Ich gebe mir jede Woche die neue Folge House of the Dragon, aber Rhaenyra Targaryen und ihre Regentschaft kommen einfach nicht aus den Puschen. Für mehr Ritter-Content in meinem Leben habe ich mir letztens das Kaltenberger Ritterturnier angesehen. Und dieses Jahr ging es auch hier um eine schwarze Königin und die Thronfolge – allerdings in Bayern!
Ich kann nicht sagen, wann es bei mir angefangen hat, aber Ritter, Pferde, Schwertkämpfe und natürlich Drachen sind ein paar meiner allerliebsten Dinge. Vielleicht ist die Playmobil-Ritterburg von anno dazumal schuld. Aktuell hole ich mir meine wöchentliche Dosis davon bei House of the Dragon. Leider kommt Rhaenyra gerade aber nicht so ganz in die Puschen mit dem Gewinnen ihres Krieges.
Also habe ich mir zusammen mit zwei ähnlich enthusiastischen Freundinnen einen Abend auf dem Kaltenberger Ritterturnier gegönnt. Insgesamt war der Ausflug wirklich exzellent: das Essen lecker, der Met trotz des warmen Wetters schön kühl und das Ambiente ein schönes Crossover zwischen Mittelalter und Fantasy-Markt. Das Turnier selbst hatte geniale Stunts und tolle Reiterei. Die Story allerdings war etwas sehr klamaukig und hat an manchen Stellen keinen Sinn ergeben – dabei ging es um die Zukunft meines Heimatbundeslandes Bayern! Verdammt viel Spaß hatte ich trotzdem.
Was ist das Kaltenberger Ritterturnier?
Das Kaltenberger Ritterturnier ist eine seit 1980 stattfindende Veranstaltung auf dem Gelände des Schlosses Kaltenberg im bayrischen Landkreis Landsberg am Lech. Die ursprüngliche Idee stammt von Prinz Luitpold von Bayern, der sich von einem historischen Kampf im Burggraben des Tower of London inspirieren ließ. 2013 übernahm sein Sohn Heinrich die Geschäfte.
Das Turnier findet jährlich an vier Wochenenden in den Sommermonaten statt. Auf dem Gelände gibt es mehrere Bühnen mit Unterhaltungskunst, Lehrstätten über das Leben im Mittelalter, Marktstände, Essen sowie Getränke. Neben dem großen Umzug ist das zweistündige Turnier der Höhepunkt der Veranstaltung mit Schwertkämpfen und Pferde-Stunts.
Eine schwarze Königin mit erhöhtem Body-Count & epische Stunts
Der wichtigste Teil des ganzen Freitagabends war das namensgebende Kaltenberger Ritterturnier. Zwei Stunden lang geben sich die Teilnehmer hier gegenseitig mächtig auf die Rübe, mit Schwert und Schild. Aber die beste Unterhaltung bieten die Stunts zu Pferde.
Mal hängen die Ritter an der Seite ihrer Pferde, mal stehen sie im vollen Galopp auf dem Sattel. Das Coolste war aber das tatsächliche Turnier am Ende der Vorstellung: Mit Lanze und Schild bewehrt reiten die Teilnehmer aufeinander zu und heben sich gegenseitig gekonnt aus dem Sattel.
Das eine ist, dass die Reiter nicht (ungewollt) aus dem Sattel fallen. Das andere, dass die Pferde unglaublich präzise und konzentriert galoppieren. Ich habe mich ein ums andere Mal gefragt, ob sie nicht vielleicht in die Bande oder die wartenden Helfer am Ende der Arena laufen. Aber ich kann vermelden, dass es zumindest aus Zuschauersicht keinerlei Unfälle oder Patzer gab und niemand echtes Blut vergoss.
Natürlich ist aber auch die Schwert-Action zu Fuß nicht zu verachten: Die Hauptdarsteller haben alle geniale Showkämpfe gezeigt und sind – wenn benötigt – auch richtig episch gestorben.
Optisch war das Turnier also ein absolut episches Spektakel. Das ist es, was ich mir von Serien wie etwa House of the Dragon oder A Knight of the Seven Kingdoms wünsche – epische Action. Auch wenn ich weiß, dass die Set-up-Episoden wichtig sind für den allgemeinen Plot.


Wenn wir aber gerade von Plot sprechen: Der war bei diesem Turnier ein wenig wirr. Die grobe Storyline sah so aus:
Königin Magdalene von Bayern, gekleidet ganz in Schwarz, will alleine herrschen. Dafür stößt sie ihren eigenen Ehemann, den König, und die geliebte Prinzessin ihres treuesten Ritters vom Balkon. Viele Jahre später ist der Sohn von Ritter und Prinzessin – genannt Albrecht – erwachsen und lässt sich von der Königin zum Ritter schlagen.
Schon bei seinem ersten Auftrag, die Steuer in einem Bauerndorf einzutreiben, gibt es für Albrecht aber ein böses Erwachen: Magdalene ist keine besonders gute Herrscherin und sein Vater, der schwarze Ritter, ist der meistgehasste Mann im Land. Gemeinsam mit der Ritterprinzessin aus dem Nordreich verbündet er sich gegen Magdalene und sie rufen ein Turnier aus, in dem es um die Zukunft des Reiches gehen soll.
Soweit so gut.
Aber mir als Story-Connaisseurin sind immer wieder Ungereimtheiten aufgefallen: Erst wurden fünf Reiche genannt, dann waren es aber nur noch vier. Frankreich macht sein eigenes Ding, ist aber doch irgendwie relevant – französische Prinzessin und so. Irgendwie scheint Magdalene Albrecht auch adoptiert zu haben, weil er am Ende die Königskrone bekommt, obwohl er ja gar nicht mit ihr verwandt oder verschwägert ist.
Ich habe schlussendlich beschlossen, nicht zu sehr über die Lore hinter dem diesjährigen Plot nachzudenken. Da lobe ich mir dann doch House of the Dragon, da sind die Familienverhältnisse und die Geografie zumindest für uns Zuschauer sehr klar.
Aber um die Geschichte geht es beim Kaltenberger Ritterturnier natürlich nicht wirklich. Sondern eben um die coolen Stunts, die Pferde, die Schwertkämpfe und natürlich die Lanzen-Action im großen Finale des Konflikts der Reiche. Und die sind exzellent gelungen. Außerdem ist es ja was ganz anderes, in einer Arena zu sitzen und live Rittern beim Lanzenstechen zuzusehen, als gegen Drachen im Fernseher.
Lecker, lehrreich & lebensfroh – Kaltenberg ist mehr als nur ein Turnier
Neben dem Turnier gibt es aber auch einen großen Mittelalter- und Fantasy-Markt sowie mehrere Bühnen mit Bands und Showacts. Tatsächlich haben wir von den Künstlern außerhalb des Turniers aus Zeitgründen wenig mitbekommen.
Dafür haben wir uns aber eingehend mit den Marktständen beschäftigt: Es gab Stände mit ledergebundenen Notizbüchern, Schmuck, mittelalterlicher Bekleidung und natürlich auch Schwertern. Daneben haben wir die diversen Essensstände begutachtet – von Spinatknödeln über Schupfnudeln mit Sauerkraut bis zu Kässpatzen war alles mit dabei.
Getränkemäßig war auch alles vertreten: an Saftschorlen, Bier, Wein und natürlich auch Met. Wir haben einen Rosen-Federweißer probiert, einen jungen Wein mit Rosengeschmack. Ich war kein großer Fan, einer meiner Begleiterinnen hat er aber sehr imponiert.
Meiner zweiten Begleitung wiederum haben die tatsächlichen Reenactment-Darstellungen sehr gefallen: Es gibt auf dem Gelände einige fest installierte Häuser, die verschiedene Perioden des Mittelalters darstellen. Das ist zum einen spannend, weil man sehen kann, wie sich die Behausungen der Menschen über die Jahrhunderte verändert haben. Zum anderen gab es in besagten Häusern immer Menschen in entsprechender Gewandung, die ein Handwerk vorführten und viel über die aktuelle Location erzählen konnten.
Wenn man aber gerade kein Auge auf einen Stand werfen möchte, hat man trotzdem immer viel zu sehen. Ein Großteil der Besucher ist selbst in mehr oder weniger elaborierter Gewandung unterwegs. Die für Kaltenberg angeheuerten Darsteller wandern teils in voller Plattenrüstung über das Gelände.
Alles in allem bietet das Kaltenberger Ritterturnier einen spannenden Mix aus unterhaltsamen sowie lehrreichen Inhalten.




Für alle Altersgruppen zum stolzen Preis
Der Event scheint übrigens auch sehr kinderfreundlich. Vor allem das Turnier ist auch mit jüngeren Zuschauern im Hinterkopf mehr auf Spannung, Effekte und Unterhaltung ausgelegt – nicht auf blutrünstige Action. Wir hatten selbst keine Nachwuchsritter mit am Start, haben aber natürlich die große Menge an anwesenden Kindern aller Altersgruppen mitbekommen.
Dieser Besuch war für mich der erste in 20 Jahren. Mit 13 fand ich Kaltenberg schon unglaublich spannend. Mit fast 33 bin ich immer noch gleichermaßen verzaubert. Ich weiß nicht, ob ich mir das Turnier noch einmal in der Arena mit Sitzplatz ansehen müsste – es war zwar sehr toll, geht aber auch ins Geld:
Für den Freitagabend mit gutem Arenasitzplatz haben wir pro Ticket knapp 70 Euro auf den Tisch gelegt. Stehplätze oben am Arenarand gibt es immerhin für ab 34,90 Euro. Kindertickets sind sonntags auch um 30 % ermäßigt. Für das letzte Turnier-Wochenende 2026 vom 24. bis 26. Juli gibt es auch noch Karten über den offiziellen Ticket-Shop.
Wenn es sich zeitlich ergibt, bin ich auch 2027 gerne wieder in Kaltenberg mit am Start. Dann aber eben vermutlich ohne das Turnier. Mich freut auch besonders, dass es das Ritterturnier jedes Jahr wieder gibt. Das ist mit meinem anderen zuletzt besuchten Event ganz anders – das war zumindest fürs Erste eine einmalige Sache: Critical Role in Berlin war so gut, dass sogar D&D-Noobs richtig Spaß haben konnten
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