Gears of War bringt mit E-Day den Kampf zwischen den Menschen und der Locust-Horde zurück. MeinMMO-Redakteur Dariusz Müller hat den Multiplayer des 3rd-Person-Shooters angespielt und teilt seine Erfahrung mit euch.
Fette Wummen, hässliche Reptiloiden und jede Menge rote Suppe – dafür kennt man Gears of War. Am 6. Oktober erscheint mit E-Day der neuste Teil der ikonischen Shooter-Reihe. Das Spiel ist 14 Jahre vor dem ersten Gears of War angesiedelt und erzählt die Geschichte des Tages, an dem die fiese Locust-Horde das erste Mal aus ihren Löchern kroch und ihren Kampf zur Unterjochung der Menschen begann.
In gewohnter Natur hat E-Day allerdings nicht nur eine Story-Kampagne im Gepäck, die ihr im Koop mit bis zu drei Freunden spielen könnt. Es wird auch wieder einen Multiplayer geben, in dem sich die COG und die Locust-Horde ordentlich mit Schrot vollbuttern. Und genau diesen Multiplayer-Modus haben wir uns angeschaut.
Ein erster Blick auf 2 Multiplayer-Modi von E-Day
In der Multiplayer-Preview von Gears of War: E-Day warfen wir einen Blick auf zwei verschiedene Spielmodi:
- Horde Siege – ein PvE-Modus, in dem sich insgesamt 12 Spieler in drei 4er-Trupps auf einer Map gegen die Locust-Horde durchsetzen, eine Belagerung überleben und anschließend entkommen müssen
- Versus – der klassische PvP-Modus von Gears of War, in dem zwei 4er-Teams gegeneinander antreten; wir spielten Kontrolle und Team-Deathmatch
Meine ersten Minuten in E-Day verbrachte ich natürlich im Tutorial, aber schon kurz danach ging es in Horde Siege. Bevor wir zu dem Horden-Modus kommen, lohnt es sich aber tatsächlich, kurz über die Einführung des Spiels zu sprechen, denn schon das Tutorial von E-Day ist für neue Spiele der „Gears of War”-Reihe ein gelungener erster Test, um zu sehen, ob ihnen das Spiel gefallen könnte oder nicht.
Gears of War ist nämlich ein 3rd-Person-Deckungsshooter, der auf Brutalität und Gore setzt. Es gibt dicke Schrotflinten, die Gegner zerfetzen, und Gewehre mit Kettensägen dran, die Gegner … nun ja … zerfetzen. Doch trotz mächtiger Wummen ist die Time-to-kill in Gears of War recht hoch. Gegner kippen nicht nach wenigen Kugeln aus den Latschen und auch die gesteuerten Spielfiguren sind recht fett gepanzert und bewegen sich dementsprechend ziemlich träge und schwerfällig.
Falls ihr agile First-Person-Shooter mit rasantem Movement wie Destiny, Call of Duty oder Titanfall bevorzugt, könnte euch bereits das Tutorial missfallen.
Mich hielt das natürlich nicht auf, und wenige Sekunden, nachdem ich zurück im Hauptmenü war, fand ich mich bereits in meiner ersten Runde Horde Siege wieder.
Gears of War, du kannst so schön hässlich sein, so dreckig und grau
Da standen wir nun, ich und meine vier mir unbekannten Mitspieler, und warteten in einem kleinen Raum auf den Start unserer Mission. Kurz darauf wurde unserem Trupp ein Standort zugeteilt, zu dem wir uns begeben und den wir gegen die angreifende Locust-Horde verteidigen sollten.
Dort angekommen, suchte sich jeder von uns eine geeignete Deckung und einen Zugang, den er bewachte, und war bereit, Blei zu verteilen. Dabei wird mit der ersten Sekunde klar, dass Gears of War auch im neusten Teil nicht vorhat, die gewohnt bildliche Darstellung von roher Erbarmungslosigkeit zurückzuschrauben. E-Day ist definitiv nicht für Kinder geeignet, sollte nicht in ihrer Nähe gespielt werden, und auch Erwachsene, die empfindlich auf die Darstellung von Blut reagieren, werden hier nicht glücklich werden.
Wenn Peter Fox über Gears of War sprechen müsste, würde er wahrscheinlich rappen: „Die rote Suppe tropft auf den Asphalt. Mir wird schlecht, ich mach’ die Jacke zu, denn es ist kalt.“
Bereits nach einer Handvoll Wellen war unser Auftrag abgeschlossen und wir erhielten einen Funkspruch, der uns mitteilte, dass wir einen Extraktionspunkt aufsuchen sollten. Wir brachen also auf und liefen quer durch die von Zerstörung geplagte Stadt zu unserem neuen Ziel.
Gears of War kann so schön hässlich sein, so dreckig und grau. Aber auch irgendwie atmosphärisch. Und imposant. Die Gebäude in E-Day erinnerten an einen Mix aus Klassizismus und Neobarock, und während wir so durch die Stadt liefen, ertappte ich mich dabei, wie ich kurz innehielt und die durchaus einschüchternden Bauten begutachtete.
Am Ziel angekommen, mussten wir dann die Landezone unserer Abholung „von Kakerlaken befreien“ – oder in anderen Worten: wieder Blei verteilen.
Jetzt war endlich der Zeitpunkt gekommen, an dem die Beschreibung des Modus als 12-Personen-Erlebnis endlich halbwegs Sinn ergab. Die besagte Landezone teilten wir uns nämlich mit den beiden anderen Trupps, die zuvor an entfernten Enden der Map kämpften und ebenfalls ihre Wellen der Locust-Horde abwehrten. Wir erinnern uns:
Horde Siege ist insgesamt auf 12 Spieler ausgelegt, und beim großen Finale des Einsatzes waren wir endlich an einem Fleck versammelt und kämpften auf relativ freier Fläche gemeinsam in einem chaotischen Kampf um das Überleben. Chaotisch, weil aus allen möglichen Richtungen unzählige unterschiedliche Gegner angekrochen kamen.
Letztlich schafften wir es jedoch zu extrahieren und konnten uns auf die nächste Runde vorbereiten.




Mit Schrot und Sägen zum Sieg
Einen Tag später versammelten wir uns wieder auf den Servern von Gears of War: E-Day, um uns dieses Mal gegenseitig ins Gesicht zu schießen. Im Versus-Modus sind wir in zwei 4er-Teams aufgeteilt und spielen bekannte PvP-Klassiker wie Team-Deathmatch und Eroberung – letzteres ist eine Version von King-of-the-Hill.
In Versus sind wir mit einem vollautomatischen Sturmgewehr und einer Schrotflinte ausgerüstet, können jedoch auch andere Waffen an festgelegten Orten auf den Maps aufheben. Schon in meinem ersten Match stellte sich jedoch heraus, dass besonders die Schrotflinte eine entscheidende Rolle spielen würde. Viele Kämpfe wurden nicht durch das taktische Nutzen einer Deckung entschieden, sondern dadurch, wer geschickter die Ausweichrolle im richtigen Moment einsetzt oder eben nicht einsetzt und dem Gegner eine Ladung Schrot verpasst.
Und ich habe so einige Ladungen Schrot abbekommen.
Der Eroberungs-Modus hat mir dabei deutlich besser gefallen als TDM, weil die Teams sich automatisch etwas taktischer positionierten. Ich spürte direkt, dass bekannte Prinzipien wie Kreuzfeuer und Refrags hier wichtig sein werden.
Nichtsdestotrotz ließ ich mich hin und wieder zu 1v1, 1v2 oder auch 1v4 Gefechten hinreißen. Eines dieser Duelle endete mit einem verdutzten „Was zum….” meinerseits, als mir ein Gegner plötzlich die Kettensäge durch den Körper zog, die an seinem Gewehr befestigt war.
Jap, den effektvollen Finisher habe ich in dem Moment nicht kommen sehen.



Fazit: Nicht genutztes Potenzial und subjektive Abneigung
Gears of War: E-Day war für mich ein komisches Erlebnis. Auf der einen Seite bin ich überzeugt, dass Coalition langjährige Fans abholen kann. Es ist schroff und gory, spielt sich wuchtig und träge und erinnert mich stark an die Vorgänger. Auf der anderen Seite sehe ich verpasstes Potenzial und einen PvP-Modus, der dem Mainstream missfallen könnte.
Die Idee, mit 12 Spielern einen Horden-Modus zu spielen, finde ich extrem spannend, aber das komplette Prinzip geht durch die Aufteilung in Trupps verloren. Zumindest war das mein bisheriger Eindruck. Die 4er-Teams kämpften an ganz unterschiedlichen Orten. Man hätte sich wahrscheinlich einander helfen können, aber der eigene Trupp hat nun mal seine eigenen Gegner. Erst am Ende kämpfen dann alle um eine gemeinsame Extraktion, aber das hat mich jetzt auch nicht sonderlich überzeugt.
Horde Siege hat Spaß gemacht, aber ich finde, in diesem 12-Spieler-Gameplay hätte viel mehr Potenzial gesteckt, als mir die Preview vermitteln konnte.
Und dann ist da noch der PvP-Modus. Zu diesem hatte ich mein persönliches Fazit schnell gefällt und kann sagen, dass ich ihn nicht sonderlich oft spielen werde – privat wahrscheinlich gar nicht.
- Third-Person
- Träges Movement
- Hohe Time-to-kill
- Starke Schrotflinten/Schrotflinten im Default-Kit
Das PvP in E-Day ist ziemlich genau so, wie ich es von der Reihe kenne, und weshalb ich es jahrelang nicht gespielt habe. Das sind alles Bausteine, die ich in PvP-Shootern nicht mag. Ich würde lieber zum Zahnarzt gehen, als darin meine Freizeit zu verbringen. Dennoch bin ich überzeugt: Für Fans vom Gears-PvP könnte es cool sein, aber mein persönlicher Fall war es nicht. Ich bevorzuge in PvP 1st-Person, agiles Movement, eine tendenziell eher niedrige Time-to-Kill und ich HASSE Schrotflinten. Bei PvE-Spielen ist mir all das aber egal, weshalb ich den Horden-Modus weiterhin spielen werde und mich bereits auf die Kampagne freue.
Die Frage ist, ob das PvP großen Anklang unter den Mainstream-Gamern finden kann. Ich würde aktuell auf „nein“ tippen, aber dafür rechne ich den Entwicklern hoch an, dass sie der Reihe und ihrem Gameplay möglichst treu bleiben, statt verzweifelt zu versuchen, neue Zielgruppen zu erschließen, und dabei langjährige Fans enttäuschen.
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