Beim Kampf gegen Cheats reicht es für Activision nicht aus, nur auf Schummler zu schauen, denn sie kämpfen gegen ein Milliarden-Ökosystem.
Was sagt Activision? Das Anti-Cheat-Team von Activision und Call of Duty hat in einem Blog-Post über den Cheat- Markt gesprochen. In dem Blog-Post erklärt Activision, dass eine Analyse des Cybersicherheitsunternehmens Intorqa – das auf Bedrohungsaufklärung für die Gaming-Industrie spezialisiert ist – ergeben habe, dass jedes Jahr schätzungsweise 3,5 Milliarden US-Dollar durch Cheat-Abonnements generiert werden. Nehme man Services wie Account-Sales, Boosting und Spoofing hinzu, steige die Zahl auf 8,5 Milliarden pro Jahr.
Dieser Markt bestehe aber nicht nur aus Cheat-Entwicklern, die ihre Produkte dann selbst verkaufen, meint Activision. Es sei ein vielschichtiger Marktplatz mit Resellern, Abonnements, Spoofing-Tools, illegalen Accounts und Cheat-Reskins entstanden. Deshalb reiche es auch nicht aus, nur auf die schummelnden Spieler zu schauen. Stattdessen müsse man das ganze Ökosystem dahinter verstehen.
Das Milliardengeschäft: Mehr als nur Cheats
So ist der riesige Cheat-Markt laut Activision aufgebaut: Activision spricht von einer Art Marktplatz-Pyramide, an deren Spitze die Cheat-Hersteller sitzen. Darunter kommen die primären Händler, gefolgt von direkten und dann von indirekten Resellern.
Viele von den Cheat-Entwicklern sollen hinter Zwischenhändlern und Resellern agieren und sich von den Kunden abschirmen, um sich beispielsweise vor der Entlarvung zu schützen. Die primären Händler bringen dann die Produkte auf den Markt.
Der Markt selbst bestehe laut Activision aus drei großen Säulen:
- Cheats
- Accounts
- Vermeidung von Strafen
Die Kategorie „Cheats“ ist dabei natürlich selbsterklärend. Activision zählt hier neben klassischen Cheats wie Aimbots und Wallhacks auch Cheating-Hardware wie Cronus, XIM und Titan hinzu. Bei der Säule „Accounts“ geht es darum, dass Spieler, deren Konto wegen Cheatings gebannt wurde, einen neuen Account benötigen. Hier sei ein Markt rund um gestohlene und alte Konten sowie Accounts, die für Ranked-Modi bereit sind, entstanden.
Bei der dritten Säule, der „Vermeidung“, handle es sich um Tools, die dabei helfen, Strafen zu vermeiden oder beispielsweise nach einem Hardware-Bann wieder spielen (und Cheats erwerben/nutzen) zu können.
Lügen, Exit-Scams und Datendiebstahl
So „ehrlich“ sind Cheat-Anbieter zu ihren Kunden: In dem Blog-Post führt Activision aus, dass sie 375 Reseller-Operationen unterbrochen sowie 80 Unterlassungserklärungen ausgesprochen haben. Außerdem habe Activision geholfen, 31 primäre Cheat-Händler zu schließen. Die eingeleiteten rechtlichen Schritte würden dabei auf die Einnahmen, Zahlungswege und Geschäftsbeziehungen zielen, erklärt Activision, damit es schwieriger sei, das Cheating-Geschäft aufrechtzuerhalten.
Spieler würden diese Schritte merken, wenn Cheat-Hersteller offline sind oder Schummler plötzlich nicht mehr in ein Match kommen. Wie das Unternehmen in dem Blog-Post beschreibt, würden Cheat-Anbieter jedoch auf Social Media den Anschein erwecken, der Betrieb laufe stabil, und man habe sogar beobachtet, wie sie monatelange Ausfallzeiten mit einer Grippe, einer Operation oder einem Autounfall erklären, statt einzuräumen, dass die Produkte entdeckt wurden.
Insgesamt basiere das ganze System auf Fehlinformationen. So sei etwa die Annahme falsch, dass es eine große Auswahl an verschiedenen Produkten (Cheats) gibt. „Viele Entwickler verkaufen dieselben Cheats unter verschiedenen Namen“, schreibt Activision und führt aus:
Reseller können Quellcode kaufen, wiederverwenden, modifizieren oder stehlen und ihn dann unter einer neuen Marke neu verpacken. Derselbe Cheat kann gleichzeitig unter mehreren Markennamen auftauchen, und Verkäufer profitieren von dieser Verwirrung, da sie dazu beiträgt, dass entdeckte Produkte länger bestehen bleiben, Communitys, die über Sperren diskutieren, gespalten werden und der Anschein von Innovation entsteht, wo es eigentlich kaum welche gibt.
Ebenso komme es vor, dass Händler nach dem Einzug von Zahlungen im Rahmen sogenannter „Exit-Scams“ verschwinden. Ebenso sei Daten-Diebstahl ein großes Thema: Cheat-Anbieter sammeln durch Anmelde-Optionen, Account-Verifizierung und die seitens der Schummler bereitwillige Deaktivierung von Sicherheitsvorkehrungen private Informationen, IP-Adressen, Hardware-Infos, verlinkte Accounts (Discord), E-Mail-Adressen, Zahlungs-Details etc. Einige Cheat-Entwickler würden zudem Malware in ihre Produkte einbetten, schreibt Activision.
Im Oktober bringt Activision mit Modern Warfare 4 den neusten Teil der „Call of Duty“-Reihe heraus. Neben dem Multiplayer und der alljährlichen Warzone-Implementierung wird es dieses Jahr eine Neuauflage des COD-Extraction-Shooters „DMZ“ geben – und der Modus könnte sogar Potenzial haben: DMZ könnte in Modern Warfare 4 ein echter Konkurrent für ARC Raiders und Co. sein – Ein paar Neuerungen klingen richtig stark
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