Für viele ist der größte Schurke in The Boys wohl Homelander. Aber einer der furchteinflößendsten Schurken aus den Comics fehlt in der Serie von Amazon. Für MeinMMO-Redakteur Nikolas Hernes ist das eine verpasste Chance, weil der Ersatz seinem Potenzial nicht gerecht wird.
Ich persönlich bin kein großer Fan der Comics zu The Boys. Es ist schon fast ein Wunder, dass die Serie als Adaption so gut geworden ist. Natürlich ist aber nicht alles schlecht an dem Werk von Comic-Autor Garth Ennis. Ein großes Highlight beim Lesen war für mich immer die Figur von James Stillwell.
Er hat eine hohe Position bei Vought und trifft die Entscheidungen für die Firma. Sein Ziel ist es dabei immer, den Profit zu maximieren und die Investoren glücklich zu machen. In der Serie wird James in 2 Figuren adaptiert: Stan Edgar und Madelyn Stillwell. Aber die Comic-Version hat einen deutlich stärkeren Ansatz.
Hier seht ihr den Trailer zu Staffel 5:
Der wahre Bösewicht in The Boys
James Stillwell ist in den Comics der Schatten von Vought. Für den CEO Stan Edgar kümmert er sich um das Operative und trifft Entscheidungen für die Firma. Dabei agiert er auch regelmäßig mit den Superhelden-Teams, die Geld in die Kassen der Firma spüren.
In all seinen Panels hat er eine kalte und furchteinflößende Präsenz. Er wird nie wütend, wodurch seine Drohungen und Entscheidungen einen einprägsamen Effekt haben. Selbst nachdem Homelander völlig durchdreht und ihm mit dem Tod droht, antwortet er kalt und respektlos. Er antwortet ihm mit völliger, kalter Abscheu:
Wann hast du jemals etwas auch nur annähernd Interessantes oder Originelles getan? Was ist dir eingefallen, was nicht einmal der unbedeutendste Vertreter dieser sinnlosen Spezies tun könnte, selbst wenn man ihm deine Macht verleihen würde?
James Stillwell zu Homelander (Quelle: Screen Rant)
Stillwell hat keine Angst vor Homelander und wird auch nicht nervös, wenn er ihm mit Gewalt droht. Er repräsentiert als Figur eine kalte und emotionslose Firma, der alles egal ist. Sowohl die Comics als auch die Serie zeigen satirisch auf, wie Firmen alles kontrollieren und vermarkten. Es geht um die Maximierung des Gewinns, und Supes werden so lange befürwortet, wie sie diesem Zweck dienen.
James Stillwell ist furchteinflößender als Homelander, obwohl er keine Kräfte hat. Butcher und sein Team können zwar die Superhelden besiegen, aber Vought als Ganzes plattzumachen, scheint unmöglich. Selbst wenn Stillwell sterben sollte, nimmt einfach jemand anderes seinen Platz ein und das ist beängstigender als Homelander.
Der Ersatz aus der Serie ist nicht so effektiv wie die Comic-Version
In Bezug auf die Serie könnte man argumentieren, dass James Stillwell ja vorhanden ist. Einmal in der Figur Madelyn Stillwell (gespielt von Elisabeth Shue), die den Namen und quasi den Job repräsentiert, und einmal vom Charakter her in der Figur Stan Edgar (gespielt von Giancarlo Esposito).
Madelyn tritt in Staffel 1 und 2 als Vize hinter Stan Edgar von Vought auf. Sie manipuliert Homelander, und scheint lange die Einzige zu sein, die Kontrolle über ihn hat. Sie repräsentiert das Perfide der Firma Vought, fungiert als Figur aber vor allem in Kombination mit dem Ödipuskomplex von Homelander. Ihr fehlt die Kälte, die James so prägnant gemacht hat. Am Ende befreit
er sich aber aus ihrer Kontrolle und tötet sie.
Danach kommt Stan Edgar ins Spiel. Er repräsentiert die Skrupellosigkeit von Vought und scheint selbst Homelander nicht zu fürchten. Aber Stan Edgar unterliegt Homeland und den Supes. Statt die Macht von Vought bis zum Schluss zu verkörpern, krallt sich Homelander die Macht und die Repräsentation von Vought verschwindet.
Hier könnt ihr eine Konfrontation von Stan und Homelander sehen:
Klar, die Produkte und das Marketing werden trotzdem weiter gezeigt, aber es fehlt die Person, die als Essenz einer bösartigen Firma genau das verkörpert. Homelander hat seinen eigenen Gottkomplex und Stan Edgar wird zu einem Flüchtigen degradiert, der sich um seine Familie kümmert. Er wird zur Nebenfigur mit geringerer Screen-Time.
Das ist furchtbar schade, eben weil The Boys nicht darauf verzichtet, in gefühlt jeder Folge den Kapitalismus einer solchen Firma zu kritisieren. Ohne eine solche Repräsentation ist Vought nicht mehr der Schleier, der scheinbar alles zu kontrollieren scheint, sondern ein Gag-Instrument. Das Potenzial geht flöten und damit auch ein Gegenstück zu Homelander und Butcher. Nicht Vought hat die Macht über alles, sondern Homelander. Das untergräbt die satirische Kritik.
Versteht mich nicht falsch. Ich mag Stan Edgar in der Serie und den Ansatz, Homelander und sein Ego als zentralen Fokus für alles zu legen, aber Vought ist meiner Ansicht nach zu sehr im Hintergrund, und Stan Edgar dadurch verschwendet. Das ist so schade, weil die Serie auch abseits der Folgen die Firma öffentlich präsentiert: Ein Supe aus The Boys gibt nur Quatsch von sich, zeigt dadurch, warum die Serie so gut ist
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