Das Prahlen mit Überstunden fliegt Red Dead Redemption 2 um die Ohren

Der Mitbegründer von Rockstar Games, Dan Houser, gab in einem Interview an, dass die Entwickler von Red Dead Redemption 2 mehrmals im Jahr 100 Stunden pro Woche arbeiten mussten. Nach einer heftigen Reaktion der Gaming-Community rudert Houser jetzt zurück. 

Was ist passiert? In einem Interview mit Vulture.com hat Dan Houser erzählt, dass er und andere Mitarbeiter von Rockstar Games etwa 100 Stunden die Woche gearbeitet haben, um Red Dead Redemption 2 rechtzeitig fertig zu stellen.

Es ist ein Phänomen, das in der Gaming-Industrie als „Crunching“ bekannt ist. Dabei handelt es sich um die Zeit kurz vor dem Release eines Spiels, in der viele Mitarbeiter massive Überstunden machen müssen. Es ist ein bekanntes Problem in der Gaming-Branche und wird immer hart kritisiert, weil es bereits zum Tod von Entwicklern durch Übermüdung geführt hat.

Auch bei Rockstar ist es nicht das erste Mal, dass es zu Crunching kommt.

Red Dead Redemption 2 Pistole Feuer

Houser macht ein neues Statement: Diese Aussage von Houser kam bei der Gaming-Community und anderen Entwicklern nicht gut an. Nach heftiger Kritik rudert der Mitbegründer von Rockstar Games jetzt zurück. Mit einer neuen Aussage erklärt er, dass er nur das Senior Writer Team von Rockstar gemeint hatte:

Wir machen das immer, drei Wochen intensive Arbeit, wenn wir dabei sind alles abzuschließen. Drei Wochen, nicht drei Jahre. […] Wir brauchen diese Zeit, um alles zu überprüfen und fertigzustellen.

Weiterhin erklärt Houser, dass andere Mitarbeiter nicht gezwungen sind so viele Stunden pro Woche zu arbeiten:

Viel wichtiger ist aber, dass wir es von niemandem erwarten, so zu arbeiten. In der Firma haben wir einige Leute in Senior-Positionen, die aus reiner Leidenschaft für ihr Projekt so hart arbeiten […].

Gaming-Community findet das nicht cool

So reagieren die Gamer: Die Community reagierte größtenteils mit Unverständnis und Entsetzen. Entsprechend waren viele Spieler mehr als skeptisch über die neue relativierende Aussage von Houser. Kaum jemand glaubt ihm, dass die normalen Entwickler „zu nichts gezwungen“ wurden. So sagt der User Kromhorn:

„Oh ich bin mir vollkommen sicher, dass sie keine offiziellen Anforderungen haben, die die Mitarbeiter zwingen länger als Vollzeit zu arbeiten. Was sie euch aber NICHT sagen ist, wie viel Druck auf andere Mitarbeiter ausgeübt wird, damit sie dieselben lächerlichen Arbeitszeiten halten. Das und die implizierten Drohungen der Entlassung, falls man nicht in der Lage ist „seinen Beitrag zu leisten“.

Red Dead Redemption 2 Mord Blut Detail

Im /r/games-Subreddit waren die Reaktionen ebenfalls überwiegend negativ:

„So offen damit anzugeben, als ob es irgendeine Art ehrenamtlicher Auszeichnung wäre, ist absolut abscheulich und Houser sollte sich schämen“, sagte der User LewdOnMain in seinem Kommentar, das 3700 Upvotes erhielt.

Bissiger Humor als Antwort auf Houser’s Aussage: In dem Subreddit von Red Dead Redemption sind sogar Memes aufgetaucht, die sich über die neue Aussage von Houser lustig machen. Mit der Überschrift „Ein seltenes ‚Hinter den Kulissen‘ – Foto von Rockstar’s Entwicklung von RDR 2“ erhielt das Meme fast 22000 Upvotes auf Reddit:

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Oben: Rockstar Mit-Begründer Dan Houser. Unten: „Ein Rockstar-Mitarbeiter, der keine 100 Stunden pro Woche arbeiten will“

Der User McGuffin auf Massively OP schrieb dazu sarkastisch: „Dieses Spiel ist so toll, 3 Leute haben sich während der Entwicklung zu Tode gearbeitet! Wir haben ihre Körper unter ihren Tischen verstaut, um andere zu motivieren!“

Entwickler aus der Gaming-Industrie sind entsetzt

So reagieren andere Entwickler: Auch unter Kollegen aus der Gaming-Industrie findet die Aussage von Houser wenig Verständnis. Viele empfanden den Kommentar zu 100 Stunden als „angeberisch“ und „prahlend“, was in einer solchen Situation vollkommen unangebracht sei.

„Wenn [die Entwickler] crunchen, dann machen die Manager ihren Job nicht richtig“, sagte Adam Orth, der Macher des VR-Spiels Adrift. „Sie sind das Problem, nicht [die Entwickler]. Man kann diese Leute normalerweise Kilometer voraus sehen, bevor man das Studio überhaupt betritt.“

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Die US Senior Community Managerin von Final Fantasy XIV, Chenin, ist ebenfalls dieser Meinung. Sie schreibt auf ihrem Twitter: „Das ist nicht bewundernswert. Das ist ein schädliches Verfahren […] und darf nicht länger verherrlicht werden. Entwickelt brillante Spiele ohne eure kreativen Köpfe leer zu saugen und es als „Leistung“ zu bezeichnen.“

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Autor(in)
Quelle(n): PolygonMassivelyOPRedditTwitter
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