Mit den neusten Modellen hat Games Workshop zum ersten Mal weibliche Adepta Custodes für Warhammer 40.000 vorgestellt. Was Fans schon seit fast 2 Jahren beschäftigt, sorgt nun für hitzige Diskussionen. MeinMMO-Redakteur und Warhammer-Experte Benedict Grothaus meint: die Custodes selbst sind gar nicht das Problem, sondern wie sie eingeführt wurden.
Seit Freitag gibt es in der Community ein großes Thema: die neuen weiblichen Custodes in Warhammer 40.000. Mit der Neujahrs-Vorschau vom Freitag, den 16. Januar, hat Games Workshop zum ersten offiziell Mal Custodes-Minis mit weiblichen Köpfen gezeigt.
Als Fan des Hobbys, der Welt und der Minis finde ich die neuen Modelle richtig gut. Allein die detaillierten Bolter-Speere (Hallo?!) haben mich FAST überzeugt, meine geliebten Soros eine Weile zur Seite zu legen. Was jedoch die Lore-Seite angeht, muss ich den anderen Fans zustimmen, die sich gerade aufregen.
Falls ihr nicht wisst, was genau das heißt: die Adeptus Custodes sind die Elite-Wache des Imperators der Menschheit und die einzigen Soldaten im Imperium, die – abgesehen von Primarchen – noch mächtiger sind als Space Marines. Sie dienen als Leibwache am Goldenen Thron und sind nur dem Imperator selbst unterstellt.
Genau wie die Astartes sind sie genetisch veränderte, gezüchtete Übermenschen mit fast gottgleichen Superkräften. Und genau wie die Astartes, die nur aus Männern bestehen, sind auch die Custodes eine rein männliche Einheit. Dachte man zumindest bisher.
2024 hat Games Workshop dann schließlich behauptet, es habe schon immer weibliche Custodes gegeben, obwohl man sie bis dahin nie gesehen hatte. Es gibt sogar einen neuen, offiziellen Post dazu (auf Warhammer Community). Manche Fans fühlten sich von dieser Änderung regelrecht für dumm verkauft. Die ganze Sache ist aber etwas verzwickter.
Sorgen weibliche Custodes für weniger Fokus auf den etablierten Power-Frauen?
Die starke Kritik kommt von einem eher kleinen Teil der Community, während der größere Teil sich über den Aufschrei lustig macht, Memes postet oder einfach nur sachlich diskutiert. Daraus setzt sich aber insgesamt eine große Diskussion zusammen.
Aber worüber regen sich die Leute eigentlich konkret auf? Auch, wenn die Diskussion gerne von außen darauf heruntergebrochen wird, dass sich Männer
angegriffen fühlen, ist das eine sehr einseitige Betrachtung. Denn das ist nicht der Fall, zumindest nicht zum größten Teil.
Wie bereits in den Kommentaren hier auf MeinMMO zu sehen, aber auch in vielen Kommentaren auf Reddit, heizt das Thema die Gemüter vor allem von Lore-Fans auf. Von Leser Neni etwa heißt es:
Ich finde die neuen Custodes-Modelle toll (bis auf die Beine, die mir zu plump aussehen). Lore-technisch aber eine Katastrophe, nach fast 50 Jahren etablierter Lore die weiblichen Custodes einzuführen und zu behaupten, sie seien ja schon immer da gewesen. Warum die etablierten Sisters of Silence nicht aufgebaut werden, ist mir ein Rätsel.
Neni auf MeinMMO
Zur Erklärung: In Warhammer gibt es zu jeder rein männlichen Einheit einen rein weiblichen Gegenpart mit eigenen Regeln und eigener Lore:
- Die weiblichen Supersoldaten sind die Adepta Sororitas, die ähnliche Kräfte haben wie die Space Marines, aber ohne genetische Veränderung auskommen. Sie kämpfen mit der Macht des Glaubens.
- Frauen, die auf einer Stufe mit den Custodes stehen, sind – in der Theorie – die Assassinen der „Sisters of Silence.“ Die sind „natürlich“ mutiert, nicht genetisch verändert, und zwar keine so martialischen Kämpfer wie Custodes, haben aber ebenso nur ein spezifisches Einsatzgebiet. Beide Truppen sind nicht dazu gedacht, großflächig in Kriegen eingesetzt zu werden.
Viele Spieler greifen aber realistisch schlicht zu den mächtigsten Einheiten des Spiels. Werden diese Modelle beliebter, werden mehr von ihnen produziert und bereits in der Vergangenheit kam es vor, dass unbeliebte Armeen beschnitten wurden. Games Workshop hat dann Modelle eingestellt, wenn sie sich nicht ausreichend verkauft haben. Die Angst einiger Spieler, etwas zu verlieren, basiert also auf Erfahrung.

Absolute Freiheit ist nicht immer das, wonach man streben sollte
Nun ließe sich argumentieren, dass man so die Freiheit der Auswahl hat. Das mag auch zutreffen, allerdings war es schon zuvor kein Problem, seine Armeen nach eigenen Wünschen anzupassen und ist oft genug passiert. Man sehe sich etwa die grell pinken Space Marines an, die sich großer Beliebtheit erfreuen.
Grenzen sorgen jedoch für Charakter und fördern sogar Kreativität. Wenn ich in meiner Auswahl beschränkt bin, muss ich mir mehr Gedanken darüber machen, wie ich trotzdem erreiche, was ich will. Persönlich sehe ich Grenzen gerne nicht als Restriktionen, sondern als Leitfaden für Möglichkeiten.
Dazu kommt, dass Warhammer 40.000 eine dystopische Welt voller krasser Extreme und extremer Gegensätze ist. Es gibt keine „Guten“, überall herrscht Krieg, das Imperium ist eine militärische Autokratie. Dass es hier Grenzen gibt, gehört schlicht zum Narrativ.
Kein direkter Lore-Bruch, aber…
Ein großer Teil der Lore von Warhammer ist absichtlich schwammig gehalten. Games Workshop hält sich gerne bedeckt und gibt keine konkreten Infos raus, viel „Wissen“ stammt aus der Welt und basiert auf dem aktuellen Forschungsstand des Imperiums.
Die Lore ist damit flexibler, einige „Retcons“, also nachträgliche Veränderungen der Vergangenheit, lassen sich mit neuen Erkenntnissen in der Welt erklären. Bei den Custodes ist das aber anders abgelaufen:
- In den frühen Regelwerken ist die Rede davon, dass die Rekruten der Custodes aus den „Söhnen der Adelshäuser“ ausgewählt werden.
- Games Workshop hat dann aber schlicht behauptet, dass niemals irgendwo die Rede davon war, dass Frauen keine Custodes werden können.
Beides ist korrekt. Nur, weil ein imperialer Text sagt, dass Söhne ausgewählt werden, heißt das nicht, dass nur Männer ausgebildet werden und selbst wenn, steht dort nicht, dass es bei Frauen nicht möglich wäre. Der konkrete Wortlaut ist hier wichtig.
Man weiß jedoch von den Astartes, dass Frauen den Prozess zur Erschaffung nicht überleben würden. Da die Custodes vergleichbare Supersoldaten sind, liegt nahe, dass das Gleiche hier zutrifft – genau das macht Games Workshop auch im neuen Blogpost klar. Das Problem ist, dass sich die Macher davor nie dazu geäußert haben.

Die nebensächliche Erwähnung nimmt einer großen Änderung den Effekt
Retcons kamen in der Geschichte von Warhammer schon oft vor und haben einige der coolsten Armeen überhaupt erst ermöglicht – Necrons zum Beispiel, die zur 5. Edition massiv verändert wurden. Ursprünglich waren sie gedankenlose Sklaven der C’tan, ihrer (jetzt) gestürzten Götter. Heute sind sie die möglicherweise mächtigste Spezies in der Galaxie.
Wenn solche nachträglichen Änderungen mit coolen Lore-Begründungen kommen, sind sie auch nur selten ein Problem. Genau das hat Games Workshop bei den weiblichen Custodes aber völlig verpasst und damit den Spielern einen potenziell coolen Moment gestohlen.
Dass Frauen zu Supersoldaten werden können, ist nicht ausgeschlossen. Forschung steht bei Warhammer 40.000 zwar offiziell so gut wie still, aber gerade das Adeptus Mechanicus arbeitet immer wieder an neuen Möglichkeiten in allen Bereichen.
Coole Modelle und tolle Möglichkeiten gehen in der Diskussion unter
Hätte nun einfach einer der hohen Magi des Mechanicus oder ein Apothecarius der Astartes eine Möglichkeit gefunden, Frauen in Supersoldaten zu verwandeln, hätte das völlig neue Wege eröffnet und hätte mit Büchern und Kodizes begleitet werden können. So ist die ganze Sache einfach nur ein ernüchternder Nebensatz, weibliche Custodes eine Fußnote irgendwo in imperialen Aufschrieben.
Schade ist das vor allem deswegen, weil die Modelle wirklich gut aussehen. Ich habe sogar auf Reddit häufiger gelesen, dass einige Fans ihre aktuellen Custodes verkaufen wollen, um sich die neuen anzuschaffen, weil die einfach mehr Details haben.
Der ganze Ärger um die neuen Modelle ist möglicherweise weniger ein Aufstand der Nerds, sondern mehr ein Ausdruck von Frustration und Enttäuschung – und das, wie ich finde, durchaus zurecht. Games Workshop hätte hier deutlich mehr rausholen können mit weniger Ärger und einem großen Event. Solche Situationen kommen aber leider immer wieder vor, zuletzt mit dem Terminus Decree: Games Workshop lüftet offiziell eines der größten Geheimnisse aus Warhammer 40.000 und besiegelt ein grausames Schicksal für den Imperator
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Ich verstehe nicht wie man sich darüber aufregen kann, wer welches Geschlecht hat. Wo ist jetzt das große Problem. Dann gibts halt weibliche custodes. Es herrscht ja permanenter Krieg,da würde ich es schon für sinnvoll erachten, wenn man auch versucht, Frauen genetisch zu verändern und zu Supersoldaten ausbildet.
Nach dieser schwammigen Logik von GW müssten dann wohl auch männliche Sisters of Silence/Adepta Sororitas existieren oder nicht?
Schließlich gibt es auch männliche Unberührbare (vermutlich die hälfte derer) und auch fanatischer, imperialer Glaube ist ja nicht nur einem Geschlecht vorbehalten. Sollte GW die jemals einführen, muss dann aber hinsichtlich der Namesgebung mehr Erklärung geliefert werden als nur “das gab es eigentlich schon immer”.
Mehr von da Umies un Schnabelz!? Habn wa mehr Ziel Übungän für da Boyz! Geh, sach den Jungs, imma zieln oder auch nich, egal- Wichtich is nur, imma in da Richtung wo da Menschnz da stehn und dann druff, immer druff schießn mit allem auch mit Groots!!!
-irgend ein Ork
Meine 40k Welt Gedanken dazu- einfach mehr zum abknallen. So simpel kann das Leben als Ork sein. Tjaja.
Jetzt gibts in dieser nicht 40k Welt Diskussionen, die ich auch teilweise nach vollziehen kann. Insgesamt ist es mir allerdings egal und die Erklärungen von GW sind plausibel. Für mich passt es. Ja GW hätte mehr daraus machen können, haben sie aber nicht. Thema erledigt, zumindest für mich.