Warframe: Liebe auf den zweiten Kick

Ein Veteranenspieler erzählt bei Warframe über das Warten auf neuen Content und der Aufgabe, die innere Leere zu füllen. Eine Kolumne von unserem Autor Pascal.

Die Anfänge

Als ich Warframe vor über zweieinhalb Jahren das erste Mal startete, war vieles noch anders, als es heute ist. Es gab keine cinematische Einführungsquest, die neue Spieler langsam mit der Geschichte und dem großen Universum vertraut machen, keinen Überblick, was die endlose Weite einem spielerisch alles zu bieten hat, kaum hilfreiche Tipps, wie man weiter vorankommt.

Kurz gesagt: Meine erste Begegnung mit Warframe war keine allzu einfache und positive; es war keine Liebe auf den ersten Blick. Daher ließ ich den Titel nach ein paar Wochen wieder links liegen und wandte mich anderen Dingen zu, die zugänglicher und verständlicher waren.

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Der erste Prime, den ich erspielen konnte

Doch irgendetwas in mir wollte nicht so einfach aufgeben, wollte die Flinte nicht gleich wieder ins Korn werfen, wollte dem Sci-Fi-Shooter mit dem erfrischend anderen und schnellen Parcours-Movement noch eine Chance geben. Es konnte einfach nicht sein, dass es tatsächlich so schwierig war, die Mechaniken, das Universum, das Spiel an sich zu verstehen und zumindest ansatzweise zu meistern.

Zu dem Zeitpunkt gab es allerdings niemanden, mit dem ich einen zweiten Anlauf hätte starten können. Der Freund, mit dem ich das erste Mal in Warframe hinein schaute, war schon damals kaum davon angetan und konnte sich auch nie wieder dafür begeistern. Daher blieb mir nichts anderes übrig, als mir einen Clan zu suchen, dessen Mitglieder mir die Grundlagen erklären, mir meine Fragen beantworten und mich ein wenig an die Hand nehmen würden.

Glücklicherweise fand ich einen großen, überwiegend freundlichen und hilfsbereiten Clan, der genau dies tat und mir die Augen für die riesige Spielwelt und die schier endlose Freiheit des Spiels öffnete. Sei es die Zusammenstellung und Veränderung der Waffen und deren Werte, die Kombination und Verbesserung der Fähigkeiten der Charaktere oder auch nur kleine Tipps und Tricks – auf einmal machte es „klick“ und die Welt von Warframe zog mich in ihren Bann.

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Mein Frost Prime fand eine Heimat

Ich begann, Dingen, die mich interessierten, mühselig auf eigene Faust nachzugehen, denn schon früh war klar, dass Warframe kein Spiel für Zwischendurch werden würde. Um alles zu verstehen und wirklich weiterzukommen, um das Beste aus seinem Equipment und Charakter herauszuholen, genügte es nicht, einfach blind darauf los zu spielen.

So sammelte ich unter anderem im englischen Wiki (da das Deutsche leider große Lücken aufweist) mittlerweile über 1500 Spielstunden mein bisheriges Wissen an, brachte jeden einzelnen Warframe und jede noch so schrecklich schlechte Waffe, an die ich gelangen konnte, auf ihr Maximallevel und erreichte so den aktuell höchsten Meisterschaftsrang 22.

Warframe wurde mit der Zeit meine Passion, meine Leidenschaft, der ich auch Zeit widme, wenn ich selbst nicht aktiv spiele. Meine Liebe für dieses Spiel ging sogar so weit, dass ich mich Ende letzten Jahres auf Anregung von mein-mmo.de hinsetzte, um einen aktuellen, deutschen Anfänger-Guide zu verfassen, da es doch einfach nicht sein konnte, dass so etwas kaum zu finden und wenn überhaupt, dann durchweg veraltet und alles andere als komplett und fehlerfrei war.

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Trinity und Kavat – auf dem Sprung zu neuen Abenteuern

Mit der Zeit wurde der Einstieg für neue Spieler leichter, doch vieles wird leider immer noch nur angerissen oder erfährt man wesentlich einfacher und schneller im Gespräch mit alteingesessenen Warframe-Veteranen.

Daher sei allen, die sich vielleicht noch nicht mit Warframe beschäftigt haben oder unter Startschwierigkeiten leiden und wissen wollen, wie sie weiterkommen können, der kürzlich aktualisierte Guide ans Herz gelegt. Nehmt euch einfach ein wenig Zeit für die Lektüre und was Schönes zu Trinken.

The Vacuum Within

Wie das nun mal so ist, wenn man viel Zeit mit etwas oder jemandem verbringt, dann stellt sich ein gewisser Alltag ein, der mitunter zur Langeweile führt. Nun bin ich schon länger an einem Punkt in Warframe angekommen, bei dem genau das der Fall ist. Man spielt ein/zwei Runden, um seine Fokuspunkte zu sammeln, schaut sich die täglichen Einsatzmissionen an, nimmt vielleicht noch ein paar Syndikats-Missionen mit, oder startet nur mal schnell das Spiel, um den täglichen Login-Bonus abzugreifen.

Kurzum: Man hat schon alles gesehen und ausprobiert, sämtliche Mods, Waffen und Warframes zigfach angehäuft und wartet auf neue, spannende Inhalte. Währenddessen stellt sich eine gewisse Leere, eine Gleichgültigkeit ein, da der Entwickler einfach nicht so schnell neuen Content hinterher schieben kann, wie man es sich wünschen würde. Was nachvollziehbar ist.

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Sentients – ein nicht zu unterschätzender Gegner

Dabei stellt sich aber die Frage, was man als wirklichen neuen Inhalt ansieht. Für einige mag es ausreichend sein, neue Waffen und Mods zu bekommen. Spieler, die erst seit kurzem Warframe für sich entdeckt haben, oder die einfach noch nicht so weit fortgeschritten sind, wird hierdurch möglicherweise ein Ziel gegeben, auf welches sie hin arbeiten können.

Dies vermag allerdings kaum einen Langzeit-Spieler bei der Stange zu halten, oder zu mehr als nur einem indifferenten Achselzucken zu führen, allein aus dem Grund, dass hinzukommendes Arsenal zum Großteil nicht von Nutzen ist, da man wesentlich bessere und sinnvollere Dinge sein Eigen nennt. Ganz davon abgesehen, dass man im Stande ist, mit höchstens 2 Missionen ein neues Spielzeug auf seinen Maximallevel zu bringen.

Doch selbst wenn es sich mal nicht um reines Futter für den Meisterschaftsrang handelt, sondern um ein High-End-Stück, welches sämtliche Gegner mit einem Schlag in zwei Hälften teilt, so sehen viele Warframe-Veteranen wie auch Content-Creator & YouTuber dies ebenfalls als „Problem“ an, da es derzeit einfach keinen Bedarf gibt, solch teilweise lächerlich hohen Schäden austeilen zu müssen.

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Titanias Hintergrund erfährt man über ihre Quest

Und damit haben sie recht. Vor der Neuauflage der Sternenkarte und der einhergehenden Veränderung des Voids, besser gesagt der Möglichkeit, an Prime Teile zu kommen, traf der Name der sogenannten „endlos“-Missionen auf diese auch noch zu. Es brauchte nur einen Schlüssel für 4 Spieler und dann konnte man ein Abfangen, Überleben oder eine Verteidigung so lange spielen, bis die Gegner tatsächlich zu stark wurden, oder man einfach nach 3 Stunden oder länger keine Lust mehr hatte.

Im alten System sammelte man so bei minimalem Einsatz (1 Schlüssel) maximalen Loot an. Hier machte eine gute, perfektionierte Ausrüstung und ein aufeinander abgestimmtes Team noch Sinn. Mit der Einführung der Relikte, des „Wegfalls“ des Void, der Veränderung der Drop-Orte und des kompletten Systems, ist dies jedoch hinfällig geworden.

Nun springt man in eine Void-Riss-Mission und sammelt seine 10 Reaktanten, um am Ende eine Belohnung zu erhalten, währenddessen man durch den Level rauscht und die Gegner im Vorbeigehen niedermäht, da die nicht annähernd stark genug sind, um High-End-Gear in irgendeiner Weise stand zu halten. Endlos-Missionen sind nach 5 Minuten (Überleben), 5 Wellen (Verteidigung) oder einem Ansturm (Abfangen) vorbei und geben keine weiteren relevanten Belohnungen.

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Ivara – eine fragile, aber vielseitige Bogenschützin

So mancher könnte nun anführen, dass es ja noch die täglichen Einsatz-Missionen gibt, welche einem ein höheres Gegnerlevel entgegenwerfen. Doch auch dies ringt Langzeit-Spielern nur ein müdes Lächeln ab. Bleiben noch die Raids, welche mit einem Team, das weiß, was es tut…. Naja, ihr versteht schon, worauf ich hinaus will.

The Wait Within

Daher warten viele, mich inbegriffen, derzeit inständig auf die nächste cinematische Quest, The War Within, welche mehr Einblick in die Geschichte geben und das Spiel inhaltlich einen weiteren Schritt nach vorne machen lassen wird. Doch die lässt auf sich warten und wurde mittlerweile schon mehrfach verschoben.

Ende letzten Jahres lieferte Entwickler Digital Extremes mit „The Second Dream“ eine grandiose, qualitativ zuvor nie erreichte und mitreißende Quest ab, welche viele lose Enden miteinander verknüpfte, neue Spielmechaniken einführte und Warframe-Veteranen zuerst mit offenen Mündern staunend und dann einen lange anhaltenden Lobgesang anstimmen ließ, da man einfach völlig weggeblasen war von allem.

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„The Second Dream“ übertraf die Erwartungen

Seit der Veröffentlichung von Warframe Ende 2012 wurden über Jahre hinweg kleine und größere Hinweise im Spiel versteckt, die sich letztlich in einem bombastischen Finale zu einem Gesamtbild zusammenfügten. Endlich hatte man die Erklärung, was denn überhaupt ein Warframe ist und wie es dazu kam.

Nun sollte „The War Within“ (TWW) zuerst Anfang Juli erscheinen, doch daraus wurde nichts. Um die Spieler nicht zu lange warten zu lassen, teilte man das große Update in erst drei, dann sogar vier Teile auf. Inzwischen sind Teil 1-3 veröffentlicht, doch Teil vier, die Quest selbst, wird immer wieder verschoben.

August nannte man als groben Zeitraum. Letztlich peilte man Ende September an. Doch auch hieraus wurde nichts. In einem Statement seitens Digital Extremes Creative Director Steve Sinclair, der am 4. Oktober eine Ausschau auf den aktuellen Monat gab, hieß es, dass man von TWW noch mehr als einen Monat entfernt sei.

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„The War Within“ entwickelt sich zum „Wait Within“

Dass dies natürlich keine Lobeshymnen hervorbringt, versteht sich von selbst. Allerdings reagiert die Warframe-Community in der Allgemeinheit auf solche Dinge auch nicht mit purem Hass und beschimpft die Entwickler. Denn wer sich vermehrt mit dem Spiel und den Leuten dahinter auseinandersetzt und die rege und offene Kommunikation zwischen Spielern und Dev-Team mitverfolgt, weiß, dass die Verzögerung nicht nur aus Spielersicht enttäuschend ist.

Liest man sich die zuvor genannte Nachricht durch, so merkt man schnell, dass Digital Extremes viel Herzblut in TWW steckt, um die Begeisterung und Qualität von „Second Dream“ erneut zu erreichen beziehungsweise in den Schatten zu stellen. Und vielleicht liegt genau da das Problem.

Zwischenzeitlich war man bei Script Version 8 der Quest angelangt und es hat den Anschein, als wäre man immer noch nicht so ganz zufrieden mit dem, woran man schon so lange arbeitet. Man möchte es perfekt machen. Möglicherweise etwas zu perfekt, was zu der wiederholten Verschiebung führt.

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Gegner der taktischen Alarmierung „Long Shadow“

Zwar werden trotz allem kleinere Updates oder taktische Alarmierungen wie das gerade auf dem PC geendete „Long Shadow“ für die Spieler bereitgestellt, doch gibt Sinclair zu, dass es sich irgendwie nach weniger anfühlt, als es ist. Das Warten auf den nächsten großen Knall überschattet die Dinge, die dazwischen liegen und lässt sie als Füller erscheinen.

Doch im Grunde genommen bleibt einem nichts anderes übrig als geduldig auf The War Within und dessen einschneidenden Veränderungen zu warten und sich solange anderen Dingen zuzuwenden. Oder, wie in meinem Fall, sich eigene Aufgaben zu stellen, um Warframe in der Zwischenzeit noch interessant und spaßig zu gestalten.

So bin ich derzeit auf der Jagd nach den letzten Fragmenten, welche die Geschichte um Ordis’, die Stimme des Raumschiffes, aufdecken, sowie den kleinen, teilweise extrem gut versteckten Kuria, die im ganzen Sonnensystem verstreut sind.

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Bald gibt’s grafische Updates

Außerdem wird alles gescannt, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Schließlich gibt es da immer noch Lücken in meinem Codex, die auch mal gefüllt werden wollen. Und Kavat-Codes für die Züchtung kann man sowieso nie genug haben.

Ansonsten experimentiere ich mit Waffen und Warframes herum und beschäftige mich damit, was man aus einer eher mittelmäßigen Ausrüstung so alles herausholen könnte. Das mag zwar relativ sinnfrei und Ressourcen fressend sein, doch hält es mich persönlich bei Laune. Aber meine Zeit damit zu verschwenden, einen Hydroid zu verbessern, kommt selbst mir nicht in den Sinn.

Abschließende Worte

Das alles sind meine derzeitigen Gedanken zum Spiel, aus der Sicht eines Langzeit-Spielers. Versteht mich daher bitte nicht falsch. Warframe ist ein wunderbares Spiel, in dem sich extrem viel Zeit verbringen lässt und welches einem eine riesige Freiheit bietet, Missionen auf unterschiedlichste Weise anzugehen und seine Ausrüstung auf den eigenen Spielstil hin anzupassen.

Dabei gibt es unzählige Waffen und Waffenarten, die ausprobiert und verändert werden möchten, bisher 30 Charaktere mit je 4 unterschiedlichen Fähigkeiten, eine Reihe von Begleitern und viele Planeten, die es zu entdecken gilt.

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Das Warframe-Universum ist groß und wächst stetig weiter

Während der Reise und dem Vorantreiben des eigenen Meisterschaftsranges schaltet man Quests frei, die einem das Warframe-Universum und dessen Geschichte näher bringen, sowie andere Belohnungen, die nur auf diesem Weg zu erspielen sind.

Es gibt viel zu tun, wenn man sich auf Warframe einlässt und bis man mal alles gesehen und erlebt hat, was es zu erleben gibt, vergeht eine Menge Zeit.

warframe13Meine persönliche Reise war bisher, nach einem holprigen Start, eine lange und vor allem schöne. Und so sehr ich mir den nächsten großen Meilenstein, wie viele andere auch, schnellstmöglich herbeisehne, so wünsche ich mir doch genauso, dass sich genügend Zeit dafür genommen wird, um das Erlebnis zu einem wirklichen Highlight zu machen.

Bleibt also nichts anderes übrig, als geduldig abzuwarten, bis auch Digital Extremes der Meinung ist, dass die eigenen Ansprüche übertroffen und dem Spieler einmal mehr gezeigt wird, dass sich die Wartezeit letztendlich doch mehr als gelohnt hat. Bis dahin pack ich meine Schlafpfeile ein und geh auf Kavat-Code-Jagd.


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