Die NPCs in einem Shooter auf Steam sind so gottlos, dass ich wieder 10 Stunden am Tag zocken will

Dariusz Gray Zone Warfare

In einem Shooter auf Steam verspürt MeinMMO-Redakteur Dariusz Müller endlich wieder ein Gefühl, das PvP-Shooter schon seit Jahren nicht mehr erzeugen können – und er liebt es.

Das erste Mal einen First-Person-Shooter gegen andere Spieler zu spielen, ist ein besonderes Gefühl. Alles wirkt bedrohlich und man hat das Gefühl, an jeder Ecke lauert der Tod. Ich erinnere mich noch daran, wie ich in meinen ersten PvP-Shootern vorsichtig durch die Map lief und eine dauerhafte Spannung spürte.

Heutzutage beobachte ich diese Spannung nur noch von außen, bei Shooter-Neulingen und unerfahrenen Spielern. Nach tausenden Stunden in Spielen wie Rainbow Six: Siege und Battlefield spüre ich keine Anspannung mehr. Ich habe das Ego, die meisten meiner Gunfights gewinnen zu können, und sollte ich doch mal verlieren, ist der Gegner natürlich am Cheaten, ich habe gelaggt oder war eigentlich schon hinter der Wand.

Selbst in völlig neuen Spielen spüre ich diese Spannung nicht mehr. Ich habe keine Angst vor anderen Spielern oder dem Ingame-Tod. Spannung entsteht nur noch durch Siegeswillen und kompetitiven Ehrgeiz, mehr nicht – außer in Gray Zone Warfare, und das spiele ich deswegen aktuell viel zu viel.

Ein gnadenloses Spiel inklusive Ausbildung zum Feldsanitäter

Gray Zone Warfare schafft es, das Gefühl von Spannung zu erzeugen, die mir PvP-Spiele schon seit Jahren nicht mehr geben können – und das liegt vor allem an den gottlos gefährlichen NPCs und der Gestaltung der Map.

Was ist Gray Zone Warfare überhaupt?

Gray Zone Warfare ist eine Art Extraction-Shooter mit einer persistenten Map. Das heißt, ein Server bleibt stundenlang bestehen und ich muss nicht nach 20 Minuten zu einem Extraktionspunkt. Stattdessen fliege ich mit einem Helikopter von meiner Basis aus zu einer Landezone auf der Map, erledige Quests in der Open-World und kehre mit dem Helikopter zur Basis zurück, sobald ich alles erledigt habe. Dabei schlüpfe ich in die Rolle eines Söldners auf der fiktiven südostasiatischen Insel „Lamang“, die unter Quarantäne steht und von Fraktionskriegen zerrissen ist. Bei den Missionen treffe ich auf NPC-Gegner der besagten Fraktionen.

Jedes Gefecht mit den NPCs ist bedrohlich, denn ich bin meistens mitten im Dschungel oder in abgelegenen Dörfern auf mich allein gestellt, ohne Zugang zu nützlichen Items oder Hilfe. Ich muss meine Umgebung im Auge behalten und genau hinhören, ob Feinde im Dickicht lauern. Ein unachtsamer Moment kann schnell tödlich enden, denn das Spiel hat ein authentisches Waffen- und Verletzungssystem.

  • Schießt mir jemand in den Arm, muss ich die Wunde nähen und verbinden.
  • Breche ich mir ein Bein, muss ich eine Schiene anlegen.
  • Ist ein Organ beschädigt, muss ich auf offenem Feld unter Feindbeschuss operieren.

Je nach Art der Wunde ist es wichtig, mich beim Verarzten zu beeilen, denn ein zu großer Blutverlust führt zum Koma oder gar zum direkten Tod. Wenn ich Pech habe, reicht ein einziger Treffer und ich beiße ins Gras. Das Spiel zwingt mich quasi dazu, innerhalb meiner ersten Spielstunden die Grundlagen der medizinischen Gegenstände zu lernen, und zügig zu einem halbwegs kompetenten Feldsanitäter zu werden.

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Gameplay-Trailer für „Gray Zone Warfare“

Zwischen Stormtrooper und John Wick

Die NPCs in Gray Zone Warfare sind unberechenbar. In einem Moment überraschte mich ein Gegner und schoss vollautomatisch auf mich aus 3 Metern Entfernung, traf aber in bester Stormtrooper-Manier nicht einen Schuss. Im nächsten Moment tötete mich ein einziger Schuss aus einer 60 Jahre alten Mosin-Nagant, weil er seitlich zwischen meinen Panzerplatten einschlug und mein Herz durchbohrte.

Ich kann die Gesamtzahl meiner Tode in Gray Zone Warfare an beiden Händen abzählen, aber wenn ich gestorben bin, dann hatte ich trotz dicker Panzerung und ballistischem Helm keine Chance.

Mir wurde 3x in die Halsschlagader geschossen. Einmal bin ich durch einen Schuss ins Handgelenk (der wahrscheinlich die Pulsader traf) gestorben. Und einmal bin ich mitten im Dschungel in einen Stolperdraht gelaufen, der eine besondere Überraschung bereithielt.

Ich war immer auf der Stelle tot.

… Außer das eine Mal, als mich eine feindliche Patrouille bei schwärzester Nacht hinter einem Busch liegend über hunderte Meter gesehen und durchsiebt hat …

Die NPCs kennen wirklich keine Gnade und eröffnen sofort das Feuer, sobald sie Spieler sehen. Die meisten sind auch keine professionell ausgebildeten Elitekämpfer, die versuchen, heimlich vorzugehen, Munition zu sparen oder ihre Waffe zu schonen. Sie feuern einfach mit allem, was sie haben.

Manchmal schießen sie auch einfach blind auf Büsche und hoffen quasi darauf, einen glücklichen Treffer zu landen.

Endlich wieder Bock auf den Grind auch ohne PvP

Inzwischen habe ich über 60 Stunden in Gray Zone Warfare und verspüre immer noch diese Anspannung, wenn ich ein neues Gebiet betrete. Kürzlich habe ich den Shooter an einem freien Tag 10 Stunden am Stück gezockt – das kam schon lange nicht mehr vor. Selbst an ähnlichen Gaming-Tagen wechsle ich meistens irgendwann das Spiel. In Gray Zone Warfare könnte ich aktuell jeden Tag 10 Stunden stecken, wenn ich die Zeit hätte.

Gray Zone Warfare fesselt mich einfach mit dieser Spannung, die ich so lange nicht mehr spürte. Das undurchsichtige Dschugel-Setting, die unberechenbaren NPCs und das authentische Verletzungssystem mit einer Vielzahl tödlicher Verletzungen erfordern einfach ein gewisses Maß an Vorsicht.

Zwar gibt es auch PvP, doch das ist gar nicht notwendig, um dieses bedrohliche Gefühl zu erzeugen. Selbst auf den PvE-Servern kann ich nicht einfach wie Rambo ins Getümmel laufen, sondern muss meine Feinde auskundschaften, am besten eine Position mit Deckung suchen und die Gegner nacheinander ausschalten.

Es kann zu jeder Zeit noch jemand hinter einem Gebüsch oder in einer dunklen Ecke stehen, den ich nicht gesehen habe – besonders bei Nacht.

Ein Tod ist in Gray Zone Warfare nicht so tragisch wie in klassischen Extraction-Shootern, weil ich durch die persistente Map die Chance habe, meine eigene Leiche zu looten. Dennoch möchte ich um jeden Preis vermeiden, zu sterben, da das seit dem jüngsten Update zur Folge hat, dass laufende Hauptmissionen scheitern und dann einen kurzen Cooldown haben.

Ich schleiche also seit Tagen durch den Dschungel und fühle mich dabei wie vor über 10 Jahren, als Shooter-Spieler für mich noch so bedrohlich wirkten wie die NPCs von Gray Zine Warfare.


Nicht nur ich bin mit dem 0.4-Update wieder in Gray Zone Warfare reingegangen. Tausende Spieler sind auf Steam zurückgekehrt oder haben sich nach langer Unsicherheit zum Kauf überwunden. Das liegt vor allem an den umfangreichen Änderungen und Neuerungen des Updates: Ein Shooter ist bekannt für Taktik und harte Kämpfe, setzt jetzt größeren Fokus auf PvE – Spielerzahlen explodieren auf Steam um 1.300 %

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