Die deutschen Häuser in Battlefield 6 sind definitiv keine deutsche Handwerkskunst, ein Entwickler erklärt, wieso

Battlefield 6 Pionier und Explosion

In Battlefield 6 gehören die Maps zu den wichtigsten und meistdiskutierten Inhalten. Sind sie zu klein? Spielen sie sich zu schnell? Gibt es Exploits? Jede Map wird von der Community genau begutachtet. Wir haben deshalb mit Battlefield-Producer Philipp Girette über den wichtigsten Baustein der Battlefield-Erfahrung gesprochen.

Wer ist der Entwickler? Unser Interview-Partner ist Philipp Girette. Er ist Seasons-Produzent bei Battlefield 6 und dementsprechend für die Inhalte neuer Seasons verantwortlich. Dabei arbeitet er mit verschiedenen Teams zusammen, die etwa für Fahrzeuge, Waffen oder Maps verantwortlich sind.

Was hat es in Battlefield 6 mit den deutschen Häusern auf sich? In Season 2 hat Battlefield 6 zwei Maps bekommen, die in Deutschland spielen: Kontaminiert und Hagental Base. Auf Kontaminiert stehen einige Wohnhäuser herum. Diese sind jedoch aus dünnen Wänden gebaut, wie aus Pappmaché, und nicht aus stabilem Mauerwerk, wie wir es von deutscher Handwerkskunst gewohnt sind.

Wir haben Phil gefragt, warum das so ist und wir keine authentischen deutschen Gebäude bekommen haben.

Darum gibt es keine stabilen deutschen Häuser: Wie Phil erklärte, liegt der Fokus der Entwickler bei den Gebäuden darauf, dass ihr sie während des Matches ausgiebig zerstören könnt. Die Häuser dürfen dann natürlich nicht zu stabil sein.

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Battlefield 6 stellt die Roadmap für das Jahr 2026 im Video vor

MeinMMO: Wie lange arbeitet ihr etwa an einer Map, ehe sie als „fertig“ eingestuft wird?

„Jede Map braucht ihre Zeit und hat eine eigene Timeline. Manchmal ist die Vision schnell klar, es klickt bei allen Teams und es läuft etwas zügiger ab. Andere Male versuchen wir, neue Features oder Mechaniken einzubauen, oder es dauert länger, bis sich die Map wirklich gut und rund spielt.“

MeinMMO: Gibt es eine Art Checkliste, was eine Map haben muss, damit alle Spielertypen, die BF6 hat, zufrieden sind, und wenn ja, wie sieht sie aus?

„In den meisten Fällen konzentrieren wir uns pro Karte auf einen ganz bestimmten Stil oder eine Fantasie.
Für Season 2 ist „Kontaminiert“ zum Beispiel die Karte für „All Out Warfare“, also das klassische Battlefield-Erlebnis, bei dem Infanterie, Vehikel sowie Außen- und Innenkämpfe aufeinandertreffen. Die Karte ist größer und offen gehalten, mit viel Freiheit, mit allen Klassen am Kampf beizutragen. Die Eroberungsflaggen samt Umgebung haben ebenfalls jeweils eine eigene kleine Geschichte.

Hagental Base dagegen ist eher eine Hommage an Operation: Metro oder Locker. Von Anfang an war das Ziel eine enge Untergrundkarte, bei der Infanterie und ständige Feuergefechte im Vordergrund stehen. „Meatgrinder“ nennt die Community das gerne, und dabei dürfen Flankierungen und Zerstörung natürlich nicht fehlen.“

MeinMMO: An welchem Punkt in der Gestaltung einer Map entscheidet ihr, welche Fahrzeuge darauf gespielt werden können und wie sieht die Entscheidungsfindung aus? Hat sich die Entscheidung im Laufe der Entwicklung einer Map schon mal geändert?

„Die Wahl der Fahrzeuge fällt früh, gerade wenn es um Jets, Boote oder ähnlich große Vehikel geht. In den unterschiedlichen Kategorien (z. B. Transport oder Helikopter) ändern sich die Entscheidungen häufig, je nach Feedback in den Playtests oder um Platz zu machen, falls die Season zum Beispiel neue Fahrzeuge einführt, wie z. B. den Little Bird.

Nach dem Launch im Oktober haben wir versucht, auf „Kontaminiert“ so viel Feedback wie möglich einzubauen. Unter anderem wurde die Karte größer gemacht, und wir haben lange versucht, Jets ebenfalls einzubauen. Ein großes Unterfangen, das sich letztendlich nicht gut genug gespielt hat, und die Jets hätten den Little Bird ebenfalls zum Frühstück verputzt.“

MeinMMO: Wie reagiert die internationale Community auf deutsche Maps im Vergleich zu lokalen Spielern?

„Es ist lange her seit der letzten Karte in Deutschland. Wir sind uns bewusst, dass Battlefield in Deutschland eine sehr große und wichtige Community hat. Insgesamt, mit der Narrative in BF6, dem Konflikt zwischen NATO und Pax Armata und dem neuen Content in Season 2, waren wir sehr froh, dass Deutschland gut hineinpasst und wir dieser Community wieder etwas zurückgeben können.

Im internationalen Vergleich ist es den Spielern wichtiger, dass wir gute, große Karten machen und die Biome sowie Erlebnisse (z. B. Naval) abdecken, die es bisher noch nicht im Spiel gibt.“

MeinMMO: Die Architektur der Wohnhäuser auf „Kontaminiert“ erinnert nur wenig an deutsche Häuser. Wäre es nicht wichtig, für die Authentizität und Immersion auf solche Details beim Map-Design zu achten?

„Kontaminiert spielt im Süden Deutschlands. Unsere Map-Teams machen natürlich dementsprechend Recherche und freuen sich immer, wenn etwas Lokales, Spezielles gebaut werden darf. Wir haben ein paar Leute aus dem Süden im Team, die dann natürlich ebenfalls Feedback geben. Bei den meisten Gebäuden besteht der Fokus darauf, dass man sie schön und komplett zerstören kann.“

MeinMMO: Wenn ihr einen realen Ort wie Manhattan Bridge „nachbaut“, ist dieser in der Realität nicht für Schießereien balanciert. Wie „verbiegt“ ihr die Realität, um einen guten Spielfluss zu gewährleisten? 

„Diese Aufgaben fallen in der Regel auf unterschiedliche Teams, z. B. Level Design und Level Art. Die Grafiker arbeiten daran, eine Karte so gut wie möglich aussehen zu lassen, mit Assets, Licht, Vegetation und mehr. Das dauert in der Regel von sehr früh am Anfang der Karte bis zur letzten Möglichkeit, sie bis zum letzten Milestone noch etwas besser aussehen zu lassen.

Zur gleichen Zeit arbeiten die Designer an einem sogenannten „Blockout“. Sie benutzen also grau gefärbte Standardbausteine, um am Flow und der Balance zu arbeiten. Dabei ist alles mit Absicht als Platzhalter gehalten, damit es nicht von der Balance ablenkt. Erst viel später tauschen wir die Bausteine mit echten Assets aus.“

MeinMMO: Was ist die größte technische Herausforderung beim Bau neuer Maps?

„Herausragende Performance ist essentiell in einem Multiplayer-Shooter, und darauf legen wir großen Wert. Es ist eine schwierige und ständige Balance, so viel wie möglich aus der Engine und den Assets herauszuholen und trotzdem performant zu bleiben.

Die Größe der Karten, 64 Spieler gleichzeitig, Fahrzeuge, Explosionen und komplette Zerstörung machen es nicht einfacher. Es ist ein Prozess, an dem wir stetig arbeiten und uns hohe Ziele gesteckt haben.“

MeinMMO: Wie intensiv wird eine neue Map getestet, bevor sie veröffentlicht wird, um schwerwiegende Bugs zu verhindern?

Unsere Map-Teams haben eine eigene Testabteilung, die täglich alle Änderungen testet. Dazu kommen tägliche Tests mit allen Teams und Entwicklern sowie Labs. Auf unseren Karten kommen alle Systeme des Spiels zusammen, und auch die kleinsten Änderungen können sich an einem völlig anderen Ende bemerkbar machen.

Fehler und Bugs, die Karten oder Spielmodi unspielbar machen, werden schnell gefunden und schnell ausgebessert. Bei Fehlern wie z. B. Zentimeter über dem Boden schwebenden Gegenständen richten wir den Fokus meist auf wichtigere Elemente.

Wir könnten ewig an unseren Karten basteln und würden immer etwas finden, was man noch besser machen könnte oder reparieren muss. In den meisten Fällen tun wir das auch, mit Priorität auf dem Feedback, das von unseren Spielern kommt.

MeinMMO: Was sind eure ersten Gedanken, wenn eine Map plötzlich „unspielbar“ ist, weil Spieler Orte erreichen, an die sie nie gelangen sollten, oder wenn sie die Karte generell auf eine Weise spielen, die so nie geplant war?

    „Für uns ist es eine Frage der Zeit, wie schnell Spieler herausfinden, wie sie einen Vorteil erlangen oder bestimmte Fehler ausnutzen. Fast alle Teams haben ihre Augen darauf gerichtet, und fangen gemeinsam an, die „Exploits“ zu bekämpfen. Allerdings sind diese auch oft komplex und vertrackt zu lösen oder verstecken sich sehr tief in mehreren Systemen. Oft muss man auch einfach mal lachen, wenn sich ein ganzer Panzer durch eine Mauer teleportiert oder sich in den Aufzug quetscht.“

    MeinMMO: Was ist dein persönlicher POI aller Maps von Battlefield 6?

      „Mein persönliches Highlight ist Siege of Cairo und die zentrale Kreuzung mit dem Bus und dem kleinen Loch darunter. Egal wie viele hundert Stunden ich dort im Kreuzfeuer oder von Granaten umgehauen werde, ich kann es einfach nicht lassen, da als Support oder Recon herumzukriechen. Aber wenn ich mal einen Farbwechsel brauche, dann spiele ich sehr gerne Kontaminiert und verstecke mich zwischen Bäumen.“

      Bereits im Rahmen von Season 2 sprachen wir in einem Interview mit Phil. Er erklärte uns, warum wir nicht unzählige alte Maps wie Operation Métro, Arica Harbor, Belagerung von Shanghai oder Kaspische Grenze als Reworks bekommen. Das Interview mit Phils Antworten könnt ihr hier nachlesen: Entwickler von Battlefield 6 verrät uns im Interview, warum es nicht so leicht ist, alte Maps zurückzubringen, wie ihr vielleicht denkt

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