Mecker Mittwoch: Machen wir den Weg zur Belohnung so eklig, dass die Spieler sie lieber kaufen

Diese Woche schmeckt Cortyn nicht, was man in Vollpreistiteln alles kaufen kann. Wenn man eine Belohnung kauft, ist das dann noch eine “Belohnung”?

Kommen wir direkt zum wichtigen Teil. Ich mag aktuell nicht, wie sich der Spielemarkt entwickelt, zumindest im Bereich der Multiplayer-Titel. Immer mehr Games setzen nur noch auf brachiale, schnelle Action ohne erzählerische Tiefe. Partien haben nur noch 5-10 Minuten Dauer und wirkliche Belohnungen für “treue Spieler”, die viel Zeit investieren, kann man sich im Regelfall mit einer gut gefüllten Geldbörse einfach dazukaufen.

Hots Li Ming Blastwave
Alles wird kürzer, schneller, wilder. Oder werden wir nur alt?

Wo Geld fließen soll, wird der Spaß gedrosselt

Der größte Aspekt, der mich ungeheuer stört, sind die Mikrotransaktionen. Damit meine ich ausdrücklich keine Free2Play-Spiele, denn die müssen ihr Geld irgendwie einnehmen und das sehe ich ja auch ein. Nein, wo mich das wirklich massiv stört, ist bei den Vollpreistiteln, selbst wenn es nur sogenannte “Convenience”-Items sind. Für mich hat das “damals” den spürbaren Anfang in Mass Effect 3 gemacht, als man sich im Multiplayer – der, so ganz nebenbei, unheimlich gut war – Belohnungskisten für echtes Geld kaufen konnte, die man sich ansonsten über lange, schwere Partien erspielen musste.

Hierbei müssen die Entwickler eine ziemliche Gratwanderung hinlegen, denn auf der einen Seite muss sichergestellt werden, dass alle Spieler irgendwie an die Belohnungen rankommen können, auf der anderen Seite muss das aber so unbequem und langwierig sein, dass ein großer Teil der Spieler sagt. “Ach, da leg ich lieber noch mal 20 Euro auf den Tisch.” Und genau das ist eine Philosophie, die für mich im krassen Gegensatz zu dem steht, was Spiele eigentlich ausmachen sollten: der Spaß.

Mass Effect 3 Banshee Asari
Besonders das Ende von Mass Effect 3 ärgerte viele Spieler – dabei wurden ihnen niemals 16 Enden versprochen.

Denn sind wir mal für einen Moment ehrlich, legen die Hand aufs virtuelle Herz und sprechen Klartext. Wenn das Spiel uns dazu verleiten will, Dinge zu kaufen, die man auch durch bloßes Spielen erlangen könnte, dann ist der Gedanke dahinter: “Mach es so ätzend wie möglich, dann sitzt das Geld lockerer.”

Genau dieser kleine Punkt stört mich ungeheuerlich. Ich will das nicht einmal den Entwicklern in die Schuhe schieben, denn es macht wohl niemandem große Freude, ein Spiel zu entwickeln, das Spaß bringen soll, um es dann künstlich so zu beschneiden, dass der Spaß an bestimmten Stellen fehlt und nur durch dicke Dollarzeichen hervorgeholt werden kann.

Dieser Trend setzt sich immer weiter fort. Selbst aktuellere Titel wie Overwatch denken über so ein System nach, was meine ursprüngliche Freude an solchen Spielen direkt schmälert.

Oder um mal wieder mit dem Kabarettisten Jochen Malmsheimer abzuschließen: “Früher war nichts besser. Aber früher gab es Dinge, die waren gut. Und sie wären es noch heute, wenn man die Finger davon gelassen hätte.”

Wie seht Ihr das Ganze? Machen Euch diese Dinge nichts aus? Oder habt Ihr Euch im Gamingalltag längst damit abgefunden, dass es “nur so geht”?

P.S: Wenn Ihr ein Thema habt, das sich für den Mecker Mittwoch eignet, lasst es mich wissen. Ich reg’ mich gerne mal auf. Dann muss ich das nicht immer an Schuhmann auslassen.

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Fain McConner

Ich habe noch nie einen einzigen Cent i einem Itemshop gelassen und jedes Spiel das zusätzlich zum Abo auch noch ein ftP-System eingeführt haben sofort beendet. Dass irgendwie die Kohle reinkommen muss ist schließlich klar, und dass ein Spiel auf Dauer vernünftig durch nicht spielrelevante Items finanzierbar ist halte ich für ein Marketing-Märchen. Zumal ich als Rollenspieler durchaus auch Aussehens-Items als spielrelevant betrachte.
Und ein Abo-Spiel mit angehängtem ftP-System ist doch irgendwie so wie für Pay-TV zu zahlen und trotzdem die Werbeblocks genießen dürfen. Nein Danke.

Hopeless

Ganz schwieriges Thema für mich.
Ich spiele seit dem C64 exzessiv Computerspiele und bin den Mikrotransaktionen mit großem Unglauben und Abscheu begegnet.
Bei Lotro habe ich gelernt, dass es dann doch auch ein faires f2p geben kann – und schließlich alle Geld verdienen wollen. Seitdem kann ich zB auch auf dem Handy mal ohne mich zu ärgern ein paat Euro hergeben. Aber nur für mehr Inhalt, nicht für das Überspringen von Inhalten!
Bei Vollpreistiteln hört es bei mir aber definitiv auf! Dort muss alles mit Spielspaß in sinnvoller Zeit erspielbar sein, sonst hat es seinen Sinn verfehlt und ich reg mich mindestens so auf wie Cortyn.
Und ja. Ich werde alt 😀

Psyclon

Kommt darauf an, ob es sich um mittelmäßig wichtige Dinge handelt, etwa Inventarslots. Dafür zu farmen ist für viele eher als Nebenaufgabe anzusehen. Stellt Euch vor, man müsse bei FF14 neben dem eh schon langweiligen Quests noch Inventarslots farmen müssen. Da gibt man doch eher Geld in der MogStation aus.

Ingame-Dinge erkaufe ich mir nur, wenn sie entweder ganz offensichtlich nur käuflich zu erweben sind (etwa Kostüme) oder als schwer erfarmbar aber trivial angesehen werden (die Farbe “Schwarz” (Shadow Abyss) in GuildWars2). Da ich nur schwarz trage und ich die “kostenlosen” Farben satt habe steckte ich mal eben 35 EUR in das Spiel, damit ich von Anfang an “meine” Farbe tragen. Hätte auch Farmen können, aber da hätte ich sie heute noch nicht.

Ansonsten aber nicht, ganz im Gegenteil. Ich genieße die Spiele, die ich spiele wie eine Zigarre. Dafür spiele ich ja.

mmogli

Ich finds toll:-) jetzt noch 5 Euro pro 5 lvl ..dann spart man Zeit..und man ist rucki zucki lvl 50 oder 110 !Jeder kann entscheiden wie er es gern möchte….schnell schnell oder laaaaaaangsam 😉

Larira

Genau! Man bezahlt Geld für ein Spiel und zahlt dann noch mehr um es nicht zu spielen sondern zu überspringen. Geilschde Logik ever. 😀

Grüße

mmogli

Du bist aber schneller im End lvl 🙂 gibt bestimmt welche die zahlen dafür.
Oder willst du echt laaaaangsam den höchsten lvl erreichen tzttzztzz.Und 5 Euro pro 5 lvl ist nicht viel…schau mal was neue Kostüme im BDShop kosten .

dh

Ich finde, man sollte klar zwischen kaufbaren und erspielbaren Prämien distanzieren. Dadurch dass man sie auch kaufen kann werden die Prämien und Objekte mMn entwertet.
Im Bezug auf das Bild ME3 hat ein sehr offenes Ende, wenn man die Indoktrinationstheorie anwendet kann man sich ohne Probleme ein eigenes Ende erstellen.

Fly

Ich sag mal so: Ich bin mit dem Gameboy der ersten Generation und einem SNES aufgewachsen. Von daher hab ich seit jeher eine Abneigung gegen Mikrotransaktionen. DLC’s seh ich auch kritisch, da kommts dann auf den Umfang an, aber das ist ein anderes Thema.

Da greif ich direkt dein Beispiel mit ME3 auf – der MP war wirklich gut! Ich hab da nie einen müden Cent reingesteckt, sicherlich hab ich mal kurz mit dem Gedanken gespielt (Ich sehe dich an, Kroganer-Soldat!), aber dann dachte ich auch gleich “Wie wahrscheinlich ist es, bei der Masse an möglichen Charakteren jetzt tatsächlich genau diesen Kroganer zu bekommen? Und selbst wenn, wirklich verdient ist es dann nicht.” und damit hatte sich der Gedanke erledigt. Und so ging’s mir eigentlich immer, auch die Battlepacks bei BF4. Warum soll ich etwas kaufen, was ich eh nebenbei durchs spielen bekomme? Das verfehlt für mich den Sinn eines Spiels.

Schlussendlich ist das aber auch wie so vieles eine sehr subjektive Sache. Hätte ich mir zB direkt (um bei Battlefield zu bleiben) ein Sniper-Shortcut gekauft – also eine Freischaltung aller Sniper-Gewehre – wäre das kein Vergleich dazu, sie mir selbst verdient zu haben. So weiß ich: Ich hab alle Gewehre sofort getestet wenn ich ein neues freigeschalten habe. Ich habe dadurch auch gelernt besser zu snipern. Spaß dabei gehabt, zu sehen wie ich mich Stück für Stück verbessere. Hätte ich dafür 5EUR (oder so) ausgegeben, hätte ich mich selbst um Spielzeit, Spielspaß, in diesem Fall den Lerneffekt und der Freude über jeden neuen Rang gebracht.
Wer sich daran nicht erfreut, oder nur sehr wenig, der greift vermutlich auch eher zum Shortcut.

(Bei ME3 hatte ich das Glück nach sehr wenigen Paketen den Geth-Titanen zu bekommen, ab da an war so gut wie alles ein Witz – den konnte man nicht Instant töten :P)

SP1ELER01

Was mir grad spontan einfällt ist devil may cry. Man kann / konnte sich (auf der alten version) Skins dazu kaufen. Früher musste man noch viel Zeit und mehrere spielabschlüsse investieren, wurde dann aber mit eben diesen Skins belohnt. Was für mich einen Anreiz darstellte. Aber heute gibts sowas entweder garnicht mehr oder man bekommt nur “hässliche” Skins, die ansehnlichen gibts dann im store….
Somit verdienen die an mir kein Geld und liefern mir keinen guten Grund, mich nochmal und nochmal und nochmal daran zu setzen…
[Bezogen auf vollpreis singleplayer games ]

Jadawin

Mir angefangen sauer aufzustossen hat das bei CoD als die Prestige Ränge eingeführt wurden. Plötzlich mussten alle Leute irgendwelche Spielmodi spielen in denen sie schnell Punkte bekamen. Egal ob sie die Modi mochten oder nicht. Bis dahin war das so, dass wir private Lobbys gemacht hatten wenn alle ihre Sachen erspielt hatten. Und dann wurde ohne Rangliste gespielt und alle hatten Spass. Angefangen damals bei Socom auf der PS2 und Ghost Recon auf der Ur-Xbox. Da war die Zockerwelt noch in Ordnung

Joss

Ich schrieb hier ja schon einiges darüber. Wir werden immer mehr konditioniert, Spiele nicht mehr als egalitären Raum wahrzunehmen, sondern als Mix aus Spiele- und Shopping-Zone. Dabei sollte doch z.B. ein Rollenspiel gerade ein eskapistischer Ort sein, wo man dem Markt, der Konkurrenz und seinen Erfordernissen (Leistungs- und Verwertungsdruck) spielerisch entkommen kann. Wo man seine Mitspieler nicht nach Wertigkeiten taxiert, sondern in ihrer Person und den charakterlichen Eigenschaften nach schätzt und genießt.

Je mehr die Marktkonkurrenz aber in die Spiele hineinwandert, desto weniger leisten sie noch das, was Spiele leisten sollen: Ein Erholungs- und Vergnügungsraum zu sein. Spiele setzen Spieler und Spieler setzen sich untereinander heute immer mehr unter Druck und Stress, als ginge es darum hier etwas zu kompensieren, was man anderswo in Form von Status und Anerkennung nicht mehr erlangen kann. Darum eskalieren heute die spielerischen Konkurrenzen auch so schnell, sind so enorm mit Erwartungen aufgeladen, die über das eigentliche Vergnügen am gemeinsamen Spiel hinausgehen. Parallel dazu verläuft der Prozess, Spieler mit künstlich stilisierter Anerkennung zu prämieren, ihnen immer wieder durch Achievements ein Signal zu kommunizieren, dass sie gerade etwas erreichen und durch den Vergleich solcher Achievements ein Ranking zu ermöglichen, wer am Ende mehr und besser gespielt hat. Die intrinsischen Motivationen treten zurück. Extrinsische Motivation lässt aber nicht nur innere Antriebe verkümmern, sondern schafft auch eine Abhängigkeit. Spiele werden nun weniger gespielt als gesammelt (nichts verpassen dürfen, dranbleiben müssen) und es wird vermehrt darüber gesprochen und geschrieben als gespielt (kaum noch Zeit [das alles] zu spielen).

Für die Industrie sind das verbesserte Absatzbedingungen im Unterschied zu Spielen, die über Monate und Jahre hinweg bespielt und kreativ ausgedeutet werden.

Koronus

Das geht schon in der Volksschule los wo die Sieger den Verlierern das ordentlich reinwürgen. Ansonsten was mir da noch auffällt wo man sich allerdings nicht wirklich beklagen kann, warum kann man einige legendäre Pokémon nur über Items von Events bekommen wenn das Pokémon schon längst auf dem Modul ist?

Liktor

Im Endeffekt wird ein spiel was dies macht zu einem Pay 2 Win Game. Ein Spiel welches absichtlich seine Quests o.ä. so beschissen schwer/langweilig etc macht und wo man dann die gleichen Belohnungen mit Cash kaufen kann ist ein Pay to Win. Meiner Ansicht nach sollte man nichts kaufen können, was nicht einfahc nur eine Grafische aufhübschung seines Charakters ist das einzige wo ich noch drüber weg sehe sind EP boosts solange es sich nicht um ein Wettbewerbsspiel handelt. Ansonsten ein Lob an Cortyn für diesen Artikel.

Chris Utirons

Ich mag sowas gar nicht, da wie schon geschrieben der Inhalt absichtlich verändert wird um Geld einzunehmen, das kann für und Gamer nur schlecht sein.

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