „mehr“ vom Spiel haben will, das Grundpaket ist aber für jeden zugänglich. Denkbar wären hier Restriktionen im Bereich von PvP, Instanzen, Housing und Charakterslots, die man als Abonnent umgehen könnte. Dass ein solches Modell gelingen kann, hat die Vergangenheit des Öfteren gezeigt – doch ist es auch das Richtige für Carbine?

WildStar Free2Play

Wäre ein Hybridmodell für WildStar das richtige Geschäftsmodell?

Möglicherweise hat man sich aber auch damit abgefunden, an welcher Stelle WildStar angelangt ist und lässt es einfach nach dem aktuellen Modell weiterlaufen, rechnet man scheinbar damit, dass die noch verbliebenen Spieler treu sind und weiter bleiben werden.

Und genau das ist für mich auch die wahrscheinlichste Lösung, die am wenigsten Kosten verursacht: Wir belassen alles beim Alten und machen so weiter, wie bisher. Damit erzielt man keine großen Sprünge mehr, aber auch eine Abwärtsspirale muss irgendwann einmal ihren Boden erreichen – und dann kann es sich nur noch in eine Richtung bewegen. Nach oben. Vielleicht nicht mehr so hoch hinaus, wie einst propagiert, aber zumindest auf einem Level mit vergleichbaren Spielen.

Oder wie seht Ihr das?

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