Beruf: Cosplayerin – Ein Blick hinter die Maske

Gaming ist mehr als nur Zocken – Videospiele sind mittlerweile ein Kult und für einige unter uns sogar ein Lifestyle. Cosplayer sind schon lange Teil dieses Kults und gehören zu Conventions und Gaming-Events einfach mit dazu. Doch wer ist die Person hinter dem Kostüm? Die professionelle Cosplayerin Shappi hat unserer Autorin Leya einen Blick hinter ihre Maske gewährt. 

Cosplayer.

Im Internet finden wir Bilder und Videos von ihnen. Wir sehen sie auf Events und Conventions. Da knipsen wir vielleicht ein Foto mit ihnen und gehen schnell wieder getrennte Wege. Im Mittelpunkt stehen die Kostüme, in denen Cosplayer die Charaktere aus Gaming oder Serien darstellen, die wir so lieben.

Shappi ist eine von diesen Cosplayern und hat aus Kostümen ihren Beruf gemacht. 

Shappi Asuka

Ich habe nie geplant, Cosplayerin zu werden. Es kam einfach zu mir

Die junge Polin ist 25 Jahre alt und schreibt gerade die Abschlussarbeit für ihr Studium der Psychologie. 2009 fing Shappi aus Spaß an, ein paar kleine Kostüme herzustellen und sie auf Events zu tragen – das ist jetzt 8 Jahre her.

Schon damals war Shappi ein großer Fan von Games und Anime. Deswegen begann sie, sich auf diese Themen für ihre Verkleidungen zu spezialisieren. Sie merkte nach einer Weile, dass ihr die Herstellung von Kostümen richtig liegt und sie da viel Freude dran hat. Shappis Arbeit wurde immer größer und aufwendiger und sie begann, speziell für Gaming-Conventions Kostüme herzustellen.

Das führte dazu, dass sie an Wettbewerben teilnahm und Publisher auf sie aufmerksam wurden.

Mittlerweile arbeitet Shappi für verschiedene Gaming-Studios und stellt etwa Kostüme für Spiele wie SMITE, League of Legends oder The Witcher her. Es sind immer unterschiedliche Games und Charaktere – je nachdem, was der Auftraggeber gerade braucht.

Shappis Job ist es, die Kostüme herzustellen und sie auf Events oder für Fotoshoots und Videos zu tragen. Publisher buchen die Cosplayerin, damit sie auf Events die Kostüme der Charaktere ihrer Games trägt. Das bedeutet für Shappi, dass sie viel herumreisen muss, denn die Events finden überall auf der Welt statt. Ihre Koffer fallen dabei immer gigantisch aus, denn die Kostüme müssen sicher im Flugzeug transportiert werden.

Auf den Events der Publisher sorgt Shappi für gute Stimmung und versucht, die Besucher dazu zu animieren, Fotos mit ihr zu machen.

Shappi SMITE2

Game-Designer denken nicht daran, ob ein Charakter als Kostüm umzusetzen ist

Ein hochwertiges Kostüm herzustellen, ist mit verschiedenen Herausforderungen verbunden. Gerade die Zeit ist für Shappi als Vollzeit-Studentin oft ein Problem. So liebt Shappi das Gamen, aber auch die Herstellung von ihren Kostümen.

Wenn sie viel spielt, hat sie keine Zeit, an ihren Kostümen zu arbeiten, und wenn Shappi zu lange an den Kostümen bastelt, hat sie keine Zeit zum Gamen. Sie versucht alle paar Tage zu zocken, um hier eine gute Balance zu finden. Die Kostüme haben aber den Vorrang.

Manchmal dauert es mehrere Monate für die Bastlerin, um ein Kostüm anzufertigen. Das hängt davon ab, wie aufwendig ein Kostüm ist.

Ein Problem für viele Cosplayer ist, dass Game-Designer nicht daran denken, wie gut ihre Charaktere als Kostüm umzusetzen sind. Besonders schwierig wird es, wenn die Figuren Elemente besitzen, die von dem Körper getrennt schweben – Oder der Charakter sogar selbst schwebt. Da müssen die Cosplayer manchmal richtig findig werden, um das Kostüm einigermaßen realistisch umzusetzen. Unsichtbare Stoffe und Reißverschlüsse sind hier oft die Rettung.

Neben diesen Herausforderungen spielt das Geld eine problematische Rolle. Die Kostüme können in der Herstellung ein kleines Vermögen kosten, wenn man die Arbeitszeit noch mit draufrechnet.

Shappi SMITE1

Jeder Cosplayer hat einen anderen Ansatz, seinen Charakter zu gestalten

Cosplayer haben alle einen unterschiedlichen Ansatz, ein Kostüm oder einen Charakter umzusetzen. Shappi hat die Erfahrung gemacht, dass durchtrainierte Cosplayer gerne ihren Körper zeigen. Sie haben hart für ihr Aussehen gearbeitet und schmücken das gerne mit ihren Kostümen aus.

Es gibt aber auch Cosplayer, die komplett in die Rolle ihres Charakters schlüpfen und ein Schauspiel bieten. Diese achten vielleicht weniger auf die Qualität des Kostüms, bieten aber dafür eine einzigartige Show.

Es sind sogar lokale Unterschiede zu erkennen, wie Cosplayer an ein Kostüm herangehen. Shappi hat beobachtet, dass deutsche Cosplayer auf geradlinige und detaillierte Verkleidungen stehen. Dagegen muss bei den Brasilianern alles pompös sein und es kann nie genug Glitzer übers Kostüm geschüttet werden.

Shappi selbst liebt das Handwerk am Cosplay. Die Events und die Fotoshoots sind für sie eher eine schöne Nebensache, die zum Beruf gehören. Sie trägt die Kostüme gar nicht mal so gerne selbst, sondern macht Kostüme gerne für andere. Das Entwickeln von schwierigen Kostümen gibt Shappi den richtigen Kick.

Shappi Azir1

Auf dem oberen Foto ist Shappi in ihrem Kostüm von Azir aus League of Legends zu sehen. Das Kostüm hat die Handwerkerin entworfen, um sich selbst herauszufordern. Es dauerte Monate, bis die Vogel-Gestalt mit ihrer aufwendigen Rüstung fertig war.

Dieses Kostüm hat Shappi bisher am meisten Spaß gemacht zu tragen, weil niemand das zierliche Mädchen unter dem Kostüm erkennen konnte. Sie alberte einfach in dem Kostüm herum und machte Vogel-Geräusche. Nur in der Bewegung wäre sie als Azir unter dem sperrigen Kostüm etwas eingeschränkt gewesen.

Wir sind Menschen – Bitte behandelt uns auch als solche

Auch wenn es manchmal anstrengend ist, die Verkleidungen zu produzieren, ist das Cosplay und vor allem das Erfinden der Kostüme Shappis große Leidenschaft. Es gibt jedoch ein Ding in der Szene, das Shappi und anderen Cosplayern zu schaffen macht.

Vor allem auf Conventions und Events kommt es immer wieder vor, dass Besucher die Cosplayer begrapschen und belästigen. Wenn die Fans die Cosplayer für ein Foto umarmen, wandert die Hand schon mal zum Hinterteil. Es passiert auch, dass die Besucher versuchen, heimlich Fotos vom Hintern oder vom Ausschnitt der Cosplayer/innen zu machen. Das ist für Shappi eine regelrechte Plage in der Szene und die Community versucht, sich gegenseitig vor so einem Verhalten zu beschützen.

Shappi macht es wütend, wenn jüngere Mädchen und Jungs von sexueller Belästigung betroffen sind. Die sind meist schüchtern und haben Probleme damit, „Nein!“ zu sagen. Shappi möchte auch Besucher der Events ermutigen, einzugreifen, wenn sie so ein Verhalten sehen.

Cosplayer sind Menschen und keine Skulpturen oder Dinger. Auch sie gehen zu den Events, um Spaß zu haben und um Freude an andere durch ihre Arbeit weiterzugeben.

Shappi Elfe

Wenn ich alt und faltig bin, kann ich immer noch Kostüme basteln

Shappi möchte für den Rest ihres Lebens Kostüme herstellen, weil das ihre Leidenschaft ist. Zu ihrem Glück steht sie nämlich viel mehr auf das Handwerk als darauf, in die Rolle der jungen und sexy Charaktere zu schlüpfen.

Auch wenn sie alt und faltig ist, kann sie immer noch Kostüme für andere machen. Shappi könnte sich aber auch vorstellen, später die alten Charaktere zu cosplayen. Die findet sie ebenfalls sehr spannend.

Ihr Traum wäre es dann, zusammen mit ihren zukünftigen Kindern und Enkeln über Gaming-Conventions zu schlendern – Natürlich in Kostümen, die von Shappi hergestellt wurden.

Shappi KeinKostüm

Es ist schon erstaunlich, was einige Cosplayer für Kostüme herstellen können:


Alle Fotos des Artikels stammen von Shappis offiziellen Twitter „Shappi Workshop“ und sind Eigentum der Cosplayerin. 

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