Destiny: Ex-Bungie-Komponist klagt: „Activision will anonyme Entwickler“

Der ehemalige Komponist von Destiny und Halo Marty O’Donell spricht in einem Interview über die Arbeit in großen Teams.

Marty O’Donell ist für den Soundtrack zu Destiny und vielen Halo-Teilen verantwortlich, war lange Jahre bei Bungie. Sein Abgang und der folgende Rechtsstreit mit Bungie sorgten für einige Aufregung bei den Fans.

In einem Interview mit dem Playboy sprechen O’Donell und sein Partner Jaime Griesemer über ihr neues Projekt, die Haywire Studios und das VR-Spiel Golem. Auch Griesemer ist ein Bungie-Veteran, war Design Lead für Halo 2.

Im Interview geht es nicht direkt um Bungie, Destiny oder die Gründe für den öffentlich ausgetragenen Zwist zwischen O’Donell und Bungie/Activision, aber es lässt sich aus dem Interview einiges ableiten, wie der Alltag in einer Spieleschmiede so ist und welche Konflikte es mit sich bringt, für einen Giganten wie Activision in einem riesen Team zu arbeiten.

Dass Activision diesen Soundtrack nicht als Standalone-Werk herausgeben wollte, trug zum Bruch zwischen O’Donnell und Bungie bei:

So stören O’Donell wohl vor allem 3 Sachen an der Arbeit in einem großen Studio:

Ein großes Studio hat viele Machtkämpfe und Intrigen

Es wird alles unpersönlich. Zu Halo 2 Zeiten habe ihn wer gefragt, wie viel am Spiel arbeiteten und er konnte im Kopf durchs Büro gehen, zählen, wie viele Leute an jedem Schreibtisch sitzen und kam auf 67. Das sei das letzte Mal gewesen, dass er noch so zählen konnte. Am Ende arbeiteten allein 9 Leute direkt für ihn im Audio-Team. Im neuen Studio ist das die Gesamtzahl der Beschäftigten.

Griesemer ergänzt: Wenn so viele Leute an einem Projekt arbeiteten, ginge es häufig mehr um Macht und das Recht Entscheidungen zu treffen als darum tatsächlich gute Entscheidungen zu fällen.

Destiny DLC Screenshot

Bei großen Projekten bleibt der Einzelne oft anonym

Was O’Donnell weiter stört sei die Unart, dass große Publisher wie EA oder Activision versuchten, die Entwickler anonym zu halten und ihnen Anerkennung zu verwehren. Das ärgere O’Donell wirklich. Dabei freuten sich Leute ja nicht auf das nächste „EA Spiel“, sondern sie mögen einen Entwickler, weil der mal was Tolles gemacht hat.

Leute wie Spielberg oder Woody Allen hätten ganze Teams um sich herum. Die würden ihr Team zu schätzen wissen. Firmen wie EA oder Activision fehle die emotionale Verbindung zu den Marken. Dabei sei das Team so wichtig. Letztlich sei es immer das Team, keine Einzelperson, die für den Erfolg einer Sache verantwortlich sei.

Die eigenen Ideen kommen oft zu kurz

Das dritte was Marty O’Donnell schwer im Magen zu liegen scheint, ist mangelnde Freiheit in einem großen Studio. Ständig müsse man auf eine Genehmigung warten, etwas so zu machen, wie man es machen möchte.

Da stünden oft kreative und talentierte Experten untätig herum und warteten darauf, dass ihnen wer die Erlaubnis gibt, es so zu machen, wie sie es für richtig halten.

Noch schlimmer sei es nur, wenn man dann endlich Gelegenheit hätte seine Sache vorzustellen, an der man so lange geknobelt hatte und dann heiße es „Ja, das funktioniert so nicht.“ Oder wenn was angenommen, später aber wieder verworfen werde.

Destiny Multiplayer

Die Kernstreitpunkte, warum O’Donnell nach so vielen Jahren von Bungie wegging, haben wir in diesem Artikel beleuchtet.

Mein MMO meint: Schon damals drängte sich der Eindruck auf, dass O’Donnell sich im Vergleich zu „alten Bungie-Zeiten“ beim neuen, riesien Bungie unter Activision nicht mehr so gewertschätzt und respektiert fühlte. Gerade der Soundtrack, den er mit Paul McCartney und einem Orchester aufnahm, schien ihm wichtig zu sein. Den wollte er unbedingt als Standalone-Werk herausgeben. Activision schien sich da aber quer zu stellen.

Als Activision für Destiny-Trailer nicht O’Donnells Musik verwendete, sondern eigene, löste das dann eine Kettenreaktion aus, die schließlich zu seinem Ausstieg führte.

Neben der persönlichen Anerkennung schien O’Donnell auch die Kameradschaft und Verbundenheit in einem kleinen Studio zu vermissen. Wirkt so, als hätte er nun beides wiedergefunden.

Autor(in)
Quelle(n): Playboy
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