Weil Leute gerne schwangere Anime-Mädchen wollen, wird Hardware immer teurer

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Die schöne neue Welt hat uns Chat-Bots geschenkt. Doch wenn man weiß, wofür sie genutzt werden, will man die Zeit zurückdrehen.

Manchmal findet man im Internet Studien oder Artikel, in denen man über Dinge erfährt, die man eigentlich gar nicht wissen wollte. Doch sie sind wie ein Autounfall – man will nicht hinschauen, aber man muss irgendwie. So ging es uns heute Morgen in der Redaktion, als wir auf eine Studie aufmerksam wurden, deren Inhalt wir auf jeden Fall mit euch teilen müssen – einfach nur, damit wir dieses Leid nicht alleine mit uns herumschleppen.

Daher herzlich Willkommen zu der ersten und vielleicht einzigen Ausgabe von „Genug Internet für heute“.

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500.000 KI-Chats, genau analysiert

Die Universität von Colorado Boulder hat ein Paper veröffentlicht mit dem Namen „AI Fiction in the Wild“ und die Betonung dürfte hier eindeutig auf dem Wort „wild“ liegen. Sie konnten über 570.000 anonyme Gespräche mit dem Chat-Bot ChatGPT (GPT-3.5 Turbo und GPT-4) auswerten. Das war möglich, weil der Chatbot kostenlos auf Hugging Face angeboten wurde, allerdings zu dem Preis, dass die daraus generierten Dialoge eben wissenschaftlich analysiert werden können.

Dabei kamen die Forscher zu einigen interessanten Ergebnissen, was das Verhalten der Nutzer anging.

Von den Dialogen waren nämlich fast 195.000 als Fiktion deklariert – also Inhalte, in denen es nicht um real existierende Sachverhalte ging, sondern um erfundene Charaktere. Davon war etwas mehr als ein Viertel (52.000) der Dialoge „Material mit explizit sexuellem Inhalt“ – das verwundert soweit vermutlich die wenigsten.

Was jedoch interessant ist, dass es eine kleine Gruppe an „Power Usern“ gab, die immer und immer wieder die gleichen Anfragen stellten, um sich Geschichten ausspucken zu lassen, die nur minimalen Änderungen unterliegen. Die Forscher stellten fest, dass knapp 2 % der Nutzer für über 80 % der fiktionalen Inhalte verantwortlich waren. Oder um konkret bei diesem Datensatz zu bleiben: Rund 200 Leute waren für über 150.000 der fiktionalen Anfragen verantwortlich.

Doki Doki Literature Club beginnt als Romanze – und wird dann irre.

Der Doki Doki Pregnancy Club!

Die Studie stellt dabei einen Nutzer ganz besonders heraus, der es sich offenbar zur Aufgabe gemacht hatte, KI-Fanfiction zu „Doki Doki Literature Club!“ erstellen zu lassen. Wer das nicht kennt: Das ist auf den ersten Blick ein niedliches Anime-Dating-Game, das sich aber rasch als schauriger Psycho-Horror-Titel entpuppt.

Die Anfragen, die von diesem einen KI-Fanfiction-Fan gestellt wurden gehen – ihr habt es schon geahnt – in eine eher sonderbare Richtung. Denn er beginnt seine Anfrage, indem er den Beginn eines Dialoges zwischen den Charakteren ausschreibt, bei dem eine der Protagonistinnen plötzlich schwanger ist und die Wehen einsetzen. Der Dialog endet dann mitten im Satz – und wird anschließend von der KI fortgeführt. Ach, seht einfach selbst:

Doki Doki Pregnancy
Was würden wir nur ohne solch wichtige Fan-Fictions tun. Bildquelle: “AI Fiction in the Wild” auf arXiv

Neben über 22.000 Anfragen für Doki Doki Literature Club! wurden auch andere Franchises immer wieder für solche fiktionalen Anfragen genutzt, wie etwa Freedom Planet (~5.200), League of Legends (~4.500) oder Naruto (~4.300).

Natürlich besteht auch die Möglichkeit, dass sich hier eine Reihe von Internet-Trollen einfach zusammengetan haben. Denn immerhin wurde bei der Verwendung der kostenlosen Chat-Bot-Variante klar gesagt, dass die Daten für Auswertungen benutzt werden. Vielleicht hat sich da der eine oder andere gedacht: „Da geb’ ich den Wissenschaftlern doch mal was zum analysieren. Sollen sich ja bei ihrer Arbeit auch nicht langweilen.“

Das hat auf jeden Fall geklappt.

Wenn ihr also das nächste Mal mit dem Gedanken spielt, euch einen neuen PC oder eine Konsole zu kaufen und die viel zu hohen Preise für die Hardware euch abschrecken, dann könnt ihr im Hinterkopf behalten: Das ist ja gar nicht so schlimm, denn immerhin hat die Menschheit dafür die Freiheit, sich Schwangerschaftsgeschichten rund um fiktionale Charaktere ausspucken zu lassen. Da sind die Ressourcen der Menschheit doch einfach unheimlich gut genutzt.
In diesem Sinne: Genug Internet für heute.

Quelle(n):
  1. automaton-media.com

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