Ist ein Mini-PC eine Alternative zur Steam Machine? Ich hab es für euch ausprobiert

Titelbild Beelink Ser 08 Schrägansicht rot

Gaming im Mini-Format, auch ohne Steam Machine? MeinMMO-Redakteur Benedikt Schlotmann hat einen Mini-PC ausprobiert und erklärt, wie viel Potential in einem modernen Mini-PC des Herstellers Beelink steckt. Und davon steckt jede Menge in dem kleinen Gerät, die Grenzen sind aber auch klar gesetzt.

Die Steam Machine ist ausverkauft und nur schwer erhältlich. Für viele war das Gerät von Valve eine Option als Zweit-Gerät fürs Wohnzimmer. Als Alternative neben dem großen Desktop-PC oder neben einer Konsole.

Neben Gaming-PCs und Konsolen gibt es mit Mini-PCs noch eine dritte Gruppe an stationären Geräten, wenn man mal die Switch außen vor lässt.

Der Hersteller Beelink bot mir an, das Modell Ser 08 zu testen, bewusst auch mit dem Blick auf Gaming. Und die Firma bewirbt sein Modell aktiv mit Gaming-Leistung und nicht als reines Office-Gerät, wie man das vielleicht erwarten würde. Auf der Hersteller-Seite werden prominent Dota 2, CSGO, PUBG, Lol und Destiny 2 als Gaming-Titel genannt.

In einem Test habe ich mir das Gerät einmal angesehen und mehrere Wochen im Alltag genutzt. Was kann das Gerät im Alltag leisten und wo sind die Grenzen gesetzt?

Auf Amazon kostet der Beelink Ser08 in seiner Basis-Aussattung derzeit etwa 700 Euro.

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Valve stellt die Steam Machine im neuen Trailer vor

Mini-PC mit potenter Hardware, aber ohne „echte“ Grafikkarte

Welche Hardware steckt in dem Gerät?

  • AMD Ryzen 7 8745HS, dahinter verbirgt sich ein Highend-Notebook-Prozessor und keine reine Desktop-CPU.
  • Die CPU ist mit einem Grafikchip ausgestattet, der RX 780M heißt. Das heißt, in dem Mini-PC kommt keine dedizierte Grafikkarte zum Einsatz wie in einem richtigen Gaming-PC. Dazu später mehr.
  • 32 GB DDR5-RAM, der sich erweitern lässt.
  • 1 TB SSD-Speicher, der sich bei Bedarf ebenfalls erweitern lässt.

Technisch bekomme ich hier also schon ein ziemlich potentes Paket geboten, der Prozessor ist aber „nur“ aus dem Jahr 2024 und setzt weiterhin auf die Zen4-Architektur. Arbeitsspeicher und Speicherplatz sind ohnehin für 2026 mehr als ausreichend.

Und das bringt mich auch zur GPU des Systems. Bleiben wir bei dem Vergleich mit der Steam Machine, denn hier kann man gleich den wichtigsten Unterschied festmachen: Während in der Steam Machine eine dedizierte Grafikkarte zum Einsatz kommt, gibt’s im Mini-PC nur einen Grafikchip, der auf dem Prozessor sitzt. Eine sogenannte APU.

Auf dem Papier wird das noch deutlicher, wenn man die beiden Chips miteinander vergleicht: Die RX 7600, in etwa das Äquivalent zur Steam Machine, ist mehr als doppelt so leistungsstark wie die RX 780M in dem Mini-PC. Auf der anderen Seite ist die CPU des Mini-PCs etwa als doppelt so stark wie die Custom-CPU der Steam Machine.

Der Vorteil des Mini-PCs ist außerdem, dass das Gerät sehr klein ist: Mehr Platz als eine Keksdose oder ein Gaming-Controller ist das Teil nicht (siehe Bild unten). Und damit auch kleiner als die Steam Machine. Der Mini-PC ist daher schnell in den TV-Schrank gepackt und angeschaltet. Was bedeutet das jetzt für den Alltag?

Ja, ihr könnt damit zocken, wenn’s nicht die aktuellen Top-Titel sein müssen

Ja, und wie sieht’s mit Gaming aus? Bei topmodernen AAA-Titeln geht dem kleinen Computer schnell die Puste aus. Das sollte euch nicht wirklich überraschen und hat es mich übrigens auch nicht. Crimson Desert oder Anno 117 machen mit dem Teil einfach keinen Spaß.

Ältere Top-Titel gehen in der Regel, wenn ihr die Details herunterstellt: Diablo 4, The Witcher 3, aber auch neuere Sachen wie Stellar Blade oder EA Sport FC 26. Eine umfangreiche Test-Liste mit Benchmarks findet ihr weiter unten im Detail.

Bei kleineren Titeln sieht es hingegen schon deutlich besser aus: Hier bekommt ihr dann auch vernünftige Bildraten, wie sie auch der Hersteller verspricht. Auch ältere MMORPGs, etwa The Elder Scrolls Online oder Star Wars: The Old Republic laufen darauf ziemlich gut.

Am Ende des Tages kommt es wirklich darauf an, mit welchen Erwartungen ihr an das kleine Gerät herangeht? Wollt ihr moderne, bildschöne Spiele spielen? Dann würde ich euch von dem Mini-PC dringend abraten. Hier seid ihr mit einer PS5 oder einer Xbox deutlich besser bedient.

Wollt ihr hingegen gelegentlich ein paar Runden spielen und braucht ihr nicht die schönsten und besten Details, dann ist das System empfehlenswert.

Beelink Ser 08: Performance im Detail-Check

Wie sieht die Performance aus? Bei allen Spielen sieht man bei der Performance ausnahmslos, wer für die insgesamt schwache Leistung verantwortlich ist und das ist die GPU. In fast allen Spielen liegt die GPU bei mittleren Einstellungen und Full-HD (1920×1080) bei 100 %, der Prozessor schwankt irgendwo zwischen 20 und 40 % hin und her. Das heißt, der Mini-PC verschenkt durch den schwachen GPU-Chip viel Potential.

Die Steam Machine mag zwar den deutlich langsameren Prozessor haben, aber beim Beelink SER8 wird die schnelle CPU ständig vom langsamen GPU-Chip ausgebremst. Heißt aber auch: Habt ihr Spiele oder Programme, die voll auf die CPU setzen, seit ihr mit dem Mini-PC klar im Vorteil, etwa wenn ihr viele tausend Einheiten über das Schlachtfeld bewegen müsst und im Hintergrund von der CPU viele Zahlen verschoben werden müssen und die GPU wenig zu tun bekommt.

In der Tabelle seht ihr die durchschnittlichen Werte in den Spielen, die Details lest ihr weiter unten als Text. Für die Leistung habe ich versucht eine breite Palette von Spielen zu wählen, um etliche Genres abdecken zu können.

SpielPerformance
PalworldFPS: 35 | CPU 34 % | GPU: 99 %
Stellar BladeFPS: 39 | CPU 31 % | GPU: 99 %
Stronghold Crusader: DefinitiveFPS: 60 | CPU: 21 % | GPU: 45 %
Ashes of the Singularity: EscalationFPS: 44 | CPU 57 % | GPU 100 %
Ashes of t he Singularity: Esclation (DX 12)FPS: 33 | CPU 79 % | GPU 64 %
EA Sports FC 26FPS: 51 | CPU: 30 % | GPU 72 %
Cyberpunk 2077FPS: 42 | CPU: 52 % | GPU: 98 %

Welche Möglichkeiten habe ich noch? Eine Alternative wäre übrigens, den Mini-PC mit einer Docking Station für Grafikkarten zu kombinieren. Diese Lösungen sind nicht ganz billig und setzen außerdem eine Grafikkarte und manchmal auch ein Netzteil voraus. Hinzu kommt, dass solche externen Lösungen in der Regel ein langsameres PCIe-Interface (PCIe 8 vs 16 im PC) haben als ein normales Mainboard. Es kommt also am Ende nicht die volle Leistung der Grafikkarte bei eurem Mini-PC an.

Ich habe mir tatsächlich ein externes Gehäuse für meine alte Radeon RX 6700 XT bestellt, das war aber für den Test nicht rechtzeitig da. Falls das Interesse besteht, reiche ich ein Update dafür gerne nach. Meldet euch gerne in den Kommentaren!

Palworld

Das Survival-Spiel läuft auf dem Mini-PC auf Anhieb problemlos. Selbst mit vielen Pals und einer gut ausgebauten Basis bleibt die Performance bei mittleren Details zwischen 30 und 40 FPS. Der Grafikchip liegt hier bereits am möglichen Maximum.

Selbst das Hosten einer Partie und der Beitritt eines anderen Spielers ist problemlos möglich, aber die Leistung des Geräts sinkt dann etwas. Als Mitspieler ist die Leistung brauchbar, als Host nur bedingt, wenn ihr die Einstellungen des Servers zu hoch einstellt.

Stellar Blade

Das Action-Spiel lief bereits auf meinem Steam Deck sehr flüssig und problemlos und auch auf dem Mini-PC ist es ähnlich. Das Spiel läuft in mittleren Details stabil, auf niedrigen Einstellungen lässt sich aber noch etwas mehr herausholen. Die GPU ist aber auch hier der limitierende Faktor.

Selbst in den actionreichen Bosskämpfen, wo schnelle Reaktionszeiten gefragt sind, kann der Mini-PC mithalten. Unbedingt hübsch sieht das Spiel aber nicht mehr aus. Insbesondere bei Haaren oder in der Tiefe gehen viele Details verloren.

Interessant: Bei Stellar Blade gab es beim Start eine Fehlermeldung, dass das „PlayStation PC SDK Runtime“ fehlen würde. Das Spiel ist trotzdem problemlos gestartet.

Stronghold Crusader: Definitive

Der alte RTS-Titel läuft auf dem Mini-PC absolut problemlos. Selbst mit vielen Gegnern und entsprechend vielen Einheiten auf der Karte konnte ich keine Einbrüche bei der Performance beobachten. Aber man muss auch dazu sagen: Stronghold Crusader ist selbst in seiner Definitive-Version 20 Jahre alt.

Im Test konnte ich die Auflösung sogar auf UWQHD hochstellen und problemlos spielen. Für so ein Spiel reicht die Leistung daher völlig aus und habe zusätzlich noch Luft nach oben.

Ashes of the Singularity: Escalation

Das RTS setzt vor allem auf Massenschlachten mit vielen hundert Einheiten. Auch hier zeigt sich, dass vor allem der Grafikchip limitiert, während die CPU eher bei 30 % liegt und darauf wartet, mehr Leistung liefern zu dürfen. Mit Direct X 11 liegt die Performance zwischen 40 und 50 FPS bei mittleren Details.

Mit Direct X 12 kann man die Last auf die CPU schieben. Hier fühlt sich der Prozessor endlich einmal ausgelastet und die Last auf die GPU sinkt. Interessanterweise sinkt aber auch die Framerate im Vergleich zu Direct X 11. Ich bin daher nach einem kurzen Test wieder auf die stabilere 11er-Version gewechselt.

EA Sports FC 26

Electronic Arts noch aktuelles Fußballspiel läuft ziemlich stabil und erreicht in aktiven Matches teilweise sogar die 60 FPS und das in mittleren Einstellungen. Spannend ist, dass die GPU ausnahmsweise mal nicht auf 100 % kämpft, sondern eher zwischen 70 und 80 %. Hier lässt sich daher noch etwas an den Einstellungen schrauben.

Der erste Start des Spiels dauert jedoch, weil erst einmal der EA-Client installiert werden muss und anschließend das Anti-Cheat-Modul startet. Probleme gab es aber tatsächlich keine.

Cyberpunk 2077

Cyberpunk 2077 könnt ihr ebenfalls auf dem Mini-PC spielen, müsst dafür die Grafikeinstellungen stark heruntersetzen und obendrein FSR 2.1 verwenden.

Ähnlich wie bei anderen modernen Spielen wird das System stark durch die GPU limitiert.

Kann ich das Gerät empfehlen? Ja, grundsätzlich bekommt ihr ein kompaktes und leistungsfähiges Gerät, welches durch die schwache GPU limitiert wird.

Das Gerät bleibt selbst unter Last unauffällig leise und bietet jede Menge Leistung. Gaming ist damit problemlos möglich, solange ihr Details reduziert. Eine Alternative für einen echten Gaming-PC bekommt ihr nicht, aber eine gute Option für einen Zweit-PC.

Welche Alternativen gibt es im Mini-Bereich noch? Beelink ist nicht der einzige Hersteller, der Mini-PCs verkauft.

  • Sehr gute Erfahrungen gemacht habe ich mit NiPoGi, wo ich jahrelang ein kleines System privat im Alltag verwendet habe.
  • Acemagic setzt verstärkt auf eine bunte, verspielte Optik.
  • Geekom setzt auf ein ähnlich schlichtes und zurückhaltendes Design wie Beelink, bietet aber ein paar leistungsstärkere Optionen, unter anderem mit den neuen Ryzen-AI-CPUs. Aber auch hier bleibt das Problem, dass ihr am Ende nur eine Radeon 890M bekommt, die nur 10 % schneller ist als der hier verbaute Chip.
  • Ein weiterer Hersteller wäre Minisforum, der ebenfalls potente Mini-PCs anbietet, teilweise auch mit richtiger Grafikkarte.

Grundsätzlich gilt für alle genannten Geräte und Optionen: Euren Gaming-PC unterm Tisch oder eure PS5 wird so ein Mini-PC so schnell nicht ersetzen, aber das wollen diese Geräte auch nicht. Insgesamt ist es dennoch beeindruckend zu sehen, wie stark sich die Technik im Mini-PC-Bereich in den letzten Jahren entwickelt hat. Mittlerweile gibt es sogar Modelle mit dedizierter Grafikkarte, die es mit der PS5 aufnehmen können: Hersteller zeigt neuen Gaming-PC, ist dünner als die PS5 und soll deutlich leistungsstärker sein

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