Die Fallout-Serie könnte so geil sein, aber sie leidet am gleichen Problem wie Stranger Things

Die Fallout-Serie könnte so geil sein, aber sie leidet am gleichen Problem wie Stranger Things

Die 2. Staffel von Fallout ist in vollem Gange und MeinMMO-Redakteur Nikolas Hernes will sie lieben. Doch er kann einfach nicht, obwohl ein Charakter zu den besten der Serienlandschaft gehört.

Die Serie zu Fallout war 2024 eine große Überraschung für mich. Ich habe sie erst nach dem Release nachgeholt, und obwohl ich kein Spiel der Reihe wirklich durchgespielt habe, konnte mich die Serie überzeugen.

Die Welt war fesselnd, schön gestaltet und wirkte authentisch. Vieles davon kann man auch über Staffel 2 sagen, doch selbst nach 6 Folgen bin ich regelmäßig genervt. Das liegt an einem Problem, das schon das Finale von Stranger Things geplagt hat.

Manche Nebenfiguren sollten Nebenfiguren bleiben

Das Ödland von Fallout hat viele interessante Facetten. Die Monster, die verschiedenen Fraktionen und natürlich die Vaults. Das Tolle an der Serie war schon in Staffel 1: Man sieht aus der Sicht von 3 Figuren mit verschiedenen Hintergründen die apokalyptische Welt. Staffel 2 legt noch einmal eine Schippe drauf. Es gibt mehr Screentime für mehr Figuren. Doch das nervt mich in jeder der bisher erschienenen Episoden.

Staffel 2 hat viele spannende Ideen und Mysterien: Mr. House, Vault-Tec, die Bomben, die Vergangenheit vom Ghul. Das ist viel für eine Staffel, aber durchaus erzählbar. Leider konzentriert sich die Serie auch auf andere Nebenfiguren und erzählt dabei echt langweilige Geschichten.

Das wäre grundsätzlich okay, wenn die Erzählstruktur einer Folge stringenter wäre. Statt mit einer Folge lang nur Mr. House oder bloß Vault-Tec Raum zu geben, werden in jeder Episode diverse Storypunkte erzählt. Das führt dazu, dass in spannenden Stellen öfter zu anderen Plotpunkten geschnitten wird, wodurch in der Folge ein Cliffhanger entsteht.

Das kann funktionieren, aber wenn es ständig, in jeder Folge passiert, ist es einfach frustrierend. Das geht bei mir so weit, dass ich diverse Vault-Geschichten sogar überspringen oder vorspulen möchte, weil ich wissen will, wie es für die Hauptfiguren weitergeht.

Staffel 5 von Stranger Things hatte ein ähnliches Problem. Um allen Haupt- und Nebenfiguren etwas zu tun zu geben, gab es mehrere Story-Stränge, doch statt die Charaktere in ein gutes Licht zu setzen, sorgte das dafür, dass ich genervt war, weil ich wissen wollte, wie der Hauptplot weitergeht.

Es ist wichtig, starke und interessante Nebenfiguren zu haben, aber Serien sollten sie auch Nebenfiguren sein lassen und die Zeit des Zuschauers respektieren. Ein gutes Beispiel liefert die 1. Staffel von A Knight of the Seven Kingdoms.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Fallout hat eine der coolsten Serienfiguren aller Zeiten erschaffen.

Der Star der Serie (Bildquelle: Amazon Prime Video auf YouTube)

Ein Star, der allen die Show stiehlt

Nur wenige Fans werden mir wohl widersprechen, wenn ich sage: Der Ghul ist das Beste, was die Serie hervorgebracht hat. Schon allein das Konzept ist fantastisch: Ein Ghul-Outlaw, der als Kopfgeldjäger scheinbar jedes Problem bewältigen kann und dabei eine tragische Vorgeschichte mit den großen Firmen und seiner Familie hat.

Das musste funktionieren, und mit Walton Goggins hat man den perfekten Darsteller gefunden. Er gibt dem Ghul die starke Präsenz, die mich vor der Glotze jeden anderen Charakter vergessen lässt. Das weiß wohl auch Prime Video, weil er in Staffel 2 noch mehr mit dem großen Ganzen verwoben wird.

Eigentlich klingt das ziemlich gut, aber in Kombination damit, dass er auch die beste Story in der 2. Staffel bisher hat, bin ich jedes Mal frustriert, wenn die Serie woandershin schneidet, vor allem wenn die anderen Geschichten nicht mal halb so spannend sind.

Die Nebenhandlungen verbessern nicht die Haupthandlung, sie stören sie und damit einhergehend auch den Fluss der Geschichte.

Allgemein habe ich das Gefühl, dass Serien heutzutage weniger fokussiert an eine Staffel herangehen. Statt Geschichten in mehreren Folgen gezielt auszuarbeiten, wird alles zerfasert und fragmentiert präsentiert, damit man so viel wie möglich in einer Folge zeigen kann.

Nur weil eine Nebenfigur beliebt ist, muss man sie nicht zu einer Hauptfigur machen. Sie müssen als Ganzes funktionieren, nicht als einzelner Teil.

Früher gab es in Serien auch Nebenhandlungen. Einige der besten Folgen in meiner Lieblingsserie Die Sopranos sind nicht mal mit dem Hauptcharakter, aber sie stehen als eigene starke Geschichte innerhalb einer einzigen Folge.

Auch einzelne Folgen brauchen einen Anfang, ein Ende und einen roten Faden. Das fehlte mir in der 5. Staffel von Stranger Things und das fehlt mir jetzt auch in Fallout. Mehr zu Sopranos lest ihr hier: Die wichtigste Serie auf HBO Max endete schon vor über 18 Jahren, doch jeder Fan von Breaking Bad sollte sie gesehen haben

Quelle(n): Titelbildquelle: Amazon Prime Video Deutschland auf YouTube
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Berndiso

Das ist einfach nur ein persönliches Problem, wie wäre es die Serie anzuschauen bis zum Ende?Da gibt’s auch für alle ein Ende, aber wenn man sich so stresst ist klar das so ein Artikel rauskommt.

TheDude

Wäre es anders, die Serie hätte nicht halb soviel Erfolg. Es ist kein Episodenfilm, der einen Geschichte wöchentlich aus einer anderen Sicht beleuchtet, sondern das Ganze mehr oder weniger gleichzeitig zeigt. Klar würde mich der jeweils eine Handlungsstrang jetzt brennend interessieren, aber gerade Dinge die In der Zeit parallel verlaufen, verlören dann ihren Zusammenhang. Würde jede Teilhandlung einzeln erzählt, hätte man schnell seine Lieblingsstory, und würde vielleicht sogar Folgen mit vermeintlicher Nebenhandlung einfach mal auslassen. Ich überlege gerade einmal, welche Handlungsstänge es gibt, fünf sind es wohl, kann sein, und stelle fest, es passt alles zusammen, nichts ist überflüssig, es ist eben eine sehr umfängliche Geschichte, mit vielen kleinen Unterepisoden.
Fallout mit Stranger Things zu vergleichen, geht außer den gleichzeitigen, verschiedenen Handlungen, überhaupt nicht. Bei Stranger Things nervte viel mehr dieses Teenie Gequatsche, und das in Situationen wo “die Welt am Abgrund” stand, oder unlogische, völlig überzeichnete Figuren, wie diese sogenannten Soldaten und ihre “Chefin”. Die kommen und machen und niemanden in der Stadt juckt es, außer unserem Clübchen. Die Serie hatte echtes Potential, wuchs der Produktion aber über den Kopf. Eine Serie wo wirklich hin und her gesprungen wird, ist “Monarch”” da wird innerhalb von fünf Minuten durch drei Zeitebenen gezappt, und wer nicht alle konzentriert dabei ist, weiss nicht was da überhaupt genau vor sich geht. Ich bin jedenfalls total fasziniert davon, trotz Szenen- und Zeitgehüpfe. Das Titelbild schreckt vermutlich die meisten direkt ab, ach, wieder nur Godzilla, aber völlig falsch. Nach und nach ergeben sich hier aber tatsächlich Ähnlichkeiten mit Stranger Things, nur viel realer dargestellt, ohne diesen kindischen Teenie- Beziehungskram.

Zuletzt bearbeitet vor 1 Tag von Dude
seska1973

Mit Fallout Staffel 2 Angefangen, Dann Staffel 1, wieder auf Staffel 2 und dann Die Sopranos einwerfen

Respekt

Gummipuppe

Das hin und her Gespringe war mir in S01 schon teilweise too much.

Walter Goggins wirkt für mich wie der legitime Nachfolger von Steve Buscemi, beide haben sie ein unglaublich krasse Ausstrahlung. Goggins hatte schon in Justified, auch wenn ich Timothy Olyphant echt mag, als Boyd Crowder, allen die Show gestohlen.

Harrierdubois

Goggins als Buscemi Nachfolger zu empfinden ist schon hart, oder beziehst du dich hier auf ihn mit Ghul Maske?

Harrierdubois

Da hast du schon recht. Bei 3 roten Fäden die sich durch die Geschichte ziehen, sollten Nebencharaktere nicht diese Aufmerksamkeit erhalten.

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