The Elder Scrolls Online: EU-Support aus Indien?

Beim Fantasy-MMORPG The Elder Scrolls Online gibt es eine unübersichtliche Situation. Hat Zenimax das europäische Support-Zentrum in Irland geschlossen?

Letzte Woche berichtete eine irische Lokalzeitung aus Galway: Das EU-Supportzentrum für The Elder Scrolls Online ist geschlossen, da arbeitet keiner mehr, 300 Leute wurden entlassen.

Zenimax meldete sich zu Wort, sagte:

der Beitrag in der Connacht Tribune und alle darauf basierenden Artikel sind leider enttäuschend ungenau. Wir haben die Personaldecke im Kundendienstzentrum in Galway Mitte August entsprechend den geänderten Anforderungen nach dem Launch um etwa 50 Personen gesenkt. Das ist eine normale Vorgehensweise. Wir haben sorgsam mit dem IDA und den seit dem Sommer betroffenen Angestellten zusammengearbeitet.

Das war an sich schon eine rätselhafte Entwicklung, weil eine Lokalzeitung vor Ort ja wissen müsste, ob da jeden Tag 300 Leute zur Arbeit gehen oder nicht. Und wenn die berichten „Da arbeitet keiner mehr“, wirkte es schon ziemlich seltsam, wenn das eine „Ente“ wäre.

TESO-Millionär

in 2014 ging es in Irland rauf und runter

Und in der Tat, an der Sache scheint mehr dran zu sein: Das Magazin „Develop“ zitiert eine anonyme Quelle, einen ehemaligen Mitarbeiter, der den Bericht der Lokalzeitung unterstreicht.
Das Büro in Galway sei in 2014 mit 600 Mitarbeitern eröffnet worden. Einige der auf Zeit beschäftigten Mitarbeiter habe man später entlassen, als „sich die Dinge“ beruhigten.

Ursprünglich sollte Irland alle Sprachen (auch Englisch) abdecken. Eine Schwester-Niederlassung in den USA sich ausschließlich um englisch-sprachige Kunden kümmern. Galway wurde in 2014 noch erweitert, Teams dort kamen anderen Aufgaben nach, kümmerten sich auch ums Publishen von Wolfenstein oder The Evil Within, Titel von Bethesda.

In 2015 nur noch runter – EU-Support aus Indien?

TESO-Fishermans-Friend

Aber als man feststellte, sagt die Quelle, dass The Elder Scrolls Online unter den Erwartungen bliebe, wurde noch in 2014 zahlreiche Mitarbeiter entlassen (darüber wurde auch berichtet). In 2015 wurde klar, dass noch mehr Leute entlassen werden mussten. Im September 2015 fasste man den Entschluss, die Niederlassung ganz zu schließen. Der Support für alle Sprachen außer Englisch sollte nach Indien ausgelagert werden. Englisch sprechende Europäer sollten an das US-Büro verwiesen werden.

Hatte man Anfang 2015 noch 300 Mitarbeiter in Galway, seien es jetzt weniger als 10. Die letzten übernähmen noch Aufgaben in der Lokalisierung oder bei der IT.

Ex-Mitarbeiter bestätigen Geschichte

Crown-Scroll-TESO

Auch in einem reddit-Thread, wo man über das Thema diskutiert, hat sich ein ehemaliger Angestellter von Zenimax gemeldet. Dessen Identität wurde von den Moderatoren dort überprüft. Und dieser Ex-Mitarbeiter bestätigt die Version der Geschichte, die auch Develop erzählt.

Der Ex-Mitarbeiter sagt: Er habe Phasen erlebt, in denen man Leute wie wild einstellte, und andere, in denen augenscheinlich planlos und ohne Muster Mitarbeiter gefeuert worden. Die „große Entlassung“, sagt diese Quelle, sei schon im September 2014 erfolgt – in den letzten Monate habe man dann sozusagen nur „die letzten Schritte“ gemacht.

Das einzige Statement von Zenimax zu der Sache richtete sich noch vorm Wochenende an die irische Lokalzeitung. Man habe im August nach dem Konsolen-Launch 50 Leute entlassen. Das sei eine normale Geschäftspraxis. Man sei enttäuscht über die Ungenauigkeiten in dem Bericht.

ESO: Tamriel Unlimited

Undurchschaubare Situation

Mein MMO meint: Ja, irgendwie eine schräge Situation, die sich schwer durchschauen lässt. Da geht es auch um Fördergelder und eine industriefreundliche Gesetzgebung, die Irland vor wenigen Jahren noch zu einem „günstigen Standort“ für so ein Custer-Center machte, nun nicht mehr.

Übers letzte Jahr kamen mehrere Meldungen rein, bei Zenimax baue man Stellen ab. Wobei der Konsolen-Launch eigentlich so erfolgreich war, dass sich die jetzigen Entlassungen nicht unbedingt auf den „Status des Spiels“ beziehen muss, sondern dass es auch einfach um „Outsourcing“ aus wirtschaftlichen Gründen gehen kann.

Vielleicht erfahren wir ja in den nächsten Wochen genauer, was jetzt mit Galway ist, ob da noch wer arbeitet und was hinter dem seltsamen Dementi von Zenimax steckt. Da scheint man zwar einer Meldung widersprochen, aber nicht die ganze Wahrheit aufgedeckt zu haben. Auch wenn man in letzter Zeit keinen entlassen habe, ist die wichtigere Frage gerade: Wie viele arbeiten denn in Galway noch?


Das Titelbild haben wir aus dem Artikel von Develop übernommen.

Quelle(n): develop, reddit
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TimTaylor

Ja das gute alte Outsourcing, vor allem nach Indien…nach ein paar Jahren stellt man das fest das es nicht klappt…das ist immer wieder die gleiche Leier. Bei uns in der Firma wird gerade auch Indien als Entwicklung eingeführt, und es ist eine Katastrophe…das sind alles Hobbybastler und wir haben ne riesen Firma beschäftigt. Grundsätzlich ist es dem Management aber erstmal egal, denn die Inder sind billig, die brauchen immer erst eine Weile bis sie merken das die einfach nicht die gleiche Qualität liefern 😉

In 2-3 Jahren sind wir die Inder dann wieder los…so wie die Banken und andere Chemie-Firmen das schon vor uns gelernt haben. Gerade im Service/Support ist outsourcing das schlechteste was man machen kann, denn hier ist aktuell eine der wenigen Möglichkeiten Kunden noch zu binden an eine Firma 😉

Zokc

und was ist so schlimm darn? Ruf mal die Hotline von Ebay an, wenn du Glück hast kommst du auch in Indien raus….

Joss

In Irland wurde seit 2014 auf Druck der EU auch an den Steuergesetzen geschraubt, da haben einige internationale Unternehmen darauf reagiert.

Marco Schulz

Es ist zwar schön, dass die Firmen keine Steueroasen ausnutzen. Aber wenn das auf dem Rücken der Arbeitnehmer ausgetragen wird, dann zeigt ZENIMAX damit nur, dass sie zwar tolle Spiele herausbringen, aber ein schlechter Arbeitgeber ist/ sind.

Joss

Da wurden Schlupflöcher geschlossen, die reagierten genau andersherum. Das Thema ist ungeheuer schwierig und mit Moral ist dem nicht beizukommen, nur (in Teilen) mit Gesetzen und internationalen Abkommen. Da stehen wir leider noch ganz am Anfang.

Gerd Schuhmann

Ja, das vermute ich auch.

Dass die Rechnung „Fördergelder+ günstige Gesetzlage“ in 2011 rum entscheidend dafür war, dass man sich für Galway entschied.
Und 2015 hatte sich das alles geändert und man hat das dann durchgerechnet, jetzt wo man auch wusste, wie viel „Nicht-englischsprachigen Support“ man braucht und hat gesagt: Outsourcing.

Solche „Wir geben Euch Geld dazu, um Euch hier anzusiedeln“-Anreize … sind dann halt auch weg.

Allgemein sind solche Customer-Support/Call-Center-Jobs wohl extrem kündigungsanfällig. Das liest man immer wieder, dass mit denen nicht gut umgegangen wird.

Für die gibt es halt zu einer bestimmten Zeit eine sehr große Nachfrage und dann nicht mehr. Ich weiß noch, wie Zenimax oder auch Trion Worlds richtig offensiv nach Mitarbeitern gesucht haben – und das war unter Garantie nur für einen ganz bestimmten Peak. Launch+ 8 Wochen danach, dann bricht die Nachfrage weg und die Leute stehen, 2,3 Monate nachdem sie ihren Lebensmittelpunkt verlagert haben, vorm Aus. Wie moderne Wanderarbeiter.

Joss

Eine Freundin von mir war für Google in Dublin. Das waren keine schlechten Jobs, aber wohl auch so eingerichtet, dass man die Arbeitskräfte verschleisst. Was da gerne mit Belastbarkeit beschrieben wird, meint oft Elefantenhaut und -gemüt. Indien ist auch vor diesem Hintergrund für Spielesupport naheliegend.

Gerd Schuhmann

Ich denke, in der modernen Arbeitswelt können da viele solche Geschichten erzählen. Allein hier das Lieblingswort „Generation Praktikum“ – was da alles dranhängt im Einzelschicksal … ist glaub ich ein großes Problem, dass zu viele Leute auf die „wenigen Traumjobs“ kommen, die alle haben wollen. Und die Traumjobs sind lang nicht so traumhaft wie man glaubt.

Gut, andere Länder in Europa mit 60% Jugend-Arbeitslosigkeit.

Joss

Ich unterhalte mich da öfters mit angehenden Absolventen drüber, also was sich mit geisteswissenschaftlichen Abschlüssen auf dem Arbeitsmarkt machen lässt. Ich warne da heute ausdrücklich, dass man sich darüber klar werden muss, ob man das aus Passion studiert oder wegen beruflicher Perspektive. Und dass die letztere sehr viel studienbegleitendes Engagement mit sich bringt. Schließlich nach dem Abschluss dennoch ein Leben jenseits bürgerlicher Sicherheiten und mit geringer Aussicht auf konstante Karrieren. Wer heute den dualen Bildungsweg gegenüber dem Studium unterschätzt, geht einfach fehl. Beruf und Träumereien waren immer nur schwer vereinbar. Wobei uns heute das aber allerorts suggeriert wird, weil man es eben auch mit einem You-Tube-Channel zu etwas bringen kann. Einer auf die 10.000.

Gerd Schuhmann

Jo, seh ich hier in unserem Job auch. Da versprechen viele Seiten den Leuten: Hier könnt Ihr anfangen und für uns unentgeltlich arbeiten und dann Erfahrungen sammeln, um im Journalismus Fuß zu fassen.

Da denke ich dann auch: Für welchen Job sollen die sich da qualifizieren? Für meinen oder wie? Meinen hab ich mir selbst gebaut. Und die meisten anderen „bezahlten Jobs“ in dem Gebiet laufen über ein Praktikum/Volontariat bei den wenigen Verlagen.

Ich glaub in dem Bereich – bei youtube auch – denken viele, sie sind „irgendwie auf einem Weg, der in eine Karriere mündet“, während sie einem Hobby nachgehen. Das ist in dem Bereich halt so – wie bei Musikern. Natürlich kann der Bar-Musiker, der vor 50 Leuten spielt, noch eine große Karriere starten, aber viel wahrscheinlicher ist es, dass das zu gar nix führt und er halt ein Bar-Musiker ist, der vor 50 Leuten spielt.

Joss

Das unentgeltliche Arbeiten ist in allen irgendwie kulturumtriebigen Branchen als Einstieg der Standard. Ein ehemaliger Vorgesetzter hat das Prinzip mal nonchalant mit „eine Woche bringen wir dir was bei und dann werden wir dich 11 Wochen über auspressen wie ein Zitrönchen“ beschrieben.

Diese Täuschung des „auf dem Weg seins“ ist es dann leider, die die Menschen auf Dauer unglücklich macht. Die beiden mir bekannten Bands haben schlicht Spaß bei ihren Auftritten. Ein schöner Abend für alle Beteiligten, die Freude sich in seinem Hobby weiterzuentwickeln, das schafft Zufriedenheit und Glück.

Von da kommt man auch gut zu den Spielen. Da geht es auch zunehmend mehr um Haben (daran anschließende Vergleiche und die Kommunikation darüber) als um Sein. Diese Entwicklung finde ich sehr spannend, ist für mich auch mit ein Grund, solche Portale zu verfolgen.

Marco Schulz

Ich denke auch, dass man Unterstützung erfahren muss, d.h. zum Beispiel Sponsoren oder einen Gönner haben muss … Vitamin B ist das A und O.

Man kann total begabt sein. Wenn dich niemand kennt oder keine Verbindungen (connections) da sind, dann wird das nichts…

Aber wir schweifen vom Thema ab

Gerd Schuhmann

Das reden sich Leute gerne ein: Das sie selbst alles richtig machen und eine fiesen Außenwelt sie „unten hält.“

Und man „Connections“ braucht, um voranzukommen … das glaub ich nicht. Wenn man total begabt ist (und zwar wirklich und sich das nicht nur einbildet), dann wird man schon seinen Weg machen und sich dabei dann mit der Zeit Connections aufbauen.

Zunjin

Ich bin froh, dass ich Geschichte und Politik auf Magister und Theologie auf Diplom studiert habe, da es kaum andere Fächer gibt, die einem eine solche Bandbreite an klassisch humanistischer Bildung vermitteln. Das ist etwas, dass einem niemand nehmen kann. Gerade durch den anderen Blick auf die Welt sind mir weltliche Dinge und materieller Besitz generell nicht mehr so wichtig. Vor allem gemessen an dem bisschen Zeit, das uns hier bleibt.

Und nach dem gut bezahlten 60 Stunden Job, mit viel Verantwortung, bin ich froh mittlerweile einen Job mit und für Menschen zu machen, der ähnlich viel, aber andere Verantwortung mit sich bringt. So etwas wird zwar … noch … schlechter bezahlt, dafür hat man mehr Zeit zum genießen des Lebens und ein gutes Gefühl mit der Arbeit etwas zu erreichen.

Dazu kommt, dass nach aktueller Studie der Universität Oxford, viele Jobs in den kommenden 20 Jahren immer mehr ersetzt oder gar ganz wegfallen werden (Industrialisierung 2.0, Robotik, KI usw.), darunter viele von denen man es nicht gedacht hätte, wie Schiedsrichter, Köche, Finanzanalysten, Machinenführer, Steuerprüfer, Postboten, Holzfäller, Drucker usw. während vor allem soziale Berufe in Beratung, Gesundheit, Pflege, Betreuung, Seelsorge usw. auf der sicheren Seite stehen.

Wir müssen uns als Gesellschaft eben langsam Gedanken machen, wie wir eine Welt mit immer weniger benötigter Arbeit künftig gestallten wollen.

Joss

„Wir müssen uns als Gesellschaft eben langsam Gedanken machen, wie wir eine Welt mit immer weniger benötigter Arbeit künftig gestallten wollen.“

Als jemand, der sich viel mit sozialen Devianzen und Kontrolltheorie beschäftigt, kann ich dir versichern, da wird sich allereifrigst darüber Gedanken gemacht. Dystopien der jüngeren Vergangenheit verblassen dagegen wie zarter Atem auf der frostigen Fensterscheibe.

Wie du dir dein Leben eingerichtet hast, ist mir sympathisch. So eine Nische zu finden, in der man sich so einrichten kann, dass man nicht krank wird und sein Leben auf Dauer ins Gleichgewicht stellen kann, ist viel wert. Ich habe mein (langes) Studium auch sehr genossen. Vor allem auch wegen der vielen Bekannt- und Freundschaften in dieser Zeit war das die schönste Phase meines Lebens. Ich habe das Studium geliebt und meine Fächer begleiten mich noch heute durchs tägliche Leben bzw. ich habe trotz Abschluss nie aufgehört zu studieren. Das ist auch Lebensglück, wie z.B. auch so ein Gespräch hier, in dem man das ein oder andere an Gedanken teilt.

Marco Schulz

Aber sind die Leute nicht intelligent genug um das zu wissen? Rechne ich wirklich als Mitarbeiter im Support damit, dass ich außerhalb der Nachfrage beschäftigt werde?

Paranoia

Dieses Outsourcing des Supports wird mittlerweile fast überall gemacht. Hat mit Sicherheit rein wirtschaftliche Gründe und wäre unabhängig vom Erfolg des Games früher oder später gekommen.

Marco Schulz

Oh man,

der Publisher macht sich mit solchen Geschäftspraktiken keine Freunde. Grundsätzlich gehe ich jedoch sehr stark davon aus, dass das den Spielern ziemlich egal ist, ob dort Mitarbeiter entlassen werden – solange das Produkt stimmt.

Kauft ja auch trotzdem jeder ein iPhone, obwohl es in China – wie alles andere – hergestellt wird. Ob dort Leute entlassen werden ist so ziemlich jedem Endverbraucher egal ????.

Oder sehe ich das falsch?

Gruß

Cresent

Besonders in Deutschland ist es so. Die Bereitschaft Bares gegen Leistung auf den Tisch zu legen ist sehr gering. Die Kosten so gering wie möglich – am besten gratis. Dass das nicht funktionieren kann oder halt auf Kosten von irgendwas oder irgendjemanden gehen muss, spielt keine Rolle. Tatsächlich ist es teilweise so, dass diese relativ logische Konsequenz nicht einmal im Gedankengang ankommt.

So gehen einige immer noch davon aus, dass eine „Beratung“ in der Bank kostenfrei ist. Auch das Konto, solle am besten kostenlos sein. Den Spagat zu – na dann sind die Kosten halt irgend wo versteckt und du findest dann Pferdefleisch in deiner Lasagne, und Gammelfleisch in deinem 1 € Döner, schaffen die meisten nicht mehr.

Also sind sie halt auch nicht bereit ein Abo zu bezahlen und wollen sich für umme Bespaßt werden.

Kein Wunder, dass Deutschland ein richtiges Niedriglohn / Dumpinglohn Land ist. Es passt super zu den Einwohnern, die in diesen Land leben.

Braun

Der Kunde ist selbst schuld, wenn er Geiz geil findet.
Das ist so die übliche Erklärung, wenn einem das übliche (Geschäfts-)Gebaren nicht gefällt, man es aber nicht kritisieren möchte.
Dabei bleibt es aber eine Unklugheit, die Probleme von Herstellung und Distribution der Konsumseite zuzuschlagen.

Cresent

Das habe ich weder gesagt, noch gemeint. Also bitte keine Unterstellungen 😉

Der „Konsument“ entmündigt sich selbst, wenn er sich stets als Opfer darstellt. Tatsächlich ist es jedoch so, der der Kunde darüber entscheidet ob ein Unternehmen erfolg hat oder nicht.

Wenn sich die Gemeinschaft dazu entschließt, ein Produkt zu boykotieren, dann war es das. Wenn keiner ein Iphone kauft, weil man die Produktionsmethoden nicht unterstützen möchte, verschwindet Apple vom Markt. Das ganz konnte man bei Schlecker super beobachten.

Allerdings erfordert dass eben eine Basis an Moral und Disziplin so wie Verantwortung. Allerdings habe ich bereits gelernt, dass Verantwortung in der Gruppe meist nicht funktioniert – es fühlt sich eben keiner Verantwortlich. Abgesehen davon, dass das ja bedeuten würde, dass ich auch etwas verzichten müsste…. und jaa ähmm wenn ich es mir recht Überlege, finde ich Apple doch nicht so schlimm, außerdem will ich ein Iphone und schwups habe ich mich selbst entmündigt und mir jedes Recht selbst verwirkt, mich zu beschweren. Ich helfe auch nicht dabei es zu beseitigen, obwohl ich es könnte.

Um mal bei dem Beispiel von oben mit der Bank zu bleiben: Jeder weiß, dass getrieben durch Provisionen und damit der Verkaufsdruck, mitunter der Hauptverantwortliche für die Probleme der Finanzindustrie ist. ABER – es gibt seit 2014 auch eine Alternative – Honorarberatung. Bares gegen Beratung. Keine Provision, keine versteckten Kosten – wie beim Steuerberater. Unabhängig und losgelöst vom Verkauf. Funktioniert im Deutschland nicht – fristet ein Nischendasein. Deutsche sind nicht bereit Geld auf den Tisch zu legen. Dann halt doch lieber in der Bank „umsonst“ abzocken lassen.

Wenn sich nicht jeder immer in diese „Ohnmachtsstellung“ begeben würde und somit die Verantwortung von sich weist (der Andere ist Schuld – ich bin ein Opfer), könnte man viel verändern. Aber so ist es halt einfacher. Also bleibt alles wie es ist und man hofft, dass einer kommt, der es für einen richtet… hoffentlich umsonst.

Braun

Also, alles nicht böse oder so gemeint – das muss man lieber mal vorher sagen, wenn man ganz direkt auf Anmerkungen eingeht.

Grundsätzlich war das erst mal keine direkte Erwiderung, sondern ein weiterer Beitrag, der diesem Faden folgte.
Andererseits scheine ich ja auch etwas getroffen zu haben. Daher und insofern dann diese und jene Replik.

>Das habe ich weder gesagt, noch gemeint.

Aber geschrieben:
>Besonders in Deutschland ist es so [ff]

>Der „Konsument“ entmündigt sich selbst [ff]

Die Fiktion der Kundengemeinschaft ist der Ausgangsfehler aller dieser Überlegungen.
– Von der Überzeichnung „Täter/Opfer“ will ich nicht extra anfangen; außer: Das halte ich für unnötig und übertrieben. –

Und der Kunde ist eben nicht für die Schweinereien der Produktion verantwortlich.
Daß den Kunden dann noch zusätzlich aufgebürdet wird, für eine Korrektur zu sorgen, obwohl die so gesehen im Nachgang selbst ganz wesentlich dem Sparzwang unterworfen sind, immer nur die abhängige Variable im Verhältnis von Arbeit und Reichtum sind, ist schon gewissermaßen eine Frechheit. Eine Frechheit die zur ideologischen Grundausstattung in der besten aller denkbaren Welten zu gehören scheint.

Cresent

Ich möchte diese These mit zwei Beispiel wiederlegen.

I. Trash TV wie Soaps und Talksshows etc. wie sie auf RTL und Co. laufen. Hätten diese Programme keine Einschaltquoten, dann würde es sie nicht geben. Es gibt sie aber, weil es ein Publikum dafür gibt. So einfach ist die Sache. Würde es keiner einschalten, würde es nicht Produziert werden.

II. Bild – wenn man fragt, liest keiner die Zeitung. Komischerweise ist es die Zeitung mit der höchsten Auflage – die Leute wollen es eben. Sie wollen verarscht, aufgewiegelt und angestachelt werden. Dafür gibt es ein Zielgruppe. Offensichtlich die größte Zielgruppe.

Dasselbe gilt auch für alle anderen Bereiche. Ok die Leute wollen Lasagne, aber nicht mehr als 2 € ausgeben. Na welche Erwartungen, hat man dann an das Produkt – da fehlt grundsätzlicher Menschenverstand. Dass kann nicht gehen. Die Leute wollen es aber so.

Die Leute wollen Support, aber für das Spiel am besten nichts zahlen. Gut, dann lager ich den Support halt aus und bezahle fast nichts für ausgebeutete und schlecht entlohne Inder. Der Kunde hat gesprochen.

Die Welt ist eben nicht schwarz / weiß. Auch wenn man das gerne so hätte. Jeder hat seine eigene Verantwortung und muss mit dieser umgehen. Wenn er sein Hirn freiwillig am Eingang abgibt… Ich möchte damit keine Praktiken von dubiosen Unternehmen oder sonst wem rechtfertigen, aber wie gesagt: es ist nicht schwarz und weiß und es sollte jeder sein Teil beitragen. Sonst wird sich einfach nichts ändern. Wer nicht dazu bereit ist Geld auszugeben, wird auch selbst keins Bekommen – woher auch.

Und ich kann es nicht oft genug sagen: wenn der Verbraucher aktiv Abzocke unterstützt und Leuten, die versuchen es besser zu machen, keine Chance geben (zB der Honorarberatung), dann ist das eine selbst konstruierte Causa unter der man dann auch zurecht leiden wird.

Braun

Nein.
Wenn der Support aus Kostengründen ausgelagert wird, weil der Kunde aus Kostengründen zu wenig Geld dafür übrig hat, dann kürzt sich das Argument heraus.
Es ist nöcht nötig und es erklärt nichts, den Spieler für das Spiel auszuschimpfen.
Im Sinne Deiner Beispiele: Nur weil Arsch und Eimer zueinander passen, wird dieser Anblick nicht weniger beschissen. (Oder kannst Du herleiten, wer hier Arsch und wer Eimer ist: Trash-TV, Glotzer, Bild, Leser?)

Cresent

Ich glaube einfach, wir vertreten hier grundsätzlich unterschiedliche Ansichten.

Ich sehe in meiner Sichtweise eine praktikable Anwendung durch Annahme und leben von Verantwortung.

Das die aktuelle Situation und die Abwälzung von Verantwortung nicht funktioniert, ist hinlänglich durch die Vergangenheit bekannt und belegt.

Braun

>[…]grundsätzlich unterschiedliche Ansichten.

Da sind wir uns ja mal einig. 😉

>[…]durch Annahme und leben von Verantwortung.

Ja, da gehen wir auseinander. Ich halte das nicht für „Verantwortung tragen“ in diesem klassischen, blumigen Sinne.
Wenn einem die Bedingungen einer Sache nicht zu Gebote stehen, dann ist man ein Unkluger, wenn man sich das trozdem moralisch aufbinden lässt und dann auch noch immerzu versucht, da so Praxisrezepte zu leben.

Wie auch immer; ich mach jetzt Feierabend und zwar für den Rest des Jahres.
Frohe Feiertage für alle!

Marco Schulz

Und eine besinnliche Weihnachtszeit Allen

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