Das neue Spiel zu Sword Art Online hat mich im großen Bosskampf zum Zuschauer gemacht

Sword Art Online Echoes of Aincrad

MeinMMO-Redakteurin Jasmin war begeistert, als sie erfahren hat, dass man in Sword Art Online: Echoes of Aincrad seinen eigenen Charakter erstellen kann. Doch im Test auf der PS5 wäre es an manchen Stellen besser gewesen, doch wieder in Kiritos Rolle zu schlüpfen.

Mit dieser Meinung stehe ich vermutlich alleine da, aber Sword Art Online ist für mich einer der tollsten Animes überhaupt. Ich weiß um die Schwächen des Animes, aber er bedeutet für mich einfach persönlich sehr viel.

Es handelt sich dabei nämlich um die allererste Serie aus Japan, die ich geschaut habe und in der Gaming thematisiert wird. Außerdem hatte ich eine superlustige Kinovorstellung von „Sword Art Online: The Movie – Ordinal Scale“, die ich nicht so schnell vergessen werde. Den Film habe ich damals mit meinem Bruder im Kino gesehen, und wir hatten einiges zu lachen.

Deshalb kann ich auch über den Harem von Kirito hinwegsehen, den er sich über mehrere Staffeln hinweg aufbaut. Umso mehr habe ich mich dann über die Ankündigung von Echoes of Aincrad gefreut, denn die ersten Trailer sahen bombastisch für mich aus und ich konnte es gar nicht abwarten, in die Welt einzutauchen.

Ich habe mich besonders darauf gefreut, dass man nicht wieder in die Rolle von Kirito schlüpft, sondern die Erlebnisse endlich mit einem selbst erstellten Charakter in einer individuellen Story nachspielt. Und das ist zugleich die Stärke als auch die Schwäche des Spiels. Denn in einem Moment habe ich mich einfach nur wie ein nutzloser Nebencharakter gefühlt.

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Spieler erleben ihr eigenes Death Game in Aincrad

Mit dem vollen Release des Games kann man endlich auch seinen eigenen Charakter gestalten – das Mobile Game und Fatal Bullet mal ausgenommen. Echoes of Aincrad hebt sich von anderen Vorgängern der Reihe ab, indem man sein eigenes Death Game erlebt. Zuvor war es nur möglich, aus der Sicht von Kirito oder einem anderen Charakter die Abenteuer im MMORPG nachzuspielen. 

Und dieses Versprechen wird auch gut gehalten. Man beginnt quasi von Tag 1 an in Aincrad und erlebt das große Debakel, bei dem Tausende Spieler gestorben sind. Man steckt also mitten im Todeskampf mit seinem eigenen Charakter und schlägt sich durch die einzelnen Ebenen, um irgendwann aus dem Spiel zu entkommen. 

Der Überlebenskampf wird nicht nur durch das Erstellen des eigenen Charakters deutlich, sondern auch durch das Kampfsystem. Das Zuschlagen ist nämlich schwerfälliger als im vorherigen Titel, da man gut mit seiner Ausdauer und seinen Spezialpunkten haushalten muss, um starke Angriffe auszuführen. 

So muss man gut abwägen, ob man sich auch kleineren Gegnern stellt. Denn selbst die können auf dem Schwierigkeitsgrad „Normal“ zum Tod führen, wenn man nicht aufpasst und plötzlich weitere Gegner ins Kampfgeschehen stürmen.

Um das Ganze noch gefährlicher zu machen, könnte man sogar den Death-Game-Modus anschalten, bei dem der einmalige Tod sofort zum Spielabbruch führt und man einen neuen Speicherstand beginnen muss.

Ich habe mich nicht getraut, den Death-Game-Modus anzuschalten. Aber ich habe schon im Tutorial gemerkt, wie sehr ich schon auf dem Schwierigkeitsgrad „Normal“ aufpassen muss, um nicht zu sterben. Es wäre mir tatsächlich fast in der Beta-Phase passiert, dass ich gegen normale Standardgegner gestorben wäre.

So habe ich mich von Map zu Map weitergekämpft und meine eigene Story erlebt, die sich von der von Kirito unterscheidet – aber leider nur teilweise, wie ich feststellen musste.

Der Star des Animes übertrumpft die eigenen Erlebnisse

Mit der Zeit gibt es nämlich einige Vermischungen mit der Story aus dem Anime. So bekomme ich mit, dass eine Raid-Gruppe geplant hat, den ersten Boss zu bezwingen. Ich bin Teil dieser Gruppe, sehe aber schon bei der Planbesprechung, dass auch Kirito und Asuna im Publikum sitzen.

Wer den Anime kennt, weiß, dass die beiden schlussendlich den Bossgegner bezwingen, da Kirito sein Wissen aus der Beta anwendet. Das Ganze erlebe ich auch so mit, aber eben als Randcharakter, der durch eine unsichtbare Wand vom eigentlichen Bossgegner getrennt wird.

Der Bosskampf sah nämlich so aus, dass ich am Rand irgendwelche Standard-Mobs bezwingen musste, während ich in der Ferne gesehen habe, wie Kirito und Asuna den ersten Bossgegner bezwungen haben. Ich konnte nicht hinzustürmen, wenn ich meine Gegner besiegt hatte, sondern nur aus der Ferne beobachten, wie die beiden den Boss legten.

Das hat sich im Nachhinein gar nicht mal so toll angefühlt, denn so einen wichtigen Story-Moment hätte ich irgendwie gerne selbst erlebt. Auch den Tod des Charakters, der bei diesem Manöver stirbt, habe ich nur aus der Ferne mitbekommen, was mich schlussendlich emotional gar nicht mehr berührt hat.

Es ergibt Sinn, dass das Spiel die Story aus dem Anime nacherzählen möchte – stattdessen hätte es aber auch einfach mehr Momente geben können, in denen ich zum Star der Story werde, eben an anderer Stelle.

Tatsächlich konnte ich einige Quests später gegen ebendiesen Boss antreten und er war taktisch wirklich eine krasse Herausforderung, da er auch hier, wie im Anime, aus mehreren Phasen besteht. Allerdings habe ich ihn hier nur im Zweierteam mit meinem NPC-Partner erledigt, was im Nachhinein einen bitteren Nachgeschmack hatte.

Dazu sei allerdings gesagt, dass unser Charakter abgesehen davon seine eigene Story erlebt. Er hat seine eigenen Freunde und macht seine eigenen Bekanntschaften. Doch irgendwie kommen die emotionalen Momente für mich nicht ganz an die eigentliche Hauptstory von Sword Art Online ran.

Tolles Kampfsystem, obwohl es nur Schwerter gibt

Abgesehen davon hat der Bosskampf super viel Spaß gemacht, da man unterschiedliche Taktiken anwenden musste, um nicht getroffen zu werden und zu sterben. Wie eingangs erwähnt sind auch die ganz normalen Standardkämpfe jedes Mal eine Herausforderung, bei der man höllisch aufpassen muss.

Deshalb ist jeder Kampf eine willkommene Abwechslung zum Erkunden der Map. Dazu trägt auch das Waffensystem bei. Eigentlich sollte man bei Sword Art Online erwarten, dass nur Schwerter zum Einsatz kommen und die sich auch noch alle gleich spielen.

Echos of Aincrad hat es aber geschafft, dass sich jede Waffenart anders anfühlt. Ich hatte meinen Spaß mit dem Rapier, mit dem ich schnelle und akrobatische Angriffe ausführen konnte. Es hat sich komplett anders gespielt als das Standard-Schwert oder eben ähnliche Waffen wie der Dolch oder das Großschwert.

Dadurch haben die Kämpfe auch noch nach Stunden Spaß gemacht, denn durch die unterschiedlichen Skills konnte man andere Manöver anwenden und sich so auch richtig positionieren, um einem gegnerischen Angriff schnell auszuweichen.

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Das Irren auf der Map führte fast zum Abbruch

Auch die Spielwelt fand ich vom ersten Augenblick an wunderschön. Als ich die ersten Trailer gesehen habe, war ich total begeistert und wollte unbedingt in den Welten von Aincrad rumrennen. Die Grafik ist im Vergleich zu den Vorgängertiteln besser geworden, und der Look passt auch ganz gut zum Anime.

Schnell musste ich allerdings feststellen, dass in den einzelnen Arealen nur wenig zu entdecken ist. Die meiste Zeit rennt man umher, trifft auf Gegner, die teilweise sogar zufällig spawnen, und entdeckt die ein oder andere Truhe, die allerdings meist in Sackgassen steckt und oft keine so tolle Belohnung beinhaltet. Die einzige Ausnahme sind hier die Truhen, die man nur erreicht, wenn man zuvor einen etwas stärkeren Gegner bezwungen hat.

Um auf einer Map ein bestimmtes Areal freizuschalten, muss man zunächst den Kontrollpunkt erreichen. Erst dann werden die einzelnen Pfade auf einer Übersichtskarte freigeschaltet und man sieht, wie man zum nächsten Gebiet gelangt.

Auf der dritten Map hat mich das fast zum Abbruch gezwungen. Ich habe es partout nicht geschafft, einen bestimmten Kontrollpunkt zu erreichen und dann zu meinem Quest-Ziel zu kommen. Ich habe alle Pfade ausprobiert, die um das Areal herumgingen, und habe dabei eine Stunde lang irgendwie geschafft, einen bestimmten Zweig zu verpassen, der mich zum Ziel geführt hätte.

Generell kommt es oft vor, dass ihr bereits vor euch ein bestimmtes Ziel entdeckt, dann aber einen riesigen Abgrund oder einen Fluss dazwischen habt, sodass ihr einen krassen Umweg nehmen müsst.

Etwas einfacher sind da die Dungeons gehalten, die sich unter der Erde befinden und ab und zu euer Questgebiet sind. Hier begebt ihr euch nur von Raum zu Raum, um dann irgendwann den Bossgegner zu erreichen. Hier kann es allerdings ebenfalls dazu kommen, dass ihr euch verlauft, da sich viele Räume ähnlich sehen und ich mich einmal sogar gefragt habe, ob ich aus Versehen zurückgegangen bin, weil zwei Ebenen genau identisch vom Aufbau her waren.

Besonders gut gelungen finde ich dagegen die Stadt der Anfänge und alle weiteren Dörfer. Es gibt hier zwar NPCs, die keinen eigenen Tagesablauf haben und nur zufällig durch die Gegend laufen, doch sie sorgen schon dafür, dass sich die Stadt einfach belebt anfühlt.

Die Städte sind besonders schön gestaltet und es fühlt sich wirklich so an, als würde man in einem kleinen Gebiet mit anderen Menschen und NPCs umherlaufen. Auch das Gasthaus finde ich als Spielerhub, bei dem man jedes Mal erneut aufwacht, gelungen.

Fazit: Auch Hardcore-Fans brauchen einen stabilen Geduldsfaden

Nach einigen Stunden im Spiel habe ich die rosa-rote SAO-Fanbrille abgenommen und muss sagen, dass das Spiel einiges an Geduld abverlangt. Das Erkunden der Welt hat selten einen Mehrwert und die Pfade sind so verschlungen, dass es einen guten Orientierungssinn braucht, um sich zurechtzufinden.

Hinzu kommt, dass die Gegner recht schnell recycelt werden. Schon auf der zweiten Map konnte ich innerhalb der ersten Sekunden eines Boss-Intro-Videos an den Füßen erkennen, um welchen Gegner es sich handelt und welche Taktik ich zu erwarten habe.

Wer über diese Schwächen hinwegsehen kann, der kann allerdings viel Spaß mit Echoes of Aincrad haben. Denn zum ersten Mal fühlt es sich auch wirklich so an, als ob das eigene Leben bedroht ist und man seine eigene Story spielt, wenn auch mit einigen Macken.

Pro
  • Wunderschön gestaltete Welt mit starker Atmosphäre
  • Kampfsystem macht Laune und ist kein reines Button-Mashing
  • Jede Waffenart spielt sich anders und bringt Abwechslung
  • Gefühl von ständiger Bedrohung, wie im Anime
  • Individuell erstellbarer Charakter
Contra
  • Nebencharakter-Gefühl bei wichtigen Story-Momenten
  • Frustrierendes Map-Design durch verwirrende Pfade und Sackgassen
  • Belohnungsarme Welt durch Truhen mit durchschnittlichem Loot
  • Repetitive Umgebung in Dungeons
  • Gegner-Recycling schon ab der zweiten Welt

Für wen ist Sword Art Online: Echoes of Aincrad geeignet?

Du solltest Echoes of Aincrad spielen, wenn du…

  • ein Fan von SAO bist und schon immer mal in die Welt eintauchen wolltest
  • das Gefühl von ständiger Bedrohung verspüren willst
  • spaßige Action-Kämpfe mit Taktikgefühl suchst

Du solltest lieber die Finger davon lassen, wenn du…

  • schnell die Orientierung verlierst
  • abwechslungsreiche Standard-Gegner brauchst
  • eine emotionale Story mit dir im Mittelpunkt erwartest

Lohnt sich Echoes of Aincrad für Spieler, die SAO nicht kennen? Solltet ihr noch nie etwas mit Sword Art Online zu tun bekommen haben, wäre Echoes of Aincrad der beste Einstieg in das Gaming-Franchise. Das Spiel gibt das Gefühl des Anime gut wieder und macht durch das Kampfsystem auch Laune. Ihr müsst allerdings etwas Frustresistenz mitbringen.
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