Mit LumenTale: Memories of Trey erscheint ein neuer Kreaturen-Sammler auf Steam und Nintendo Switch. MeinMMO-Redakteurin und „First-Genner“ Lydia hat es sich angesehen, und fühlte sich in einen alternativen Zeitstrahl versetzt.
Ja, ich gebe es zu: Ich bin einer dieser unerträglichen Pokémon-Fans, die nostalgisch verklärt auf die Generationen ihrer Kindheit zurückschauen und mit den neueren Spielen nur wenig anfangen können. Umso interessierter bin ich, wann immer ein neues Spiel mit dem Tag „Kreaturensammler“ auf meinem Steam-Radar erscheint.
Nun durfte ich das kommende LumenTale: Memories of Trey anspielen, das am 26. Mai für Steam und Nintendo Switch erscheint. Für mich stand dabei vor allem eine Frage im Raum: Kann es etwas von der Magie wecken, die ich damals in der Grundschule auf meinen ersten Pokémon-Abenteuern verspürt habe?
Die Antwort ist ein klares Ja. Aber so sehr ich meine Zeit mit dem Spiel auch genossen habe, stimmte es mich doch auch etwas traurig. Denn LumenTale führt mir schmerzhaft vor Augen, wie sich das Franchise meiner Kindheit auch hätte entwickeln können, wenn man sich für eine interessantere Art-Direction entschieden hätte, statt seelenlosem 3D.
Ein Traum in 2,5D
LumenTale hat mich vom allerersten Augenblick an mit seiner wunderschönen Optik verzaubert. Grafisch setzt das Entwicklungsstudio auf eine verdammt charmante Mischung: Wir bewegen unseren 2D-Pixel-Charakter durch eine liebevoll gestaltete 3D-Welt, während die Dialoge von schicken, handgezeichneten Charakter-Porträts begleitet werden.
Klar, die Optik kann es vielleicht nicht ganz mit kommenden Grafik-Monstern wie Aniimo oder Beast of Reincarnation aufnehmen, aber Lumentale zeigt, wie schön Pixel 2026 aussehen können.
Betritt man ein neues Gebiet, wird es mit einer kurzen Kamerafahrt stimmungsvoll eingeführt. Ob malerische Landschaften, verlassene Ruinen, verschmutzte Ödländer oder quirlige Städte – die Welt von Talea wirkt an jeder Ecke lebendig.
Das liegt auch an den Objekten unserer Sammelleidenschaft, den Animon, die außerhalb der Siedlungen frei herumlaufen. Einige ignorieren uns komplett, manche flüchten, viele gehen direkt zum Angriff über.
Besonders cool: Wir können direkt in der Spielwelt mit den Monstern interagieren. Wer geschickt wirft, kann Animon mittels eines Quick-Time-Events direkt einfangen oder einen Kampf starten. Gelingt uns dieser Überraschungsangriff, starten die Gegner bereits geschwächt in das Gefecht, oder der Kampf wird ganz übersprungen. Das macht den Grind um die letzten Level bevor man den Boss herausfordert deutlich angenehmer.





Zum Angriff
Bei den Kämpfen und dem Level-System zeigt LumenTale, dass es kein einfacher Abklatsch ist, sondern eigene Ideen und Systeme mitbringt. Wir treten nämlich mit vier Animon gleichzeitig an. Dadurch entsteht eine echte taktische Tiefe: Mons lassen sich dank frei verteilbarer Skillpunkte wunderbar zu spezialisierten Angreifern, Tanks oder Heilern heranzüchten, während elementare Stärken und Schwächen überwiegend den bekannten Regeln folgen.
Ist man sich unsicher, welchen Move man einsetzen soll, kann man die gegnerischen Animon mit Treys „Scan“-Fähigkeit entlarven. Mir war das aber nur selten einen Runden-Slot wert, weshalb ich meistens basierend auf der Optik der Mons geraten habe.
Erholung zwischen den Kämpfen bieten die großzügig verteilten Brunnen, die mit einem weiteren Game-Changer daherkommen: Man muss sie zum Heilen nicht anklicken. Ja, richtig gehört, nie wieder einen neuen Loop starten, weil man zu ungeduldig A gedrückt hat. Darüber hinaus kann man an den Brunnen eine lange Rast einlegen, oder Gegenstände oder Mahlzeiten herstellen, die unserem Animon im Kampf helfen.
„Bitte, bitte werde nicht hässlich“
Damit kommen wir auch schon zum Herzstück eines Kreaturen-Sammlers, denn was wäre das Genre ohne die possierlichen Superwaffen? Hier hatte Lumentale eigentlich nur einen Job: Mein Ozelot-artiger Starter sollte alle 4 Pfoten am Boden behalten – Mission erfüllt, 10/10.
Die Designs der Animon sind abwechslungsreich und überwiegend an reale Tiere angelehnt. Besessene Haushaltsgegenstände oder sexy Engel sucht man hier vergebens.
Mit jeder anstehenden Entwicklung verspürte ich dennoch eine Mischung aus Vorfreude und Nervosität. Wer kennt nicht das niederschmetternde Gefühl, wenn der liebgewonnene Begleiter nach zahlreichen gemeinsamen Siegen plötzlich hässlich ist und schamvoll in der Box verstaut wird? Immerhin kann man diese in LumenTale nett einrichten und so das schlechte Gewissen etwas mildern.
Ein kleiner Wermutstropfen: Auf ein neu gefangenes Animon folgt oft schon ein oder zwei Gebiete später dessen Weiterentwicklung in freier Wildbahn. Das nimmt leider ein wenig die Motivation, die eigenen Mons mühsam hochzuleveln, wenn man das Ergebnis ohnehin kurz darauf im hohen Gras bewundern kann.





Mein Name ist Trey und ich weiß von nichts
Für mich persönlich ist die Story in Kreaturen-Sammlern eher nebensächlich und dient in erster Linie dazu, mich zum nächsten Kampf zu lotsen. Dementsprechend würde ich die Handlung von LumenTale als „zweckmäßig“ bezeichnen.
Wir schlüpfen in die Rolle von Trey, einem mysteriösen Mann mit hoch-technologischem Roboter-Arm, der sein Gedächtnis verloren hat. Dafür hat er eine Art natürliche Begabung als Lumen, quasi die „Trainer“ in LumenTale. Mit dem jungen Ales begibt er sich auf eine Reise, um das Rätsel seiner eigenen Herkunft zu lösen und der Allerbeste zu werden, um das große Animon-Turnier zu gewinnen.
Zwischendurch hat Trey immer wieder kurze Flashbacks, die durch eine Art „Glitch”-Effekt eingeleitet werden und erahnen lassen, dass die Vergangenheit von Trey nicht immer nur aus Sonnenschein und Regenbögen bestand.


LumenTale schreckt nicht vor ernsteren Momenten zurück
Ja, ich weiß. Pokémon ist eben ein Franchise für Kinder – es muss nicht mit uns älter werdenden Fans mitwachsen, und ganz ehrlich: Ich vergönne es auch jeder neuen Generation, ein Pokémon-Abenteuer erleben zu können, das für sie gemacht ist. Es ist halt nicht für mich und das ist okay.
Gleichzeitig finde ich aber auch nicht, dass sich ein „erwachsenes“ Monster-Sammelspiel dadurch auszeichnen muss, dass alles permanent pseudodüster und edgy sein muss. LumenTale meistert diesen schmalen Grat für mich perfekt. Das Spiel startet mit einem klassischen, idyllischen Abenteuer-Feeling in einem beschaulichen Dorf, doch der Frieden wird jäh durch den Angriff mächtiger Animon zerrissen. Das Spiel zeigt uns ungeschönt: Riesige Kreaturen mit Superkräften sind eben nicht immer nur friedlich und kuschelig.
Kurz darauf stellt uns das Spiel vor eine erste, schwerwiegende Entscheidung. Ohne zu spoilern: Es ist genau die Art von moralischer Zwickmühle, bei der ich vorher panisch gespeichert und aus Neugier den „bösen“ Weg ausprobiert habe, weil ich mir dachte: „Sie werden doch nicht…“ Oh doch, das tun sie.
Diese eine Wahl beeinflusst den gesamten weiteren Spielverlauf bis hin zu den verschiedenen Enden. Da ich in Spielen bei fiesen Entscheidungen sofort ein schlechtes Gewissen bekomme, habe ich letztlich neugeladen. Die Neugier ist aber geweckt, das Ganze in einem zweiten Spieldurchlauf auf die Spitze zu treiben.


LumenTale schafft es aber, neben diesen düsteren Momenten auch das klassische Gefühl des Staunens und Entdeckens zu transportieren. Etwa wenn man die mediterrane Küstenstadt betritt und dort an den regionalen Feierlichkeiten teilnimmt, oder die erste richtige Großstadt durch die Augen des jungen Ales sieht.
Dass hinter der schönen Fassade der Region Talea (die sichtlich von Italien inspiriert ist) gesellschaftliche Konflikte wie die Ausbeutung der Armen durch die Reichen oder der Clinch zwischen dem traditionellen Süden und dem technisierten Norden thematisiert werden, macht diese Welt nur umso greifbarer und lebendiger.
LumenTale ist der neueste Eintrag im wachsenden Genre der Kreaturen-Sammler von Indie-Entwicklern, und könnte vor allem mit seiner visuellen Präsentation neue Maßstäbe für das Genre setzen. Dabei meistert es den Spagat, nicht einfach nur ein Pokémon-Klon zu sein, aber mir genug Vertrautes zu liefern, dass sich jeder Fan schnell zurechtfinden wird.
Auch MeinMMO-Redakteur Niko hat ein Herz für Pokémon-Alternativen. Wer bereit ist, über den Franchise-Tellerrand zu blicken, kann so manches Juwel entdecken, wie etwa: Die größte Pokémon-Alternative 2025 auf Steam hat über 450 Monster, Produzent erklärt, warum die Entwicklung so lange gedauert hat
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