MMORPG-Fans, die sich kein WoW-Abo leisten wollten oder konnten, wichen in den 2000ern häufig auf Free2Play-Alternativen aus, die zwar qualitativ schlechter waren, aber dafür eben kostenlos. Eine YouTuberin hat jetzt einen ganz frühen Vertreter dieser Online-Rollenspiele nachgeholt.
Zeitreise zurück in die 2000er-Jahre: Als World of Warcraft das Genre der MMORPGs in den Mainstream kickte, bekamen viele Spieler Lust auf diese damals noch ungewöhnliche Online-Spielerfahrung, die gar keine Möglichkeit oder Lust hatten, jeden Monat 13 Euro nach Kalifornien zu überweisen.
Davon profitierten dann diverse Free2Play-MMORPGs. In Deutschland waren beispielsweise Metin2, Flyff, 4Story und Runes of Magic viel gespielte WoW-Alternativen. In anderen Ländern zockte man dagegen eher RuneScape, MapleStory, Silkroad Online oder Dofus.
Oft qualifizierten sich die Alternativen nicht nur durch ihr Free2Play-Modell, sondern auch durch ihre enorme Zugänglichkeit. Das Browser-MMO Sherwood Dungeon (erschien erstmals 2002 als Sherwood Temple) erschien beispielsweise an der Seite weiterer Online-Games über die Webseite maidmarian.com.
Interessierte konnten sich dort ohne Registrierung oder Account-Erstellung einen Charakter erstellen und sofort loslegen. Manch ein Schüler oder Student dürfte das Game während des Informatikunterrichts oder der Computer-AG angesteuert haben. Auch spielerisch gibt’s keine großen Einstiegshürden. Sherwood Dungeon ist bis heute quasi ein Chatraum mit Kämpfen.
Da Sherwood Dungeons auch heute noch live ist, hat sich die YouTuberin Memoria gedacht, sie könne ja einfach mal reinschauen, um herauszufinden, wie viel Spiel eigentlich in dem Spiel steckt.
Mehr zum besten Genre der Welt findet ihr übrigens auch auf dem YouTube-Kanal von MeinMMO. Ganz neu ist dort etwa ein Video zur größten MMO-Neuerscheinung des Jahres 2026 erschienen:
Ab in den Sherwood-Dungeon
Was hat die YouTuberin erlebt? Genau das fasst Memoria in ihrem neuen Video in knapp 35 Minuten zusammen. Ins Abenteuer stürzt sie sich mit einem Skelett, das Schwert und Schild trägt. Die erste Überraschung gibt’s bereits in den ersten Minuten: Im Chat des 24 Jahre alten Spiels unterhalten sich munter mehrere – offenbar französische – Spieler.
Sherwood Dungeons hat also auch heute noch eine kleine, aber feine Community. Warum fein? Nun, weil Memoria bereits im Startgebiet von anderen Spielern diverse Ausrüstungsteile in die Hand gedrückt bekommt, die für die kommenden Herausforderungen sehr nützlich sein dürften.
Den ersten Schock gibt’s im Shop. Die Mounts dort bezahlt man offenbar mit einer Echtgeld-Währung und sie sind nur für gewisse Zeit verfügbar (etwa für 8 oder 12 Monate). Dort finden sich neben Reittieren aber auch coole Drachenflügel für den Charakter und Begleiter, darunter einen Minotauren mit Brustwarzen-Piercing: „Oh, für diese Nippelringe interessiere ich mich auch. Ich werde hier aber erstmal kein Geld investieren.“
Danach stürzt sich Memoria für die ersten Quests in Kämpfe gegen die heimischen Spinnen. Das Kampfsystem ist simpel: Man stellt sich vor einen Gegner und nutzt die wenigen Fähigkeiten in der Aktionsleiste, sobald diese bereit sind.
Die Animationen wirken natürlich aus der Zeit gefallen. Treffer-Feedback ist nicht wirklich vorhanden. Dafür belohnt jeder Stufenaufstieg mit einer spektakulär inszenierten Wirbelwinddrehung und Details zur neuen Skill-Freischaltung.
Schnell landet Memoria mitten in einer epischen Questreihe, für die sie die 6 Steine der Macht finden, eine Drachenklaue beschwören, ein magisches Szepter anlegen und Fiesling Bane besiegen soll. Im Zuge dieser Aufgabe lernt sie eines der Kernstücke des MMOs kennen: einen Dungeon unter Sherwood Keep, der „hunderte Level in die Tiefe“ führt.
Einige NPCs in der Nähe des Eingangs versorgen die Spielerin mit immer neuen Aufgaben für eben diesen Dungeon. In den Tiefen warten aber nicht nur verschiedene Gegner auf Memoria, sondern auch Loot-Kisten mit nützlicher Ausrüstung.
Einige Stufenaufstiege später ist ihr Skelett nicht nur spürbar stärker, Memoria wird auch vom bereits erwähnten Minotaurus begleitet und hat alle wichtigen Tastenkürzel des PC-MMORPGs auf einen Controller übertragen, sodass sie gemütlich von der Couch spielen kann. Außerdem hat sie mit Runen und Schriftrollen ihre erste Waffe hergestellt – die ist leider zu schwach und für die Tonne.
Das Video von Memoria könnt ihr euch auf YouTube oder im Folgenden anschauen:
Mit zunehmender Spielzeit drängen sich die Schwächen von Sherwood Dungeons immer mehr auf.
- Neu gelernte Skills unterscheiden sich kaum von den anderen.
- Es gibt keinen Knopf, um mehrere Items auf einen Schlag zu verkaufen. Stattdessen muss man jedes Mal dreimal klicken, bevor ein Item beim Händler landet.
- Der Grind ist wirklich stark in diesem MMORPG – weil jede Region eine Mindestcharakterstufe erfordert und die Hauptgeschichte Spieler durch die halbe Welt führt.
- Die Quests spielen sich alle gleich: Erledige Gegner oder sammle etwas von besiegten Gegnern.
- Der Charakterfortschritt fühlt sich bedeutungslos an, da alles (Stärke der Gegner, Schaden der Waffen und Fertigkeiten, erhaltenes Gold, Goldkosten) mit der eigenen Charakterstufe skaliert.
Memoria beißt sich jedoch durch diese oldschoolige Spielerfahrung und stellt nebenbei fest, wie wichtig das Thema Clans (aka Gilden) für die Community von Sherwood Dungeons zu sein scheint:
„Das Fandom-Wiki hat 58 Artikel zu bestimmten, von Spielern erschaffenen Clans – mit ihrer jeweiligen Geschichte, ihren Kriegen und politischen Beziehungen, die sie mit anderen hatten. Viele der Clans besitzen dabei eigene Webseiten, wo sie ihre Mitglieder und Rankings aktuell halten und ihre Verbündeten und Feinde auflisten.“
Zahlreiche Quests und Kämpfe später erreicht Memoria ihr Ziel und besiegt Bane. Als Belohnung winkt das Darkblood-Großschwert des Chaos. Der ganze Spaß hat … einen einzigen Nachmittag gedauert. Danach stürzte sich die Spielerin noch auf einige der kleineren Questreihen und die Endgame-Regionen.
Trotz der aus der Zeit gefallenen Erfahrung zieht Memoria ein positives Fazit: „Das ist natürlich stark geprägt von Nostalgie und meiner Voreingenommenheit, aber das hatte für mich so etwas Charmantes. Statt tatsächlich ein MMO zu spielen, ist es mehr, als ob man sich in einem Raum mit MMO-Thema befinden würde. Ein bisschen so wie bei Spielzeug. Es passiert so wenig, dass man sich sein eigenes Abenteuer erschaffen muss.“
Wie sieht es aus: Habt ihr damals auch Free2Play-MMOs gezockt, weil euch das WoW-Abo zu teuer war? Welches Online-Game konnte euch in den 2000ern besonders begeistern? Verratet es uns gern in den Kommentaren!
Auch andere Content-Creator schauen ab und an in vergessene MMORPGs rein und machen dort bemerkenswerte Erfahrungen. Besonders herzerwärmend fanden wir den Trip eines YouTubers auf die Server von „There.com“: YouTuber will Online-Game mit 0 Spielern wiederbeleben – 7,5 Millionen Leute schauen zu, darunter der dankbare Entwickler
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