Destiny: Autistischer 16-Jähriger rekonstruiert epische Symphonie zu 83%

Offenbar ist es einem Teenager gelungen, in 430 Tagen minutiöser Detektivarbeit den geplanten Soundtrack zu Destiny, „Music of the Spheres“, von Marty O’Donnell zusammenzusetzen. Den hält Activision eigentlich unter Verschluss.

Neulich hat Bungie die Entstehungsgeschichte von Destiny erzählt: Ganz sonnig und super war die, es gab Eiscreme und Barbecue.

Aber wir wissen: Ganz so sonnig lief die tatsächliche Produktion von Destiny nicht ab. Hinter den Kulissen prallten Egos aufeinander und das Projekt „Destiny“ forderte Opfer.

Ein Fall ging sogar vor Gericht, es war der Fall des Martin „Marty“ O’Donnell. Der war lange Zeit der Hauskomponist von Bungie, hat die Musik für Halo geschrieben. Für Destiny plante er eine Symphonie, die „Music of the Spheres.“

Destiny Wallpaper Warlock

O’Donnell Symphonie „Music of the Spheres“ sollte Soundtrack zu Destiny werden

An dieser Symphonie saß O’Donnell lange. Er hat unter anderem mit Paul McCartney an ihr gearbeitet, sie mit einem Orchester eingespielt: Die sollte der Soundtrack für die gewaltige Destiny-Franchise werden.

Destiny Martin O'Donnell
Marty O’Donnell

O’Donnell wollte die auch als „Stand-Alone“-Werk herausgeben. Als sich Activision aber beim E3-Trailer für eine andere Musik entschied und keine Anstalten machte, die „Music of the Spheres“ einzeln zu veröffentlichen, geriet O’Donell darüber in Streit mit Activision und Kollegen und wurde nach vielen Scharmützeln schließlich ruhmlos gefeuert.

Die „Music of the Spheres“ ist in der Form, in der sie gedacht war, nie erschienen – die Rechte davon gehören weiter Bungie und die haben sich dazu entschlossen, das Werk nicht in Gänze zu veröffentlichen. Stattdessen verwenden sie Teile der Symphonie immer wieder zu Promo-Zwecken – auch im Spiel finden sich einzelne Stücke.

In der Öffentlichkeit weiß niemand, wie die Symphonie „Music of the Spheres“ am Stück klingt. O’Donnell ist, höflich ausgedrückt, ziemlich angepisst von der ganzen Situation.

Destiny Shooter

Minutiöse Detektiv-Arbeit

Eurogamer berichtet jetzt in einem langen Artikel darüber, dass es einem 16-jährigen Jungen aus Atlanta in den USA gelungen ist, in minutiöser Detektivarbeit dieses Werk zu großen Teilen zu rekonstruieren. Der Junge sagt über sich selbst, er sei hochfunktionaler Autist, leide unter dem Tourette-Syndrom, habe Schwierigkeiten in der Schule und etwa 430 Tage dazu gebraucht, um die Symphonie zusammenzusetzen. Dabei hat ihm ein Spanier geholfen, den er auf reddit kennengelernt hat.

Der Junge ist begeisterter Destiny-Superfan und inspiriert von O’Donells Werken, den sieht der Jung-Komponist als seinen musikalischen Helden. Für ihn ist Destiny und die Community darum extrem wichtig. Wenn er in den 430 Tagen nicht an der „Music of the Spheres – Definitive Edition“ gearbeitet hat, dann hat er Destiny gespielt.

Weil er Destiny so mag und weil er eine Aufgabe suchte, hat er sich auf diese irrwitzige akustische Detektivarbeit eingelassen, aus den verschiedensten Quellen die „Music of the Spheres“ zu rekonstruieren. So hat er viele Hinweise in einem 59-seitigen Dokument gefunden, das dem Rechtsstreit zwischen O’Donnell und Bungie entsprungen ist.

https://www.youtube.com/watch?v=Wlc1jNV8ykg

Der Komponist O’Donnell sagt, das sei eine fantastische Arbeit und etwa zu 83% richtig. O’Donnell hofft, obwohl er die Arbeit des Jungen beeindruckend findet, dass es noch einmal möglich sein wird, die komplette Arbeit zu veröffentlichen, so wie sie einmal gedacht wird – mit den noch fehlenden 17%. Das sei sicher auch in Paul McCartneys Interesse.

Der Junge will jetzt wieder zur Schule gehen und seinen Abschluss machen. In der letzten Zeit wurde er wegen einiger Probleme zu Hause unterrichtet. Wenn er das geschafft hat, träumt er von einer Karriere als Komponist von Videospielmusik.

Den ganzen Artikel über die beeindruckende Arbeit, die der Junge unternommen hat, um dieses Stück Destiny-Geschichte zu retten, könnt Ihr hier bei Eurogamer auf Englisch nachlesen.


Wer sich für die Geschichte des Streits zwischen O’Donnell und seinen ehemaligen Freunden bei Bungie interessiert:

Destiny: Gerichtsstreit gibt Einblicke in Entwicklungsgeschichte – 5 Teile geplant, 2 mal verschoben

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Thomas Kerntsch

Ich spiele destiny seit Anfang an, und der Sound ist mit das beste an dem spiel! Den was wären große Filme ohne Musik? Sie gehören dazu genauso wie bei Spielen. Also veröffentlichen!! Ich finde ihn super! Ach und Respekt an den 16 jährigen!

cssrx

Das ist nen Komponist der für Bungie jahrelang gearbeitet hat. Legt dir einen so brillianten Soundtrack dahin und dann kommt Activision und verhagelt dir die Suppe. Wieso ist Activision eigentlich überhaupt dabei? Was machen die, was Bungie nicht alleine hätte Stämmen können?

Arkus Gillette

Oja ich sag nur halo 3… ich hör heute noch so gerne die mythic mappack hauptmenü musik ☺️

See you starside

Ich halte die Musik zu Halo 3 noch immer für den besten Soundtrack zu einem Spiel – absolut unerreicht. Diese Musik hier ist aber auch super.

David

Bei Soundcloud hat er es auch hochgeladen.
https://soundcloud.com/tloh

Der Ralle

So geil, Marty O Donnell ist für mich der Hans Zimmer der Videospielbranche. Ich empfinde es als sehr schade, dass er für Teil 2 nicht mehr dabei ist. Diese Zerwürfnisse untereinander sind einfach nur Kindergarten und/oder sehr traurig. Aber für mich zählt der Destiny Score zur absoluten Elite aller Videospielesoundtracks und ich hoffe einfach inständig dass man diese Arbeit in Zukunft mal offiziell erwerben kann.

rook

„Dieses Video ist nicht verfügbar.“

Gerd Schuhmann

Bei mir geht’s noch – hm.

rook

Habs jetzt noch ein paar Mal probiert.. leider ohne Erfolg 🙁

TheBoss

Habe eine Frage: kommt der mit Ihnen besprochene Artikel noch ? Wenn ja wann ?

Gerd Schuhmann

Der kommt noch. Ich denke, vielleicht morgen oder am WE.

TheBoss

Freu mich drauf. Vielen Dank nochmal

Cata

Was soll man da noch sagen der Soundtrack ist wunderbar.

m4st3rchi3f

Der Komponist O’Donnell sagt, das sei eine fantastische Arbeit und etwa zu 83% richtig.
—–
Na genau genommen entstammen die 83% ja aus dem angesprochenen, öffentlichen Vertrag („In the document is a paragraph that reveals 40 minutes of the 48-minute suite is included in the Destiny game“) und nicht von O´Donnell. 😉

Aber Respekt für die Arbeit dass zusammen zu suchen.

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