Chef von Anthem lobt Larian dafür, einen Fehler von BioWare nach dem Erfolg von Baldur’s Gate 3 nicht zu wiederholen

Mark Darrah Anthem Fliegen

Branchen-Urgestein Mark Darrah spricht über seine Zeit bei BioWare, die Probleme von Anthem und warum er es mutig, aber auch toll findet, was derzeit bei Larian passiert.

Wer ist Mark Darrah und wo war er zu Gast? Der erfahrene Entwickler hat fast 24 Jahre lang bei BioWare gearbeitet und war unter anderem Lead-Entwickler bei Baldur’s Gate II und Jade Empire sowie Project Director für die gesamte Dragon-Age-Reihe und Anthem.

Im Podcast „The Examined Game“ sprach Darrah vor ein paar Tagen nicht nur über seine Zeit und Erfahrungen bei BioWare, sondern auch über den Erfolg von Baldur’s Gate 3, was Larian besser macht als sein altes Studio und wie er den Einfluss von GTA 6 auf die Spieleentwicklung bewertet.

Ihr könnt euch die über 90 Minuten auf YouTube geben. Im Folgenden fassen wir euch die wichtigsten neuen Erkenntnisse zusammen. Über die vielen Probleme von Anthem hatte Darrah aber auch schon an anderer Stelle ausgiebig gesprochen.

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8 Jahre später erklärt ehemaliger Chef-Entwickler, warum Anthem wirklich floppte: Ein Team gefangen „in der Welt der Geheimnisse“

Der Fluch der alten BioWare-Magie

Was sagt Darrah über Larian und Baldur’s Gate 3? Der erfahrene Entwickler findet es sehr mutig, dass das belgische Studio nach dem enormen Erfolg von Baldur’s Gate 3 zu ihrer Divinity-Reihe zurückkehrt. Viele D&D-Fans, die Larian erst durch BG3 kennengelernt haben, könnten von dem neuen Rollenspiel abprallen:

Die Frage, die ich mir bei Larian stellen würde, ist: Hat sich ihr Kern mit Baldur’s Gate 3 verschoben?Haben sie – ob beabsichtigt oder nicht – einen großen Schritt an einen anderen Ort gemacht? Und ist dieser neue Ort der, an dem sie jetzt wirklich sein wollen?

Wenn ich ein Baldur’s-Gate-Fan bin und das einzige Larian-Spiel, das ich je gespielt habe, Baldur’s Gate 3 ist, werden manche Leute diesen Trailer sehen und sich fragen: ‚Was zur Hölle…?‘. Es ist nicht so, dass es nicht dem entspricht, was Larian einmal war – aber es entspricht vielleicht nicht dem, was Larian heute ist.

Darrah betont gleichzeitig aber, dass er es toll findet, was bei Larian passiert, und dass die Belgier so clever sind, Fehler zu vermeiden, die BioWare damals gemacht hat.

Larian macht etwas, das BioWare nie getan hat: Sie entscheiden sich ganz bewusst dafür, immer nur eine Sache auf einmal zu sein.

Sprich: Sie konzentrieren sich voll auf ihr aktuelles Projekt und wollen das bestmöglich umsetzen. BioWare hat hingegen über Jahre versucht, Dragon Age, Mass Effect und später auch Anthem parallel zu jonglieren. Dieser Fokus auf ein Spiel birgt laut Darrah durchaus ein Risiko, weil man einen Flop nicht einfach durch ein zweites Projekt abfangen kann. Aber es festigt auch die Identität eines Studios und der Fokus für alle ist klar.

Was sagt Darrah zu BioWare? Der Entwickler spricht über die alte BioWare-Magie und dass sich diese aus seiner Sicht vor allem durch zwei Faktoren ergeben hat:

  • Bei Hits wie Baldur’s Gate und Knights of the Old Republic lag der Fokus stark auf den Charakteren, Dialogen und Begleitern. Dieser Kern war entscheidend für den Erfolg.
  • Im Studio festigte sich der Glaube daran, dass man auch die problematischsten Projekte wie durch ein Wunder am Ende zu etwas Besonderem machen kann – auch dank harten Crunch-Phasen.

Das Problem: Die Kernidentität wurde bei BioWare nie ganz oben auf die Agenda gesetzt. Dadurch verwässerte sie sich bei späteren Projekten zunehmend, wodurch auch die Spiele schlechter wurden. Ihren Platz nahmen später Elemente wie Grafik, Multiplayer und möglichst große Open Worlds ein.

Der Glaube an das BioWare-Wunder sorgte indes dafür, dass sich in den Teams nie wirklich saubere, strukturierte Arbeitsprozesse herauskristallisieren konnten. Dazu gehörte auch das Fehlen klar etablierter Arbeitsvorgänge, durch die Systeme und Features so früh wie möglich getestet werden konnten.

Was sagt Darrah am Ende zu GTA 6? Er hofft darauf, dass GTA 6 als eine Art einmaliges Einhorn kaum oder keinen Einfluss auf zukünftige Spiele-Entwicklung haben wird.

Wenn die Lektion aus diesem Spiel für die Spieleentwicklung ist, dass wir so schön und groß und offen sein müssen wie GTA, dann fliegt uns die gesamte Industrie um die Ohren.

Er glaubt aber, das genau das passieren wird, was bei solchen historischen Leuchtturm-Projekten bisher immer passiert ist: Alle staunen, finden es toll, und machen dann weiter das, was wie bisher gemacht haben. Deswegen sind aus seiner Sicht Erfolge wie Baldur’s Gate 3 und Clair Obscure: Expedition 33 so wichtig. Diese haben eine AAA-Anmutung, bieten anderen Studios aber mehr, aus dem man für die Zukunft wirklich lernen kann.

Wie bewertet ihr die Aussagen von Darrah? Freut ihr euch auf das neue Spiel von Larian, auch wenn es kein weiteres Baldur’s Gate ist? Verratet es uns in den Kommentaren! Mehr Aussagen vom Branchen-Urgestein findet ihr beispielsweise hier: 8 Jahre später erklärt damaliger Chef-Entwickler, dass die größte Stärke von Anthem in Wahrheit ein Problem und „das schlechteste Feature“ war

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