Heroes of the Storm: Blizzards Resterampe oder ein All-Star-Team?

Ich habe mich in den letzten Wochen ausgiebig mit Heroes of the Storm beschäftigt und schon jede Menge Stunden im Spiel verbracht. Da ich meinen Eindruck aus der Closed-Beta von HotS ungefiltert vermitteln möchte, habe ich mir während des Zockens Notizen gemacht. Ich wollte kein Gesamtkunstwerk zaubern, das Kanten in irgendeiner Art und Weise abrundet.

Die vielen Impressionen, die während der Zeit auf mich niederprasselten, sind rein subjektiv. Außerdem ziehe ich an vielen Stellen parallelen zu anderen MOBAs, mit denen ich vertraut bin. Viel Spaß.

Womit fange ich an? Einführung in ein Casual-MOBA?

Ich könnte jetzt klassisch mit dem Tutorial anfangen und über die Spieleinführung berichten, aber wenn wir mal ehrlich sind: Wen interessiert‘s? Tutorials sind oft überflüssiger als die GEZ und dabei weniger einfallsreich.HotS Screenshots 1

Ich habe zwar das Heroes of the Storm Tutorial durchlaufen, weil ich dachte, ich würde später bei meinem Artikel einen netten Einstieg finden, aber das war eine Schnapsidee. Jeder, der egal welches MOBA zuvor gespielt hat, kann sich die 10 Minuten sparen. Das übliche Bla und „Lauf hier und dahin.“ Dies ist aber keine Kritik am Spiel: Da Heroes of the Storm den Casual- und Neueinsteiger-Markt der MOBAs erobern möchte, ist das Tutorial natürlich unabdingbar. Ich brauch‘s aber nicht.

Ich bin Pro! Egal, erst mal ne Runde gegen Bots

Jetzt hab ich einen Absatz über Tutorials geschimpft, weil ich ja schon so viel Erfahrung in Sachen MOBAs habe und dann mach ich als erstes ein Bot-Game. Welch Ironie. Trotzdem kann ich behaupten, dass ich so gut wie alle auf dem Markt befindlichen MOBAs einmal angezockt habe. Egal ob Dota 2, Heroes of Newerth, Smite usw. Letzten Endes bin ich immer wieder zu meinem vertrauten League of Legends zurückgekehrt, das ich schon so viele Jahre zocke. Liegt zum einen daran, dass fast alle meine Freunde in diesem Spiel vertreten sind, zum anderen hat mir Riots Interpretation von einem MOBA bis jetzt am besten gefallen.

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Also gut. Trotz meiner MOBA Erfahrungen und genau deswegen wollte ich als erstes ein Bot-Game bestreiten. Da ich mit Spiel- und Champion-Mechanik noch nicht vertraut war, wollte ich nicht gleich anderen ein Spiel versauen. Auch wenn das Bot-Game ein Co-Op mit richtigen Spielern war, ist es gegen Bots zu kämpfen etwa so wie mit Vanilleeis: Da kann man nix falsch machen.

Der erste Eindruck: Blizzards „The Avenger“

[pullquote]Meine Lieblings Helden vereint auf dem Schlachtfeld. Einmalig.[/pullquote]Ihr kennt bestimmt Marvels The Avengers oder aber die Action Komposition The Expendables? So oder so ähnlich war mein erster Eindruck nach Spielbeginn, der sich immer wieder bestätigt. Arthas, Illidan, Uther, Raynor und Thrall in einem Team. Wer hätte gedacht, dass Blizzards „Best of“ mal zusammen den Weg in die Schlacht finden. Dabei ist es egal, ob gut oder böse. Als Fan von Warcraft und natürlich von Blizzard selbst war die Atmosphäre natürlich ein Knaller. Meine Lieblings Helden vereint auf dem Schlachtfeld. Einmalig. Aber auch die aufwendig gestalteten Karten finde ich nach wie vor super und entdecke in jeder Runde ein neues Detail. Arbeitende Peons oder harkende Menschen-Gärtner sorgen für ein stimmiges Gesamtwerk.

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Und warum jetzt die Expendables? Der Grund liegt nahe: In Heroes of the Storm gibt es Action hoch 10. Hier wird ausnahmslos geschnetzelt, was die Abklingzeit hergibt. Egal ob beim Einnehmen von Schreinen oder Söldnerposten oder beim Sammeln von Münzen und Totenköpfen – überall herrscht Krieg unter den gegnerischen Teams. Da es nicht wirklich eine Laning-Phase gibt, aufgrund der Teamerfahrung, verteilen sich die Kämpfe über die gesamte Map und finden dort sporadisch statt.

Team? Was macht ihr? Wo läuft der denn hin?

[pullquote] Hier ist Teamwork mehr denn je gefragt.[/pullquote]Nach ein bis zwei Runden Heroes of the Storm war mir eines schnell bewusst: Hier ist Teamwork mehr denn je gefragt. Durch die verschiedenen Aufgaben der Karten, bin ich mit meinem Helden stets in Rotation. Entweder nehme ich einen Schrein ein, Kämpfe mit Söldnern im Dschungel, steure einen wandelnden Komposthaufen oder setze einzelne Lanes unter Druck. Eine wirklich feste Position hat hier niemand, ebensowenig festgelegte Aufgaben. Um das Ganze zu koordinieren, würde ich mir ein integriertes Voice-Tool wünschen, ähnlich wie bei Evolve. Kurze und knappe Calls mithilfe eines solchen Tools könnten den Spielverlauf in Sachen Organisation verbessern.

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Was ich mir zusätzlich wünschen würde, wäre ein Firmeware-Update für die Navigationssysteme der Helden. Schickt man seinen Helden über größere Distanzen, laufen diese die abenteuerlichsten Routen und Wege. Da gibt es noch Verbesserungsbedarf.

„Sh4doVV F1ght3r98 hat aber als erstes Top geschrieben“

Es gibt nichts Besseres in League of Legends, als wenn nach wenigen Sekunden in der Match-Lobby hitzige Diskussionen im Chat entfachen, wer denn jetzt auf welcher Position spielen darf. Das System in LoL und in vielen anderen MOBAs ist so, dass vor Spielbeginn alle fünf Mitspieler eines Teams in einer Lobby zusammenkommen, um die Champions auszuwählen. Hier hat es sich in LoL so eingebürgert, das der erste, der seine favorisierte Position in den Chat schreibt, den Zuspruch erhält. Ist nur doof, wenn man keinen High-Tech PC oder eine DSL Anbindung hat und verzögert der Lobby beitritt. Dann spielt man zwangsläufig das, was übrig bleibt – den Support. Und genau an dieser Stelle hat Heroes of the Storm für mich alles richtig gemacht. Wir können selbst aus freien Stücken – und ganz ohne „Hate“ – den Champion unserer Wahl spielen.

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Haben wir uns für einen Helden entschieden, klicken wir einfach auf „Spiel suchen“ und bekommen vier weitere Mitspieler mit ihrer Heldenauswahl zugeteilt. Natürlich in einer Komposition, die alle vier spielbaren Helden-Rollen abdeckt. Das funktioniert aber in der Closed-Beta noch nicht so 100 prozentig. Es passiert mir öfters, dass ich als Assassine noch 3 weitere Assassine zugeteilt bekomme und wir dann mit nur einer anderen Rolle in die Schlacht ziehen. Das nehme ich aber gerne in Kauf dafür, dass ich mir den Stress um die Helden-Auswahl spare. Des Weiteren kann ein solches System natürlich nicht perfekt funktionieren, da es Helden-Rollen gibt, die viel häufiger von den Spielern gespielt werden.

It’s a real good feeling

[pullquote] Hier bleiben selbst die DMG-Dealer länger auf den Beinen.[/pullquote]Alle MOBAs, die ich zuvor gezockt hatte, fühlten sich durchweg ähnlich an. Das Spielgefühl war einheitlich, wirkliche Unterschiede steckten neben der Grafik nur im Detail. Während meiner ersten Runde Heroes of the Storm zog ich schnell Parallelen – aber nicht zu anderen MOBAs. Die Mechaniken der einzelnen Helden, das Laufen, die Fertigkeiten und die Abläufe der Kämpfe erinnerten mich viel mehr an Warcraft III und ein bisschen an die Arenakämpfe aus World of Warcraft. Vor allem das Treffer-Feedback fühlt sich smoother an. Die Team-Kämpfe dauern länger an und sind intensiver. In anderen Games des Genres können einzelne Helden ganze Teams binnen Sekunden dem Erdboden gleich machen. Hier bleiben selbst die DMG-Dealer länger auf den Beinen.

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Die Fertigkeiten der einzelnen Helden kommen den Vorbildern sehr nahe. Zum Beispiel schießt Thrall mit einem Kettenblitzschlag rum oder haut mit „Windzorn“ den Gegnern eine aufs Ohr – so wie man das von einem Schamane und dem zur Ruhe gesetzten Chef von OG erwartet.

Auch die Tatsache, dass Fertigkeiten gegen Gebäude und Türme eingesetzt werden können, gefällt mir sehr. Warum sollte das auch nicht gehen? Alles in allem empfinde ich das Kampfsystem weitaus dynamischer und moderner. Nicht so statisch wie bei den anderen MOBA-Kollegen, mal ausgenommen von Smite.

Items? Nein Danke

In all den Spielen, die ich bis jetzt gewonnen und verlorene habe, habe ich nicht 1 Sekunde irgendwelche Items vermisst. Der Einkaufstress zur Weihnachtszeit reicht mir vollkommen. Mit steigender Stufe können verschiedene Talente für unseren Helden ausgewählt werden. Das ist genug Spezialisierung und Individualität für ein MOBA.

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Warum viele behaupten, dass es durch fehlende Items an Spieltiefe fehlt, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Ich kann mir nur vorstellen, dass das Spielsystem nicht verstanden wurde oder das Spielsystem an sich nicht gefällt. Alles andere übersteigt meinen Horizont. Zumal eine wirkliche Individualisierung bei LoL oder Dota 2 eh nicht zu Stande kommt. Grund dafür ist die Meta. Es gibt einfach Builds, die durch Verwendung das volle Potenzial eines Champions ausschöpfen. Basteln wir uns was anderes zusammen, hilft es meist nur bedingt und ist wiederum sehr situationsabhängig, außerdem gibt’s direkt nen Flame.

Da weht ein frischer Wind in Sachen Kartenmechanik

Beim Spielprinzip wurde das Rad nicht neu erfunden. Es gilt, wie auch in allen anderen MOBAs, die gegnerische Basis bzw. speziell den gegnerischen Kristall-Dings-Bums zu zerstören. Doch dank der bislang sechs verschiedenen Karten, die zufällig rotieren, ist das Ziel über weitaus mehr Wege zu erreichen. Jeder der Karten beherbergt die unterschiedlichsten Aufgaben und Mechaniken. Mal gibt es zwei oder drei Lanes, mal gibt es eine extra Karte auf der Karte, mal verwandeln wir uns in einen Komposthaufen oder Drachen-Ritter. Da hat Blizzard sich wirklich was einfallen lassen und nicht einfach eine Standard 08/15 Karte in Warcraft-Optik importiert. Und genau diese Vielzahl an Karten mit den unterschiedlichen Mechaniken, die per Zufallsprinzip auserwählt werden, sorgen nicht nur für Spieltiefe, sondern auch für einen kleinen Spannungseffekt vor jedem Rundenbeginn.

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Neben den verschiedenen Aufgaben einer Karte spielen die Söldnerposten im „Dschungel“ eine essenzielle Rolle. Verpasst man den Söldnern eine Tracht Prügel, bieten diese Unterstützung auf den einzelnen Lanes. Dadurch entstehen zusätzlich zu den Kartenaufgaben weitere Möglichkeiten ein Spiel für sich zu entscheiden.

[pullquote]…es ist bei weitem nicht einfach nur ein Casual-MOBA und für Newbies gedacht.[/pullquote]Beworben wird HotS als Casual-Moba und einsteigerfreundlich. Stimmt. Aber es ist bei weitem nicht einfach nur ein Casual-MOBA und für Newbies gedacht. Es bietet eine gewaltige Vielfalt an spielerischen Möglichkeiten. Natürlich muss man zu Beginn kein Studium für die verschiedenen Items absolvieren, wie es in Dota 2 der Fall ist, trotzdem ist es schwer zu meistern. Blizzard hat mit Heroes of the Storm jede Menge frischen Wind in das Genre gebracht, gepaart mit intuitiven Ideen, die mir in der Umsetzung wirklich gut gefallen. Ich würde mir wünschen, wenn HotS den Sprung in die eSport Szene schafft und zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für die anderen MOBA Kollegen wird.

Wenig Bugs. Viele Pestizide

Wirklich große Bugs oder Ungereimtheiten sind mir in der Closed-Beta bislang nicht aufgefallen. Natürlich fühlen sich manche Helden stärker an und manche gar unbrauchbar. Das ist eine Frage der Helden-Balance. Aber durch das einzigartige Spielprinzip, in dem der Held nicht so sehr im Mittelpunkt steht, ist das gut zu verkraften. Entscheidend ist das Team-Play. Alleine kann hier keiner ein Spiel gewinnen im Gegensatz zu anderen MOBAs.

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Das möchte auch Blizzard vermitteln und hat auf battle.net einen Blogbeitrag verfasst, in dem unter anderem steht, dass es okay ist, wenn der ein oder andere Held übermächtig (overpowered) ist. Ansonsten kann ich nur auf meinen Beitrag vergangener Tage hinweisen, in dem ich über Network-Spikes in HotS berichtet habe. Seid ihr nämlich von diesen betroffen, wird das Spiel zur Diashow.

Ingame Shop & Bezahlmodell

Zum Ingame-Shop und zum Bezahlmodell gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Bei Release wird Heroes of the Storm ein Free-2-Play Titel werden, der sich über kaufwütige „Ich brauch den Skin“-Spieler finanziert. Wir können im Shop neue Helden mit Gold und mit echtem Patta erwerben. Pro gewonnenem Spiel erhalten wir 30 Gold. Das ist nicht wirklich viel, wenn man bedenkt, dass die meisten Champions 10.000 Gold kosten. Aber dafür gibt es täglich eine Quest. Diese kann zwischen 200 und 800 Gold einbringen, je nach Aufgabe. Manchmal müssen wir drei Spiele mit einem Krieger absolvieren, manchmal zwei Spiele mit einem Starcraft-Helden.

HotS Shop Gazlowe

Kleiner Tipp am Rande: Immer, wenn wir einen Helden auf Level 5 gelevelt haben, erhalten wir 500 Gold. Das ist zwar nur begrenzt möglich, da wir irgendwann alle Helden auf mindestens Stufe 5 haben, aber gerade am Anfang ein guter Weg, um schnell an Gold zu kommen. So ein 10k Gold Held lässt sich für 9,99€ auch direkt erwerben. Was ich allerdings ganz besonders spitze am Shop finde, ist die Möglichkeit, die verschiedenen Helden mal zu testen. Das ist eine Funktion, die viele andere Spiele implementieren sollten. So kauft man nicht immer die Katze im Sack. In Heroes of the Storm ist es so, dass man den Helden in einer kleinen Arena ganz umsonst gegen einen Bot testen darf. Nix Wildes, aber ungemein hilfreich.

Fazit aus der Beta

Ein Spiel zu bewerten, das sich aktuell in der Closed Beta befindet, ist natürlich schwierig. Es kann sich schließlich noch alles ändern. Ob es mir gefällt? Ich bin leider einer der von Network Spikes geplagten Spieler. Eine Runde Heroes of the Storm sieht bei mir aus wie eine Warcraft Diashow. Auch wenn ich hart im Nehmen bin, würde ich unter diesen Umständen einen Haken an egal welches Spiel machen. Heroes of the Storm spiele ich immer noch.

Jetzt interessiere ich mich natürlich für Euren ersten Eindruck vom Spiel: Wie ergeht es Euch in der Closed Beta? Was haltet ihr von Blizzards Interpretation eines MOBAs?

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