Die Deutsche Bahn gilt als unzuverlässig, in Japan gelten mehr als 60 Sekunden als Belastung. Das Geheimnis hinter der hohen Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit nennt sich „Poka-Yoke.”
Die Deutsche Bahn ist für ihre Unzuverlässigkeit bekannt und das Unternehmen gibt selbst zu, dass nur zwei Drittel aller Fahrgäste ihr Ziel pünktlich erreichen: Laut offizieller Statistiken erreichten im August 2025 nur 66,7 % aller Reisendem im Fernverkehr ihr Ziel pünktlich
In Japan hingegen liegt die Verspätung der dortigen Schnellzüge, Shinkansen genannt, bei unter einer Minute. Davon berichtet etwa die Süddeutsche Zeitung (mögliche Paywall). Das Geheimnis hinter der hohen Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit nennt sich „Poka-Yoke”, in Kombination mit ausgefeilter Technik.
Ein japanischer Begriff, der übersetzt so viel wie „Fehlervermeidung“ bedeutet
Was steckt hinter dem Begriff? „Poka Yoke“ ist ein japanischer Begriff und bedeutet übersetzt „Fehlervermeidung“ oder „Fehlersicherung“. Das Konzept wurde in den 1960er Jahren von Shigeo Shingo entwickelt und beinhaltet technische oder organisatorische Maßnahmen, die das Auftreten von Fehlern von vornherein verhindern oder im Prozess sofort sichtbar machen. Der Begriff setzt sich zusammen aus „poka“ (versehentlicher Fehler) und „yokeru“ (vermeiden).
Poka Yoke umfasst zum Beispiel Kontrollmechanismen und visuelle Hilfen, wie das „Point-and-Speak-Calling“ im japanischen Bahnbetrieb (via christopherroosen.com): Mitarbeiter sprechen, nennen und deuten auf Dinge und Aufgaben, die sie tun. Das Zeigen und Rufen erfordert ein Zusammenspiel zwischen Gehirn, Augen, Händen, Mund und Ohren des Fahrers, was wiederum für eine verbesserte Aufmerksamkeit sorgen und das Fehlerrisiko erheblich senken soll. Ziel ist es, dass Fehler gar nicht erst passieren oder, falls sie doch auftreten, sie sofort bemerkt und beseitigt werden.
Die Japaner haben ihre Eisenbahnsysteme deswegen so aufgebaut und Prozesse implementiert, um zu vermeiden, dass menschliches Versagen zu Verspätungen führt. Davon berichtet unter anderem das Magazin JapanManifest.com. Dazu gehört auch der Einsatz von Technologie zur Korrektur menschlicher Fehler:
- Das Automatic Train Control (ATC) fungiert wie ein superintelligenter Co-Pilot für den Zugführer. Es überwacht ständig die Geschwindigkeit und Position des Zuges und sorgt dafür, dass er immer die richtige Geschwindigkeit hat.
- Das japanische Eisenbahnsystem nutzt außerdem GPS-Ortung, um jeden Zug in Echtzeit zu überwachen. So hat man einen Überblick über das gesamte System und man kann direkt erkennen, wo es zu Staus kommt, und Maßnahmen ergreifen, damit alles reibungslos läuft.
- Darüber hinaus nutzen die Japaner ausgefeilte Datenanalysen und maschinelles Lernen, um die Zugfahrpläne zu optimieren und potenzielle Störungen vorherzusagen.
- Obendrein sind die Schienennetze von Regionalzügen und Schnellzügen in Japan strikt getrennt, sodass sich die Züge nicht einander behindern können.
Die Kombination aus vorausschauender Planung und hochmoderner Technik macht die Eisenbahn in Japan sehr pünktlich.
Mit der Vier-Tage-Woche will man Arbeitnehmern den Alltag leichter und vor allem kürzer machen. Doch in Japan reicht das nicht. Hier bietet man Arbeitnehmern nun an, die Arbeitszeit pro Tag zusätzlich um 2 Stunden zu verkürzen: In Japan reicht die 4-Tage-Woche nicht aus: Deshalb hat man beschlossen, zwei zusätzliche Stunden pro Tag zu streichen
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Ein entscheidender Faktor ist mMn auch das Verhalten der Fahrgäste. Ein erheblicher Anteil der Verspätungen hierzulande wird durch Leute verursacht, die die Türen blockieren. Außerdem gibt es zumindest bei mir in Hamburg regelmäßig Totalausfälle und Bahnchaos durch Personen im Gleis. Die Japaner:innen können sich da auch einfach besser benehmen und sind viel weniger egoistisch. Das merkt man auch an vielen anderen Stellen in Japan, zB. der allgemeinen Sauberkeit des öffentlichen Raumes.
Ein großer „Zeiteinsparer“ sind auch sicher die „pusher“, die abartige Menschenmassen in die Abteile drücken damit die Türen noch zu gehen. Da ist nix mit Sitzplatz. Dann doch lieber etwas verspätet dafür Schweiß-trocken ankommen.
“Pusher” habe ich im Shinkansen nie erlebt. Von denen habe ich auch eher beim Nah- bzw. Berufsverkehr gehört. Shinkansen sind ja eher Fernzüge. Und einen Sitzplatz hatte ich dort immer.
unsere Infrastruktur gibt es gar nicht her, dass die Züge immer pünktlich sind. der Streckenausbau wurde einfach verschlafen, Deutschland hatte auf LKWs gesetzt und bereut es jetzt. Bin Lokführer btw.
Verschlafen ist evtl der falsche Ausdruck, er wurde einfach nicht gemacht mit Hinblick auf die Kosten. Der Untergang der DB begann mit der Privatisierung.
Ich behaupte jetzt mal dreist, dass dieser Punkt drei viertel der Pünktlichkeit ausmacht.
Das Gefühl habe ich zumindest immer dann, wenn ich im Regionalzug sitze und wieder drei verspätete ICEs durchlassen darf 😅
Ohne Gleitzeit hätte man mir wahrscheinlich schon längst gekündigt als Bahnfahrer.
Drei viertel der Pünktlichkeit sind das die eigene Strecken für die Schnellzüge haben.