Ein mutiger Mix aus LoL, XCOM und Warhammer 40k ergibt ein Spiel, das so unbeliebt ist, dass es 3-mal stirbt

Ein mutiger Mix aus LoL, XCOM und Warhammer 40k ergibt ein Spiel, das so unbeliebt ist, dass es 3-mal stirbt

Das Taktik-Spiel Atlas Reactor hat einfach nie funktioniert. Der Titel erschien bereits 2016 für den PC, erwies sich praktisch sofort als Flop, wurde aber immer wieder neu belebt: Wieder und wieder änderte man das Geschäftsmodell, 2020 wechselte man sogar von PvP auf PvE und gab dem Spiel einen neuen Namen. Jetzt ist es aber offenbar endgültig vorbei: Auch die neue Variante „Atlas Rogue“ hat nicht funktioniert. Gamigo gibt auf.

Was war die Idee des Spiels? Atlas Reactor sollte ein innovatives Spiel werden, das den angeschlagenen Video-Spiel Publisher Trion Worlds wieder nach oben bringen würde. Die hatten 2016 gar keinen guten Lauf: das MMORPG ArcheAge war out, Rift und Defiance kamen in die Jahre, man brauchte dringend einen Hit und versuchte etwas ganz Verrücktes.

In einem YouTube-Video von 2016 stellten die Köpfe hinter dem Spiel ihr Game Atlas Reactor als einen wilden Genremix vor (via youtube):

  • Die Entwickler sagten, das Spielkonzept ziehe Inspiration aus XCOM: Enemy Unknown, League of Legends und Tabletop-Spielen wie Warhammer 40k.
  • Die wichtigste Frage im Design war: „Wie macht man ein rundenbasiertes Spiel, bei dem man mehr spielt, als wartet?“
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Atlas Reactor setzte auf interessante Charaktere und innovatives Gameplay.

Letztlich entstanden rundenbasierte Kämpfe von 4er-Teams mit einem Gameplay wie bei XCOM, aber als reiner PvP-Titel wie LoL:

  • Jeder der Helden eines Teams konnte beliebig oft sterben. Es gab, wie in LoL, zahlreiche Helden zur Auswahl.
  • Das Team, das zuerst 5 Kills erzielte, gewann – oder das Team mit den meisten Kills nach 20 Runden
  • Spieler konnten in einem Modus Befehle geben und in der zweiten Modus bewundern, wie sich ihre Befehle abspulten. Die Modi zerfielen in weitere Phasen.

Zig-Mal das Business-Modell geändert auf der Suche nach Erfolg

Auf welche Arten scheiterte das Spiel? Das Spiel scheiterte auf nur jede mögliche Weise.

Das Spiel hatte praktisch nie eine nennenswerte Spielerzahl auf Steam, lediglich als es ganz frisch war 2016, kam es mal in wenigen Wochen auf einen Bereich um die 3.000 Spieler, aber auch die waren rasch wieder weg.

Atlas Reactor begann als Titel mit einem seltsamen Business-Modell, man nannte das „Trial-until-you-buy“: Spieler konnten nur wenige Helden, die rotierten, kostenlos spielen, mussten sich das ganze Spiel kaufen, wenn sie alle Freelancer zur Auswahl haben wollten.

Rasch wechselte man auf ein typisches Free2Play-Modell, bei dem man sich Helden kaufen konnte.

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Das Geld wollte Atlas Reactor auch über „Freelancer“ verdienen, über das Freischalten von Champs, ähnlich wie LoL.

Eine Firmen-Pleite und eine Komplett-Verwandlung von PvP in PvE durchgemacht

Wie oft starb es?

  • Der 1. Lauf von Atlas Reactor endete letztlich mit dem Verkauf von Trion Worlds im Jahr 2018. Atlas Reactor war ein Flop für Trion Worlds und konnte das Ende der Firma nicht mehr aufhalten.
  • Die deutsche Firma Gamigo ist dafür bekannt, scheiternde MMOs zu kaufen und weiterlaufen zu lassen, ohne riesige Erweiterungen zu bringen. Sie übernahmen Atlas Reactor und ließen den siechen PvP-Titel auch eine Weile laufen. Stellten es aber nach einem Jahr ein, als PvP-Spiel habe Atlas Reactor einfach nicht funktioniert, dachte man. Gamigo brachte das Spiel als „Atlas Rogue“ zurück und wollte es als PvE-Titel etablieren
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Im Discord gab man das Ende von „Atlas Rogue“ bekannt.
  • Nach 2 Jahren gehen aber auch hier die Lichter aus – über den Discord-Server des Spiels gibt man bekannt, dass die Server am 5. Juli 2022 offline gehen und offline bleiben. Ingame-Käufe werden ab sofort nicht mehr angenommen.
Atlas Reactor war als PvP-Spiel unbeliebt – Nun wird es ein reines PvE-Game

Spieler fordern immer Innovation, aber bei Atlas Reactor wird mutiges Gameplay nicht honoriert

Was war das Problem des Spiels? Im Discord kann man jetzt die Klagen der verbliebenen Spieler hören. Sie mögen ihr Spiele auch heute noch und sind traurig und enttäuscht, weil Gamigo angeblich nie auf sie gehört habe und nie ihre Vorschläge umsetzte, um das Spiel noch zu retten.

Letztlich war Atlas Reactor aber ein Spiel, dass nur wenige „wirklich“ abgeholt hat. Es hat ähnliche Schwierigkeiten wie Artifact: Die Gameplay-Mechaniken sehen beim Zuschauen so fremd und technisch aus, dass sie abschreckend wirken

Die „Innovation“ des Spiels, die Runden in Phasen zu unterteilen, wirkt ungewohnt und kontraintuitiv. Letztlich musste man einem das Spiel schon wirklich gefallen, um ihm eine Chance zu geben.

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Auch die neue Version „Atlas Rogues“ hatte keinen Erfolg. YouTuber Entenburg schaut sich das Spiel an.

Weil das Game von Beginn an keinen Hype erzeugte und die Spielerzahl niedrig war, setzte eine Todesspirale in Gang: Je weniger Leute es spielten, desto weniger sprach man darüber, desto weniger probierten es neu aus, desto länger dauerte es, bis man Matches fand.

Jetzt, wo alles vorbei ist, muss man sich wundern, warum Atlas Reactor 6 Jahre lang durchgehalten hat. Offenbar gab es eine kleine, verschworene Fan-Basis, die es wirklich gemocht hat. Um die kann es einem leidtun.

Ein Fan von Atlas Reactor war der ehemalige MeinMMO-Autor Jürgen Horn. Er hat eine Schwäche für Spiele, die irgendwie dem Tod geweiht scheinen:

Atlas Reactor: Erster Eindruck – Unmögliche Idee, interessantes Gameplay

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Phoesias

Ich weiss nicht wer es wirklich mal gespielt hat (neben Jürgen^^) – ICH habe es ebenfalls gespielt weil ich das Konzept interessant fand & zwar mit meinem Cousin einige Wochen lang, also das Original Atlas Reactor. Im Coop haben wir 50% des Teams ausgemacht und da Absprachen hier sehr wichtig sind hat das deutlich mehr Spaß gemacht.

Es war einfach total unique, sehr geil, sehr fordernd und hat sogar sehr gut funktioniert.

Das Konzept war sowas von cool und jedes Match war spannend und fühlte sich anders an.

Diese Comeback Ding habe ich aber garnicht mehr angerührt, die Bewertungen waren schlecht es waren andere Entwickler und das Game war iwie beschnitten und nichts halbes nichts Ganzes soweit ich das gelesen habe, der Drops war da schon gelutscht.

Zuletzt bearbeitet vor 25 Tagen von Phoesias
Jürgen Horn

Ja, das war echt ein sehr geiles Spiel! Sowas gabs und gibt es bis heute nicht mehr. Total schade, dass es sterben musste. Die Remake-Ideen klangen jetzt aber auch echt nicht so sexy.

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