Große deutsche Industrieunternehmen fordern eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche, weil die Deutschen zu teuer geworden sind

Titelbild Industrie Arbeiter Unsplash Jon Tyson

In bestimmten Branchen gelten 35 Stunden pro Woche als Standard. Große Unternehmen wollen davon weg und zurück zu 40 Stunden. Gewerkschaften sind strikt dagegen. Ab Oktober 2026 starten umfangreiche Tarifverhandlungen, wo dies zur Sprache kommen dürfte.

In Deutschland diskutiert man schon länger über Arbeitszeit, 40 Stunden pro Woche gelten in der Regel als Standard. Es gibt aber Ausnahmen. In Branchen wie der Automobilindustrie, dem Maschinenbau sowie der Eisen- und Stahlindustrie, ist eine 35-Stunden-Woche der tariflich vereinbarte Standard.

Genau diese Ausnahmen würden große Industrieunternehmen in Deutschland gerne streichen und am liebsten zu einer 40-Stunden-Woche zurückkehren. Denn die Arbeitskosten seien ohnehin schon zu hoch und das würde die Kosten nur zusätzlich steigern.

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Warum der Wechsel von 35 Stunden auf 40 Stunden hochumstritten ist

Mehr Arbeit für das gleiche Geld: Mitte des Jahres erklärte Martin Brudermüller, Aufsichtsratsvorsitzender der Mercedes-Benz Group AG, gegenüber dem Handelsblatt, dass Arbeitskräfte im Land „im internationalen Vergleich zu teuer geworden sind“.

„Wir sollten ernsthaft über eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche nachdenken“, sagte er gegenüber der deutschen Zeitung.

Und Mercedes-Benz ist nicht das einzige große Unternehmen, welches sich für eine 40-Stunden-Woche starkmacht. In der deutschen Metall- und Elektroindustrie gibt es derzeit eine intensive Debatte über eine Rückkehr von der 35-Stunden-Woche zur 40-Stunden-Woche. Führende Wirtschaftsvertreter fordern diese Erhöhung der Arbeitszeit, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit in der Krise zu sichern. Führungskräfte argumentieren, dass hohe Arbeitskosten die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands untergraben sollen (via marktundmittelstand.de).

Was Unternehmen hier oft nennen, sind die sogenannten Lohnstückkosten. Damit werden die Arbeitskosten bezeichnet, die für die Herstellung einer einzelnen Leistungseinheit oder eines Produkts anfallen. Das Argument: Während in Deutschland ein Bauteil beispielhaft 50 Euro kostet, liegen die Stückkosten in Polen nur bei 15 Euro (via bpb.de).

Wie reagiert die Gegenseite? Wenig überraschend: Die Gewerkschaften lehnen diesen Vorstoß strikt ab, etwa die Gewerkschaft IG-Metall. Diese erklären, dass mehr Stunden keine strukturellen Probleme der Industrie lösen würden und auch den Konkurrenzdruck aus Fernost nicht mindern würden. Hier werden oft internationale Lösungsansätze gefordert, anstatt einfache Arbeiter deutlich stärker zu belasten.

Die aktuelle Situation ist vor allem deswegen wichtig, weil im Oktober 2026 die Tarifverhandlungen zwischen den Industriegewerkschaften und den Arbeitgebern beginnen sollen (via wsi.de).

Offiziell gibt es in der Niederlande keine 4-Tage-Woche, doch der Arbeitsmarkt hat sich unbewusst so angepasst, dass viele Mitarbeiter dennoch nur 4 Tage pro Woche arbeiten. Das liegt auch daran, weil in der Niederlande ein deutlich flexibleres Arbeitssystem herrscht als in Deutschland: Die Niederlande hat versehentlich die 4-Tage-Woche eingeführt und zeigt, dass Beruf und Familie vereinbar sind

Kommentare

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6 Kommentare
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Lamoras

Oh diese Dreistigkeit. Vergleichen wir doch einmal zwei Gruppen:

Da haben wir einmal die Arbeiter, die seit Jahrzehnten immer weniger und weniger real in der Tasche haben und sich immer weniger leisten können. Diese Gruppe setzt primär nur das um, was die zweite Gruppe ihr sagt.

Die zweite Gruppe wiederum ist das obere Management der Unternehmen. Diese Gruppe hat sich in den letzten Jahrzehnten massiv das Geld in die Tasche gestopft und ihren Reichtum drastisch gesteigert. Unter anderem weil sie so fantastische Entscheidungen getroffen haben, deren Ergebnisse nun betrachten können.

Also, wer soll nun nochmal Kürzungen hinnehmen???

Gummipuppe

Wann reden wir offiziell über den Reallohnverlust der letzten Jahre oder über die Begrifflichkeit „Arbeitsproduktivität“, die Blackrock Manager in Regierungsverantwortung und die Versager aus der Automobilindustrie permanent ausblenden? Ich bin so müde von diesem demokratiefeindlichen Geschwafel, in der uns ständig Faulheit und Krankheit angedichtet wird, während aus dem Management und aus der Regierung niemand mehr Verantwortung für eigene Fehler übernimmt und „Reformen“ IMMER zu Lasten des Mittelstands gehen.

themrc

Bei allem, was man rund um das Thema so mitbekommt, wird eigentlich immer außen vor gelassen, dass man mit 5 Stunden Arbeitszeit mehr in der Woche die Produktivität nicht vergleichsweise erhöht. Studien zeigen sogar, dass mit weniger Stunden produktiver gearbeitet wird als mit mehr.

Von der Regierung wird uns eingebläut, dass der Deutsche zu wenig arbeitet. Wenn man sich die zugrunde liegenden Zahlen anschaut, sieht man, dass wir im Schnitt trotzdem gleichauf sind mit dem Rest, wir nur einen stark erhöhten Anteil an Teilzeitkräften haben. Warum haben wir den? Weil man es sich heutzutage nicht mehr leisten kann, dass bei der Familiengründung einer der beiden Elternteile permanent zu Hause bleibt. Der würde bei der Berechnung dann nämlich gar nicht erst aufkommen. Sowas wird dann aber als “Lifestyle-Teilzeit” abgetan.

Unterm Strich sind solche Forderung bewusste Gängelung der Arbeitnehmer durch die Arbeitgeber, die einem ein schlechtes Gewissen einzureden versuchen, um Lohnkosten zu senken. Dabei wäre eine generelle Reduzierung der Arbeitszeit eher geeignet für einen Produktivitätszuwachs, ohne die Kosten erhöhen zu müssen. Wenn man sich aber bewusst gegen wissenschaftliche Erkenntnis stellt, geht es nur um eines: Machtausübung.

Von den Fehlentscheidungen in den Managerriegen gar nicht erst zu reden, siehe E-Automobilität.

Zuletzt bearbeitet vor 19 Tagen von themrc
Off

Typisches Neo-Liberales geschwafel. Zwar kostet der deutsche Arbeitnehmer mehr, ist aber gemessen am BIP deutlich produktiver, ergo höhere Wertschöpfung.
Die Verluste durch Krisen aber auch durch Missmanagment und politisches Versagen soll mal wieder durch den kleinen Arbeitnehmer kompensiert werden.

themrc

Dies.

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