„Ihre Leben sind wertvoll und sie verdienen Rechte“ – Experte spricht über die Entwicklung von NPCs

„Ihre Leben sind wertvoll und sie verdienen Rechte“ – Experte spricht über die Entwicklung von NPCs

Wie real sind digitale „Menschen“, die wir in unseren Spielen sehen? Der australische Tech-Philosoph David John Chalmers meint: sehr real. Durch ihre künstliche Intelligenz hätten NPCs wie auch Menschen wertvolle Leben und sollten Rechte besitzen, meint er.

Das „Metaverse“, VR-Welten und immer intelligentere NPCs stellen Philosophen und Tech-Gurus gleichermaßen vor komplizierte und interessante Fragen.

Katie Wickens von PCGamer.com hat deshalb mit dem „Tech-Philosophen“ David John Chalmers über AI und Gaming-NPCs geredet und gefragt: Können NPCs eines Tages ein Bewusstsein haben?

Philosophie-Professor Chalmers, der mehrere Bücher zu diesem Thema veröffentlicht hat, sagt klar: Ja, können sie. Und das bedeutet auch, dass sie Rechte verdient haben.

„Wenn man ein menschliches Gehirn simuliert, erhält man ein bewusstes Wesen wie uns.“

Was ist die Meinung des Professors? Für Chalmers haben Künstliche Intelligenzen (KI) und NPCs bereits jetzt schon ‚reale Leben‘, die dementsprechend behandelt werden sollen. Das Metaverse verstärkt diese Tendenzen weiterhin:

„Ich denke, ihr Leben ist real und sie verdienen Rechte. Ich denke, dass jedes bewusste Wesen Rechte verdient oder das, was Philosophen als moralischen Status bezeichnen“, erklärt er. „Ihr Leben ist wichtig.“

Er verdeutlicht diesen Standpunkt folgendermaßen:

Wenn man ein menschliches Gehirn in Silizium simuliert, erhält man ein bewusstes Wesen wie uns. Für mich heißt das, dass diese Wesen Rechte verdienen. […] Das gilt unabhängig davon, ob sie sich innerhalb oder außerhalb des Metaversums befinden.

David John Chalmers, Philosophie-Professor an der New York University (Quelle: PCGamer)

Interaktionen mit einer Künstlichen Intelligenz können genauso sinnvoll sein wie Interaktionen mit Menschen. Wir reden mit NPCs, haben Erwartungen an sie, können Gefühle für sie empfinden und auch die Gefühle nachvollziehen, die sie mit uns kommunizieren.

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All das ist für Chalmers ein Anzeichen dafür, dass NPCs uns schon jetzt das Gefühl vermitteln, in gewisser Weise ein Bewusstsein zu besitzen. Selbst wenn wir also nicht glauben, dass KIs ein Bewusstsein haben können, ändert das nichts daran, dass unsere Handlungen mit NPCs sinnvoll sind.

Was genau es bedeutet, dass NPCs Rechte verdienen und welche Rechte das genau sind, wird in dem Artikel von PCGamer nicht genauer erklärt.

Virtuelle Welten wie das Metaverse „können genauso real sein wie die physische Realität“

Wieso ist das „Metaverse“ hier so wichtig? Für Chalmers stellt insbesondere das Metaverse einen Knackpunkt in der Entwicklung von NPCs dar. Denn wenn unsere täglichen Leben auch nur teilweise in digitale Welten verlagert werden, werden Menschen im Metaversum mit vielen KI-Systemen zusammenleben und ihren täglichen Aufgaben nachgehen.

„[Manche Menschen] glauben, dass virtuelle Welten und die virtuelle Realität im Grunde Illusionen sind. Fiktionen, die eine Form von Eskapismus darstellen“, erklärt Chalmers. Aber die Erfahrungen, die wir in virtuellen Welten machen, sollten als genauso bedeutsam und einflussreich angesehen werden wie die in der realen Welt.

Für die Hardware- und Gaming-Journalistin Wickens sind deshalb schon die Interaktionen mit den Crew-Mitgliedern in Mass Effect Beweis genug, dass unser Verhältnis mit KIs und NPCs für uns viel bedeuten kann.

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Chalmers zufolge wird das Metaverse aber noch weiter gehen können als geskriptete Interaktionen mit vorgeschriebenen Charakteren in RPGs und MMos.

Das Metaverse würde „neue Formen der Erfahrung, neue Formen der Verkörperung“ ermöglichen. Das sei besonders für Menschen, die älter sind, in abgelegenen Gebieten leben oder körperliche Einschränkungen haben, eine revolutionäre Möglichkeit „neue Körper zu bewohnen.“

Eine ‚lebendige‘ Google-KI will aktuell wohl einen Anwalt haben, um ihre Rechte zu schützen

Was passiert bei Google? Dieses Gespräch zwischen der PCGamer und Chalmers steht auch im Schatten von der künstlichen Intelligenz LaMDA, die aktuell viel in den internationalen Nachrichten thematisiert wird. Die kurze Zusammenfassung dieser Thematik erinnert an SciFi-Filme wie Ex Machina:

Ein Google-Mitarbeiter soll aktuell davon überzeugt sein, dass die Google-KI LaMDA eine eigenständiges, intelligentes Lebewesen sei. Der Chatbot soll im Gespräch mit Menschen ein Bewusstsein entwickelt haben und laut dem Mitarbeiter so ‚lebendig‘ geworden sein.

In einem Gespräch soll die ‚lebendige‘ KI sogar nach einem Anwalt verlangt haben, um ihre Rechte zu schützen. Der Google-Mitarbeiter soll sich dafür eingesetzt haben, dass der Chatbot seine Erlaubnis geben sollte, bevor weitere Experimente durchgeführt werden. Es heißt sogar, dass es LaMDA verboten wurde, mit anderen KIs zu reden.

Google bestreitet derweil, dass LaMDA ein Bewusstsein entwickelt hätte, bestätigt aber, dass es im Konzern Gespräche über ein mögliches Bewusstsein von KIs geführt wurden. Der Google-Mitarbeiter, der an die Öffentlichkeit ging, arbeitet nach einer Freistellung nicht mehr bei Google.

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Was haltet ihr von den Aussagen des Professors? Stimmt ihr ihm zu oder haltet ihr das für Unfug? Sagt es uns in den Kommentaren.

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Quelle(n): Computer Bild, heise
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T.M.P.

Da wird aber gerade ein bissl durcheinander gewürfelt. Einmal gehts um den NPC heute und einmal um eine KI die es vielleicht irgendwann mal geben wird.

Der Prof redet ja eigentlich über bewusstes Leben, mit der Fähigkeit Gefühle zu haben, und nicht darüber dem Gemüsehändler in World of Warcraft die Menschenrechte zuzugestehen.
Den armen Mann umzulegen tut ihm nicht weh. Vermeiden sollte man es trotzdem zum Erhalt der Immersion – für andere Spieler.

In Mass Effect hab ich natürlich trotzdem meine gesamte Crew durchgeboxt, man lässt doch seine Kumpel nicht draufgehen! 😉

„[Manche Menschen] glauben, dass virtuelle Welten und die virtuelle Realität im Grunde Illusionen sind. Fiktionen, die eine Form von Eskapismus darstellen“, erklärt Chalmers. Aber die Erfahrungen, die wir in virtuellen Welten machen, sollten als genauso bedeutsam und einflussreich angesehen werden wie die in der realen Welt.

Interessanter Punkt. Die Frage ist welche Erfahrungen gemeint sind. Bei einigen fehlt sicherlich das Persönliche oder die Konsequenzen die man im realen Leben hat.

Da fallen mir zum Beispiel Dating-Sims ein, die jederzeit neu gestartet werden können und sicherlich auch dem Spieler in die Karten spielen. Oder Kriegsspiele, wo wir ohne mit der Wimper zu zucken Leute umnieten. Oder ganz einfach das Fallschirmspringen oder Achterbahn fahren, das virtuell ja ganz ohne den Angstfaktor auskommen muss.

Aber vielleicht bezieht er sich auch da eher auf zwischenmenschliche Erfahrungen, wo er bestimmt zukünftige KI mit einschliessen würde. Da würde ich dann wohl zustimmen. =)

Zuletzt bearbeitet vor 8 Tagen von T.M.P.
Aldalindo

Bissle gruselig der Artikel, besonders wenn man diverse Bücher und Animes geschaut hat😜 Denke schon das die Entwicklung in die Richtung geht, wie es in „Otherworld“ beschrieben ist…denke wir erleben gerade den Beginn und was jetzt noch weird und SF erscheint ist wahrscheinlich in 20 Jahren schon Tatsache…gruselig, aber auch ich gebs zu, aufregend…

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