Der EU Kids Act soll Minderjährige im Netz schützen. Doch die Verbraucher-Initative Stop Killing Games sieht darin eine Bedrohung für Videospiele in Europa.
Worum geht es? Am 17. September 2026 hat die EU-Kommission den Gesetzentwurf ihres „Kids Act“ vorgestellt, der Minderjährige im Netz schützen soll. Geplant sind unter anderem Altersgrenzen für die Nutzung von Online-Diensten, aber auch das Unterbinden einer suchtfördernden Gestaltung.
Als Online-Dienste werden demnach definiert: Soziale Netzwerke, Video-Sharing-Plattformen, KI-Begleiter, Chatbots, App-Marktplätze … und Online-Spiele sowie Online-Spiele-Plattformen. Das wiederum ruft die Initiative Stop Killing Games auf den Plan, die sich für den Erhalt von Videospielen einsetzt und im Frühjahr einen ersten Durchbruch feierte.
Die Abschaltung des Rennspiels The Crew war der Grundstein für die Bewegung.
Stop Killing Games sieht Gesetz als Hindernis für ihre Ziele
Das fürchtet der Gründer der Initiative: In seinem neuen YouTube-Video „This could legitimately end Stop Killing Games“ bezeichnet Gründer Ross aka Accursed Farms den Vorschlag als bislang größte Bedrohung für die Initiative, oder gar die Spiele-Industrie in Europa.
Der YouTuber interpretiert die Formulierungen im Gesetzentwurf so, dass die strengeren Anforderungen an Spiele auch für Privatserver gelten könnten. Diese werden von Fans gerne genutzt, um ein Spiel, das offiziell nicht mehr unterstützt wird, am Leben zu erhalten. Eine zentrale Forderung von Stop Killing Games besteht daher auch darin, solche Privatserver für alle Spiele zu ermöglichen, wenn der offizielle Support endet. Der Vorschlag wäre damit ein direkter Widerspruch zu den Zielen der Initiative.
Darüber hinaus kritisiert Accursed Farm, dass der EU Kids Act zwar vorgebe, Kinder zu schützen, in Wahrheit jedoch auch die Verbraucherrechte von Erwachsenen beschneiden würde, etwa durch die geforderten Alters-Verifikationen. Zudem könnte die unklare Sprache des Vorschlags auch außerhalb von klassischen Online-Spielen angewandt werden.
Zudem fürchtet der YouTuber, dass das Gesetz die Kosten für die Entwicklung und Veröffentlichung von Spielen in Europa in die Höhe treiben könnte. Davon wären vor allem kleinere Entwickler betroffen.
Das vollständige Video könnt ihr euch hier anschauen:
Wichtig ist jedoch, dass es sich dabei bislang nur um die Interpretation von Stop Killing Games handelt. Privatserver werden etwa nicht konkret im Entwurf benannt. Der YouTuber selbst gibt zu, dass selbst die von der Initiative angeforderten Anwälte uneins darüber seien, was manche Passagen des Vorschlags genau bedeuten würden.
Aktuell besteht also noch kein Grund, in Panik auszubrechen.
- Die Bundeszentrale für politische Bildung hat den Entwurf in ihrem Format kurz&knapp vorgestellt
- Das Leibnitz-Institut für Medienforschung liefert einen tieferen Einblick mit Experten-Einordnung
- Wer es genau wissen will: Den vollständigen Entwurf gibt es auf der offiziellen Website der Europäischen Union
Habt ihr euch schon mit dem Gesetzentwurf befasst? Was haltet ihr von den Vorschlägen der EU-Kommission?
Besonders ironisch wirkt eine Passage des Gesetzentwurfs, laut dem Online-Spiele, welche ausschließlich über physische Medien vertrieben werden, von den Regelungen ausgenommen sein sollen. Denn die soll es künftig nicht mehr geben, wenn es nach Sony geht. Sony’s Entscheidung, die Disc für die PlayStation abzuschaffen, wird uns Gamer viel Geld kosten
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