Project Genom Early Access Test: Wie weit ist das SF-MMORPG?

Das SF-MMORPG Project Genom befindet sich zurzeit im Early-Access. Wir schauen für einen kleinen Test vorbei. Wie weit ist das Game?

In den vergangenen Tagen hat Project Genom so einiges an Staub aufgewirbelt: Ein Streit innerhalb des Entwickler-Teams sorgte sogar dafür, dass Project Genom für kurze Zeit von Steam verschwand. Doch die kurze Schlammschlacht ist vorbei. Entwicklerstudio NeuronHaze und der Programmierer haben sich außergerichtlich geeinigt. Und so ist auch die Alpha des Sci-Fi-MMOs erneut auf Steam gelistet.

Auch wenn die wirtschaftlichen Reibereien im Hintergrund für viel Aufmerksamkeit sorgten, letztendlich gilt meine Neugier als Spieler dem Game. Project Genom steht schon länger auf meiner Wunschliste. Zeit, da mal reinzuschauen.

Project Genom: Die Charaktererstellung – Halbnackt im Raumanzug

Für mich ist es also an der Zeit, den Raumanzug zu entstauben und in der Alpha mal nach dem Rechten zu sehen. Gut, der Raumanzug spannt etwas in der Körpermitte. Ich glaub, ich hatte ihn in Mass Effect 3 das letzte Mal an. Hier wie da hat er schon das ein oder andere kleinere Löchlein, ob das zum Problem wird? Ach, was soll´s, dann eben ohne. Tapfer stürze ich mich also halbnackt ins Spielgeschehen, um mir und euch einen kurzen Einblick zu verschaffen, was uns mit Project Genom erwartet.

Nach einem kurzen Download von 3,3 GB befinde ich mich auch schon im Charaktereditor von Project Genom. Dieser ist derzeit mit den Worten „verhältnismäßig übersichtlich“ noch gelobt. Es ist eben eine Alpha-Version, das sollte man nicht vergessen. Zumindest informiert man mich, an Charakteranpassungsmöglichkeiten würde man arbeiten.

Vorerst beschränkt sich die Wahl einzig auf das Geschlecht des russischen Unterwäschemodels mit den Bauchmuskeln eines tibetanischen Kampfmönchs und dem Kreuz eines Schwimmweltmeisters. Um körperliche Fitness muss ich mir also in der digitalen Welt erst einmal keine Sorgen machen.

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Und so beginnt es

Große Einleitungen sind vorerst wohl nicht die Stärke der russischen Entwickler, ohne Dramatik stehe ich, immer noch halbnackt, in einem Gang. Es beginnt also alles eher ruhig. Aber nicht mit Commander Erzkanzler!

Ich habe zu viele Sci-Fi Filme gesehen, um nicht zu wissen, dass hier etwas nicht stimmt! Gut, die Leiche neben mir verstärkt das Gefühl und könnte meine anfängliche Intuition untermauern. Egal! Weiter im Text. Schnell wird klar, ich bin aus dem Hyperschlaf erwacht. Sitzt ein Kollege doch noch in einer Kryokammer links neben mir. Warum er seinen Raumanzug anbehalten durfte, ich aber nur in Unterwäsche eingefroren wurde, bleibt vorerst im Dunkeln. Ein wenig fühle ich mich an Alien erinnert. Und an Dead Space und Stasis und Doom und an etwa 173 weitere Spiele.

Bevor ich mich weiter in diese geheimnisvolle Welt begebe, schauen wir uns aber erst einmal um. Project Genom wird auf der Unreal Engine 4 entwickelt, grafisch sollte einiges möglich sein. Ich leiste mir die Freiheit und stelle in den Optionen alle Grafiksettings auf „Epic“.epic-genom

Wirklich vom Hocker haut mich das Ergebnis dann leider nicht. Ganz ehrlich, ich bin sogar enttäuscht. Ist doch gerade die Unreal Engine bekannt für die Umsetzbarkeit beeindruckender Sci-Fi-Spiele und auch der offizielle Trailer ist weitaus beeindruckender als das, was sich auf meinem Bildschirm zeigt.

vergleich-genomSollte ich die Grafik mit einem bestehenden Spiel vergleichen – das im Jahre 2013 erschienene Defiance entspräche wohl am ehesten dem, was Project Genom derzeit bietet. Leider war die Grafik von Defiance zu Release des Spiels nicht unbedingt als „State of the Art“ zu bezeichnen. Da ist also für Project Genom noch deutlich Raum nach oben, bis es mal so aussieht wie im Trailer mit der „Engine Footage.“ Den Trailer hat man wohl bewusst nicht als Ingame Footage bezeichnet.frau-genom

Auch Synchro und Lokalisierung sind noch stark optimierungsbedürftig. Zwar hat die englische Sprachausgabe mit russischem Akzent ihren Reiz, doch wird Emotion so passend transportiert, als würde man sich einen russischen Amateurporno von Google Translate vorlesen lassen. Dass alle Questtexte schon in englischer Sprache vorliegen, ist zwar schön, aber ich hätte mir gewünscht, die Tastenbelegung im Menü wäre nicht kyrillisch.

Und wie ist das Gameplay so?

So, nun aber zurück in den kühlen Gang, in dem meine Spielfigur immer noch halbnackt steht und sich die Nippel abfriert. Vielleicht schau ich mich dann doch mal ein wenig um und suche mir Klamotten. Üblicherweise müsste hier doch auch irgendwo eine Waffe rumliegen. Bingo, zumindest eine Hose und eine Handfeuerwaffe sind schnell gefunden.

Kleinere Schwächen zeigen sich aber auch hier schon. So reicht es nicht, im Inventar auf einen Gegenstand zu klicken, um ihn auszurüsten, er muss per Drag&Drop angelegt werden. Dass die Hose sich sowohl in meinem Inventar, als auch noch vor mir auf dem Boden befindet, ist zwar merkwürdig aber zu verschmerzen.

inventar-genomWenn man mir schon eine Waffe vor die Füße wirft, erwartet mich im nächsten Raum wohl kein leckeres Frühstück mit frischen belgischen Waffeln und einem Latte Macchiato. Mir scheint: Es gibt ein Insektenproblem auf dieser Station. Dank Energiewaffe lässt sich das aber lösen, auch wenn die Viecher für meinen Geschmack etwas zu stabil sind. Macht aber nichts, Intelligenz wurde hier ganz klar gegen Stabilität getauscht.

Wir beschleunigen die Vorkommnisse ein wenig, denn der Anfang zieht sich. Ich befinde mich also auf einer Station auf einem fremden Planeten. Glücklicherweise bin ich nicht allein. Warum es keine Sau interessiert, wenn in Gängen Leichen vor sich hinrotten, bleibt vorerst ein Geheimnis. Das Insektenproblem hingegen ist bekannt. Ich werde ziemlich schnell mit diversen, nichtssagenden Quests beauftragt. Ventilatoren anschalten, Blumen sammeln und mit Menschen über Belanglosigkeiten sprechen, in die Kneipe gehen, mir Fahrzeuge anschauen.

ALTER! LEICHEN! … da hinten im Tunnel… echt mal!

project genomSpannungsbogen? Kommt wohl noch per Update. Und wenn wir gerade dabei sind, ein wenig mehr Questführung darf es dann schon sein. Wenn ich einen NPC auf der Station ansprechen soll, ist es nervenaufreibend, wirklich alle ansprechen zu müssen. Ja, schon klar, Erzi der alte Weichspühl-MMOler, damals als wir uns noch „die Karten noch selber gemalt haben!“. Ich habe auch Karten selber gezeichnet, aber der Mehrwert an Spielvergnügen stundenlang durch die Station zu rennen, um mir alle Namen zu merken, hat sich mir nicht erschlossen.

Skillbaum mit verzweigten Fähigkeiten

Nach den ersten Stunden in Project Genom erahnt man, welch große Ziele hier einst auf russische Whiteboards gekritzelt wurden. Der wohl deutlichste Beweis hierfür ist sicherlich auch der Skillbaum, der sich mit etwas Mühe im Spiel entdecken lässt. Dutzende sich verzweigende Fähigkeiten sind dort verankert und zeigen, welch Potenzial eine Charakterentwicklung haben könnte.

skillbaumAlles an dieser Alpha macht den Eindruck, man plane Großes. Das Gezeigte kann diesem Konzept vorerst aber nicht entsprechen und verdeutlicht, wie viel Arbeit den Entwicklern noch bevorsteht. Auch die Planetenoberfläche, auf die mich das Spiel nach einiger Zeit entlässt, hinterlässt einen eher mäßigen Eindruck auf mich. Hier finden sich Texturen unterschiedlichster Qualität, um es mal vorsichtig auszudrücken.

textur

Fazit: Hier wird Großes gebaut, im Moment ist es aber noch eine Baustelle

Ähnlich wie die unterschiedlichen Texturen ist mein Gesamteindruck des derzeitigen Standes: Vieles, was im Ansatz wirklich gut ist und in die richtige Richtung zeigt, aber derzeit zeigt es oftmals auf einen sehr langen Weg, der noch zu gehen ist. Mich erinnert Genom aktuell an MMOs der Anfangszeiten des Genres.

Die Monster sind dumm wie ein halber Meter ostsächsischer Feldweg. Die Quests sind simpel und an allen Ecken trifft man auf Baustellen, wie etwa unsichtbare Grenzen, die nachweislich dort nicht sein sollten. Das ist ok, niemand sollte ein fertiges Spiel erwarten, wenn er eine Alpha-Version kauft. Ob man solch einen Entwicklungsstand aber in den Early Access bringen sollte, sei mal dahingestellt.

alphaUnd so sollte man den aktuellen Early-Access-Preis von knapp 20 Euro auch nicht als „Kauf“ verstehen, derzeit unterstützt man nur eine Vision, einen Traum. Der Entwickler NeuronHaze steht vor einer riesigen Aufgabe. Zwar war das bei einem gewissen Chris Roberts auch nicht anders, als er seine Kickstarter-Kampagne für Star Citizen begann, NeuronHaze wird aber kaum ähnliche Unterstützung erfahren.

Project Genom ist eines dieser ambitionierten Projekte, die entweder ein Überraschungserfolg werden oder für immer und ewig in der Early-Access-Phase stecken, um dann recht leise und heimlich halbfertig veröffentlicht zu werden. Ich wage aber zu bezweifeln, dass NeuronHaze die Vision in absehbarer Zeit umsetzen kann. So wünscht man sich fast einen finanzstarken Publisher, der sich dieser Idee annimmt.

Vorerst gilt meine Kaufempfenlung also nur Enthusiasten. Wer Setting und Spielprinzip interessant findet, sollte sich Defiance anschauen, denn dies bietet aktuell kostenlos mehr Umfang und Spielspaß.
ende

Was haltet Ihr von Early Access, muss es ein realistisch umsetzbarer Zwischenstand eines Spiels sein? Reicht euch eine Idee? Oder haben frühe Alpha-Versionen nichts im Early Access zu suchen?

Dieser Text stammt von unserem Leser Erzkanzler. Mehr von Erzkanzler gibt’s auf seinem Blog.


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