Milliarden-Projekt der Energiewende liefert zu wenig Strom, Forscher stellen Rettungsplan vor, um Stilllegung zu verhindern

Ivanpah Solaranalge

2014 feierten Politiker und Tech-Konzerne die gigantische Solaranlage Ivanpah als Zukunft der Energiewende. Nur wenige Jahre später wird ein Teil des Milliardenprojekts stillgelegt – Forschende geben nun neue Ansätze, die Stilllegung zu verhindern.

Um welches Solarprojekt geht es? Das Ivanpah Solar Electric Generating System in Kalifornien gehörte lange zu den bekanntesten Solarprojekten der Welt. Mit Hunderttausenden Spiegeln mitten in der Mojave-Wüste sollte die Anlage beweisen, dass Solarenergie auch im großen Stil funktioniert. (gry-online)

Beim Sonnenwärmekraftwerk bündeln die Heliostaten mit je zwei Spiegeln das Sonnenlicht auf die Solartürme. Entwickelt wurde das Projekt vom israelischen Solarkraftwerk-Spezialisten BrightSource Energy gemeinsam mit dem amerikanischen Unternehmen Bechtel Corporation. (Bechtel)

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Ende 2025 teilte der Co-Eigentümer NRG Energy bereits mit, dass der Anlage wohl im Frühjahr diesen Jahres stückweise der Stecker gezogen werde. (Focus)

Neue Forschung ordnet den Fall Ivanpah nun neu ein: Eine 2026 veröffentlichte Analyse in der Fachzeitschrift npj Thermal Science and Engineering erklärt, Ivanpah habe zwar die langfristige Wirtschaftlichkeit verfehlt, aber wichtige Erkenntnisse für spätere Solarthermie-Projekte geliefert.

Aus nach nur 10 Jahren?

Warum steht Ivanpah überhaupt vor dem Aus? Ebenso wie NRG Energy, wollte PG&E (der größte Energieversorger der Vereinigten Staaten) die Verträge für Ivanpah Unit 1 und Unit 3 vorzeitig beenden, da die Unkosten und der Stromertrag in keinem wirtschaftlichen Verhältnis standen.

Diese Verträge sollten ursprünglich bis 2039 laufen, Kunden hätten ab 2026 keinen Strom mehr aus diesen Blöcken erhalten. (PG&E) Die regionalen Energieversorger beziehen den erzeugten Strom also nun nur noch teilweise anstatt, wie ursprünglich geplant, vollumfänglich bis 2039. (Focus)

Ein neuer Ansatz

Der zentrale Punkt: Ivanpah wurde von klassischer Photovoltaik überholt. Laut der Analyse lagen die Kosten für Solarstrom aus Photovoltaik 2010 noch bei über 30 Cent pro Kilowattstunde. Ivanpahs Stromabnahmevertrag wurde mit knapp 20 Cent pro Kilowattstunde eingeordnet. 2024 lagen große Photovoltaik-Projekte im Schnitt aber nur noch bei etwa 6 Cent pro Kilowattstunde. (Nature)

Damit wurde aus einem damals besonderen Prestigeprojekt ein teurer Vertrag in einem Markt, der sich rasant verändert hat.

Die Forschenden glauben aber nicht, dass Ivanpah endgültig verloren ist. Stattdessen schlagen sie eine Technik vor, die das Kraftwerk grundlegend verändern könnte: gigantische Salzspeicher. Da diese Technologie bereits erprobt ist, würde eine entsprechende Erweiterung des Kraftwerks Ivanpah kein unbekanntes System erfordern.

Derzeit ist die Anlage ausschließlich in der Lage, Wasserdampf und damit elektrischen Strom zu produzieren. Außerdem ist sie sehr von Wetterbedingungen und Tageszeiten abhängig. (Nature)

Solche Speicher nehmen die tagsüber erzeugte Wärme auf und geben sie nachts wieder ab, um die Turbinen kontinuierlich zu betreiben. Laut den Berechnungen der Forschenden würde diese Modernisierung die Wirtschaftlichkeit um etwa 30 % steigern und das Rentabilitätsproblem damit theoretisch lösen. (gry-online & GS Tech)

Ob der Entwurf der Machbarkeitsanalyse seitens der Unternehmen tatsächlich evaluiert und umgesetzt wird, steht dabei noch aus. Auch in Deutschland werden immer wieder neuartige Formen und Ansätze zur zeitgemäßen Energiegewinnung ausprobiert. Unzählige Solarpaneele auf einem Fleck sind aktuell in Bayern auf Seen platziert worden: Deutschland setzt auf eine neue Idee bei der Energiewende: Photovoltaik-Anlagen, die auf dem Wasser schwimmen.

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