Archäologie in WoW wird von einem Archäologen studiert – Games sind Artefakte

Ein Archäologe hat es satt, nur die echte Welt auszubuddeln – stattdessen forscht er nun an virtuellen Ruinen, wie etwa in World of Warcraft.

Über World of Warcraft hat man schon so manche Kuriosität gehört. Sei es der Pandare Doubleagent, der nur durch Kräuterpflücken Stufe 100 erreicht hat, oder der Spieler, der nur durch das Erforschen der Karte gelevelt hat. Aber auch aus wissenschaftlicher Sicht gibt es oft Vorstöße in virtuelle Welten: Schon lange benutzen Forscher die Ökonomie von WoW als Testgelände, um Auswirkungen verschiedener Einflüsse auf den Markt zu testen und mancher Manager hat seinen Top-Job auch, weil er seine Führungsqualitäten in WoW unter Beweis gestellt hat.

Aber das hier ist neu: Ein Archäologe untersucht zur Zeit, was für Rückschlüsse sich aus der Archäologie in Videospielen schließen lassen – klingt irre, ist aber ein heißes Gesprächsthema.

Keine Unterschiede zwischen Virtualität und Realität

Legen in diesen Ruinen wichtige Erkenntnisse für die reale Welt? Ja, meint Reinhard Andrews.
Legen in diesen Ruinen wichtige Erkenntnisse für die reale Welt? Ja, meint Andrew Reinhard.

Andrew Reinhard, der erwähnte Archäologe, lehnt sich dabei noch ein wenig weiter aus dem Fenster. Er findet, dass „es keinen Unterschied zwischen virtuellen Kulturen und realen Kulturen gibt„. Aus dieser Aussage zieht er dann auch direkt den Umkehrschluss: Wenn man verschiedene Aspekte der Archäologie in Games studiert, kann man daher gewisse Rückschlüsse auf die Realität ziehen; das Ganze nennt sich dann „Archaeogaming“. Wer jetzt auf den ersten Blick denkt, dass es sich dabei nur um einen Aufmerksamkeitsspinner aus dem Internet handelt, der irrt sich. Schon seit über 2 Jahren führt Reinhard seinen Blog und veröffentlicht dort seine Erkenntnisse, bzw. erläutert gewisse Umstände innerhalb von Spielwelten. Da geht es mal darum, wie Archäologen in Games dargestellt werden, manchmal schreibt er über die unterschiedliche Töpferkunst bei den Nacht- und Blutelfen – klingt eigentlich wie ein ziemlicher Lore-Freak, nicht wahr?

Die Fragen finden, die Archaeogaming beantworten kann

Ruinen müssen nicht real sein, um Aufschlüsse über die Menschheit geben zu können.
Ruinen müssen nicht real sein, um Aufschlüsse über die Menschheit geben zu können.

Dabei ist sein Gedankengang gar nicht so weit hergeholt: Er ist der Auffassung, dass Games ebenso als „Artefakte“ gelten, wie alles andere, was die Menschheit jemals erschaffen hat und alleine das ist schon ausreichend, um diesen Objekten einen archäologisch-relevanten Charakter zu verleihen. Wer nun denkt, dass Reinhard mit seiner Forschung fast am Ende ist, der irrt sich! Erst dieses Jahr wurde er an der Universität von York in der Abteilung für Archäologie aufgenommen und kann in 2016 seine Forschung in Vollzeit betreiben. Damit will er die Grundlagen für zukünftige Forschungen schaffen, und stellt ziemlich gewagte Thesen auf, wie „Archäologen müssen ihre Köpfe aus dem Sand ziehen und sich auch den Orten der Onlinegames zuwenden – sie sind genau so mannigfaltig, wie alles andere, was die Menschheit erschaffen hat.

Die größte Aufgabe kommt erst noch

Reinhard freut sich besonders auf die Veröffentlichung von No Man’s Sky, einem Spiel, das Welten zufällig generiert und so in der Lage sein soll, über 18 Trillionen verschiedene Schauplätze zu erschaffen. „Wir werden Kulturen erforschen können, von denen noch nie jemand gehört hat. Wir werden sie ins Ziel nehmen, katalogisieren und herausfinden, ob wir eine universelle Wahrheit über maschinell, bzw. von künstlicher Intelligenz erschaffene Kulturen finden und können sie mit dem vergleichen, was wir hier auf der Erde bereits in Erfahrung gebracht haben.

Quelle(n): motherboard.vice.com
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Mike

Und dann wundern wir uns warum die welt zugrunde geht xD

Gorden858

Klingt total bescheuert ^^. Ich vermisse in dem Artikel irgendwie eine Beispielerkenntnis, die mich denken lässt „Ach so, macht ja vielleicht doch tatsächlich irgendwie Sinn.“ Aber vielleicht gibt es solch ein Beispiel ja auch einfach nicht.

Gerd Schuhmann

Ich hab mir das auch gedacht. Es ist halt ne schräge Logik.

Archäologen untersuchen ja, Relikte, die von Menschenhand gemacht wurden. Normalerweise sind das dann Töpfe, Schrifttafeln, Statuen.

Und er sagt: Alles, was in einem Computerspiel ist, ist letztlich auch von Menschenhand gemacht und damit wert, von uns untersucht zu werden.

Ich find’s auch echt schräg, aber das ist wohl die Logik dahinter, dass nicht nur die Relikte von ausgestorbene Kulturen interessant sind, sondern auch die Relikte von virtuellen Kulturen, solange die auch „von Menschenhand indirekt gefertigt sind.“

Gorden858

Grundsätzlich kann ich die Idee dahinter ja auch verstehen. Es gibt sicher die ein oder andere Erkenntnis, die man aus virtuellen Welten gewinnen kann aufgrund von Ähnlichkeiten mit der realen aber gleichzeitig überschaubareren Ausmaßen. Gleichzeitg muss man natürlich auch die Besonderheiten berücksichtigen, was aber hoffe ich ja mal gemacht wird, wenn da Profis am Werk sind. Ich fand es zum Beispiel irgendwie schräg, als damals Epedemie Forschung an dem Vorfall mit dem Hakkar Debuff angestellt und das Verhalten der Spieler beobachtet wurde. Ich meine, ich verhalte mich im Spiel offensichtlich ganz anders als in der realen Welt. Bricht in Azeroth eine Seuche aus oder der Lichkönig bläst zum Angriff zwingt mich natürlich meine Neugier und mein (virtueller) Heldenmut dazu, mir das näher anzuschauen. Sobald tatsächlich mein eigenes Leben und nicht nur das meiner Spielfigur davon abhängt, würde ich mich vermutlich leicht anders verhalten 😀

Zurück zu diesem Beispiel: Was genau erhofft er denn darin zu erkennen? Was für einen Blick ein durchschnittlicher Entwickler oder Designer auf Archäologie oder Archetypen untergegangener Zivilisationen hat? Ich meine, die Kerndiszipllin der Archäologie besteht doch darin, anhand einer Vielzahl von kleinsten Hinweisen Bilder einer vergangenen Zeit zu zeichnen, deren direkte, objektive Quellen nicht mehr verfügbar sind. Hier kann er doch einfach die Designer befragen, was sie sich dabei gedacht haben…

Alastor Lakiska Lines

Das hat man auch zu mir gesagt als ich eine Arbeit über die Auswirkungen der Kultur auf ihre Küche und wie man durch das Betrachten von verschiedenen Speisen, besonders ihren Rezepten und Zutaten Rückschlüsse auf die Gesellschaft, aus der sie hervorgingen, ziehen kann.

Gorden858

Finde ich nicht, das kann ich mir schon eher vorstellen.

Koronus

Ich wünsche ihm viel Erfolg. Das wird sicher verdammt lange dauern.

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