32-Jähriger verspielt das Geld für seine Hochzeit, verliert seinen Job: Jetzt verklagt er eine Wett-Plattform

Brautpaar sitzend Symbolbild

Ein Mann wirft der Sportwetten-Plattform DraftKings vor, ihn mit gezielten Taktiken dazu gebracht zu haben, seine Ersparnisse zu verlieren.

Das ist die Situation: Der 32-jährige US-Amerikaner Dane Miller verlor seine Ersparnisse und seinen Job. Jetzt verklagt er DraftKings, eine Plattform für Sportwetten. Der Vorwurf: Die Plattform habe sein Glücksspiel-Problem nicht nur erkannt, sondern aktiv ausgenutzt und sogar gefördert.

Laut Gerichtsdokumenten erkannte DraftKings „Potenzial” in Miller, nachdem er 2020 seinen Account eröffnet hatte. Im Mai 2021 erhielt er daraufhin den „VIP-Status“, und damit „Vorteile“ wie besondere Promotionen, Gewinn-Boni, kostenlose Wetten und Guthaben.

Diese Anreize hätten Millers Nutzung der Plattform schnell eskalieren lassen. So habe er die Ersparnisse für seine Hochzeit verspielt und schließlich sogar Kredite aufgenommen und seine Altersvorsorge angegriffen, um sein Glücksspiel zu finanzieren. Als Teil des VIP-Programms habe er täglichen Kontakt zu einem „Host“ gehabt, der ihn für seine „Loyalität“ belohnt habe, etwa mit Tickets für Sport-Veranstaltungen.

Er verlor seine Ersparnisse und landete im Krankenhaus

Wenn ihr selbst unter Depressionen leidet oder über Suizid nachdenkt oder jemanden kennt, ist nichts wichtiger, als darüber zu sprechen. Wenn ihr euch nicht Menschen in eurer direkten Nähe anvertrauen möchtet, könnt ihr euch anonym, rund um die Uhr und kostenlos unter anderem bei der Deutschen Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111, via Chat bei der Online-Seeelsorge oder beim Hilfe-Telefon “Mutruf“ melden. Den Verein erreicht ihr unter 04191/27 4928 0.

Glücksspiel kann süchtig machen. Wenn ihr bei euch oder Menschen aus eurem Umfeld Spielprobleme vermutet, findet ihr Ressourcen und Beratungsangebote auf Check Dein Spiel.

So wirkte sich das aus: Im September 2024 soll Miller infolge seines ständigen Glücksspiels seinen Job verloren haben. Im folgenden Monat habe er einen Abschiedsbrief verfasst und wurde laut Klage schließlich wegen Suizidgedanken in eine Klinik eingeliefert.

Damit war jedoch nicht Schluss: Kurz zuvor soll Miller 5-Mal Guthaben im Wert von je 200 $ von DraftKings angeboten bekommen haben, um ihn zurückzugewinnen. Nach seiner Entlassung sei er dann fast sofort rückfällig geworden und habe sich die App erneut heruntergeladen.

Im Dezember 2024 schloss Miller dann ein ambulantes Therapie-Programm ab und ließ sich auf die „Self-Exclusion List“ seines Staates Illinois setzen. Das funktioniert ähnlich wie hierzulande das Sperrsystem OASIS und verhindert, dass Miller in seinem Staat eine Wette abschließen kann.

Was wird DraftKings vorgeworfen? Die Klageschrift, welche am 24. Juni 2026 eingereicht wurde, wirft DraftKings vor, gezielt Mechaniken einzusetzen, die Kunden dazu verleiten, immer weiter und mehr zu spielen, und gleichzeitig Sicherheitsrichtlinien zu umgehen. Konkret heißt es:

  • DraftKings nutze Features wie Live-Übertragungen, Echtzeit-Wettquoten und Wetten während eines Spiels sowie eine gamifizierte Oberfläche, um besonders attraktiv für eine junge Zielgruppe zu sein, welche „schnelle, interaktive, Mobile-First Erfahrungen“ bevorzuge.
  • Mit Verhaltensanalyse, „geheimen Algorithmen“ sowie stark personalisierten Angeboten würde dann gezielt ein möglichst süchtig machendes Produkt erschaffen.
  • Zu den Taktiken sollen zudem strategische Partnerschaften und Influencer-Aktivierungen gehören. Dadurch entstehe eine Art Trichter, der die Nutzer immer weiter hineinzieht.
  • Gleichzeitig würden nicht die gleichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen, wie etwa in einem richtigen Casino, wo die Mitarbeiter problematisches Glücksspiel-Verhalten im Auge behalten sollen. DraftKings ignoriere solche Probleme, und nutze die gesammelten Informationen stattdessen, um die Kunden noch mehr zum Glücksspiel zu verleiten.
  • Der Pflicht, ein sicheres Produkt zu entwerfen und zu vermarkten, sei hier laut Klage nicht nachgekommen worden.

Mittlerweile soll es Miller besser gehen. Er habe inzwischen wieder eine Arbeit gefunden, habe gereitet und ein Kind bekommen. Wie seine Anwältin Yvonne Flaherty betont, brauche es jedoch sehr lange, die angerichteten Schäden zu reparieren. Es sei ein anhaltender Prozess. Mit seiner Klage wolle er nun verhindern, dass andere das Gleiche durchmachen (Quelle: The Independent).

Was haben denn jetzt Influencer damit zu tun? Die Verbindung von Influencern und Glücksspiel wird seit 2021/2022 zunehmend kritisch gesehen. Damals verdienten Twitch-Streamer Millionen mit Glücksspiel-Deals und zeigten digitale einarmige Banditen auch live im Stream. Ihre Zuschauer werden etwa mit Promo-Codes angespornt, sich selbst in solchen Online-Casinos anzumelden. Doch während die Streamer durch ihre Promo-Deals abgesichert waren, setzten die Fans ihr echtes Geld und gingen bankrott.

Als Twitch dann strengere Richtlinien für das Zeigen von Glücksspiel auf der Plattform einführte, stiegen manche Streamer auf Sportwetten um. Influencer sind also ein wichtiger Teil des Mechanismus, mit dem Glücksspiel einem breiten Publikum schmackhaft gemacht werden kann. Mit „Trichter-Taktiken“ können die Fans dann in zahlende Kunden für die Sponsoren umgewandelt werden.

Aktuell scheint es im Zusammenhang mit der laufenden Fußball-WM eine neue Welle an Glücksspiel- und Sportwetten-Deals gegeben zu haben. Zuletzt geriert etwa der deutsche Twitch-Streamer Giggand in die Kritik: „Was für eine mächtige Person ist hier verloren gegangen“ – Tanzverbot kritisiert das Comeback eines bestimmten Trends auf Twitch

Kommentare

Bitte lies unsere Kommentarregeln, bevor du kommentierst.
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
5 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Abstimmungen
MathError

Klar, ist da auch der eigene Wille wichtig, ob man in eine Sucht verfällt oder nicht. Weil jedem ist bewusst, dass Glücksspiel-Unternehmen alles dafür tun dich zu verleiten Geld auszugeben.

Gleichzeitig würden nicht die gleichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen, wie etwa in einem richtigen Casino, wo die Mitarbeiter problematisches Glücksspiel-Verhalten im Auge behalten sollen. DraftKings ignoriere solche Probleme, und nutze die gesammelten Informationen stattdessen, um die Kunden noch mehr zum Glücksspiel zu verleiten.

Aber genau dieser Punkt ignorieren wohl einige hier in dem Kommentaren bzw. sind sich nie bewusst gewesen, dass “richtige” Casinos also etablierte und kontrollierte (vom Staat oder sonstigen Instutionen) Casinos dich nicht jeden Tag spielen lassen und hundertetausende Euro/Dollar verlieren bzw. “ausgeben” lassen.
Das Personal in Casinos muss solche Menschen melden und dann werden diese oft von den Casinos auf eine Liste gesetzt und haben “Hausverbot”, das meistens in ganzen Ketten von Casinos.

Klar am Ende hilft das dem Menschen dahinter nicht unbedingt, aber es ist nicht so wie bei diesen Online-Casinos wo Influenzer diese auf Twitch, Kick oder sonstigen Plattform für jung und alt bewerben und von den Betreibern dafür mit viel Startkapital ausgestattet werden und das Managment-Team haben, wo alles kontrolliert wird, dies sind keine “normalen” Personen, die einfach mal ihr eigenes Geld raushauen um damit hohe Gewinne versuchen einzuspielen.

Lösungsvorschläge gebe es sicher einige, z.B. Eine komplette finanzielle Hintergrundüberprüfung um zu sehen wieviel Geld eine Person besitzt bzw. wie der Geldfluss generell ist d.h. was sind Ein – und Ausgaben, die eine Person in vielen Jahr getätigt hat, welche feste Währungen eine Person hat wie Immobilien, Wertpapiere oder Rohhstoffe wie Gold, Silber usw. und vielen anderen Quellen, dass man dann den Personen die in online Casinos oder den normalen Casinos spielen Limits vorgibt, welche diese im Monat ausgeben können und diese Überprüfung jedes Jahr oder so wiederholt wird.
Wer sowas nicht will, soll dann auch einfach kein Zugang zu Glückspiel erhalten bei denen es nur darum geht Geld zu gewinnen.

Ist sicher nicht einfach alles irgendwie umzusetzen, aber es gebe viele Möglichkeiten, das Beste natürlich wäre ein Verbot von Casinos, aber naja ob sowas komplett auf der Welt mal passiert, eher unwahrscheinlich. 😅

Off

Finde auch krass das viele das Unternehmen nicht in Verantwortung sehen. Jemanden zu manipulieren und damit ihr selbstzerstörerisches Suchtverhalten zu verstärken hat für mich kriminelle Tendenzen.
Allesamt indoktriniert vom Neoliberalismus.

Zuletzt bearbeitet vor 23 Tagen von Off

Der will doch bloß seine verzockte Kohle wieder und nochn bissle was obendrauf…kein Verständnis für solche Typen. In Amerika haste an jeder Ecke ne Selbsthilfegruppe oder nen Psychater und dann noch an die Öffentlichkeit gehn um maximalen Druck auszuüben, dafür hat er dann aber die Eier…

Neikon

Schwer, ich finde halt die Leute sind auch selbst für Ihr Leben verantwortlich. Natürlich versucht ein Firma ihren Kunden zu binden, egal ob es Glücksspiel, online Shopping oder der Super Markt um die Ecke ist.
Ich finde allein das Glückspiel zu verteufeln hilft nicht weiter. Hab oft das Gefühl heutzutage wird immer gerne anderen die Schuld gegeben für seine Fehler.

Leute anzurufen die in einer Klinik sind und offensichtlich ein Problem haben geht natürlich auch nicht. Ich frage mich nur warum er da nicht direkt auf der Liste gelandet ist um sich sperren zu lassen.

nailbender

Full Ack. Eigenverantwortung ist hier das Stichwort. Es hat den Anschein, als würde diese grundlegende Fähigkeit immer mehr Menschen abhanden kommen.

5
0
Sag uns Deine Meinungx