The Crew 2 im Test: Tolle Lackierung, aber der Motor stottert

Mit The Crew 2 (PC, PS4, Xbox One) will Ivory Tower mit besserer Fahrphysik, mehr Langzeitmotivation und besserer Grafik alles besser machen als im Vorgänger. Unser Autor Robert hat sich durch die verschiedenen Disziplinen gekämpft – und bleibt bei seinem Test von The Crew 2 mit gemischten Gefühlen zurück.

Was The Crew 2 sein will: Ivory Tower tritt erneut an, die Herzen der Rennspielfans zu erobern. Mit einer verbesserten Grafik, einer besseren Fahrzeugsteuerung und deutlich mehr Abwechslung wollen die Entwickler den Vorgänger hinter sich lassen. Doch ist ihnen das gelungen? Wir schauen detailliert auf die Geschichte von The Crew 2, die Rennmodi und Online-Features.

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Das bietet The Crew 2

Arcade-Renner mit vielen Fahrzeugen: The Crew 2 ist ein Arcade-Rennspiel, in dem Ihr in verschiedenen Disziplinen und Fahrzeugen gegen computergesteuerte Gegner antreten müsst. Die Auswahl der Fahrzeuge ist groß, von normalen Straßenrennern über Motocross-Räder bis hin zu Power-Booten und Flugzeugen ist alles dabei.

Gefahren und geflogen wird auf einer gigantischen Map. Die Karte ist den den Vereinigten Staaten von Amerika nachempfunden. Diese Karte von der West- bis zur Ostküste zu überqueren, dauert laut Hersteller etwa 40 bis 60 Minuten.

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Online könnt Ihr zusammen mit euren Freunden in einer Crew Rennen bestreiten oder Ihr vergleicht eure Werte in kleineren Disziplinen wie Radarfallen, Slalom-Fahrten etc. Auch nach Release des Spiels will der Entwickler stets frischen Content liefern, der die Spieler lange bei Laune halten soll.

Für wen ist The Crew 2 geeignet? Wer Spaß mit Arcade-Rennspielen wie Need for Speed oder Forza Horizon hat, könnte auch an The Crew 2 seinen Gefallen finden.

Für wen ist The Crew 2 weniger geeignet? Fans von Renn-Simulationen wie Gran Turismo werden mit The Crew 2 wohl nicht glücklich, da sich diverse Fahrzeugparameter nicht ändern lassen. Auch das Fahrverhalten ist weit von einer Simulation entfernt.

So gut ist The Crew 2

Die Rennmodi lassen kaum Wünsche offen: Ob zu Wasser, Land oder Luft – unzählige fahrbare Untersätze warten darauf, ausprobiert zu werden. Die jeweiligen Aufgaben sind abwechslungsreich und zum Teil fordernd. Ganz besonders schwer tue ich mich mit den Flugzeugen, hoffe aber, dass hier einfach Übung den Meister macht.

Wer wirklich alle Rennen auf dem normalen und schweren Schwierigkeitsgrad bestreiten möchte, wird eine Weile beschäftigt sein. Auch die Nebenaufgaben kommen nicht zu kurz. Radarfallen, Slalomfahrten oder die Flucht vor einem sich ausbreitenden, roten Kreis – hier werdet Ihr für alle Fahrzeugtypen unterschiedliche Herausforderungen finden.

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Ein echter Geheimtipp für Straßenrennen: Die MV Agusta

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Das Rennen – auf ewig im Windschatten

Mit Gummibändern durch die USA: Deutlich aufgefallen beim Test von The Crew 2 ist aber die sogenannte Gummiband-KI. Gegnerische Fahrzeuge lassen sich nicht abschütteln,. Das Feld wird eindeutig künstlich zusammengehalten.

Diese Art Rubberbanding war in der Closed Beta meinem Gefühl nach noch deutlich schwächer ausgeprägt. Um zu testen, wie stark die Mechanik tatsächlich ist, habe ich ein Experiment vorgenommen:

Unser Experiment zeigt Schwächen auf: Ein Straßenrennen sieht eine längere Fahrt mit einem Harley-Davidson Motorrad vor. Ich habe mich bewusst eine ganze Minute zurückfallen lassen und bin anschließend normal weitergefahren. Keine vier Minuten später war ich zurück auf dem ersten Platz.

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Eine ausgeprägte Gummiband-Mechanik kann auch bei gravierenden Fahrfehlern für eine realistische Siegchance sorgen – wer allerdings ohnehin den Gegnern davonfahren würde, wird die Mechanik als störend empfinden. Eine saubere und schnelle Fahrweise wird in The Crew 2 erst belohnt, wenn das eigene Fahrzeug deutlich stärker ist als die Vorgabe des Rennens.

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Die Grafik von The Crew 2 – Eine Augenweide (solange es hell ist)

Gegenüber dem Vorgänger hat Ivory Tower bei der Grafik von The Crew 2 eine ordentliche Schippe draufgelegt. Speziell die Lichteffekte sehen fantastisch aus. Egal ob an den Fahrzeugen direkt oder die Umgebungslichter – die Lichtanimationen wirken glaubwürdig.

Wasseranimationen sind überzeugend: Wer sich mit dem Boot von der Küste entfernt, wird Veränderungen im Wellengang feststellen. Auch färbt sich das Wasser der Umgebung entsprechend. So nimmt der Untergrund in den Sümpfen von Maine eine andere Farbe an als an den Küsten.

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Dunkelheit in The Crew 2 heißt: Es ist stockfinster! Das ist keine Untertreibung. Stellenweise wird The Crew 2 bei Nacht unspielbar. Abseits der Straßen ist die Beleuchtung mitunter nicht existent. Der Lichtkegel der eigenen Scheinwerfer reicht jedoch bei weitem nicht aus, insbesondere bei hohen Geschwindigkeiten.

Bei einer mittleren Helligkeitseinstellung ist in der Nacht schlichtweg nichts zu sehen. Stellenweise bleibt mir nichts anderes übrig, als auf den Tagesanbruch zu warten.

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Die Abenddämmerung und das Morgengrauen sind wirklich hübsch anzusehen – die Nächte allerdings stockfinster

Hier muss Ivory Tower unbedingt nachbessern. Die Farbgebung und die Lichtintensität mögen realistisch sein – so macht Realismus allerdings keinen Spaß.

Die Story von The Crew 2 – Leider lässt sich nicht alles überspringen

Verzichtbare Story bei The Crew 2: Meine Großmutter mahnte damals schon: Wenn Du nichts vernünftiges zu sagen hast, sage lieber gar nichts“. Schade, dass die Entwickler diesen Spruch nicht kennen, dann hätten sie sich die Story nämlich einfach sparen können.

Selbst nach rund der Hälfte des Spiels kann ich nicht wiedergeben, was uns Ivory Tower eigentlich erzählen will. Diffus geht es um einen Konflikt zwischen den Traditionalisten des Rennsports, die gern lieber weiter illegal Rennen fahren und den Reformisten, die lieber organisiert Rennen fahren und dabei Sponsoren an ihrer Seite haben dürfen.

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Ihr könnt eure Fahrzeuge beliebig anpassen!

Der krampfhafte Versuch, cool zu sein: Das klingt zwar alles halbwegs interessant, leider gelingt es den Entwicklern nicht, dies auch nur ansatzweise vernünftig rüber zu bringen. Die Dialoge wurden eindeutig für die jüngste Zielgruppe geschrieben. Von „Karren pimpen“ ist hier die Rede und „voller Action“. Fehlt eigentlich nur das obligatorische „Digga“ am Ende des Satzes.

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Wie ein Mantra heben die verschiedenen Figuren hervor, man möge doch „ganz viel Spaß“ haben. Wer sehen will, wie viel Spaß unser Alter Ego im Auto hat, muss nur einmal vor Rennstart einen Blick ins Cockpit riskieren.

Natürlich lebt ein Rennspiel nicht von einer guten Geschichte, das hat es nie getan. Wenn ich mir allerdings aussuchen dürfte, ob ich einer dümmlichen Story wie in den The Crew 2 oder der kompletten Abwesenheit einer Geschichte wie in Gran Turismo folgen möchte, werde ich wohl stets zum Spiel aus dem Hause Polyphony Digital greifen.

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Die Online-Features von The Crew 2 – Geduld ist auch eine Tugend

Viel Koop in The Crew 2: In den verschiedenen Disziplinen könnt Ihr mit eurer Crew antreten, welche aus maximal vier Spielern besteht. Ihr fahrt also zusammen gegen computergesteuerte Fahrzeuge. Auch wenn sich bereits in diesen Rennen eine gewisse Konkurrenz entwickeln kann – wer der wirklich beste Fahrer ist, wird erst in den reinen PvP-Rennen ermittelt.

Kein PvP vor Dezember 2018: Auf diese Funktion müsst Ihr allerdings noch bis Winter 2018 warten. Warum ein solch elementares Feature in einem Online-Rennspiel nicht zum Release verfügbar ist, ist für mich nicht nachvollziehbar. Es darf durchaus die Frage gestattet sein, ob ein solches Features so spät nach Veröffentlichung noch viele Rennfahrer anziehen wird.

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Über das fehlende PvP können auch die diversen Bestenlisten der Mini-Disziplinen wie Radarfallen und Slalomfahrten nicht hinwegtäuschen. Damit kommen wir auch zum nächsten und für viele Spieler entscheidenden Punkt: Der Langzeitmotivation.

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Der Umfang von The Crew 2

So viel Zeit benötigt Ihr für The Crew 2: Es ist zwar nicht repräsentativ, dennoch mehren sich bereits jetzt die Stimmen in der Community, die das Spiel bereits abgeschlossen haben. Einhellige Meinung: 10-15 Stunden werden benötigt, um alle Story-Events abzuschließen. Die Events sind unterteilt in folgende Kategorien:

  • Story-Events für 14 Disziplinen – Für diese müsst Ihr jeweils auch die Fahrzeuge besitzen. An der ein oder anderen Stelle werdet Ihr Events wiederholen müssen, um das Kleingeld für ein neues Gefährt zu sparen.
  • Kleinere Herausforderungen „Tests“ – Hier gilt es bestimmte Geschwindigkeiten in Radarfallen zu erreichen oder bei Slalomfahrten eine bestimmte Punktzahl zu erzielen.
  • Die freie Fahrt – Hier könnt Ihr nach Belieben die Map erkunden. Auf der Karte verteilt sind sogenannte Live-Belohnungen, die euch neue Teile für euer Fahrzeug bringen. Nähert Ihr euch einer solchen Belohnung, wird dies mit einem akustischen Signal und einer pulsierenden Minimap verdeutlicht.

Die Roadmap für The Crew 2 nach dem Launch: Laut Roadmap von Ivory Tower werden monatlich zwei Fahrzeuge dem Fuhrpark ergänzt – richtigen Content werden die Spieler allerdings erst wieder im September erleben dürfen. Dann kommt das Hovercraft und die Überarbeitung des Loot-Systems, welches unter anderem eine neue Seltenheitsstufe bei Performance-Teilen bringen wird.

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Habt Ihr die Story-Events und die kleineren Herausforderungen (im Spiel: Tests) abgeschlossen, könnt Ihr die gewaltige Karte erkunden und Fotos machen. Größere Langstrecken-Events wie noch im Vorgänger gibt es in The Crew 2 hingegen nicht, lediglich ein Rennen wird euch über eine halbe Stunde beschäftigen.

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Ob das Erkunden der Karte und der Nutzung des Foto-Modus für genug Langzeitmotivation sorgt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Mir persönlich ist es auf Dauer zu wenig.

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Fazit – Hübscher Arcade-Racer mit stotterndem Motor

Fazit & Bewertung
Autor(in)
Grafisch ist The Crew 2 wirklich hübsch anzusehen. Die Licht- und Wasser-Animationen sind überzeugend, auch die Reflektionen auf den Fahrzeugen machen einiges her. Die Helligkeit bei Nachtfahrten sollte jedoch leicht erhöht werden.

Die verschiedenen Disziplinen und Fahrzeuge sorgen für jede Menge Abwechslung, auch wenn nicht jedem Spieler alle fahrbaren Untersätze zusagen werden.

Dass The Crew 2 mit dem Launch kein reines PvP bringt, ist hingegen ein No Go. Ein Spiel, welches voraussetzt, immer online zu sein, sollte auch über alle Online-Features verfügen, die ein modernes Rennspiel mit sich bringen sollte.

Der Entwickler glaubt, bis zum Start von reinen PvP-Rennen genug Inhalte zu liefern, die die Spieler bei der Stange halten. Es darf allerdings schon jetzt bezweifelt werden, dass diese Taktik aufgeht. Die spannende Frage wird sein, wie lange die Spieler die zweifellos große Karte erkunden und Fotos schießen wollen.

Wer die Story ignoriert und kein Problem mit einer starken Gummiband-KI hat, kann mit The Crew 2 jedoch seinen Spaß haben. Wer alles erledigen will, kann mit ca. 20-25 Stunden Spielspaß rechnen.

Wer auf der Suche nach einer Alternative ist, muss sich allerdings noch gedulden: Forza Horizon 4 erscheint am 02. Oktober 2018 auf der Xbox One und dem PC.
6.5
Durchschnittlich Ø Userwertung: 5.7
Grafik
8
Story
3
Langzeitmotivation
6
Soziale Komponente
6
Umfang
6
Pro
  • Tolle Wassereffekte und Animationen
  • 14 verschiedene Disziplinen und Fahrzeugtypen
  • Riesige Map zum Erkunden
  • Schnelle Fahrzeugwechsel sorgen für nahtlose Spielerfahrung
Contra
  • Dümmliche und kitschige Story
  • Die Nächte sind abseits der Städte stockfinster
  • Kein reines PvP zum Launch
  • Sehr starke Gummiband-KI

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