Es gibt Spiele auf Steam, auf die freut man sich ewig – buchstäblich. Fortune’s Run wird wohl nie erscheinen und die Geschichte dahinter ist abstrus.
Auf Steam erscheinen jedes Jahr Tausende Spiele. Das ist eine gute Sache, denn viele kleinere Entwickler können hier eine große Plattform nutzen, um sich einen Namen zu machen. Doch je mehr Spiele erscheinen, desto „kuriosere“ Geschichten hinter der Entwicklung von Games lassen sich auch finden. Ein besonders tragischer Fall betrifft den Shooter „Fortune’s Run“.
Was ist Fortune’s Run für ein Spiel? Fortune’s Run ist eines dieser Projekte auf Steam, die man durchaus als versteckte Perle bezeichnen kann. Der FPS-Shooter im Retro-Look hat vor allem Fans der ersten „Deus Ex“-Teile gut gefallen. Das Spiel besticht durch ein interessantes Kampfsystem aus der First-Person, in der sowohl Nahkampf als auch Fernkampf taktisch und actiongeladen ablaufen. Ein Trailer des Spiels zeigt, worauf man sich freuen konnte:
Das Spiel befindet sich seit Jahren im Early Access und verschiedene Probleme – darunter mehrere Gefängnisaufenthalte der Entwicklerin – verzögerten das Projekt immer weiter. Jetzt scheint klar zu sein: Das Spiel wird wohl niemals fertig. Und der Grund dahinter ist eine Geschichte über Missbrauch und Verrat. So stellt es zumindest die Entwicklerin Dizzie dar.
Missbrauch, Drogen und geklaute Konten
Was ist vorgefallen? Die Frage mag so simpel klingen, doch die Geschichte dahinter ist lang und beginnt bereits vor Jahren. Denn Dizzie musste für eine Weile ins Gefängnis und die Entwicklung am Spiel dabei pausieren. Laut Dizzies Aussagen war die Gefängnisstrafe die Folge eines Verfahrens, das sich über mehrere Jahre zog. Dizzie sagt, sie hätte „einen Kriminellen verprügelt“, der „ihren Ex-Partner missbraucht habe“.
Während dieser Zeit im Gefängnis hat Dizzie dann einen Teil der Rechte an Fortune’s Run auf Steam an ihre Partnerin „Kim“ übertragen, auch um aus den Einnahmen die Kaution bezahlen zu können.
In einem neuen Entwickler-Beitrag vom 24. August scheint Dizzie die Beherrschung verloren zu haben, was zumindest nachvollziehbar ist, wenn die Geschichte stimmen sollte. Das Update mit dem plakativen Titel „Das Spiel wird wegen Gaben persönlich eingestellt“ klingt hochtrabend, doch der Inhalt des Updates hat es in sich:

Die besagte Kim soll „über alles gelogen haben“. Die jahrelange Beziehung sei nur gespielt gewesen. Kim ist nach Dizzies Aussagen letztlich mit dem Geld verschwunden, hätte über 77.000 $ dabei gestohlen und dabei mehrere Konten leergeräumt, darunter PayPal, Patreon und eben die Steam-Einnahmen. Laut Dizzie konsumiere sie „Drogen und betrügt mich mit Grindr-Dates, geht mit meinen Bankkarten aus und lässt sich Tausende Dollar am Geldautomaten auszahlen“.
Dizzie versucht derweil, die Besitzrechte am eigenen Spiel zurückzuerlangen, was sich aber als schwierig herausstellt, da „Valve dies ohne Begründung ablehnt“. Außerdem habe Dizzie „noch keinen Ausweis, weil die Polizei [ihr] nicht lang genug Freigang gewährt, um die entsprechenden Formulare auszufüllen und Termine wahrzunehmen.“
Nach aktuellem Stand sei Kim die Besitzerin des Spiels und alle Einnahmen gingen direkt an sie und ihren ausschweifenden Lebensstil, nicht aber an Dizzie.
Dizzie versuche zwar, Kim vor Gericht zu zerren und zu verklagen und ist sich sicher, dass sie Recht bekommen wird, aber das würde wohl nichts bringen. Denn bis dahin habe Kim das Geld ausgegeben und wenn die verurteile Person schlicht kein Geld habe, dann würde auch Dizzie bei einer Verurteilung von Kim nichts bekommen.
Bei all diesen Aussagen ist zu beachten, dass es sich hierbei um die Beschreibung der Entwicklerin Dizzie handelt. Das mag daher eine einseitige Version der Geschichte sein und es lässt sich aktuell nicht unabhängig bestätigen, ob die Vorwürfe, die Dizzie erhebt, korrekt sind.
Was bedeutet das für die Zukunft von Fortune’s Run? Aktuell nichts Gutes. Dizzie hat angekündigt, nicht länger an dem Spiel zu arbeiten, außer Steam überträgt wieder die Rechte an den Einnahmen zurück auf sie als Entwicklerin. Damit die besagte „Kim“ nicht weiter von den Einnahmen profitieren kann, wurde der Preis des Spiels nun auch von rund 20 Euro auf 1 Euro reduziert.
Cortyn meint: Das dürfte die wildeste und – sofern die Schilderungen der Wahrheit entsprechen – auch traurigste Entwickler-Geschichte eines Spiels überhaupt auf Steam sein. Ich bin ein wenig zwiegespalten, was ich von der ganzen Sache halten soll. Denn zum einen bin ich definitiv der Ansicht, dass solche Machenschaften wie Manipulation und Missbrauch aufgedeckt werden sollten, auf der anderen Seite bin ich mir aber nicht sicher, ob die „Steam Update“-Seite dafür wirklich der richtige Ort ist. In den Ohren vieler Käufer des Spiels klingt die Geschichte sehr abgedreht.
Schade ist es in jedem Fall um ein Spiel, das bei vielen nostalgische Gefühle an eine frühere Gaming-Zeit geweckt hat und das mit seinem Retro-Look auch einige Fans gewonnen hat.
In jedem Fall hoffe ich, dass es allen Beteiligten da irgendwie besser gehen wird – denn dass da eine Menge externe Hilfe notwendig sein wird, scheint offensichtlich.
Fortune’s Run hatte schon in der Vergangenheit eine kuriose Geschichte aufgezeigt. Denn das Spiel durfte anfangs auf Steam gar nicht veröffentlicht werden, weil eine grausame Szene nicht explizit genug war. Diesen absurden Teil der Geschichte lest ihr hier.
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