Destiny: Philosophie statt Story – Hoffnung, Licht, noch mehr Hoffnung

Bei Destiny hat Pete Parsons, der Chief Operating Officer, in einem fast halbstündigen Interview die Philosophie hinter dem Universum von Destiny erklärt.

Es ist ein bisschen so, als würde der sonst so pastorenhafte Peter Hahne in seiner sonntäglichen Show einen Game-Entwickler interviewen, die ganze Sache mit „Und da ballern 16jährige aus Automatikgewehren auf Aliens und auf einander?“ außer Acht lassen und sich nur auf das Positive bei Shootern konzentrieren. Eigentlich ist es nicht nur ein bisschen, sondern genauso.

Statt dass ein ernster Moderator im Fernsehen nur davon redet, dass Shooter-Games der Sündenfall und eine Brutstätte für künftige Amokläufer sind, die im Leben nicht zurechtkommen, plaudert man hier entspannt über die positiven Seiten des Gamings.

Destiny-Concept-Art

Da bildet Destiny die Persönlichkeit der Spieler aus. Die Kommunikation und Zusammenarbeit steht im Vordergrund. Auch einsame Wölfe werden zur Arbeit im Team bekehrt. Die Story ist hoffnungsvoll und positiv. Überall wimmelt es von philosophisch-tiefen Anspielungen und Erkenntnissen. Alles ist irgendwie gut und in Ordnung.

Destiny = Bungie; Dunkelheit = Microsoft

In einem 26minütigen Fernsehinterview spricht einer der Schlüsselfiguren von Bungie, der COO Pete Parsons, mit einem philosophisch interessierten Moderator über die Grundlagen der Welt. Dabei fallen immer wieder die Worte „Hoffnung“ und „Licht“. Und es ist schon ein interessanter Gedanke: Was wäre, wenn man diese Worte für bare Münze nimmt, wenn man in Destiny nicht nur die Spiel-Mechanik sieht? Was, wenn man glaubt, das „Licht“ nicht nur ein anderes Wort für „Level“ ist? Was wäre, wenn man in den Cutscenes mehr hört als „Das ist der nächste Content.“

Für Bungie selbst scheint es in jedem Fall mehr zu sein. Destiny spiegelt die Reise von Bungie selbst wieder. War man in 2010 ein Studio mit ruhmreicher Vergangenheit (Halo) und ungewisser Zukunft, das sich nach der Trennung von Microsoft die eigene Unabhängigkeit herbeisehnte und sie zurückholen mussten, beginnen die Hüter mit dem Wiederaufbau einer in Trümmern liegenden Welt. Dabei funkelt die Vergangenheit um so viel strahlender als die ungewisse Gegenwart.

Destiny-Speaker

Und genau das ist für Bungie so wichtig, dass man aus dem Dunkeln ins Licht geht, dass die Welt von morgen ein Stück schöner und hoffnungsvoller ist als die Welt von heute. Daraus, so Parson, ziehe man seine Motivation. Immer wieder habe man bei der Entwicklung des Games innegehalten und sich darauf gefreut, welche fantastische Welt man für die Spieler erschafft.

Klingt so, als würde Destiny in den schon geplanten nächsten Teilen eher heller als düsterer, wobei Dunkelheit lauert ja eher in die andere Richtung ging mit dem klaustrophobischen Crotas Ende.

„Während mein Sohn Dinge in die Luft jagt, mache ich mir Gedanken“

Der Sohn des Moderators ist offenbar ein engagierter Zocker und der Vater sah ihm mit Interesse dabei zu: „Während er Dinge in die Luft jagte, machte ich mir Gedanken um die philosophischen Grundlagen hinter dem Spiel.“ Parson ist manchmal sichtlich überrascht, auf welche Ideen der Gesprächspartner kommt. Der sich etwa über einzelne Sätze in den Grimoire-Karten freut.

Destiny-Fate-of-all-Fools-Stats
Der Waffentext der Fate of all Fools ist einer der Lieblinge von Parsons: Der weise Mann kennt sein Schicksal, der Narr findet es nur.

Und na ja: Wenn man sich das halbstündige Interview anschaut, dann wird aus der in Cutscenes erzählten Story, die als unzusammenhängend und ungenügend kritisiert wurde, ein durchaus schlüssiges Konzept. Vielleicht ist Destiny ja weniger eine Geschichte und mehr ein Gefühl, ein Konzept? Und so kann man auch den Moderator verstehen, wenn er das Grimoire etwa nicht als Anleitung, sondern als eine Art „Handbuch wie für einen Footballer“ bezeichnet. Oder vielleicht liegt es auch daran, dass die Cutscenes eben nach Belieben ins Interview geschnitten werden und sich dann „passend“ anfühlen?

Wie seht Ihr das? Ist an der „Licht“ und „Hoffnung“-Geschichte was dran? Spricht Euch diese positive Grundhaltung eher an, als wenn Ihr etwas Düsteres zocken würdet, das immer schlimmer wird? Oder ist Euch das alles egal und Ihr seid immer noch sauer, dass es keine gescheite Geschichte gab?

Autor(in)
Deine Meinung?
Level Up (0) Kommentieren (38)
Passwort vergessen

Bitte gib Deinen Benutzernamen oder Deine Email-Adresse ein. Du erhälst einen Link, um ein neues Passwort per Email zu erstellen.