Mecker Mittwoch: WildStars langsames Dahinsiechen

Einen schönen Mittwochmittag, oder wann auch immer ihr Euch hier einfindet, um die wöchentliche Portion Frust zu inhalieren. Heute will ich mich noch einmal mit WildStar beschäftigen – vermutlich und hoffentlich zum letzten Mal. Ein kleines bisschen Trauerbewältigung, noch vor dem eigentlichen Todesfall. Klingt ein bisschen makaber. Aber wisst Ihr was? Ist mir egal.

Schöne Erinnerungen ohne Zukunft

WildStar ist für mich wie ein geliebtes Haustier, das einem schnell ans Herz gewachsen ist. Während die Anfangszeit schön war, kam es dann zu grausamen Zwischenfällen – erst verliert der Hund ein Bein, später das Augenlicht und ganz langsam dämmert die Erkenntnis, dass man das Leid des Tiers nur noch verlängert, wenn man es nicht einschläfert.

WildStar BarGenau so fühlt sich WildStar an. Wenn ich das große blaue „W“-Icon auf meinem Desktop anstarre, dann wird mir das Herz schwer – und das ist mehr als nur eine blöde Floskel, um diesen Beitrag hier zu füllen. Ich denke an die vielen schönen Stunden im RP mit meiner Aurin-Matria zurück, an die Abende in der Taverne, an die legendäre „Miss Nexus“-Wahl und an Sommerfeste.

Ich denke an meine ersten Instanzbesuche, in denen wir gnadenlos von den Trashmobs in den Boden gestampft wurden. Ich denke an die vielen Geheimnisse, die ich mit Leidenschaft gesucht habe, um die Eldan und Drusera endlich zu verstehen. Und ich denke daran zurück, wie wir uns gegenseitig die tollsten Housingprojekte präsentiert haben. WildStar war das letzte große Spiel, dass es geschafft hat, meinen „Kernfreundeskreis“ aus dem Cyberspace noch einmal zusammenzuführen.

Und immer wieder das RP. Ich vermisse es. Aber es wird nicht wiederkommen.

Was noch geblieben ist – Ein Scherbenhaufen

Heute schaue ich auf WildStar… und es ist noch alles da. All die Häuser, all die Instanzen und all die Gebiete, die ich so sehr mochte. Und doch ist die Seele des Spiels schon lange fort. WildStar ohne „DevSpeak“, ohne Stefan Frost, ohne Tony Rey und vor allem ohne all die Spieler ist nur noch eine leere Hülle. Eine Hülle, der man jetzt auch noch die Zukunft nahm, indem man einfach 1/3 aller Entwickler entlassen hat.

Und auch wenn Chad Moore, den ich für die Lore des Spiels ohnehin vergöttere, jetzt noch sagt, dass man sich „neu ordnen müsse und dann weiter am Spiel arbeite und neuen Content produziere“, so lesen sich diese Worte nicht mehr überzeugend. Das Spiel erscheint nicht mehr in China. Klar, der Release auf Steam steht noch an, aber das ist in meinen Augen auch nur noch eine Formalität, die vermutlich längst in irgendwelchen Verträgen festgehalten ist.

WildStar Christmas Protostar

Der Letzte, der noch grinst.

Was jetzt noch von diesem Spiel übrig ist, lässt mich fast weinen.

Ja, meckert ruhig rum, dass so eine Kolumne das Ganze doch nur noch weiter verschlimmert. Das stimmt schlicht nicht und ich glaube, eigentlich wisst Ihr das auch. Ich behalte WildStar mit vielen Momenten in sehr guter Erinnerung, aber ich wünsche mir, dass es endlich dahin verschwindet – in die Vergangenheit. Denn eine Zukunft hat das Spiel nicht mehr.

Autor(in)
Deine Meinung?
Level Up (0) Kommentieren (63)
Passwort vergessen

Bitte gib Deinen Benutzernamen oder Deine Email-Adresse ein. Du erhälst einen Link, um ein neues Passwort per Email zu erstellen.