Nach 4 Stunden The Blood of Dawnwalker sage ich: Das wird ein Kandidat für Game of The Year

The Blood of Dawnwalker Anspielbericht

MeinMMO-Redakteurin Caro hat bereits 4 Stunden in Rebel Wolves’ The Blood of Dawnwalker verbracht und musste anschließend ernsthaft mit dem Gedanken spielen, sich in den Preview-Raum einzusperren, um einfach weiterzuspielen. Leider ist dieser Plan nicht aufgegangen. Dafür schreibt sie jedoch diese Review mit ihren ersten Eindrücken.

Ja, ich sitze leider nicht mehr in einem dunklen Gewölbe in Mainz und spiele The Blood of Dawnwalker. Dafür warte ich aber nun auf das Debütspiel eines frischen Studios, das aufgrund seines Rufes durch ehemalige Entwickler von The Witcher 3 ein wirklich ambitioniertes Projekt startete: Ein cinematisches Action-RPG mit Open-World und starkem Fokus auf Narrative und Einfluss des Spielers.

Meine Erwartungen waren hoch, dementsprechend genauso hoch wie die Befürchtung: Mist, hoffentlich kann das was. Und Überraschung: Es konnte was. 

Als Fan einer spannenden Geschichte, Charakteren, die man tatsächlich auf die Reise begleiten will, Combat, der Spaß macht, anstatt zu frustrieren, und düsterer Vampirthematik konnte ich nach der Preview sagen: The Blood of Dawnwalker schmeckt. Sehr gut sogar.

Video starten
The Blood of Dawnwalker: Cinematischer Trailer für das neue Action-RPG mit Vampiren

Das Setting und die Prämisse sind zu geil, um zu widerstehen

Während des Preview-Events verbrachte ich 4 Stunden in der Beta-Version des Spiels, die den gesamten Prolog, aber auch den Einstieg in die Open-World beinhaltete. Ich konnte dementsprechend verschiedene Features und Inhalte testen, darunter Dialoge, Cutscenes, Missionen, Kämpfe, das blöde Konzept von Konsequenzen der eigenen Handlungen und den ersten drängenden Blutdurst, der deutlich gefährlicher ist, als ich zunächst dachte.

Doch starten wir mit dem, was mir im Nachhinein am meisten im Kopf blieb: dem Setting.

The Blood of Dawnwalker spielt im Europa des 14. Jahrhunderts, wo durch die Unruhe von Krankheit und Unsicherheit Vampire an die Macht kamen. Die können mit ihrem Blut sämtliche Krankheiten heilen, dementsprechend aber auch die totale Hörigkeit des Volkes verlangen sowie eine regelmäßige Blutspende.

Und was passiert, wenn diese „Abmachung“ nicht eingehalten wird, startet die gesamte Geschichte des Spiels.

The Blood of Dawnwalker Anspielbericht
Fürst Brencis und seine Mitherrscher

Ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen, um euch die Schockmomente beim eigenen Spielen nicht zu ruinieren, aber vampirischer Einfluss ist kein sexy Blutsauger-Cosplay. Es bietet zwar ein monströs-cooles Aussehen, starke Moves im Combat, einen schicken Schattensprung und eine sehr nützliche Heilungsmethode durch herumlaufende Blutspender – aber es korrumpiert. 

Der Vampirismus mag wie ein Segen wirken, nimmt euch jedoch das Vertrauen eurer Geliebten und die eigene Entscheidungsfreiheit. Und nein, ihr könnt nicht aus Jux und Tollerei mal den „bösen“ Lösungsansatz wählen … die Wahl wird euch einfach genommen. Wenn ihr zu durstig seid, ist es egal, wer vor euch steht. Wenn ihr Blut braucht, nehmt ihr es euch. Egal, ob ihr danach weinend zusammenbrecht.

The Blood of Dawnwalker Anspielbericht
Coen hat sich dieses Schicksal nicht ausgesucht und muss lernen, es zu
kontrollieren.

Ja, zum Dawnwalker geworden zu sein, ist hart … Aber es macht auch so Spaß

Coen, der Protagonist aus The Blood of Dawnwalker, muss sich nach den Geschehnissen des Prologs zunächst mit seinem neuen Ich bekannt machen. Denn das birgt aufgrund des Blutdursts viele Risiken, aber verdammt … wer Vampire mag und Spaß daran hat, das vollkommen auszuleben, wird die Nächte lieben.

Der Vampirismus erhält im Spiel einen eigenen von drei Skilltrees (daneben auch Schwertkunst und Hexerei), der Coen mit Buffs und neuen Fähigkeiten innerhalb und außerhalb des Kampfes versorgt. So wächst man langsam von einer verwirrten Vampirbrut zu einem starken Kämpfer heran.

Der Kampf in The Blood of Dawnwalker war mir zu Beginn ehrlicherweise neben Rollenspielelementen und der Geschichte eher „unwichtiger“, entwickelte sich aber schnell zu einem der spaßigsten Aspekte des Spiels. Er ist gar nicht so leicht und benötigt zu Beginn ein wenig Übung, aber es fühlt sich einfach verdammt belohnend an.

Ob ihr tagsüber mit Schwert oder nachts mit euren Krallen kämpft, das Kampfsystem ist vor allem auf gut getimtes Parieren ausgelegt, wo ihr nicht nur auf den richtigen Moment, sondern auch auf die Richtung achten müsst. 

Ihr könnt von mehreren Gegnern und aus vier unterschiedlichen Richtungen angegriffen werden, müsst diese parieren und gleichzeitig Schaden austeilen. Bei größeren Gruppen benötigt das eine ordentliche Portion Konzentration und Multitaskingfähigkeit, aber dafür erhält man den Coolness-Effekt einer Einmannarmee mit Vampirflair.

Ich hatte beim Spielen so viel Spaß daran und wollte mich verbessern, dass ich mich erwischte, wie ich viel zu große Gruppen und zu starke Gegner angriff, um einfach das Kampfgeschehen zu üben. Ich versuchte es erneut und erneut und erneut und kam immer ein bisschen weiter. Der Prozess war für mich an keiner Stelle frustrierend, sondern einfach – auch wenn das Wort vielleicht etwas breit ist – verdammt cool.

The Blood of Dawnwalker Anspielbericht
Während Coen den rechten Soldaten angreift, holt der linke hinter ihm aus.
Hier muss rechtzeitig und in die richtige Richtung pariert werden.

Ein Zeitlimit, das nur weiter zur Immersion beiträgt

Selbst wenn ihr während eurer Reise jedem helfen wollt, wie der nobelste Vampir im Schafsmantel, das wird nicht klappen. In 30 Tagen wird Fürst Brencis, der Anführer der Vampire, eine Krönungszeremonie abhalten. Und dabei wird es eurer Familie schnell an den Kragen gehen können. Das bedeutet, ihr habt nicht unendlich Zeit, allen Menschen und Aufgaben nachzugehen, wenn ihr die nötigen Vorbereitungen treffen wollt, um euch und eure Liebsten zu retten.

Das Zeitlimit in The Blood of Dawnwalker funktioniert so, dass nicht durchgehend ein Timer läuft. Stattdessen arbeitet das Spiel in kleinen Zeitetappen und einem Tag-Nacht-Zyklus, die eine gewisse Anzahl von Aufgaben erlauben.

Wenn ihr eine Mission startet, die Zeit in Anspruch nimmt, wird das durch ein Sanduhrsymbol verdeutlicht. Das Erkunden in der Open-World, die Aufdeckung neuer Orte und eskalierte Konflikte mit Gegnern fallen aus dieser Zeiterfassung raus. 

The Blood of Dawnwalker Anspielbericht
Das Journal verrät, wie die Zeit vorangeschritten ist.

Wenn es jedoch darauf ankommt, ob man seine wertvolle Zeit zur Hilfe von anderen opfert oder dem eigenen Ziel entgegenstrebt, kann das wirklich zu schwierigen Entscheidungen führen. 

Bereits im Prolog wurde das deutlich, wo ich einer älteren Dame bei der Suche nach einem Banner half und einem Bauern versprach, seinen Bruder ausfindig zu machen. Als mich ein Hirte fragte, ob ich nach seinem Schwein Ausschau halten könnte, musste ich verneinen. Denn meine letzte wichtige Aufgabe am Abend war, Medizin zu meiner Mutter zu bringen, und das war halt die oberste Priorität. 

The Blood of Dawnwalker Anspielbericht
Während eurer Reise werdet ihr merken: Um euer Ziel zu erreichen wird es
Opfer geben.

Die ersten 4 Stunden machten Spaß, aber sie teasten noch Besseres an

Die ersten 4 Stunden haben mir mehr Spaß gemacht, als ich bereits im Voraus erwartet habe. Aber viel wichtiger: Die Themen, die das Spiel anschneidet, machen mich hungrig auf mehr.

Die Thematik der Vampire ist nicht nur die einer gnadenlosen Herrschergruppe. Sie inszenieren sich nicht nur als Retter, sie sind davon überzeugt. Bereits im Prolog halten die Vampire eine Messe ab, ein Ritual wie eine verdrehte Zeremonie des Christentums, indem die Retter der Menschheit das Blut ihrer Herde trinken, anstatt andersrum. Die rettende Hand opferte sich nicht für sein Volk, sondern das Volk für den Erhalt des Retters.

Ich glaube, das Bild der umgedrehten Religion kann zu wirklich spannenden Geschichten, Begegnungen und Konflikten innerhalb des Spiels führen.

The Blood of Dawnwalker Anspielbericht
Die Vampire halten ihre eigene Art einer Messe ab.

Aber auch Coens Geschichte konnte mich mehr fesseln, als ich zunächst dachte. Sehr früh wird einem bewusst, dass Coens Familie alles für ihn ist. Er ist aufopferungsvoll und stellt das Wohl seiner Eltern und Geschwister über sein eigenes, wenn er nur irgendwie dazu in der Lage ist. 

Im Interview mit Ariana Siarkiewicz, die als Autorin an The Blood of Dawnwalker arbeitet, wurde mir bewusst, was das für ihn und seine Entwicklung bedeutet. Auf die Frage, ob sie für Coen einen eher heroischen Weg oder den der vampirischen Korruption wählen würde, antwortete sie wie folgt:

Ich denke, sein Ziel – seine Familie zu retten – ist zwar ein edles Ziel, aber es bringt auch eine verdammt schwere Verantwortung mit sich. 

Wenn er nicht in der Lage ist, auch nur ein kleines bisschen loszulassen, würde ihn das auf Dauer zu keinem sehr glücklichen Menschen machen. 

Ich finde, er hat das Recht, auch an sich selbst zu denken. Die Familie retten, klar, natürlich, aber vielleicht sollte er kein absolut selbstaufopfernder Mensch sein.

Und das validiert sofort den Einsatz des Zeitlimits, nicht nur als gameplaymechanisches Element, sondern als Storytellinginstrument: Coen wird es niemals allen recht machen können. Er wird niemals alle retten können. Und wenn er es versucht, wird es Opfer geben. 

Ich finde diesen Ansatz sehr spannend und freue mich auf eine Charakterentwicklung eines Helden, der eigentlich nur ein großer Bruder sein will und wirklich alles dafür tun würde, um sie zu retten.

The Blood of Dawnwalker Anspielbericht
Coen und sein Vater, bevor sich alles veränderte

Wie kann das noch schiefgehen?

Jetzt rede ich mich fusselig, wie sich The Blood of Dawnwalker zu einem der besten Spiele des Jahres entwickeln könnte. Doch wie kann das vielleicht doch noch alles schiefgehen?

Die größte Hürde von The Blood of Dawnwalker ist auch seine größte Schwäche: das hohe Potenzial der Mitwirkenden, die bereits Brecher und Fanfavoriten wie The Witcher 3 schaffen konnten.

Dieser Vergleich ist nicht auszublenden und The Blood of Dawnwalker wird dem vor allem zu Beginn sehr ausgesetzt sein. 

Was das Spiel für mich doch noch zu einer Enttäuschung machen würde, wären absolute Immersionsbrecher in Form von mangelndem Polishing. Ein Spiel, das mich durch seine Story und ganze Welt so in den Bann zieht, kann schnell seinen Zauber verlieren, wenn Coen plötzlich mit dem Bein in einer Holzplanke hängt und sich gerade so mit einem zittrigen Schattenschritt retten kann. Ja, das ist mir nämlich auch passiert.

Allerdings handelte es sich um eine Beta-Version. Bis zum Release, so die Entwickler von Rebel Wolves, wollen sie die Zeit nutzen, das fertige Spiel von derartigen Bugs zu befreien und ein flüssiges Spielerlebnis ohne Störer shippen zu können.

Ich muss aber auch fairerweise nennen: Bis auf den Ausflug in die Holzplanke und einen Animationshänger lief das Spiel für mich ohne Probleme und hielt mich freiwillig gefangen. Wenn es das zum Release weiterhin kann, sehe ich nichts, was dem Erfolg von The Blood of Dawnwalker im Weg stehen könnte.

Mein Fazit: Wenn ihr düsteres Fantasy-Rollenspiel mögt und generell eine Schwäche für Monster und Blutsauger habt, solltet ihr euch den 3. September 2026 in eure Kalender eintragen. The Blood of Dawnwalker ist ein Spiel, dem ich seit dem Preview-Event umso mehr entgegenfiebere, und ich übernehme die volle Verantwortung hinter jeder Empfehlung an Freunde und Leser, denen ich The Blood of Dawnwalker ans Herz lege.

Ich freue mich darauf, noch tiefer in die Diktatur der Vampire einzutauchen und als Coen immer fähiger und mächtiger zu werden, um meine Familie zu retten … und vielleicht selbst eigene Anhänger zu finden?

Bitte lies unsere Kommentarregeln, bevor du kommentierst.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
1 Kommentar
Neueste
Älteste Meisten Abstimmungen
Sirhc8181

Die Review allein lässt mich schon das Spiel kaufen! <3

1
0
Sag uns Deine Meinungx