Der Imagewandel – Wenn Zocken salonfähig wird

Im Laufe der letzten Jahre hat sich das Thema rund um die Computerspiele doch sehr stark verändert. Damit meine ich nicht irgendwelche Spieletrends, Genres oder Virtual-Reality-Spielerein – Nein! Ich meine das Zocken an und für sich.

Gamer und GamerinEs durchläuft einen riesigen Imagewandelder sich positiv auf uns Gamer auswirkt. Seitdem es überhaupt Videospiele gibt, kämpft die Szene mit typischen Klischees wie: „Zocken ist langweilig“, „das ist nur was für Kinder“ oder „das spielen nur Freaks/Nerds“. Aber woher sollen Außenstehende es auch besser wissen, wenn Mainstream Medien die Gamer als hobbylos, ungewaschen, blass und einsam darstellen? Doch langsam, aber sicher findet ein Umdenken innerhalb der Gesellschaft statt.

Einen großen Beitrag zum Wandel leisten eSport und Streaming-Plattformen wie Twitch. Mit gigantischen Turnieren, Preisgeldern in Millionenhöhe und einem weltweiten Publikum wird „Zocken“ zu einem kulturellen Gut mit Coolnes-Faktor.

Die Macht des E-Sports

Der Fußball hat die Bundesliga, Football hat die NFL und die Gamer haben die ESL. eSport ist die Abkürzung für „elektronischer Sport“ und bezeichnet das wettbewerbsmäßige Spielen von Computer- und Videospielen. Man könnte jetzt annehmen, das sei die Liga der außergewöhnlichen Super-Nerds, doch das Gegenteil ist der Fall. Wer es bis in eines der Top-Teams der ESL schafft, kann mit seiner Leidenschaft den Lebensunterhalt bestreiten und das sogar sehr gut.

League of Legends eSportsPreisausschüttungen in Millionenhöhe sind hier zum Standard geworden und damit nicht genug: Große Publisher wie Riot von League of Legends veranstalten ihre ganz eigenen Turniere mit noch höher dotieren Preisgeldern. Den Siegern winken, neben der ganzen Kohle, lukrative Werbe- und Sponsorenverträge, die ein beständiges Einkommen sichern. Zwar wird in Deutschland vom Deutschen Olympischen Sportbund eSport noch nicht als Sportart eingestuft, doch den Erfolg der Progamer stört dies nicht.

Gaming als Beruf

Umso beliebter eine Sportart ist, umso mehr Geld lässt sich damit verdienen. Und wenn ich etwas verdiene, dann bin ich nicht arbeitslos, sondern habe einen Job. Somit ist die Bezeichnung „ProGamer“ kein Titel in einem Rollenspiel, sondern eine Art „Beruf“. Ein jährliches Einkommen von 100.000€ sind da keine Seltenheit. Die Summe setzt sich aus Verträgen mit Werbepartnern und Sponsoren, sowie Merchandise zusammen

Korea Gaming

Auch andere attraktive Jobs warten in der Gaming-Szene. Neben den typischen Berufen wie Spiele-Entwickler, Designer oder Mein MMO Redakteur, bietet auch eSport Platz für eine berufliche Karriere. Alle Profi Teams der Ligen haben Manager, Coachs, Strategen bis hin zu Sport-Psychologen, die das ganze Unterfangen im professionellen Bereich des Computerspielens unterstützen.

Ein Karriereende bedeutet nicht zwangsläufig den Bankrott

Man sollte sich allerdings im Klaren sein, dass die Karriere als ProGamer noch nicht mal so lange dauert wie beispielsweise die ohnehin schon kurze eines Fußballers. Außerdem kann es passieren dass ein Spiel aus der Mode kommt und man zwar trotzdem noch gut ist, aber es keinen interessiert.

Doch alle Spieler und Teams im eSport und im Bereich des professionellen Zockens haben Sponsoren- und Werbeverträge mit hochklassigen Unternehmen wie beispielsweise Intel, Razer oder Logitech. Stellt man es während seiner Karriere geschickt an und baut sich ein Netzwerk innerhalb des Sponsors auf, kann man auch nachdem Karriereende noch einen guten Job bei einem ehemaligen Partner erhalten. Oder man gibt seine Erfahrungen als Coach oder Manager an andere Teams weiter.

Computerspiele kann man sogar studieren

ArcheAge-Bibliothek

Ab in die Bibliothek und für das Fach „Gaming“ pauken!

Mittlerweile ist es sogar möglich Computerwissenschaften zu studieren. Die Universität in Bayreuth bietet erstmalig für das Wintersemester 2015/16 den Studiengang Computerwissenschaften an. Wer jetzt denkt, dass man da den ganzen Tag am Zocken ist, irrt sich allerdings. Es geht um die Wissenschaft hinter dem Medium Computerspiel. Ähnlich wie bei Kultur- und Literaturwissenschaften steht dabei das Game nur als Analysegrundlage zur Seite. Ist dies vielleicht ein weiteres Indiz dafür, dass Computerspiele auf kulturelle Akzeptanz stoßen? Ich weiß es nicht …

Online Games – ein Zuschauersport?

Egal ob League of Legends, Dota 2, Smite oder CS:Go – alle diese Online Spiele füllen ganze Stadien mit Anhängern und Fans. Auch vor dem Bildschirmen daheim herrscht Ausnahmenzustand: Liveübertragungen der Spiele werden millionenfach geschaut. Ja, selbst Public-Viewing gibt es mittlerweile. Die früher so belächelten PC-Spiele sind zu einem erfolgreichen Zuschauersport geworden. Sie lösen Emotionen aus und bringen Fanmassen zum Kochen.

Vom Supernerd zum Superstar

Schon längst denkt man beim Stichwort „Gamer“ nicht an einen nerdigen, abtrünnigen PC-Freak, der stundenlang im Keller seiner Eltern in eine virtuelle Spielwelt abtaucht. Die Super-Nerds sind mittlerweile millionenschwere Superstars der Szene mit Villa und Pool im Garten. Statt World of Warcraft-Poster zieren jetzt Slip und BH der Groupies die Wände der Profi-Zocker. Ein Paradebeispiel liefert der ehemalige League of Legends Profi Ocelot. Er ist eine Art Aushängeschild der LoL-Szene und hat sich durch geschickte Selbstvermarktung ein kleines Imperium aufgebaut.

League of Legends - Ocelot SK Gaming

Auch bei den Gamern gibt es Stars & Sternchen

Obwohl er bei den großen Turnieren nie einen Titel mit seinem Team SK Gaming geholt hat, badet er in Ruhm und Ehre. Er wiederlegt nicht nur das Klischee des hässlichen Nerds, sondern zeigt auch echte Qualitäten eines Geschäftsmannes. Eigene Schuh- und Schalkollektion, Sponsoren- und Werbeverträge, Unmengen an Merchandise und ein eigenes League of Legends Team, welches er höchstpersönlich managt. Nebenbei ist er auch ein erfolgreicher Streamer.

Twitch.tv bietet Platz für Selbstdarsteller, Profis und Jedermann

Twitch ist alles andere als ein nerdiges TV-Format für Spiele-Freaks: Mit 100 Millionen Zuschauern, die jeden Monat 16 Milliarden Minuten den Streams folgen, wird Zocken zum Quoten-Hit. Neben unzähligen Spielen werden auch alle großen Turniere der Szene live übertragen. Jeder der Lust und eine stabile Internetverbindung hat, kann sein spielerisches Können mit der gesamten Welt teilen. Wer nicht mit „Skill“ punkten kann, tut dies eben mit Kreativität – Entertainer und Sympathen verbuchen eine hohe Anzahl an Followern. Mit Emotionen, die den Spielfiguren häufig fehlen, witzigen Kommentaren und Anekdoten begeistern sie ihre Zuschauer von Stream zu Stream.

Twitch Kleiderordnung

Auch der finanzielle Aspekt ist bei einem erfolgreichen Stream nicht zu verachten: Spitzen-Streamer auf Twitch können allein durch die Community-Abgaben ein Taschengeld der Extraklasse einsacken. Hinzu kommen noch bezahlte Abos, Werbung, Reflinks und ein Revenue Share, den Twitch seinen Partner bezahlt. Gerade unter den weiblichen Anhängern der Computerspiele erfreut sich Twitch zunehmender Beliebtheit. Wer hier die Vorzüge des weiblichen Körpers gekonnt in Szene setzt, kann mit galaktisch hohen Donations der Zuschauer rechnen – Getreu dem Motto „Je mehr Holz vor der Hütte, desto größer die Spende“.

Und wo bleiben da die MMORPGs?

So wirklich auf den Erfolgszug des E-Sports und des Imagewandels, springen die MMORPGs nicht auf – zumindestens empfinde ich das so. Das einzige, was sich bisher im MMORPG-Genre spürbar ändert – abgesehen von wenigen Ausnahmen – snd die Spielerzahlen und zwar ins Negative. Ein größerer Umbruch ist hier von Nöten. Meiner Meinung nach liegt es daran, dass viele MMOs kaum „Competetive Gameplay“ bieten, das wettkampffähig ist. Dadurch bewegen sie sich fernab vom Trend der Gaming-Szene. Gemütliches vor sich her spielen war gestern. Heutzutage möchte sich die jüngste Generation der Gamer mit anderen Spielern messen, im Rang aufsteigen und Erfolge erzielen. Zwar bietet fast jedes Rollenspiel einen PvP-Modus, doch dank der Vielfältigkeit und der guten alten Itemspirale ist dieser nicht „balanced“ genug. Mir fällt bist jetzt nur Guild Wars 2 ein, das versucht, im Bereich eSport Fuß zu fassen – mit im Moment noch geringem Erfolg. Sind MMOs und E-Sport vielleicht eine schlecht Kombination?

EEDAR MOBA Studie Revenue Market

In meinen Augen hat die Gaming Szene einen gewaltigen Schritt nach vorne getan. Durch die stetig wachsende eSport-Szene etablieren sich neben neuen Berufen auch immer mehr Spiele mit einem wettbewerbsfähigen Spielsystem. Dabei setzen sich MOBAs und Shooter an die Spitze des Trends, nehmen die Pole-Position ein. MMORPGs hingegen verpassen diesen Trend. Zusätzlich bekommt das Thema Gaming durch beispielsweise eigene Studiengänge immer mehr gesellschaftliche Akzeptanz.

Jetzt würde mich natürlich eure Sicht der Dinge interessieren: Betrachtet ihr die Entwicklung der Videospiele ebenfalls so positiv wie ich?

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