Love Island USA schafft etwas, woran viele Streaming-Dienste scheitern: Junge Zuschauer der Gen Z warten auf neue Folgen, diskutieren live mit und treffen sich sogar in Bars. Aus einer Reality-Show ist ein gemeinsames Ritual geworden.
Streaming hat uns daran gewöhnt, Serien dann zu schauen, wenn es gerade passt. Ganze Staffeln liegen mittlerweile immer öfter sofort bereit, während soziale Netzwerke die Aufmerksamkeit in kurze Clips zerlegen.
Love Island USA geht den fast entgegengesetzten Weg: Fast jeden Abend erscheint eine neue Folge. Wer zu lange wartet, riskiert Spoiler auf TikTok, Instagram oder Reddit. Alle Fans verfolgen wieder zeitgleich ein Event – ähnlich wie früher zu DSDS-Hochzeiten.
Aus Reality-TV wird ein Teamsport
Warum schauen plötzlich wieder alle gleichzeitig? Das Prinzip erinnert weniger an klassisches Binge-Watching und mehr an ein laufendes Sportturnier. Die Kandidaten der Sendung bilden Paare, neue Singles bringen die Beziehungen durcheinander und das Publikum darf über die App mitentscheiden, wer bleiben soll (Quelle: Bloomberg, Paywall).
Dadurch endet das Erlebnis einer Episode auch nicht mit dem Teaser zur nächsten Folge. Direkt danach beginnen Analysen, Memes, Diskussionen und Kampagnen für die eigenen Favoriten.
Die Zahlen zeigen, wie gut dieses Modell funktioniert. Laut NBCUniversal kam die achte Staffel in ihren ersten beiden Wochen auf 2,3 Milliarden gesehene Minuten. Mehr als eine Milliarde Videoaufrufe auf sozialen Plattformen kamen bereits kurz nach dem Start hinzu.
Und auch in Deutschland erreichen Dating-Shows und Reality-TV-Formate stetig sehr hohe Einschaltquoten von über 1 Million Zuschauern (Quelle: Netzwelt.de).
Warum reicht es den Fans nicht, einfach nur zuzuschauen? Ein wichtiger Teil des Erfolgs ist die Beteiligung. Zuschauer stimmen ab und verteidigen bestimmte Paare. Einige Creator veröffentlichen noch während der Ausstrahlung zahlreiche Reaktionsvideos.
So entstehen Fanlager, Insider-Witze und das Gefühl, gemeinsam an einem Ereignis teilzunehmen. Nach Bloombergs Analysen ist das ein entscheidender Bestandteil des Erfolgs: Die Show wird nicht nur verfolgt, sondern beinahe so wie ein Spiel begleitet. Gleiches hat man während der WM bei allen Streaminggrößen sehen können.
In den USA veranstalten Bars und Clubs Watch-Partys für Love Island, bei denen teilweise Hunderte Menschen gemeinsam vor den Bildschirmen sitzen (Quelle: Boston Globe).
Der Erfolg lässt sich eben nicht allein auf Dating-Drama reduzieren. Entscheidend ist die Kombination aus festem Rhythmus, schnellen Reaktionen, Abstimmungen und einer starken Präsenz auf fast allen Social-Media-Plattformen.
Love Island gibt seinem Publikum einen Grund, heute einzuschalten und nicht erst in drei Wochen. Damit erzeugt Anbieter Peacock genau das, was Streaming weitgehend abgeschafft hat: einen gemeinsamen Sendetermin.
Geht es euch genauso? Verfolgt ihr Love Island oder andere Dating-Shows ebenfalls möglichst aktuell, um keine Diskussion oder Wendung zu verpassen? Oder schaut ihr solche Formate lieber gesammelt am Stück?
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Passend dazu zeigt sich, wie ungewöhnlich dieser Erfolg eigentlich ist: Die Gen Z meidet lineares Fernsehen normalerweise – doch Love Island macht feste Sendezeiten wieder zum Event. Warum junge Zuschauer sonst kaum noch klassisch fernsehen, lest ihr hier: Gen Z stellt das lineare Fernsehen vor ein Problem.
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