007: First Light fühlt sich wie eine Fahrt mit der Deutschen Bahn an, nur mit Pistole und MI6

Titelbild 007 First Light

007 First Light ist das neuste Spiel mit James Bond, dieses Mal von IO Interactive. MeinMMO-Redakteur Benedikt Schlotmann hat es angespielt und das Spiel weckt in ihm Erinnerungen an Fahrten mit der Deutschen Bahn.

Schließt die Augen und stellt euch vor, ihr seid mit der Deutschen Bahn unterwegs, mit all ihren Überraschungen, die sie so im Angebot hat: Chaos bei der Platzwahl, verlorenes Gepäck, Polizeieinsätze und spontane Evakuierungen. Ihr wisst, dass die Fahrt ein Abenteuer wird, aber nicht, worauf ihr euch im Laufe der Fahrt einlassen werdet.

Doch eine Sache bleibt in der Regel gleich: Die Aussicht nach draußen und das eigentliche Ziel der Fahrt.

007: First Light fühlt sich ähnlich wie so eine Bahnfahrt an: Es geht immer in die gleiche, lineare Richtung und auf der Fahrt passieren unvorhergesehene Dinge. Aber die Aussicht nach draußen bleibt identisch und die Auswahlmöglichkeiten innerhalb dieser Fahrt mit dem MI6 sind so vielfältig wie die Auswahl im Bordbistro.

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007 First Light – Annoucement Trailer des neuen Spiels der Hitman-Entwickler

Stark lineares Spiel mit ein paar feinen Optionen nach links und rechts

Das Team von IO Interactive hat sich bei 007: First Light dazu entschieden, ein storybetontes Action-Spiel zu erschaffen. Weniger eine Sandbox, eine offene Spielwiese wie in der Hitman-Reihe, sondern mehr klare Vorgaben, wohin die Reise des Protagonisten geht.

007: First Light fühlt sich daher teilweise wie ein interaktiver Film an, dessen Story klar vorgegeben ist. Von dieser klaren Fahrrichtung kann man nicht abweichen, Erlebnisse im Spiel bleiben immer identisch: Die Leute kämpfen, lieben, sterben und trauern immer an den gleichen Stellen.

Dadurch geht dem Spiel auch eine gewisse Wiederspielbarkeit flöten: Ich hab keinen Grund, einen Abschnitt erneut zu spielen, weil sich die Story absolut identisch spielt. Maximal, um vergessene Sammelkarten oder Erinnerungsstücke in der Spielwelt einzutüten, die ich beim ersten Mal übersehen habe.

Immerhin: Auf dem Weg zum Ziel kann ich dennoch immer wieder kurz nach links und rechts abbiegen: Will ich eine Tür mit Gewalt öffnen oder lieber das Zimmermädchen davon überzeugen, mir die Tür zu öffnen? Schüchtere ich mein Gegenüber ein oder verstecke ich mich im hohen Gras? Aber egal wofür ich mich entscheide, das Ergebnis bleibt am Ende identisch. Die Optionen passen auch super zum Gesamtkonzept des Spiels und zur Person von Bond, aber sie bleiben halt eingeschränkt.

Und keine Frage, die Spielwelt ist wunderschön und das bis auf das kleinste Detail – aber sie bleibt steril und insgesamt leblos. Ich kann nur ganz bestimmte Dinge benutzen und auch nur dann, wenn der Entwickler das möchte. Ein Bier an der Bar trinken oder sich am offenen Buffet eben etwas stibitzen? Nö, geht alles nicht.

Das beste Beispiel dafür ist das Luxus-Hotel in der Slowakei, wo euch die erste echte Mission nach dem Tutorial hinführt (wenn man den Nachtclub einmal ausklammert). Die Kulisse sieht fantastisch aus: Die vielen Menschen, das Schachturnier, die einzelnen Räume und die Natur drumherum. Hier fährt IO Interactive alles auf, was das Spiel zu bieten hat, aber eben nur mit Fußfessel.

Und der Vergleich mit der Deutschen Bahn passt auch deswegen gut, weil man diese Beschränkungen im Gaming gerne als Railroading bezeichnet: Das Spiel zwingt euch auf eine bestimmte Art und Weise zu fühlen, zu handeln oder zu denken.

Auf der anderen Seite ist das Gesamtkonzept von First Light wirklich unterhaltsam: Es macht einen riesigen Spaß, sich durch die Missionen zu schleichen, Gadgets zu verwenden und so seine Gegner auszuschalten. Und mein Highlight sind überraschenderweise die Missionen, wo ich heimlich vorgehen darf.

Ich habe in der Tutorial-Mission auf Malta gefühlt eine Stunde damit verbracht, den besten Weg zu finden, um weder entdeckt zu werden, noch feindliche Soldaten besiegen zu müssen. In solchen Missionen spielt 007: First Light seine Stärken so richtig aus und hier fesselt mich das Spiel. Mit purer Waffengewalt ist das Spiel übrigens viel zu einfach.

Technische Probleme: Bei mir ist das Spiel im Test mehrfach abgestürzt. Mein PC ist einfach ausgegangen, ohne Fehlermeldung oder Hinweis. Obendrein gibt es mit aktiviertem FSR 3.1 Fehler bei der Darstellung von spiegelnden Flächen und teilweise Probleme bei Frisuren. Die Systemanforderungen von 007: First Light fallen insgesamt ziemlich hoch aus.

Eine stabile Bildrate von 100 FPS habe ich auf UWQHD aber immer erreicht, selbst in anspruchsvollen oder hektischen Szenen. Als Hardware nutze ich einen Ryzen 7 7800X3D, eine RX 9070 und 32 GB DDR5-RAM.
007 First Light Einsatzbasis
Die Einsatzbasis in 007: First Light.

Ausblick: Nutzt der Tac-Sim das verschenkte Potential der tollen Spielwelt?

Wie geht’s weiter? Immerhin habe ich die Hoffnung, dass IO Interactive das ungenutzte Potential dennoch einsetzt, denn im Anschluss könnt ihr euch im Tac-Sim austoben.

Sobald ihr die Introsequenz durchgespielt und eure Uhr erhalten habt, könnt ihr mit Selina Tan sprechen und den Tac-Sim freischalten. Das ist eine Möglichkeit, die Level des Spiels erneut zu erleben und sie mit neuen Zielen, Spielbeschränkungen und zufälligen Modifikatoren zu erleben.

Durch das Abschließen von Tac-Sim-Missionen erhält man Erfahrung, wodurch sich mein Level verbessert und ich verbesserte Gegenstände im Shop freischalten kann. Aktuell sind die Inhalte des Tac-Sim aber noch stark eingeschränkt.

Der Entwickler erklärte aber bereits, dass man diesen Spielmodus weiter mit Inhalten versorgen wolle. Meine Hoffnung ist, dass sich die Entwickler für diesen Modus stärker an ihrer sehr guten Hitman-Reihe orientieren und weniger an First Light.

Zurück zur Deutschen Bahn: Ich bin jemand, der viel mit der Deutschen Bahn unterwegs ist und auf diesen Fahrten schon so einiges erlebt hat. Trotzdem oder vielleicht auch deswegen steige ich trotzdem gerne in den Zug, um an mein Ziel zu kommen.

Mit First Light geht es mir tatsächlich ähnlich: Ich bin gerne in diesen Zug eingestiegen und habe den jungen James Bond auf seiner Reise begleitet. Habe mich über kaputte Anzeigetafeln (Bugs) und über die geringe Auswahl im Bordbistro geärgert (Entscheidungen im Spiel), habe verlorenes Gepäck gesucht und ich bin am Ende am Ziel erfolgreich ausgestiegen.

Aber auch hier teilen sich die Deutsche Bahn und James Bond eine Gemeinsamkeit und das ist das (verschenkte) Potential: Die Deutsche Bahn könnte pünktlich sein, warmes Essen an den Platz liefern oder funktionierende Reservierungen in den Zügen bieten. Bei James Bond ist es ähnlich: Die Welt bietet riesiges Potential und das Tac-Sim zeigt, wohin die Reise gehen könnte. Was IO Interactive aus dem Potential macht, steht auf einer anderen Karte.

Für Marco Risch vom YouTube-Kanal Nerdkultur gilt der aktuelle James Bond aus First Light sogar als die perfekte Option: Den perfekten James Bond für diese Generation gibt es nicht im Kino, Film-Experte analysiert das neue Spiel mit 007

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