Online-Spiele ohne Chats? Clash of Clans hat das lange versucht, ändert nun eine Menge. Wie das gelingen soll, fragte MeinMMO im Interview nach.
Die allermeisten Online-Spiele sind auf die eine oder andere Weise ein soziales Erlebnis. Doch gerade, wenn es nicht nur kooperativ zur Sache geht, sondern auch PvP-Konflikte gibt, dann fliegen im Chat gerne mal Beleidigungen und es wird toxisch. Kein Wunder also, dass manche Spiele nach einer Weile auf einen übergreifenden Chat verzichten und direkte Kommunikation nur noch mit Gilden- oder Clan-Mitgliedern erlauben.
So war es auch bei Clash of Clans, einem inzwischen seit vielen Jahren erfolgreichen Spiel, in dem die Spielerinnen und Spieler einander ihre Dörfer attackieren und sich zu Clans verbünden. Im Jahr 2019 entschied sich der Entwickler Supercell, den globalen Chat einzustellen, sodass Kommunikation nur noch mit Clan-Mitgliedern möglich war.
Clash of Clans begeisterte immer durch seine absurden Trailer:
Doch die Community hat immer wieder um soziale Features gebeten. Nach rund 7 Jahren kehren Chats nun zurück, in Form von unterschiedlichen Gruppen, um sich besser zu vernetzen.
Wir hatten dazu die Möglichkeit, mit David Burke, dem Product Manager von Clash of Clans zu sprechen, und haben ihm einige Fragen gestellt – etwa, was die neuen Funktionen sind, wie man gegen Toxizität vorgehen möchte oder wie der Jugendschutz gewährleistet ist. Das vollständige Interview könnt ihr hier einsehen. Viel Spaß!
MeinMMO: Warum wurde der globale Chat ursprünglich entfernt und warum bringt ihr ihn jetzt zurück?
David Burke: Als wir den ursprünglichen globalen Chat 2019 eingestellt haben, spielten insbesondere Fragen rund um Moderation und Spielersicherheit eine wichtige Rolle. Offene Kommunikationsplattformen bieten großartige Möglichkeiten für Spieler, miteinander in Kontakt zu treten – sie bringen aber auch eine große Verantwortung mit sich.
Über die Jahre hat uns die Community immer wieder signalisiert, dass sie sich eine Möglichkeit wünscht, sich über die Grenzen des eigenen Clans hinaus mit anderen Spielern auszutauschen. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, das Feature von Grund auf neu zu entwickeln. Unser Ziel war es, die sozialen Interaktionen zurückzubringen, die sich viele Spieler gewünscht haben, und dabei von Anfang an moderne Sicherheits- und Moderationssysteme zu integrieren.
Was hat sich im Vergleich zur ursprünglichen Version des globalen Chats verändert?
Der neue globale Chat ist nicht einfach die Rückkehr des alten Systems. Er wurde vollständig überarbeitet und von Grund auf neu aufgebaut. Die größte Veränderung besteht darin, dass der globale Chat nicht mehr aus einem einzigen weltweiten Chatraum besteht. Stattdessen basiert er auf drei unterschiedlichen Bereichen: Gruppen, Communitys und dem Stadtplatz.
Dadurch können Spieler selbst entscheiden, in welcher Art von Umfeld sie sich austauschen möchten – sei es in einer kleineren Gruppe Gleichgesinnter oder in einer großen Community mit Zehntausenden Mitgliedern. Gleichzeitig bietet diese Struktur deutlich mehr Möglichkeiten für Moderation, Verwaltung und die Organisation von Gesprächen als das ursprüngliche System. Auch wenn die Skalierung dieser Möglichkeiten für eine globale Spielerschaft ein fortlaufender Prozess ist, geben uns die heute verfügbaren Werkzeuge eine sehr gute Ausgangsbasis.
Mehr Funktionen und mehr Kontrolle, wen man lesen kann
Welche neuen Funktionen bietet das Feature?
Neben der Möglichkeit, sich mit Spielern auf der ganzen Welt zu vernetzen, können Nutzer nun eigene Chatgruppen erstellen und verwalten. Gruppen können öffentlich, nur auf Einladung oder privat sein und lassen sich über die Suche, QR-Codes oder Einladungslinks teilen. Um Unterhaltungen lebendiger zu gestalten, haben wir außerdem Emotes und Reaktionen hinzugefügt.
Große familienfreundliche Gruppen können zu Communitys mit bis zu 50.000 Mitgliedern heranwachsen. Darüber hinaus haben wir den Stadtplatz eingeführt – einen Bereich, in dem Creator, Community-Manager und besondere Gäste offizielle Updates, Events und Community-News teilen können. Und das ist erst der Anfang. In Zukunft möchten wir den Mehrwert von Gruppen weiter ausbauen, die Auffindbarkeit verbessern, damit Spieler leichter die für sie passenden Räume finden, die Performance auf verschiedenen Geräten optimieren und die Integration mit Clans sowie anderen bestehenden In-Game-Gruppen vertiefen.
Welche Maßnahmen gibt es gegen Toxizität und Missbrauch?
Die Sicherheit der Spieler hatte während der gesamten Entwicklung des neuen Chat-Erlebnisses höchste Priorität. Jede Nachricht kann direkt gemeldet werden, und Spieler können weder Webseiten-Links teilen noch externe Kontaktmöglichkeiten über das System bewerben.
Darüber hinaus kommen Anti-Spam-Maßnahmen zum Einsatz, um Missbrauch und unerwünschtes Verhalten zu reduzieren. Gruppenbesitzer und Administratoren verfügen außerdem über Moderationswerkzeuge, mit denen sie Nutzer bei Bedarf entfernen oder sperren können. Communitys müssen familienfreundliche Einstellungen verwenden und unterliegen strengeren Moderationsstandards.
Unser Ansatz besteht darin, technische Schutzmechanismen mit Community-Moderation zu kombinieren, um positive Interaktionen zu fördern und ein gesünderes soziales Umfeld für alle zu schaffen. Seit dem Relaunch analysieren wir außerdem aktiv die tatsächliche Nutzung des Features, um diese Systeme kontinuierlich weiterzuentwickeln und zu optimieren.
Clash of Clans hat viele junge Spieler. Welche Schutzmechanismen gibt es speziell für diese Zielgruppe?
Der Schutz jüngerer Spieler war ein wichtiger Bestandteil des Entwicklungsprozesses. Spieler unter 16 Jahren können ausschließlich familienfreundliche Gruppen finden und diesen beitreten. Diese Gruppen verwenden strengere Sprachfilter und zusätzliche Schutzmaßnahmen, um eine sicherere Umgebung zu gewährleisten. Darüber hinaus sind alle Communitys standardmäßig familienfreundlich. Funktionen, die häufig mit Missbrauch in Verbindung gebracht werden – etwa das Teilen von Links –, sind deaktiviert. In Kombination mit Meldesystemen, Sprachfiltern und Anti-Spam-Maßnahmen sollen diese Vorkehrungen eine sichere Umgebung schaffen, in der Spieler aus aller Welt verantwortungsvoll miteinander kommunizieren und sich austauschen können.
Wie handhabt ihr es mit der Kommunikation in Online-Spielen? Findet ihr es gut, wenn ihr euch mit anderen Leuten austauschen könnt – auch wenn es eure Feinde auf dem Schlachtfeld sind? Oder seid ihr ganz froh, dass ihr gar nicht lesen müsst, was andere so für einen Unsinn verzapfen und wie sie sich gegenseitig beleidigen?
Manche Firmen gehen mit Toxizität auch anders um – und manchmal sehr kurios. Blizzard wollte etwa eine Klarnamenpflicht für alle Foren erzwingen.
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