Die Generation Z ignoriere mögliche Arbeitgeber während der Bewerbungsphase, aber laut einer Forscherin sei das keine Unhöflichkeit.
Was hat es mit dem Ignorieren auf sich? In den vergangenen Jahren wurde immer wieder von einem neuen Trend auf dem Arbeitsmarkt berichtet, der besonders innerhalb der Gen Z vorkommen soll: Ghosting.
Laut einer Studie der Bewerbungsplattform Indeed sollen 75 % aller befragten Arbeitssuchenden schon mal einen potenziellen Arbeitgeber geghostet haben. Davon waren 70 % der Meinung, das Ghosten des möglichen Arbeitgebers sei fair, und 62 % gaben an, es zukünftig wieder tun zu wollen.
Darum ghosten Kandidaten mögliche Arbeitgeber: Die Studie von Indeed hat 5 Gründe ausgemacht, die besonders oft als Ursache des Ghostings von einem Kandidaten gegenüber einem möglichen Arbeitgeber genannt wurden:
- Die Stelle passt nicht.
- Das Unternehmen passt nicht.
- Das Gehaltsangebot war nicht ausreichend.
- Die Zusatzleistungen (Benefits) haben gefehlt.
- Sie haben ein anderes Stellenangebot erhalten.
Jetzt hat sich die Forscherin Dr. Delphine Minchella von der renommierten französischen Wirtschaftshochschule „École de Management de Normandie“ der Frage gewidmet, warum die Jobkandidaten die Recruiter ghosten, statt einfach abzusagen, und ihre Ergebnisse im Juli 2026 geteilt (Quelle: em-normandie.com).
Das kam bei der Forschung raus: Laut den Ergebnissen von Dr. Minchella sei das Ghosting vor allem eine Antwort auf Rekrutierungspraktiken, die als fehlerhaft, entmenschlichend oder unfair wahrgenommen werden. Dazu zählen zu spät offengelegte oder als respektlos empfundene Gehälter, im Verhältnis zur Stelle unverhältnismäßige Auswahlverfahren, zeitraubende Online-Tests ohne jegliches Feedback sowie Recruiter, die Bewerber ihrerseits ghosten.
Zudem zeige die Studie, dass das Ghosting als eine Art „Ächtung“ praktiziert werde. Die Bewerber, die mögliche Arbeitgeber ghosten, distanzieren sich demnach „von einer als unattraktiv wahrgenommenen Organisation“. Sie äußern teilweise sogar echte Erleichterung oder gar Genugtuung bei dem Gedanken, dem Unternehmen die Kontrolle über ihre Entscheidung zu entziehen.
Diese Bewerber neigen zum Ghosten: Die Studie von Dr. Minchella thematisiert zudem, wer ghostet. Sie unterteilt dabei in drei verschiedene Persönlichkeitstypen:
- Der regelmäßige Ghoster: zermürbt von jahrelanger schlechter Behandlung.
- Der gelegentliche Ghoster: der auf ein konkretes, als respektlos empfundenes Verhalten reagiert.
- Der versehentliche Ghoster: überwältigt von der Angst, etwas zu verpassen (FOMO), hält er sich zu viele Optionen offen und ist beim Antworten überfordert.
Insgesamt sei vorangegangenes Ghosting von Recruitern der Hauptgrund, weshalb das Ghosting seitens der Bewerber als gerechtfertigt angesehen werde. Minchella kommt zu dem Schluss: „Das Ghosten durch Bewerber ist nicht einfach ein Mangel an Höflichkeit. […] Es ist ein Akt der Rebellion gegen den allmächtigen Einfluss der Digitalisierung, die in der Arbeitswelt Einzug gehalten hat. In diesem Sinne sollte es als Warnung dienen und Recruiter dazu veranlassen, die Art und Weise ihrer Einstellungsprozesse grundlegend zu überdenken.“
Habt ihr schon mal einen möglichen Arbeitgeber während eines Bewerbungsprozesses geghostet, und wenn ja, warum? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!
Eine andere Studie aus dem Jahr 2026 zeigt, dass die Generation Z für ihre Karriere durchaus hohe Führungspositionen anpeilt, aber anders als vorangegangene Generationen wollen sie dafür keine spürbaren persönlichen Opfer bringen. Mehr dazu lest ihr hier: Gen Z ist scharf auf Führungsaufgaben, aber nicht, wie es ihnen die Boomer und Gen X vorgelebt haben
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Kommentare
Lustig, also ich kenne es nur anders rum.
Ob jetzt bei aktuelleren in den letzten Jahren oder vor meinem alten Job, Ghosting wurde und wird hauptsächlich von den Firmen betrieben. Das ist jetzt nun keine Neuigkeit und passiert leider immer noch.
Gerade weil aufgrund “Menge” der Bewerbungen ja nicht jedem geantwortet werden kann, was immer eine beliebte Begründung war nicht zu antworten. Ist am Ende halt auch eine ungünstig ausrede wenn es den Leuten am Ende egal ist ob das die Bewerber keine Antwort bekommen oder man keine Lust hat diesen zu Antworten.
Es ist praktisch selbstverschuldet das es jetzt auch anders rum vorkommt.
Wenn die Personalabteilung sich nicht meldet, stellen die Arbeitgeber das als gut und richtig hin, aber anders herum wird geflennt.
Wie man so schön sagt – BONZE, HEUL LEISE.