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Bungie, es gibt nichts zu tun – Destiny 2 und die Langzeitmotivation

Bungie, es gibt nichts zu tun – Destiny 2 und die Langzeitmotivation

Bungie hat aufregende Ideen versprochen, um die Spieler von Destiny 2 auch ohne zufällige Waffen-Rolls bei der Stange zu halten. Warum Destiny 2 trotzdem nicht die Langzeitmotivation des Vorgängers erreicht, erfahrt Ihr hier.

Wieviel Zeit habt Ihr mit Destiny 1 verbracht? Ich habe es laut der Website Wasted Time on Destiny auf immerhin 1403 Stunden gebracht. Da ich mich auch in Destiny 2 der 100-Stunden-Marke nähere, habe ich mir die Frage gestellt, warum sich Destiny 2 bezogen auf die Langzeitmotivation so grundlegend anders anfühlt als noch der Vorgänger.

Denn im Prinzip habe ich schon alles in Destiny 2 gesehen. Ich habe an den Prüfungen der Neun teilgenommen, den Leviathan-Raid gespielt sowie jedes einzelne Abenteuer und jeden Lost Sector auf jedem Planeten gemeistert. Zugegeben, Destiny 1 bot zum Start deutlich weniger Inhalte als Destiny 2. Und trotzdem hat mich Destiny 1 deutlich länger bei der Stange gehalten.

Die Waffen – Nur noch God-Rolls

Bungie hat die zufälligen Perks bei Waffen entfernt. Die Absicht dahinter ist durchaus nachvollziehbar. Bungie möchte einzelne Waffen einfacher anpassen können, sollten sich diese als zu stark oder zu schwach herausstellen.

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Die begehrten Engramme von Destiny

Das Hauptproblem: Bungie hat mit der Eliminierung der zufälligen Waffen-Rolls tausende von Schießeisen aus dem Spiel genommen. Tausende Waffenkombinationen, die nun nicht mehr möglich sind. Es zeigt sich erst jetzt, wie wenig – vor allem brauchbare – Waffen es wirklich gibt.

In Destiny 1 konnte auch eine durchschnittliche Waffe mit einem God-Roll glänzen. Die Hüter haben allein aus diesem Grund mehrere Kombinationen und Rolls ausprobiert. In Destiny 2 gibt es eine Auswahl von circa 10-15 Waffen, die für den PvE- sowie PvP-Content sehr gut geeignet sind.

Da die meisten dieser Waffen auch noch einfach zu bekommen sind, gibt es keinerlei Anreiz, andere Waffen zu spielen oder zu probieren. Das beste Scout-Gewehr MIDA Multi-Werkzeug gibt es nach einer Quest, das zweitbeste Scout-Gewehr Mitternacht ohne Namen schenkt euch Commander Zavala sogar einfach so.

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Das legendäre Scoutgewehr Mitternacht ohne Namen

Der psychologische Effekt ist nicht zu vernachlässigen. Wenn Omnigul in Destiny 1 endlich eine Griff von Malok fallen ließ, war die Aufregung groß. “Ist die Waffe mit Balance-Ausgleich gerollt? Welches Visier ist drauf? Und bitte keine verringerte Reichweite”. In Destiny 2 sieht das so aus: “Jo, noch eine Bessere Teufel”.

Die Aufregung um Destinys größten Aspekt – den Loot – ist verflogen. So nachvollziehbar Bungies Vorgehen ist, so schädlich ist es für die Langzeitmotivation der Spieler.

Die exotische Ausrüstung – Wie im Schlussverkauf

Könnt Ihr euch noch an euer erstes exotisches Ausrüstungteil in Destiny 1 erinnern? Und wisst Ihr noch, wie Ihr es bekommen habt? Ich durfte damals als erstes den Eisbrecher in Händen halten. Damals erhielt ich ein, maximal zwei exotische Gegenstände pro Woche.

Ganz anders Destiny 2, hier werden mir die exotischen Waffen und Rüstungen schon bei der Kampagne hinterhergeworfen. Ich habe mittlerweile einen Großteil der exotischen Waffen und alle exotischen Rüstungen meines Titanen.

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Ein exotisches Engramm in Destiny 2

Gab es in Destiny 1 zum Start zu wenig Möglichkeiten, exotische Ausrüstung zu verdienen? Ja, dies war nur möglich, wenn der Kryptarch gnädig war und ein legendäres Engramm (die ebenfalls sehr selten waren) in ein exotisches umwandelte. Mit viel Glück hatte man auch in der gläsernen Kammer ein Exotic abgestaubt.

Die Möglichkeiten, exotische Ausrüstung zu verdienen, waren streng limitiert – dieses Vorgehen hielt die Spieler aber bei Laune. Viele exotischen Rüstungen und Waffen lohnten sich zu erspielen. In Destiny 2 werden die exotischen Engramme deutlich häufiger gefunden. Und das in jedem Content! Warum soll ich Strikes spielen oder den Raid, wenn ich die exotischen Engramme bei öffentlichen Events bekomme, die gerade einmal 2-3 Minuten in Anspruch nehmen?

Xur

Xur steht sinnbildlich für den Umwandlungsprozess, den Bungie für Destiny 2 durchgeführt hat. In den Anfängen von Destiny 1 bot Xur äußerst hohe Hürden für den Erwerb seiner Waren. Die damalige Währung “Seltsame Münzen” war schwer zu bekommen, was seinem Angebot eine gewisse Exklusivität verlieh.

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Xur – der Händler seltener Waren

Nicht selten hatte Xur am Freitag spannende Gegenstände dabei, die ich mir nicht leisten konnte. Der Reiz, bis zum Sonntag genug seltsame Münzen zu sammeln, um sie Xur in die Nudeln zu schieben, hat mich mitunter stundenlang farmen lassen.

In Destiny 2 verlangt Xur legendäre Bruchstücke. Diese erhält man, indem legendäre und exotische Ausrüstung zerlegt wird. Und schon bei seinem ersten Auftritt (der auch noch auf der Karte angezeigt wurde) war klar, dass ich mir immer alles werde leisten können, was Xur im Angebot hat. Denn die legendären Bruchstücke sind viel zu einfach und zu zahlreich zu bekommen.

Wenn es nicht mehr nötig ist, für die mutmaßlich beste Ausrüstung im Spiel Gegenstände oder Währungen zu farmen, geht hier ein großes Stück Langzeitmotivation verloren. Nicht zuletzt dadurch, dass Bungie Xurs Angebot eingeschränkt hat – und somit die Möglichkeiten, die Währung zu investieren.

Verkommt Destiny 2 zur Fashion-Show?

Ein wesentlicher Aspekt bei Destiny ist die Optik. Das Auge schießt mit, möchte man sagen. In Zeiten fehlender Waffen-Rolls sind viele Spieler der Meinung, dass sich das Endgame von Destiny 2 eben darauf beschränkt, welche Hüterin oder welcher Hüter eben am besten aussieht.

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Die zweite New Tower Fashion Show ist eröffnet!

Denn die Rüstung zu wechseln hat in Destiny 2 tatsächlich nur noch einen optischen Effekt. Die Klassen geben vor, welcher Status-Wert am höchsten sein wird. Ein Jäger wird nie eine Top-Erholung haben – das geben die Jäger-Rüstungen nicht her. Sollte sich das Endgame tatsächlich darauf beschränken, welche Shader ich auf meine Rüstung packe? Gut, einen Vorteil hätte das – die Shader müssen in Destiny 2 gefarmt werden.

Zusammenfassung: Bungie hat Destiny 2 einsteigerfreundlicher gestaltet als noch den Vorgänger. So weit, so gut. Damit gehen allerdings in meinen Augen sehr starke Einbußen bei der Langzeitmotivation einher. Keine Jagd auf den perfekten Waffen-Roll, keine Suche nach seltsamen Münzen oder die Aufregung, ein seltenes exotisches Ausrüstungsteil bekommen zu haben.

Letztendlich wird sich Bungie aber den Hardcore-Spielern gegenüber erklären müssen – den Spielern, die noch dem Vorgänger die Treue gehalten haben, als es monatelange Content-Flaute gab. Zu diesem Zeitpunkt spielen die Casuals dann schon wieder ein ganz anderes Spiel.

Was haltet Ihr davon? Glaubt Ihr, dass euch Destiny 2 lange bei Stange halten wird? Teilt es uns in den Kommentaren mit!

Robert Albrecht

Robert “Shin” ist seit seiner ersten Grenzerfahrung mit Final Fantasy VII begeisterter Spieler durch alle Genres hinweg. Er beschäftigt sich für Euch hauptsächlich mit Shared-World Shootern wie Destiny und The Division.