Mit Ledgerbound erscheint am 11. August 2026 ein Rollenspiel auf Steam, das rundenbasierte Fantasy-Kämpfe mit dem Humor von Brooklyn 99 mischt. MeinMMO-Redaktionsleiterin Lydia durfte vor Release hereinschauen und konnte sich vor Verehrern nicht retten.
Ich muss meine Firma vor dem Ruin bewahren – und wenn ich ganz nebenbei die Welt retten könnte, wäre das echt super. Ach ja, ich habe versehentlich ein magisches Artefakt absorbiert und leuchte jetzt, aber das hat bestimmt nichts zu bedeuten.
Mit dieser Prämisse wirft mich Ledgerbound in die Uniform der Versicherungssachverständigen Rayna. Deren Job war es bis dato zu beweisen, dass diverse Helden ihr tragisches Ableben selbst herbeigeführt haben, und den trauernden Angehörigen daher kein Goldkorn zusteht. Darin ist sie so gut, dass sie schon zum 35. Mal in Folge Mitarbeiterin des Monats geworden ist.
Die geordnete Existenz gerät jedoch aus den Fugen, als die beliebteste – und am teuersten versicherte – Heldentruppe beim Kampf gegen die bösen Vacari das Zeitliche segnet.Würde unsere Agentur diese Lebensversicherung auszahlen, wären wir augenblicklich pleite. Um zu beweisen, dass der Tod der Helden mit einer besseren Vorbereitung vermeidbar gewesen wäre, muss Rayna die Welt – und ihren Bürojob – kurzerhand selbst retten. Antrag abgelehnt, Baby!
Mit Schlüsselbändern in die Schlacht
Das Geniale an Ledgerbound ist, wie konsequent es den Bürokratie-Wahnsinn bis ins kleinste Detail durchzieht. Unsere Personalerin Jazz sorgt dafür, dass unsere Quest – inklusive Techtelmechtel mit unseren Begleitern – nach strengen Firmenrichtlinien abläuft. (Außerdem erinnert sie mich an Gina Linetti, was ein automatischer Bonus ist.)
Statt klassischem Equipment gibt es Werbegeschenke und für jeden gefallenen Helden muss ich zurück im Lager einen Bericht für die Personalabteilung ausfüllen. Das kostet Zeit, die ich viel lieber mit Flirten verbringen würde, und treibt außerdem Raynas Stress-Level in die Höhe. Wer hätte gedacht, dass die Rettung der Welt so verdammt viel Papierkram verursacht?




Spielerisch teilt sich Ledgerbound in zwei Hälften auf: Im Wechsel stellen wir uns kniffeligen rundenbasierten Kämpfen und legen Ruhepausen ein, in denen wir unsere Helden ausrüsten, bisherige Schlachten noch einmal durchgehen, und unsere Kollegen verführen.
Beim Playtest vor einem Jahr waren sie mir noch etwas zu einfach, weshalb ich dieses Mal direkt auf der zweithöchsten Schwierigkeit eingestiegen bin – wie naiv von mir.
Während ich die eigentlichen Kämpfe noch ohne allzu große Schwierigkeiten bewältigen konnte, sieht es bei der Erfüllung der optionalen Zusatzziele schon anders aus. Die bestehen meistens daraus, innerhalb einer gewissen Anzahl von Runden zu gewinnen, meine Kameraden am Leben zu halten, sowie eine individuelle Vorgabe zu erfüllen.
Trotz seiner humorvollen Präsentation ist das Rollenspiel hier überraschend unnachgiebig. Denn Zwischenspeichern und Neuladen ist nicht.
Das hat mich als Perfektionistin und bekennende Save Scummerin erstmal hart getroffen und stellenweise wirklich frustriert. Doch nach ein paar Runden stellte sich ein überraschend befreiendes Gefühl ein. Ich lernte, Patzer abzuhaken und mit den Konsequenzen zu leben, statt jede Szene drölfmal neu zu laden.



Den Drachen bei den Hörnern packen
Nach einem Kampf folgt dann meistens eine kurze Zwischensequenz in Visual-Novel-Form und anschließend schlagen wir unser Lager auf. Hier haben wir begrenzte Zeit zur Verfügung, die sinnvoll genutzt werden will: Begleiter anflirten, Firmen-Merch ausrüsten oder verpassten Zielen hinterherjagen.
Ich muss gestehen: Von mir aus hätten diese Szenen ruhig ein bisschen kürzer sein können. Wenn ihr eure Camp-Zeit maximal ausschöpft, sind das 5 Dialoge mit euren Begleitern zusätzlich zu den Zwischensequenzen vor und nach dem Kampf.
Die Dialoge sind voll vertont und durchaus unterhaltsam, aber: So viel Gerede brauche ich einfach nicht, wenn ich doch nur auf den nächsten Gegner losgelassen werden will.



Mir ist aber auch völlig klar, dass viele Rollenspielfans genau für diese Gespräche leben. Denn in Ledgerbound wird nicht nur heldenhaft gekämpft, sondern völlig schamlos gebaggert. Die Begleiter sind liebenswert, decken so ziemlich jede Vorliebe ab – und stehen nahezu ausnahmslos auf unsere Protagonistin Rayna. Wirklich, ich kann nicht genug betonen, wie horny dieses Spiel ist.
Das ist alles so herrlich over the top, dass ihr auch Spaß haben könnt, wenn euch – wie mich – Romanzen in Spielen meistens eher kaltlassen. Die Kunst besteht darin, einfach mit dem Cringe zu gehen, statt gegen ihn anzukämpfen.
Mit seinen etwa 20 für die Kampagne veranschlagten Stunden ist Ledgerbound ein eher kurzes Rollenspiel, das prall gefüllt ist mit knackigen Kämpfen, frivolem Humor und jeder Menge Papierkram. Wer sich nicht mit unendlichen Entscheidungen aufhalten möchte, und bei der Vorstellung das ein oder andere Mal schmunzeln musste, sollte definitv einen Blick riskieren.
Ein überraschend fesselndes Spiel hinter einer vermeintlich albernen Prämisse ist auch Splatoon Raiders. Wie der kunterbunte Shooter MeinMMO-Redakteur Niko erobert hat, könnt ihr hier nachlesen: Ein Loot-Shooter von Nintendo klingt nach dummer Idee, aber er hat mich nach nur einem Level überzeugt
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