Ich liebe meinen Ultrawide-Monitor seit 6 Monaten, aber empfehlen würde ich ihn trotzdem nicht jedem Gamer

Die Wahl des richtigen Monitors ist für Gamer eine größere Entscheidung, als man zuerst denkt. Ultrawide-Monitore werden erschwinglicher, sehen beeindruckend aus und versprechen mehr Übersicht beim Spielen. Aber wie gut funktioniert das breite Format im Gaming-Alltag wirklich? MeinMMO-Tech-Autor Julian Schröder liebt seinen Ultrawide-Bildschirm, allerdings mit Einschränkungen.

Seit circa 6 Monaten schmückt ein 45-Zoll-Ultrawide-Monitor meinen Schreibtisch. Ich habe mich für einen LG 45GX950A entschieden, ein gigantisches OLED-Monster. Der Bildschirm hat eine starke 800R-Krümmung. Das bedeutet: Er ist deutlich gebogen und soll dadurch für mehr Immersion sorgen.

Seitdem habe ich viele tolle Stunden mit dem Bildschirm verbracht – ich habe gearbeitet, Videospiele gespielt und Filme geschaut. Alles waren großartige Erlebnisse, doch trotzdem würde ich so einen Monitor nicht jedem Gamer empfehlen.

Was ist ein Ultrawide-Monitor eigentlich? Ein Ultrawide-Monitor ist im Grunde ein Bildschirm, der deutlich breiter ist als ein klassischer Monitor im 16:9-Format. Statt des üblichen Seitenverhältnisses setzen viele Modelle auf 21:9, besonders extreme Varianten sogar auf 32:9. Dadurch bekommt ihr links und rechts spürbar mehr Bildfläche, ohne direkt zwei einzelne Monitore nebeneinanderstellen zu müssen.

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Die erste Zeit mit einem Ultrawide-Monitor

Nachdem ich den Monitor auspackte und aufstellte, war ich erstmal begeistert von Größe und gleichzeitig schockiert von der starken Krümmung des Displays. „Den muss ich zurückschicken“, war mein erster panischer Gedanke. Doch ich gab dem Riesen eine Chance, stellte ihn auf und es dauerte keine Stunde, bis ich absolut begeistert war.

Schnell gewöhnte ich mich an die riesige Fläche und hohe Auflösung von 5120 x 2160 Pixeln. Und auch die starke Krümmung nahm ich nach weniger als einem Tag gar nicht mehr wahr. Sie fühlt sich mittlerweile natürlich an und flache Monitore irritieren mich mittlerweile sogar.

Plötzlich hatte ich Platz. Und zwar richtig viel.

Gefühlt ersetzt der Monitor auf dem Schreibtisch zwei kleinere Bildschirme nebeneinander – nur ohne den störenden Rahmen in der Mitte. Multitasking ist also gar kein Problem und macht sogar richtig Spaß.

Doch auch Zocken ist oft himmlisch, besonders bei ausgewählten Spielen. So habe ich in den vergangenen Wochen rund 150 Stunden in eine Partie Anno 1800 gesteckt. Noch nie hatte ich so viel Überblick über meine Inseln, Produktionsketten und Schiffsrouten. Gerade bei Anno fühlt sich Ultrawide nicht wie ein Gimmick an, sondern wie eine natürliche Erweiterung des Spiels.

Anno 1800 auf einem Ultrawide-Monitor.
So viel Übersicht bietet Anno 1800 auf einem Ultrawide-Monitor.

Doch auch Rennspiele sind ein Traum. Mein Monitor hat schon viele Stunden Forza Horizon 5 gesehen und wird alsbald auch Teil 6 kennenlernen – ich freue mich schon mächtig darauf, besonders auf die Cockpit-Ansicht, die auf einem Ultrawide besonders cool aussieht.

MeinMMO-Redakteur Dariusz hat Forza Horizon 6 schon über 40 Stunden gezockt. Was er zu dem neusten Teil der Reihe sagt, könnt ihr hier nachlesen:

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Bei Shootern bringt mir Ultrawide weniger, als ich gedacht hätte

Schmeißt man einen modernen Shooter wie Counter-Strike 2 an, merkt man, dass Ultrawide nicht immer nur Vorteile mit sich bringt. Es sieht breiter aus, klar, aber das macht es nicht automatisch besser. Bei Shootern liegt der Fokus oft in der Bildschirmmitte. Mehr Sichtfeld links und rechts kann sogar ablenken. Zum Beispiel erfordert das Schauen auf die Minimap bei einem so großen Bildschirm jetzt eine zusätzliche Kopfbewegung und entfernt damit den Fokus weg von der Bildmitte.

Außerdem unterstützt längst nicht jeder kompetitive Shooter das Ultrawide-Format. So empfiehlt beispielsweise Valorant sogar das 16:9-Format und die angebotene Ultrawide-Auflösung streckt das Bild einfach, sodass runde Objekte oval und Inhalte an den Rändern gestreckt werden. Das soll dafür sorgen, dass der Shooter fair bleibt und niemand einen Vorteil durch ein größeres Sichtfeld hat. Andere Shooter machen das ähnlich oder stellen teilweise schwarze Balken links und rechts dar.

Ein breiteres Sichtfeld kann angenehm sein, aber aus meiner Erfahrung ist das kein magischer Vorteil. In vielen Shootern starre ich trotzdem auf die Mitte des Bildes.

In Anno fühlt sich Ultrawide wie „mehr Spiel“ an. In Shootern fühlt es sich oft wie „mehr Rand“ an.

Rennspiele wie Forza Horizon sehen besonders beeindruckend aus.

Mehr Bildfläche bedeutet auch: mehr Arbeit für euren PC

Ultrawide sieht fantastisch aus, benötigt jedoch richtig viel Rechenpower. Mehr Bildfläche bedeutet nicht nur mehr Aussicht, sondern auch mehr Pixel, die eure Grafikkarte berechnen muss.

Viele Ultrawide-Monitore laufen mit 3440 × 1440 Pixeln, mein Modell sogar mit 5120 × 2160 Pixeln, also 5K2K. Das wirkt im Spiel gestochen scharf und herrlich breit — bis man auf die FPS schaut. Die Grafikkarte hat richtig was zu tun.

Hohe Details, hohe Bildraten und hohe Hz-Zahlen sind auf einem Ultrawide kein Selbstläufer, sondern Luxus. Das Format sieht edel aus, aber frisst Leistung. Wer schon bei normalem 1440p um stabile FPS kämpft, sollte sich gut überlegen, ob er seinem PC wirklich noch mehr Bildfläche aufbürdet.

Ultrawide-Support ist besser geworden, aber noch immer nicht selbstverständlich

Ultrawide-Monitore gibt es zwar schon seit Jahren, zur Norm gehören sie aber noch lange nicht. Viele moderne Spiele unterstützen das breite Format inzwischen ordentlich, doch verlassen kann man sich darauf nicht. Und selbst wenn ein Spiel Ultrawide grundsätzlich anbietet, bedeutet das nicht, dass wirklich alles sauber darauf ausgelegt ist.

Das habe ich zuletzt wieder bei Hogwarts Legacy gemerkt. Das eigentliche Gameplay sieht auf 21:9 großartig aus, doch sobald eine Cutscene startet, fällt das Bild plötzlich zurück ins klassische 16:9-Format. Links und rechts erscheinen dicke schwarze Balken. Das ist kein Weltuntergang, aber es bricht spürbar mit der Immersion.

Genau deshalb verstehe ich jeden, der bei neuen Spielen sofort nach Ultrawide-Support fragt. Wer solch einen Monitor besitzt, will ihn auch ausnutzen. Das vergangene halbe Jahr hat mir aber gezeigt:

Ultrawide-Support auf dem Papier reicht nicht. Ein Spiel muss dieses Format auch wirklich sauber nutzen.

Für manche Gamer ist Ultrawide großartig, für andere unnötiger Luxus

Grundsätzlich würde ich Ultrawide-Monitore nicht jedem empfehlen. Ob ihr ein tolles Spielerlebnis habt oder nicht, hängt im Endeffekt stark von euren Spielen und eurem System ab.

Hier eine kurze Übersicht, wem ich einen Ultrawide empfehlen würde, und wem ich eher davon abrate:

Pro
  • Fans von Aufbauspielen wie Anno, Cities: Skylines und ähnlichen Titeln
  • Simulations- und Rennspiel-Fans
  • Leute, die auch viel am PC arbeiten
  • Nutzer mit starker Grafikkarte
Contra
  • Reine Shooter-Spieler
  • E-Sport-orientierte Gamer
  • Leute mit schwächerem PC
  • Spieler, die maximale FPS über Bildbreite stellen
  • Nutzer mit wenig Platz auf dem Schreibtisch

ich will meinen Ultrawide-Monitor nach 6 Monaten jedenfalls nicht mehr hergeben. Dafür liebe ich das Format zu sehr – besonders bei Spielen wie Anno, beim Arbeiten und beim allgemeinen Gefühl, vor so einer riesigen Bildfläche zu sitzen, die einem alle Möglichkeiten bietet. Doch als Gaming-Empfehlung bleibt es kompliziert.

Bei Strategie- und Aufbau-Spielen sowie MMOs und Simulationen kann das Format richtig toll sein. Bei Shootern ist der Vorteil für mich deutlich kleiner, als viele glauben. Und die zusätzliche Rechenleistung muss man sich erst einmal leisten können.

Ultrawide ist kein Monitor, den jeder Gamer braucht. Es ist ein Luxusformat für bestimmte Spielertypen.

Wie sieht das bei euch aus? Habt ihr auch einen Ultrawide-Monitor? Wenn ja, welche Spiele profitieren am meisten von dem Format? Erzählt es uns doch gerne in den Kommentaren.

Und wenn ihr wissen wollt, was eine richtig gute Methode ist, um eure eigenen Steam-Spiele mit guter Qualität ins Wohnzimmer zu streamen, dann schaut doch gerne mal hier rein: Mit einem kleinen Gerät spiele ich meine Steam-Games bequem auf dem Sofa, ohne mir einen klobigen Gaming-PC ins Wohnzimmer zu stellen

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