Damit Borderlands 3 ein Hit wird, sollte es auf Gaming-Trends pfeifen

Schon in Kürze wird es wohl endlich passieren: die Ankündigung von Borderlands 3. Seit dem letzten Teil sind allerdings einige Jahre vergangen. Mechanismen wie der Games-as-a-Service-Ansatz, ausgeklügelte Mikrotransaktionen und ausgefeilte Online-Features sind mittlerweile Usus. Sollte sich der neue Teil dieser Mechanismen bedienen oder doch lieber bei seinen Wurzeln bleiben? Eine Analyse.

Wann wird Borderlands 3 mutmaßlich angekündigt? Am 28.03.2019 soll es soweit sein. Glaubt man den Teasern und den Hinweisen von Gearbox-CEO Randy Pitchford, wird im Rahmen der PAX East am Donnerstagabend Borderlands 3 angekündigt. Zahlreiche Fans (zu denen ich mich auch zähle) fiebern diesem Termin entgegen.

Seit dem letzten Teil, Borderlands: The Pre-Sequel sind mittlerweile viereinhalb Jahre vergangen. Zudem wurde der Titel ursprünglich nicht einmal für die Playstation 4 veröffentlicht. Erst ein Jahr später wurde Borderlands 2 sowie das Pre-Sequel im Rahmen der Handsome Collection für die PS4 veröffentlicht.

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Mit diesem Teaser hat Gearbox wohl Borderlands 3 angekündigt

Seit 2015 herrscht mehr oder weniger Funkstille, die lediglich von vereinzelten Tweets seitens Pitchford unterbrochen wird. Nun scheint es jedoch endlich so weit zu sein.

Zeit, einen Blick auf die möglichen Features zu werfen, die Borderlands 3 mit sich bringen könnte. Denn die Welt hat sich weitergedreht, neue Mechanismen wurden etabliert.

Was hat sich in der Welt der Online-Shooter seit dem letzten Borderlands verändert? Viele Spieler fragen sich, ob Borderlands 3 die unverkennbare DNA der Reihe in sich tragen, oder Anleihen an Mechanismen nehmen wird, die in den vergangenen Jahren immer mehr zum Standard wurden:

  • Games-as-a-service (GaaS) – Der Spieler soll eine lange Zeit an ein Spiel gebunden werden, in dem die Spielwelt, die Story und die Charakter-Progression stetig weiterentwickelt werden. Als Beispiel seien hier Titel wie Destiny, The Division oder Anthem genannt.
  • Battle Royale – Nach dem großen Erfolg von PUBG, Fortnite und neuerdings Apex Legends neigen die Entwickler immer mehr dazu, etablierte Marken mit einem Battle-Royale-Modus zu bestücken (Call of Duty, Battlefield).
  • Mikrotransaktionen – Um Spiele jahrelang betreiben zu können, werden mithilfe von kosmetischen Items, welche mit realem Geld bezahlt werden können, neue Ertragsmöglichkeiten erschlossen. Diese sollen keinen realen Vorteil bringen, sondern konzentrieren sich häufig auf ästhetische Aspekte wie Skins, Farben etc.
  • „Kostenlose“ DLCs – Bezahlpflichtige Erweiterungen, wie sie noch in Borderlands 2 üblich waren, sterben aus. Entwickler sagen, DLCs zerstückeln die Spielerschaft. Das ist speziell in einem langlebigen Online-Spiel nicht gut, da immer möglichst alle Spieler miteinander spielen sollen.

Sollte Borderlands 3 sich an diesen „Features“ bedienen, um erfolgreich zu sein?

Apex Legends Data Center im Start-Screen PC
Battle-Royale-Spiele wie Apex Legends sind schwer angesagt

Was genau macht Borderlands eigentlich so einzigartig? Die Borderlands-Reihe gilt für viele als der Inbegriff der Loot-Shooter.

Geschlagene Boss-Gegner ließen wortwörtlich Loot auf die Spieler herabregnen. Auch für mich war die Erkundung der Beute nach einem Sieg über einen Raid-Gegner das Highlight in Borderlands.

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Beute-Begutachtung nach dem Kampf gegen den Bunker

Doch nicht nur die Vielfalt der Beute, auch die Rollenspiel-Aspekte, die Story und die abgedrehten Charaktere gelten für viele auch heute noch als absolute Highlights.

Ganz besonders fasziniert war ich von den Erweiterungen, die Borderlands 2 stetig weiterentwickelt haben.

„Mr. Torgues Kampagne des Metzelns“ sowie „Tiny Tinas Sturm auf die Drachenfestung“ sind für mich zwei der besten DLCs aller Zeiten, da sie eine abgedrehte Geschichte mit einem frischen Setting (Dungeons & Dragons) kombiniert haben.

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Eine der ikonischsten Figuren von Borderlands – Tiny Tina

Kann Borderlands überhaupt funktionieren, wenn es heutige Mechaniken aufgreift? Ich behaupte nein. Der Live-Spiel-Ansatz wird häufig als Argument herangezogen, wenn es um die Langzeit-Motivation eines Titels geht.

Tatsächlich hatte schon Borderlands 2 zahllose Mechanismen, die mich über lange Zeit gefesselt haben:

  • Waffen-Rolls – So gut wie jeder Parameter einer Waffe in Borderlands 2 war zufällig, vom Schaft bis zum Visier und den Statistiken. Die Jagd nach dem perfekten Roll hat mich lange bei der Stange gehalten. Zum Glück gab es ein Feature, welches ich nach Borderlands bei nahezu jedem Spiel vermisst habe, nämlich
  • Boss-spezifischen Loot – Jeder Boss hat ein anderes legendäres Item fallen lassen. Eines meiner Lieblings-Features, welches danach allenfalls vereinzelt von Spielen aufgegriffen wurde (zum Beispiel Omnigul in Destiny). Auch wenn das komisch klingt, ich habe es geliebt, stundenlang den Bunker zu farmen, um das perfekte Sham-Schild mit der 94%igen Schadensabsorption zu bekommen.
  • Badass-Ränge – Ähnlich dem Paragon-System von Diablo 3 konnten mithilfe der Badass-Ränge viele Parameter wie Leben oder Schildrate weiter gesteigert werden. Da das System an Herausforderungen gekoppelt war, wurde eine variable Spielweise belohnt. Für mich ist das Badass-System noch heute unerreicht und eine fantastische Motivation, auch nach dem Erreichen des Maximal-Levels weiter zu spielen. Der Clou: Die Badass-Ränge galten accountweit, jeder Charakter hat gleichermaßen davon profitiert.
  • Übermacht-Schwierigkeitsgrad – Wem der schwerste Schwierigkeitsgrad zu leicht wurde, konnte über sogenannte OP-Ränge die Schwierigkeit weiter steigern und neue, dafür ausgelegte Ausrüstung finden.  Bis zu 8 dieser Ränge gab es in Borderlands 2
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Badass-Ränge haben sehr lange motiviert, Borderlands 2 zu spielen

Speziell Borderlands 2 war für mich der Beleg, dass es keiner ausgefeilten psychologischen Modelle bedarf, um Spieler lange Zeit an ein Spiel zu binden. Manchmal reichen auch einfach 17,8 Millionen mögliche Waffenkombinationen (Borderlands 2), um Spieler lange Zeit zu beschäftigen.

Beim Thema Story sollte sich Borderlands nicht an der Konkurrenz orientieren: Zumindest gefühlt leidet beim Service-Ansatz vor allem die Story.

Die Entwickler betreiben einen immensen Aufwand, um das Gameplay und die Spiel-Mechaniken so zu gestalten, dass Spieler möglichst lange bei der Stange bleiben, häufig auf Kosten einer spannenden Geschichte, wie besonders Destiny anschaulich gezeigt hat.

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Gibt dem Wort „witzig“ eine neue Bedeutung: Der Roboter Claptrap

Borderlands hat sich nie wirklich ernst genommen. Davon zeugt nicht nur die knallbunte Grafik im Cel-Shading-Look, sondern auch die verrückten Dialoge und die vor Sarkasmus triefenden Kommentare der zahllosen Bösewichte. Es ist spannend zu sehen, dass genau solche Merkmale in der aktuellen Zeit einen erfrischenden Kontrast zu den eher ernsten Story-Themen der Konkurrenz darstellen würden.

Spiele wie Destiny, The Division und auch Anthem sind getrieben von dem Bedürfnis, den Spielern eine Story zu präsentieren, die bedeutungsschwanger daherkommt, auf dem zweiten Blick jedoch häufig flach und eindimensional ist. Daran ändern auch bombastische Zwischensequenzen nichts. Mit jedem zum Fremdschämen animierenden Dialog brüllt mir der Entwickler ins Ohr „Wir haben keine Story, aber hier gibt es Loot!“.

Das ist zugegebenermaßen etwas überspitzt formuliert, ich denke jedoch: Es wird Zeit für ein Kontrastprogramm. Borderlands hat nie damit kokettiert, dass die Spieler die Rolle des Weltenretters einnehmen. Stattdessen ging es bisher stets um die Beute, was die Rolle als Vault-Hunter belegt.

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Das Skill-System von Borderlands 2

Was ist mit Battle Royale? Das braucht Borderlands, oder? Battle Royale bedeutet gleichzeitig, dem Spiel eine Komponente zu geben, die ein aufwendiges Balancing zur Folge hätte. Denn immer dort, wo Spieler kompetitiv gegeneinander antreten dürfen, muss ein einheitliches Spielfeld geschaffen werden.

Zwar konnte man schon in Borderlands 2 andere Spieler herausfordern, das war allerdings eine zu vernachlässigende Funktion, die dort in meinen Augen auch nichts zu suchen hatte. Wenn Menschen gegen Menschen antreten, sind vielfältige Wechselwirkungen zu beachten, auf die Gearbox bisher eindrucksvoll gepfiffen hat.

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Galt als zu stark – Die Schrotflinte Conference Call

Tatsächlich habe ich nach Borderlands 2 nie wieder ein Spiel in der Hand gehabt, das in Sachen Balance so dermaßen kaputt war. Zwar hat Gearbox bei den krassen Ausreißern wie der legendären Schrotflinte Conference Call eingegriffen, ansonsten den Spielern jedoch freie Hand gelassen. Das hat zu völlig absurden Waffen- und Fähigkeiten-Kombinationen geführt, die gleichzeitig aber auch unglaublich viel Spaß gemacht haben (und in den höheren Schwierigkeitsgraden obligatorisch waren).

Handfeuerwaffen wie die Double Penetrating Unkempt Harold oder eine Pimpernel in Kombination mit einer Slag-Waffe haben Bosse so schnell ins Nirvana geschickt, dass der entsprechende Lebensbalken nicht einmal komplett sichtbar war.

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Eines der besten Schilde in Borderlands 2 – The Sham

Sollte Borderlands einen kompetitiven Aspekt in den dritten Teil bringen, wäre es vorbei mit diesem Spaß. Keine völlig kaputten Fähigkeiten mehr, nur noch nuancierter Einheitsbrei. Für mich persönlich kein sehr verlockendes Szenario.

Was ist mit Erweiterungen? Die müssen kostenlos sein, oder? Im Falle eines GaaS-Ansatzes sind kostenlose Story-Erweiterungen sicher sinnvoll, damit alle Spieler auf einem Stand sind. Sollte Borderlands 3 auf diesen Zug allerdings nicht aufspringen, könnte der „altmodische“ Vertrieb von regelmäßigen Erweiterungen ein valides Mittel sein.

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Eine der besten Erweiterungen aller Zeiten – Tiny Tinas Sturm auf die Drachenfestung

Entscheidend für den Erfolg von solchen Erweiterungen ist nichts anderes als die Qualität. Ein Aspekt, bei dem ich große Hoffnungen in Gearbox habe. Sollte es dem Entwickler gelingen, Erweiterungen abzuliefern, die genau so frisch und unterhaltsam wie die Tiraden von Mr. Torgue sind, mache ich mir um die langfristige Motivation wenig Sorgen.

Kosmetische Items und Mikrotransaktionen – ein notwendiges Übel? Sollte Gearbox klassische Erweiterungen anbieten, bedarf es zumindest in der Theorie keiner Mikrotransaktionen, die häufig als Argument für kostenlosen Content ins Feld gezogen werden. Sollte es allerdings kosmetische Items gegen Echtgeld geben, würden sich hier durchaus Anwendungsgebiete finden lassen:

  • Skins, die es auch schon in Borderlands 2 gab und den Charaktern ein anderes Aussehen gaben.
  • Skins für Fahrzeuge und Waffen sowie
  • Anpassbare Begleiter
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Eine Übersicht der verschiedenen, freischaltbaren Skins

Der Utopist in mir wünscht sich in diesem Fall natürlich eine gewisse Gegenleistung in Form von kostenlosen Content. Ich bin gespannt, welche Pläne Gearbox und 2K hier verfolgen werden.

Man möge mich hier nicht falsch verstehen. Zwar halte ich viele aktuelle Trends für nicht anwendbar auf ein kommendes Borderlands, das bedeutet jedoch nicht, dass Borderlands 2 oder das Pre-Sequel perfekt war. So gibt es durchaus Spielraum für Verbesserungen.

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Eine der besten Waffen in Borderlands 2 – Unkempt Harold

Diese Fehler aus den alten Borderlands-Teilen sollte der neue Ableger nicht machen: Auch wenn ich viel Spaß in der Welt von Pandora und seinem Mond Elpis hatte, sorgte die fehlende Spielbalance und insbesondere das Ressourcenmanagement mitunter für Kopfschütteln. Folgende Aspekte sind mir hier besonders aufgefallen:

  • Wer gestorben ist, musste seine Wiederbelebung mit Geld bezahlen. Dies war jedoch kein absoluter Betrag, sondern stets ein Prozentsatz des Gesamtvermögens. Dies führte in der Theorie zu dem Wunsch, möglichst wenig Geld zu besitzen, um den Respawn so günstig wie möglich zu gestalten.
  • Die Mechanik, Munition über entsprechende Automaten aufzufüllen, war einfach nervig. Gegner sollten einfach genug Munition fallen lassen, um seinen Bedarf zu decken.
  • Geld spielte allgemein eine untergeordnete Rolle in den alten Borderlands-Teilen. Hier könnte Gearbox weitere Anwendungsgebiete schaffen.
  • Das Duping von Credits und Ausrüstung sollte nicht möglich sein. Dies war in den älteren Ablegern viel zu einfach und vor allem lohnenswert. Handeln? Ja! Duplizieren? Nein!
  • Das Coop-System und die Online-Komponenten waren zweckmäßig, aber recht rudimentär. Hier lassen sich zweifellos Komfort-Verbesserungen implementieren, die in den alten Teilen fehlen. So gab es kein Scaling (Anpassung der Gegner-Schwierigkeit), auch der unterschiedliche Spielfortschritt war ein Problem, da nicht transparent für alle Spieler ersichtlich.
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Einer der besten Antagonisten überhaupt – Handsome Jack

Zugegeben, dass ist Jammern auf hohem Niveau. Ich will wortwörtlich durch Loot waten, markige Sprüche hören und verrückte Waffen- und Fähigkeiten-Kombinationen ausprobieren. Gebt mir die volle Packung Borderlands (und Claptrap) und Ihr macht mich glücklich! Ist doch eigentlich ganz einfach, oder?

Was haltet Ihr davon? Stimmt Ihr zu, oder wünscht Ihr Euch etwas ganze Anderes?

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