Zuschauer diskutieren gerade, ob Twitch-Streamer wie Papaplatte der verstorbene Opa eines Fans interessieren muss

Twitch-Streamer Papaplatte wird von BastiGHG überrascht.

Kevin „Papaplatte“ Teller steht in der Kritik, weil er vermeintlich taktlos auf die Nachricht eines Fans reagierte. Andere meinen jedoch, das sei sein gutes Recht. Es entsteht eine Diskussion darüber, wie viel sich Twitch-Streamer eigentlich anhören müssen.

Was war das für eine Situation? Übers Wochenende machte ein Clip des Twitch-Streamers Papaplatte die Runde, in dem dieser scheinbar einen Zuschauer abschmettert, der ihm von seinem verstorbenen Großvater erzählen möchte.

Ein Video, das auf X mehr als 300.000 Aufrufe erhielt, zeigt den Streamer, während er ein Paket öffnet, als eine sogenannte Text-to-Speech-Donation eingeht. Das ist ein Geld-Geschenk mit angehängtem Text, welcher dann automatisch vorgelesen wird. Darin erklärte ein Fan, dass sein Großvater verstorben sei, und der Stream ihn ablenken und aufmuntern würde.

Papaplatte unterbricht die KI-Stimme allerdings sofort. Er wünscht dem Zuschauer zwar „viel Liebe“, setzt aber auch an, zu erklären, dass man so etwas bitte nicht schreiben solle. Dabei fällt sein Blick allerdings auf den Inhalt seines Pakets, woraufhin er laut jubelnd aufspringt.

Einige Zuschauer empfanden die Reaktion des Streamers als unsensibel und taktlos. Es wirkte wohl, als sei es Papaplatte egal, dass ein Fan einen geliebten Menschen verloren habe. Andere meinen jedoch: Das müsse ihn auch gar nicht kümmern.

Video starten
SO wurden Challenges für Papaplatte zum Lebensunterhalt

Twitch-Streamer sind keine Therapeuten für die Hosentasche

Was steckte dahinter? Papaplatte erklärte unmittelbar nach seinem Jubel, dass er solche direkten Nachrichten nicht haben möchte. Zuschauer könnten zwar darüber sprechen, wenn ihnen etwas auf dem Herzen liegt, sollten dies aber vage halten, etwa: „Ich habe gerade eine schwierige Zeit.“ Das sei sonst anderen Chat-Teilnehmern gegenüber unfair.

Der Grund für den etwas unpassend wirkenden Jubel steckt hingegen ein paar Minuten vor dem Clip: Papaplatte hatte auf benötigte Hardware für seinen Stream gewartet, und sich gefragt, ob das benötigte HDMI-Kabel wohl direkt enthalten sei – andernfalls könne er den neuen Monitor gar nicht einsetzen. Das ersehnte Kabel entdeckte er dann allem Anschein nach in einem äußert ungünstigen Moment.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle findest du einen externen Inhalt von Twitch, der den Artikel ergänzt.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Personenbezogene Daten können an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Link zum Twitch Inhalt

Was wurde daraus? Obwohl die Situation im Stream also eigentlich schnell aufgeklärt wird, entstand in den sozialen Medien eine größere Diskussion um den Clip. Denn während einige Papaplatte mangelnde Empathie vorwarfen, sahen andere den Streamer im Recht.

Content Creator seien da, um die Zuschauer zu unterhalten, wären aber nicht ihre Freunde oder gar Therapeuten. Für einige ist mit so einer persönlichen Nachricht die Grenze zu sogenannten parasozialen Beziehungen überschritten. Dabei handelt es sich um einseitige, starke emotionale Bindungen an eine öffentliche Person.

Gerade Twitch-Streamer haben oft mit diesen parasozialen Bindungen zu kämpfen, da die Zuschauer direkt mit ihnen interagieren können und sich ihnen so verbunden fühlen. Dass Papaplatte eine so klare Grenze zieht, sei daher sein gutes Recht.

Was ist eine parasoziale Beziehung? Die bezeichnet das einseitige, meist emotionale Bindungsgefühl, das Zuschauende gegenüber Streamern und Streamerinnen aufbauen, ohne dass diese persönliche Beziehung tatsächlich erwidert wird. Besonders im Kontext von Plattformen wie Twitch oder YouTube entsteht sie, indem die Content Creator regelmäßig Inhalte teilen, persönliche Geschichten erzählen oder auf Chats eingehen, sodass Zuschauende mit der Zeit das Gefühl entwickeln, die Person „zu kennen“ oder sogar mit ihr befreundet zu sein.

Andere sehen es jedoch kritisch, dass der Streamer dieses Feature anbietet und das Geld seiner Zuschauer annimmt, die erwartete „Gegenleistung“ aber offenbar nicht erbringen mag.

Solche parasozialen Beziehungen sind für Streamer nicht nur lästig, sondern können auch richtrig gefährlich werden. Zuletzt erregte etwa ein Übergriff auf die Twitch-Streamerin Emiru Aufsehen. Wir haben auf MeinMMO darüber berichtet: Streamerin wird auf TwitchCon belästigt, erstes Statement vom Twitch-Chef kommt so schlecht an, dass er sich entschuldigen muss

Bitte lies unsere Kommentarregeln, bevor du kommentierst.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
6 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Abstimmungen
Inline Feedback
Alle Kommentare anzeigen
Duplo20

Das ist klassisches Trauma-Dumping.

Ein Twitch-Chat ist nicht der richtige Ort, um ungefragt über traumatische Erfahrungen oder persönliche Tiefpunkte zu sprechen. Solche Informationen können andere Zuschauer überraschen, überfordern oder sogar triggern.

Es gibt Creator*innen, die regelmäßig sensible oder traumatische Themen behandeln. Dort werden jedoch Trigger-Warnungen im Streamtitel genutzt und die Community weiß vorher, worum es gehen wird. So können Zuschauer selbst entscheiden, ob sie dafür die Kapazitäten haben oder den Stream lieber meiden.

Die Donation-Funktion für solche Offenbarungen zu missbrauchen, ist noch einmal besonders unangebracht. Unabhängig davon, ob jemand Geld dafür zahlt, sollten Creator*innen hier direkt eingreifen, klarstellen, was gerade passiert, und der betroffenen Person passende Hilfsangebote oder Anlaufstellen nennen.

Natürlich kann man sagen, dass ein Stream einem durch eine schwere Zeit geholfen hat. Das sollte dann aber allgemein formuliert werden. Die konkreten Details gehören in einen privaten, geschützten Rahmen. Man weiß nie, wer selbst bereits durch ein tiefes Tal gegangen ist und nicht mit solchen Erinnerungen konfrontiert werden möchte.

Niemand würde sich random in ein Kaufhaus stellen und wildfremden Menschen im Eingangsbereich erzählen, dass ein Familienmitglied gestorben ist. Online gilt dasselbe Prinzip.

Geroniax

Finde es immer merkwürdig wenn Leute das so in der Öffentlichkeit Kund tun müssen. Allerdings hat die Person Geld dafür bezahlt und da sollte man zumindest die Nachricht durchlaufen lassen. Ein einfaches “Sorry das zu hören” ist auch schnell über die Lippen gebracht.

T4nnenhirsch
Dieser Kommentar wurde ausgeblendet, weil er nicht zu den Kommentar-Richtlinien passt.
Akuma

Hast du dich irgendwie vertan? 😅

rockstar0612

Tatsächlich ist das nen Meme von Drachenlord, der genau so auf eine gleiche Nachricht reagiert hat, deshalb passte das ganz gut 😀

T4nnenhirsch

Was versprechen sich die Leute davon, ihr “Leid” vor tausenden Zuschauern vorlesen zu lassen ? 😐 …und dafür auch noch zu bezahlen.

Leya

Ich glaube, in dem Fall ging es eher darum, sich zu bedanken, weil ihm die Streams in dieser Zeit Freude gebracht haben. Der Großteil der Nachricht drehte sich ja darum, zu sagen, dass ihm das geholfen hat. Der Grund war eben der verstorbene Großvater. 

6
0
Sag uns Deine Meinungx