Xur stirbt in Destiny 2 so vor sich hin
Stell dir vor, es ist Xur, und keiner geht hin.

Der vielleicht bekannteste Händler der Videospielgeschichte, Xur, spielt in Destiny 2 kaum noch eine Rolle. Jetzt kündigt der populärste YouTuber des Spiels an, ihn künftig zu ignorieren.

Zu Beginn von Destiny war Xûr der wichtigste NPC im Spiel und seine Bedeutung reichte über die Grenzen des Games hinaus: Ein NPC, der nur für Stunden im Spiel war und zufällig ausgewählte, besondere Gegenstände verkaufte, wenn man die richtige Währung besaß.

Das hatte was vom Yeti.

Xur wurde Kult

Um den Händler spannten sich bald Rituale und Legenden:

  • Es gab Webseiten und Facebook-Accounts, die ausschließlich über Xur berichtet haben.
  • In nationalen und internationalen Gaming-Magazinen erschienen regelmäßige Berichte über sein Inventar
  • Bei uns auf Mein-MMO brachen in der ersten Zeit die Server jeden Freitag unter der Last neugieriger Fans zusammen, bis wir mit einem Spendenaufruf Geld für neue Server zusammenkratztenDonnerlord Destiny
  • Hüter diskutierten stundenlang, was er wohl nächsten Freitag dabei haben würde
  • Wie bei jeder Religion gab es sogar einen Propheten, der vorhersagen konnte, was Xur mitbringen würde
  • Und andere Games wie The Elder Scrolls Online bauten ihre eigene Version von Xur in ihre Games ein.
  • Sogar bei WoW gab’s eine Anspielung auf ihn:

WoW Legion Xurios

Ein Grund, jede Woche in Destiny einzuloggen

Für Bungie war Xur ein Glücksgriff: Es wurde zu einem wöchentlichen Ritual der Spieler, nachzusehen, was das Tentakel-Gesicht dieses Mal im Angebot hatte und ob es vielleicht eins der wenigen exotischen Items war, die einem selbst noch fehlten.

Spieler loggten ein oder schauten sich nach Xurs Angebot um, auch wenn sie die Woche kein Destiny gespielt hatten.

Auf einige Items wie den Donnerlord, die Transversiven Schritte oder die Gjallarhorn warteten Hüter für Monate. Xur war auch für Gelegenheitsspieler die Chance, an die edelsten und begehrtesten Items heranzukommen. An Items, die Spieler mächtig machten.

Destiny-Xur-Stimme

Der Synchronsprecher von Xur.

In Destiny 2 hingegen scheint Xur zu einem Auslaufmodell zu verkommen. Nach dem letzten Freitag kündigte der Destiny-YouTuber Datto an: Er werde für eine Weile mit den Videos über Xur aufhören.

Datto hatte, wie viele andere, seit dem ersten Auftritt von Xur über dessen Standort und Inventar berichtet. Es war ein Eckpfeiler seines Kanals. Doch in Destiny 2 scheint sich kaum noch wer dafür zu interessieren, was Datto über Xur zu sagen hat.

destiny-xur

Von 312.000 Zuschauer auf 70.000 in 4 Monaten

Die Aufrufzahlen für Dattos Xur-Videos sind drastisch eingebrochen. Hatte das erste noch 312.000 Aufrufe, normalisierten sich die Zahlen innerhalb von einem Monat auf 200.000 Views.

Doch da hielten sie sich nicht, sondern fielen innerhalb der nächsten zwei Monate auf ein Plateau von etwa 140.000 herunter. Seit 2018 sind die Zahlen noch mal eingebrochen, unter die 100.000er-Marke gefallen. Die letzten Videos erreichten nur noch 70.000 Zuschauer.

destiny-2-hüter

Warum ist Xûr nicht mehr so wichtig?

Es gibt mehrere Gründe, warum sich die Leute nicht mehr so sehr für Videos über Xur interessieren:

  • Insgesamt lässt das Interesse an Destiny nach – das ist zum einen der Zeit und einem normalen Abfall des Interesses geschuldet, zum anderen liegt es auch an spezifischen Problemen des Spiel: ein Teil der Leute, die ankündigen, sie hören auf, hören wirklich auf
  • Dann zeigt Bungie jetzt im Spiel an, wo man Xur findet. Xur ist zudem viel länger da als in Destiny 1 – der Event-Charakter verblasst zusehends: die Dringlichkeit fehlt
  • Exotics sind nicht mehr so wichtig wie zu Zeiten von Destiny 1. Es gibt kaum ikonische Items, die Spieler unbedingt haben wollen. Wenn’s eins gibt, wie die Prometheus-Linse, wird sie zwei Minuten später generft
  • Und ein besonderes Engramm von Xur, das Schicksals-Engramm, das er immer dabei hat, lässt Spieler garantiert noch fehlende Exotics finden. Das schließt den Pech-Faktor aus und Exotics sind noch häufiger geworden. Danach hatte keiner gefragt: Bungie gab das Schicksals-Engramm zusammen mit den Drei der Münzen als Leckerli obendrauf

Destiny-2-Xur

Xûr im Sinkflug seit September 2015

Mein MMO meint: Insgesamt scheint Bungie bei den Exotics und Xur Dinge verändert zu haben, nach denen niemand gefragt hat. Und bis da eine Änderung kommt, wird Xur wohl noch eine Weile friedlich in Destiny 2 vor sich hin sterben.

Das ist umso erstaunlicher, weil Bungie bei Destiny 1 immer wieder betont hat, wie wichtig „wöchentliche Rituale“ wie Xur für die Bindung der Spieler sind. Auch im Glanz von besonderen exotischen Waffen wie Eisbrecher, Donnerlord oder Gjallarhorn hatte man sich in Destiny 1 noch gerne gesonnt.

Damals in 2014 wirkte es so, als sei Bungie da relativ unvorbereitet auf eine Goldader gestoßen und hätte durch Zufall eine Super-Formel für „Spieler-Bindung“ gefunden: Wöchentliche und monatliche Rituale, dazu mächtige Items, die jeder will und über die jeder spricht.

Offenbar hat man die mächtige Rolle der Exotics auf dem Altar der Balance geopfert und damit Xur gleich mit. Eine Richtung, in die Bungie schon mit TTK eingebogen ist. Seit September 2015 schrumpft die Wichtigkeit von Xûr zusehends. Offenbar hat sie im Januar 2018 einen Tiefpunkt erreicht.


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Autor(in)
Quelle(n): reddit

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