In den 2000er-Jahren probierten viele Filmstudios, den Erfolg von Verfilmungen wie Harry Potter nachzumachen. Dabei gab es auch welche, die nie fortgesetzt wurden. Auf die Fortsetzung eines Fantasy-Films wartete MeinMMO-Redakteur Nikolas Hernes 19 Jahre lang, bevor er merkte, dass es eine moderne Serie dazu gibt.
Nach dem Start der Filmreihe von Harry Potter im Jahr 2001 gab es eine regelrechte Welle an Romanverfilmungen, die auch eine erfolgreiche Reihe werden wollten. 2007 versuchte das Studio New Line Cinema (die auch die Herr-der-Ringe-Trilogie produzierte) mit Der Goldene Kompass. Der Film basiert auf der Romanreihe His Dark Materials von Philip Pullman.
Mit einem hohen Budget von 180 Millionen US-Dollar (Quelle: Box Office Mojo) startete die Reihe und hatte mit Schauspielern wie Daniel Craig und Nicole Kidman auch bekannte Namen dabei. Auch wenn sowohl die Kritikerstimmen (42 %) als auch die die Nutzerresonanz (51%) auf Rotten Tomatoes nicht sonderlich gut sind, mochte ich den Film.
Die Story wirkte noch etwas wirr, aber das Konzept der eigenen Seelen in Form von sprechenden Tieren und den Kampf zwischen dem freien Willen
sowie dem Magisterium hat mich gecatcht. Auch den Stil und die viktorianisch anmutende Optik fand ich spannend – selbst beim Rewatch.
Eigentlich wollte ich mir den Film nochmal anschauen, um zu gucken, was mit der Reihe eigentlich passiert ist, bis ich bei der Recherche auf einmal bemerkte, dass es ja eine Serie zu den Romanen gibt. Zwischen 2019 und 2022 erschienen 3 Staffeln der Serie His Dark Materials, die die Geschichte sogar beendeten.
Scheinbar auch zufriedenstellend, denn auf Rotten Tomatoes hat die Serie 83 % bei den Kritikerreviews und 82 % bei denen der Fans – also eine weitere Serie auf meinem Pile of Shame.
Aber was ist eigentlich mit der Filmreihe passiert?
Gar nicht mal so erfolgreich und Probleme mit der Kirche
Wie sahen die Zahlen aus? Rein objektiv kann man sich erstmal die Zahlen anschauen. Laut den Daten von Box Office Mojo hat der Film bei einem recht hohen Budget von 180 Millionen US-Dollar etwa 370 Millionen US-Dollar eingespielt. Das klingt zwar gar nicht mal so schlecht, geht man aber nach der Faustregel, dass ein Film das 2- bis 2,5-fache einspielen soll, um ein Erfolg zu sein, hat Der Goldene Kompass das Ziel leicht verpasst.
Deutlich schlechter sieht es aber im Vergleich mit anderen Romanverfilmungen der 2000er-Jahre auf:
- 2 Jahre vorher spielte der 1. Narnia-Film weltweit über 745 Millionen US-Dollar bei einem Budget von 180 Millionen US-Dollar ein (Quelle: Box Office Mojo).
- Der erste Teil von Herr der Ringe, der vorherige Fantasy-Hit von New Line Cinema, spielte 2001 fast 900 Millionen US-Dollar bei einem Budget von unter 100 Millionen Dollar ein (Quelle: Box Office Mojo).
Zusätzlich dazu hatte der Film schon vor Release große Kritik erfahren aus Richtung der Kirche.
Was für ein Problem hatte die Kirche mit Der Goldene Kompass? Anders als das Fantasy-Gegenstück Narnia, das Elemente der Bibel übernimmt (etwa der Löwe Aslan als Jesus-Figur), ist Pullmans Romanreihe Kirchenkritisch.
Auch wenn der Film es etwas versteckt, ist das Magisterium eine Darstellung der (katholischen) Kirche, die im Roman-Universum mit ihrer dogmatischen Kontrolle versucht, den freien Willen und die Forschung nach anderen Welten zu unterbinden, da das ihre Macht in der Welt schwächt.
Um es klarer zu machen: Laut einem Artikel des Sydney Morning Herolds aus dem Jahr 2003 sagte Pullman: In meinen Büchern geht es darum, Gott zu töten.
Das brachte dem 2007 erschienenen Film schon vorab Kritik ein:
- Die Catholic League, eine Organisation für Bürgerrechte von Katholiken, schrieb einen langen Post zum Film
- Das baptistische Seminar (eine Ausbildungsstätte, etwa für Pastoren) Southern Baptist Theological Seminar, schrieb vor dem Release, der Film sei ein
direkter Angriff gegen das Christentum, dem besorgte Christen mit biblischer Wahrheit begegnen müssen.
- Selbst der Vatikan meldete sich zu Wort und erklärte laut dem Hollywood Reporter:
In Pullmans Welt gibt es schlichtweg keine Hoffnung, denn es gibt keine Erlösung, sondern nur die persönliche, individualistische Fähigkeit, die Situation zu kontrollieren und die Ereignisse zu beherrschen.
Man kann es zwar nicht beweisen, aber diese Kontroverse könnte dafür gesorgt haben, dass Der Goldene Kompass in den USA selbst nur
70 Millionen eingespielt hat, ein bisschen mehr als ein Viertel des Gesamtergebnisses. Zum Vergleich: Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia spielte in den USA 300 Millionen US-Dollar ein, ein bisschen weniger als die Hälfte des gesamten Einspielergebnisses (Box Office Mojo).
Das ist aber nur eine Hypothese, da viele Faktoren (etwa Konkurrenz) einen Einfluss auf die Kinokassen haben können.
Aber was sagt ihr zu Der Goldene Kompass und könnt ihr die Serie empfehlen? Ich packe sie mir auf jeden Fall in die Watch-List. Falls ihr mehr Fantasy-Empfehlungen braucht, haben wir hier eine spannende Liste für euch: Herr der Ringe ist ja cool und so, aber diese 10 Fantasy-Filme solltet ihr wirklich kennen
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