Der Nobelpreisträger Simon Johnson ist überzeugt, dass junge Menschen sich zwischen zwei Wegen entscheiden müssen, um nicht von KI ersetzt zu werden.
Künstliche Intelligenz ist gekommen, um zu bleiben. Das gilt auch für den Arbeitsmarkt. Laut einer Studie vom MIT aus dem Jahr 2025 können KI-Systeme theoretisch die Aufgaben von rund 11,7 % der US-Arbeitskräfte übernehmen.
Insbesondere kognitive und administrative Aufgaben im Finanzwesen, in der Gesundheitsverwaltung, im Personalwesen und in der Logistik sowie juristische und buchhalterische Dienstleistungen könnten bereits jetzt gut von KI übernommen werden.
Nun hat der Nobelpreisträger und anerkannte MIT-Professor Simon Johnson erklärt, was junge Menschen tun müssten, um sicherzustellen, dass sie nicht von künstlicher Intelligenz ersetzt werden können. Dabei müssen sie laut dem 63-Jährigen eine Entscheidung für ihren Karriereweg treffen.
Wer nicht von KI ersetzt werden will, muss sich entscheiden
Was ist das für eine Entscheidung? Johnson erklärte in einem Interview mit der Financial Times, dass sich junge Menschen im Grunde für einen von zwei Karrierewegen entscheiden müssen.
- Entweder werden sie Experten in hochqualifizierten Berufen, die menschliches Urteilsvermögen erfordern
- oder sie werden Universal-Nerds, die Lebenserfahrung, Kommunikation und verschiedene Fähigkeiten kombinieren
Johnson selbst nutzt die Berufswege seiner Töchter als Beispiel. Eine seiner Töchter interessiere sich für Laborforschung. Er denkt, sie werde zwar mit KI arbeiten, aber nicht von KI ersetzt werden können. Man will in dem Feld das menschliche Urteilsvermögen, menschliche Werte und die menschliche Fähigkeit zur Kommunikation.
Seine andere Tochter beschreibt er als Generalistin. So wie die KI quasi eine Universal-Technologie sei, brauche man auch Universal-Nerds. Damit meint er Allrounder, die verschiedene Aufgaben übernehmen.
„Der Allrounder-Nerd ist jemand, der sich übers Wochenende in die neueste KI einarbeiten kann. Am Montag und Dienstag führt diese Person persönliche Interviews mit echten Menschen und gewinnt neue Erkenntnisse. Am Mittwoch liest sie ein 50 Jahre altes Buch, das noch nicht digitalisiert wurde, erfasst dessen Sinn und entwickelt eine Idee, wie man es nutzen kann. Am Donnerstag moderiert sie einen Podcast. Und am Freitag verfasst sie ein einseitiges Memo für den Minister.“
Johnson ist überzeugt, dass Personen, die ein solch breites Aufgabenspektrum abdecken, für Führungskräfte sehr attraktiv sind, weil sie „Puzzleteile zusammenfügen, Probleme lösen und der entscheidungstragenden Person schneller Lösungen liefern“ können.
„Wenn ich Führungskräfte treffe, die sagen: ‚Diese KI ist überwältigend. Ich weiß, dass sie alles verändern wird, aber ich habe einfach keine Zeit, mitzuhalten’, dann sage ich ihnen: ‚Sie müssen einen Universal-Nerd einstellen’“, führt Johnson aus.
Das Eindringen von künstlicher Intelligenz in den Arbeitsmarkt beschäftigt nicht nur junge Menschen und Personen wie Simon Johnson. Auch Dario Amodei, der CEO des KI-Unternehmens Anthropic, sieht die Entwicklung kritisch und meint, KI-Unternehmen müssen aufhören, die Situation zu verharmlosen. Mehr dazu hier: Der Chef von KI-Riesen warnt: KI vernichtet Arbeitsplätze und Firmen beschönigen die Bedrohung
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